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Zahnschmerzen

Von

Bernard J. Hennessy

, DDS, Texas A&M University, College of Dentistry

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2018| Inhalt zuletzt geändert Sep 2018
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Quellen zum Thema

Schmerzen in und um die Zähne sind ein verbreitetes Problem, insbesondere bei Menschen mit schlechter Zahnhygiene. Die Schmerzen können konstant und/oder nach Reizung (durch Hitze, Kälte, süße Speisen oder Getränke oder Bürsten) auftreten.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen von Zahnschmerzen sind

  • Karies

  • Entzündung der Zahnpulpa (Pulpitis)

  • Periapikaler Abszess

  • Trauma

  • Weisheitszähne, die durch das Zahnfleisch dringen (und Perikoronitis verursachen)

Zahnschmerzen gehen zumeist auf Zahnfäule (Karies) und deren Folgeerscheinungen zurück, wie Pulpitis und Abszesse. Zahnfäule (Karies) lässt sich durch eine gute Mundhygiene und die Beseitigung von Zahnstein weitgehend verhindern. Die Beseitigung von Zahnstein hilft, da Bakterien im Zahnstein Säure erzeugen, die Zahnschmelz und Zahnbein schädigen kann.

Karies (Zahnfäule) verursacht Schmerzen, wenn er durch die Außenfläche des Zahns (Zahnschmelz) in das harte Gewebe unterhalb des Zahnbeins dringt Der Schmerz tritt zumeist nur nach Reizung durch Kälte, Hitze, süße Speisen oder Getränke oder Bürsten auf. Die Pulpa, das vitale Zentrum eines Zahns, wird wahrscheinlich nicht irreversibel geschädigt, wenn der Schmerz direkt nach Beseitigung der Reizquelle nachlässt.

Ein Blick ins Innere des Zahns

Ein Blick ins Innere des Zahns

Die Pulpitis (Entzündung der Zahnpulpa) kann zumeist auf eine fortgeschrittene Karies zurückgeführt werden, kann aber auch durch Schädigungen der Pulpa aufgrund zahnärztlicher Arbeit oder Traumata bedingt sein. Pulpitis kann reversibel oder irreversibel sein. Wenn Hitze oder Kälte zugeführt werden, kann der Schmerz eine Minute oder länger anhalten. Schmerzen können auch ohne Reizung auftreten. Bei einer schweren Entzündung stirbt die Pulpa ab. Nach dem Absterben der Pulpa verschwindet der Schmerz kurzzeitig (für Stunden bis Wochen). Danach kann der Schmerz wiederkehren, wenn sich das die Zahnwurzel umgebende Gewebe entzündet (Parodontitis) oder sich Eiter bildet (Abszess).

Ein periapikaler Abszess (eine Eiteransammlung um die Zahnwurzel herum) kann auftreten, wenn eine Infektion zum Absterben der Pulpa führt und sich um die Wurzel des Zahns herum eine Entzündung bildet. Der Zahn reagiert extrem empfindlich auf das Abklopfen mit einer zahnärztlichen Metallsonde und auf Kauen. Der periapikale Abszess kann reifen und sich von selbst entleeren oder sich auf Nachbargewebe ausdehnen (Phlegmone).

Traumata können bspw. gebrochene oder gelockerte Zähne sein. Zahntraumata können die Pulpa beschädigen und Pulpitis, einen apikalen Abszess und gelegentlich eine Verfärbung des Zahnes verursachen, die kurz nach der Verletzung oder erst Jahrzehnte später auftreten kann.

Perikoronitis ist eine Entzündung und Infektion des Zahnfleischs um die Krone eines Zahns herum, zumeist dann, wenn dieser gerade durch das Zahnfleisch bricht oder daran gehindert wird. Sie tritt zumeist in der Umgebung eines durchbrechenden Weisheitszahns (fast immer im Unterkiefer) auf, aber auch in der eines beliebigen Zahns.

Bei kleinen Kindern ist das Zahnen ein häufiger Grund für Unbehagen, wenn der Zahn durch das Zahnfleisch bricht.

Oft wird der von einer Nebenhöhleninfektion verursachte Schmerz irrtümlich auf die Zähne nahe der Nebenhöhle zurückgeführt, insbesondere wenn die Zahnschmerzen während oder unmittelbar nach einer Erkältung auftreten. Zusätzliche Symptome, die für eine Sinusitis sprechen, sind Kopfschmerzen sowie Schwellung und Berührungsempfindlichkeit der Haut über der betroffenen Nebenhöhle.

Komplikationen

Die ernsthaftesten Komplikationen von Störungen, die Zahnschmerzen verursachen, gehen von der Ausdehnung der Infektion auf das Nachbargewebe in der Umgebung des Zahns aus. Die Infektion eines oberen Zahns kann sich auf die Nasennebenhöhlen (und eine Nebenhöhlenentzündung verursachen) oder auf eine große Vene an der Hirnbasis (Sinus cavernosus) ausbreiten und eine Thrombose des Sinus cavernosus verursachen. Eine Infektion eines unteren Zahns kann sich auf die Unterseite der Zunge ausbreiten. Eine Infektion des Mundbodens unter der Zunge wird als Mundbodenabszess (Angina Ludovici) bezeichnet und kann eine Schwellung von solcher Stärke erzeugen, dass die Atemwege verschlossen werden. Eine Sinus-cavernosus-Thrombose und der Mundbodenabszess sind lebensbedrohlich und müssen sofortig behandelt werden.

Beurteilung

Bei Zahnschmerzen sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden. Die folgenden Informationen können dabei helfen zu entscheiden, wann die Untersuchung eines Zahnarztes erforderlich ist. Zudem liefern sie Gewissheit darüber, was bei einer solchen Beurteilung durch den Arzt zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Menschen mit Zahnschmerzen geben bestimmte Symptome und Merkmale Anlass zur Sorge. Diese Zeichen sind Warnhinweise, dass eine Zahninfektion sich ausgebreitet haben könnte. Dazu zählen

  • Kopfschmerzen und/oder Verwirrung

  • Fieber

  • Schwellung oder Berührungsempfindlichkeit am Mundboden

  • Sehstörungen oder Doppelsichtigkeit

Wann ein Arzt oder Zahnarzt aufgesucht werden sollte:

Von Warnzeichen und/oder Schwellung an einem Auge Betroffene sollten sich sofort in ein Krankenhaus begeben. Wer keine Warnzeichen, aber Schwellungen über dem Kiefer, schwerwiegende Schmerzen oder einen Eiterfluss von einer Zahnwurzel aus aufweist, sollte so schnell wie möglich einen Zahnarzt aufsuchen. Wer nur Zahnschmerzen verspürt, sollte demnächst einen Zahnarzt aufsuchen, aber eine Verzögerung um mehrere Tage schadet nicht.

Was der Zahnarzt tut

Zahnärzte fragen zunächst nach Symptomen und Vorerkrankungen einer Person. Danach untersuchen Zahnärzte Gesicht, Mund und Zähne. Was sie anhand der Vorgeschichte und der Untersuchung vorfinden, liefert oft einen Grund für die Zahnschmerzen und die erforderlichen Tests.

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale von Zahnschmerzen

Ursache

Häufige Merkmale*

Untersuchungen

Periapikaler Abszess (eine Eiteransammlung um die Wurzel des betroffenen Zahns herum, die akute oder chronische Symptome auslösen können)

Schmerzen können kürzlich oder seit Langem auftreten

Konstanter Schmerz, der sich bei Kauen oder Beißen verschlimmert

Zumeist kann die betroffene Person den betroffenen Zahn exakt bestimmen.

Der Zahn zeigt sich beim Abklopfen mit einer Metallsonde oder einem Zungenspatel empfindlich (Perkussion) 

Gelegentlich sichtbare Schwellung des Zahnfleisches über der betroffenen Wurzel und schmerzhafte Schwellung der angrenzenden Wange und/oder Lippe

Untersuchung durch einen Zahnarzt

Apikale Parodontitis (Entzündung von Geweben um die Zahnwurzel herum)

Merkmale ähneln denen eines apikalen Abszesses, sind aber weniger schwer und ohne Schwellung über der betroffenen Wurzel

Untersuchung durch einen Zahnarzt

Schmerzen, die

  • hauptsächlich während des Zähneputzens oder nach dem Kauen oder Verschlucken heißer, kalter oder süßer Speisen oder Getränke auftreten

  • sich auf einen Zahn beschränken

  • bei Beseitigung des Reizes nachlassen

Zumeist ist eine Aushöhlung oder eine durch Zahnfleischrückgang oder -abrieb freigelegte Wurzel sichtbar

Untersuchung durch einen Zahnarzt

Zahnbruch

Scharfer Schmerz beim Kauen

Deutliche Empfindlichkeit gegenüber Kälte

Untersuchung durch einen Zahnarzt

Perikoronitis (zumeist in Verbindung mit einem hervorbrechenden oder teilweise verlagerten Weisheitszahn)

Konstanter dumpfer Schmerz, besonders beim Kauen

Sichtbare Schwellung, Rötung, gelegentlich Eiter um den betroffenen Zahn

Zumeist treten Spasmen der Kaumuskulatur auf und schränken die Öffnung ein

Untersuchung durch einen Zahnarzt

Pulpitis (Entzündung der Zahnpulpa)

Schmerzen, die ohne Reizung auftreten und/oder mehr als ein paar Sekunden nach der Reizung anhalten

Kann Probleme haben, den betroffenen Zahn zu bestimmen 

Untersuchung durch einen Zahnarzt

Schmerzen in mehreren Zähnen auf einer Seite, insbesondere Molare und Prämolare

Empfindlichkeit beim Kauen und Abklopfen der oberen Zähne

Häufig ein Ausfluss aus der Nase sowie eine Empfindlichkeit der Nase beim Abklopfen der Nebenhöhle

Schmerzen bei Lagewechseln, insbesondere beim Senken des Kopfes (wie etwa bei Hinunterbeugen zum Zusammenbinden der Schnürsenkel) 

Eine ärztliche Untersuchung, manchmal mit CT der Nebenhöhlen

Eine zahnärztliche Untersuchung, wenn keine Sinusitis erkannt wird

Unbehagen und Unruhe bei Kindern während des Zahnens

Zumeist Sabbern und an Dingen kauen (etwa am Geländer des Kinderbettchens)

Ärztliche Untersuchung

*Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

Zumeist erfolgen zahnärztliche Röntgenaufnahmen.

CT = Computertomographie.

Tests

Der Bedarf an Tests richtet sich danach, was der Arzt oder Zahnarzt in der Krankengeschichte und körperlichen Untersuchung findet, insbesondere in Bezug auf Warnzeichen. Allerdings werden gewöhnlich zahnärztliche Röntgenbilder aufgenommen. Besteht ein Verdacht auf eine Thrombose des Sinus cavernosus oder eine Angina Ludovici, wird ein bildgebendes Verfahren - üblicherweise eine CT oder eine MRT - durchgeführt.

Behandlung

  • Schmerzmittel

  • Antibiotika

  • Behandlung spezifischer Ursachen

Rezeptfreie Schmerzmittel (Analgetika) wie Paracetamol oder Ibuprofen können eingenommen werden, solange die zahnärztlichen Befunde abgewartet werden.

Lokaler Nervenblock kann durchgeführt werden. Ein lokales Betäubungsmittel kann gespritzt werden, um starke Schmerzen zu lindern, bis der Betroffene einen Zahnarzt zur Behandlung der Ursache aufsuchen kann.

Antibiotika wie Penicillin oder Clindamyzin werden für Störungen wie Abszesse, Perikoronitis oder Zellulitis gegeben.

Bestimmte Erkrankungen werden behandelt. Ein Abszess wird gewöhnlich durch einen Einschnitt mit einem Skalpell entleert. Es kann ein Gummiablauf gelegt und mit einer Naht fixiert werden.

Perikoronitis wird durch Spülung des Mundes drei oder vier Mal täglich mit dem Antiseptikum Chlorhexidin oder mit Salzwasser behandelt (1 EL Salz in einem Glas heißem Wasser – nicht heißer als der Kaffee oder Tee, den man üblicherweise trinkt). Das Wasser wird auf der betroffenen Seite im Mund gehalten, bis es sich abkühlt, und dann ausgespuckt und ein neuer Schluck genommen.

Schmerzen durch Zahnen bei kleinen Kindern kann mit Paracetamol oder Ibuprofen (Dosierung je nach Körpergewicht des Kindes) behandelt werden. Weitere Möglichkeiten sind das Kauen harter Cracker (z. B. Biscotti) und Kauen auf allem, was kalt ist (wie gelhaltige Zahnringe). Rezeptfreie Zahnprodukte, die Benzocain enthalten, bergen schwerwiegende Risiken für Säuglinge und Kinder und sollten nicht verwendet werden.

Die seltenen Fälle von Thrombosen des Sinus cavernosus oder Angina Ludovici erfordern eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus, die Entfernung des infizierten Zahns und intravenös verabreichte Antibiotika.

Wichtige Informationen für ältere Menschen

Ältere Menschen neigen stärker zu Karies an den Zahnhälsen, zumeist wegen des Rückgangs des Zahnfleisches und durch Medikamente verursachte Mundtrockenheit. Parodontitis beginnt oft im frühen Erwachsenenalter. Unbehandelt treten Zahnschmerzen und -verlust im Alter häufig auf.

Wichtigste Punkte

  • Die meisten Zahnschmerzen sind mit Karies oder Folgeerscheinungen wie Pulpitis oder einem Abszess verbunden.

  • Die Behandlung der Symptome und die Konsultation eines Zahnarztes sind meistens angezeigt.

  • Bei Abszessen, einem Zahn mit abgestorbener Pulpa (und es gibt Anzeichen einer Infektion wie z. B. Fieber, Rötung oder Schwellung) oder schlimmeren Beschwerden werden Antibiotika verschrieben.

  • Eine Zahninfektion, die sich auf den Mundboden oder auf den Sinus cavernosus ausgedehnt hat, ist eine sehr seltene, aber ernsthafte Komplikation, die sofortige medizinische Hilfe erfordert.

  • Zahninfektionen verursachen selten Sinusitis, aber eine Nebenhöhleninfektion kann Schmerzen hervorrufen, die von den Zähnen herrühren zu scheinen.

Weitere Informationen

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