Die afrikanische Schlafkrankheit bei Menschen ist eine Infektion, die von dem Einzeller Trypanosoma brucei verursacht wird.
Die afrikanische Schlafkrankheit wird durch den Biss einer infizierten Tsetse-Fliege übertragen.
An der Stichstelle der Fliege entwickelt sich unter Umständen eine schmerzhafte Beule oder Wunde, darauf folgen Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten, mitunter ein Ausschlag und schließlich Benommenheit, Gehschwierigkeiten und ohne Behandlung Koma und Tod.
Bestätigt wird die Diagnose durch Identifizierung der Einzeller in einer Blutprobe oder einer Probe der Flüssigkeit aus einem Lymphknoten, einer wunden Stelle oder der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit.
Alle Infizierten sollten mit einem von mehreren gegen Trypanosoma brucei wirksamen Medikamenten behandelt werden.
Protozoen sind eine Art Parasiten. Sie stellen eine vielfältige Gruppe von mikroskopisch kleinen, einzelligen Organismen dar. Manche Protozoen benötigen einen menschlichen oder tierischen Wirt, um zu überleben. Es gibt viele verschiedene Arten von Protozoen.
Trypanosoma brucei gambiense und Trypanosoma brucei rhodesiense sind extraintestinale Protozoen, was bedeutet, dass sie Infektionen nur in Bereichen außerhalb des Darms einer Person, wie dem Blut, den Lymphknoten, dem Gehirn und der Haut, verursachen.
Es gibt 2 Formen der afrikanischen Schlafkrankheit. Die westafrikanische Schlafkrankheit wird durch T. b. gambiense verursacht und tritt in West- und Zentralafrika auf. Die ostafrikanische Schlafkrankheit wird durch T. b. rhodesiense verursacht und kommt in östlichen und südlichen Gebieten Afrikas vor. In Uganda sind beide Formen verbreitet.
Beide Formen kommen nur in Teilen Äquatorialafrikas vor, wo die Tsetse-Fliege heimisch ist. Tsetse-Fliegen sind Vektoren, was bedeutet, dass sie Träger der Parasiten sind, die beim Menschen Krankheiten verursachen, und diese übertragen. Tsetse-Fliegen übertragen T. b. gambiense und T. b. rhodesiense.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versucht, die afrikanische Schlafkrankheit auszurotten, und infolge der Kontrollbemühungen ist die Zahl der Fälle dieser Infektion weltweit um 95 % zurückgegangen. Im Jahr 2023 wurden etwa 675 Fälle gemeldet. Im Durchschnitt wird in den Vereinigten Staaten jedes Jahr 1 Fall diagnostiziert und das stets bei Reisenden, die aus einer Gegend der Welt in die Vereinigten Staaten zurückkehren, in der die afrikanische Schlafkrankheit verbreitet ist.
Ein verwandter Parasit namens Trypanosoma cruzi ist in Süd- und Mittelamerika verbreitet und verursacht die Chagas-Krankheit (amerikanische Trypanosomiasis).
(Siehe auch Überblick über Parasiteninfektionen.)
Übertragung der afrikanischen Schlafkrankheit
Die Schlafkrankheit wird in der Regel durch eine infizierte Tsetse-Fliege auf Menschen übertragen. Eine Tsetse-Fliege infiziert sich, indem sie das Blut einer infizierten Person oder eines infizierten Tieres (wie beispielsweise Rindern) saugt. Die infizierte Tsetse-Fliege sticht dann eine nicht infizierte Person (oder ein Tier), wodurch die Protozoen in die Haut gelangen. Sobald sie in den Körper gelangt sind, wandern die Protozoen ins Lymphsystem und in die Blutbahn, wo sie sich vermehren. Anschließend breiten sie sich in Organen und Gewebe im ganzen Körper aus, unter anderem in der Lymph- und Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, und erreichen schließlich das Gehirn. Die Infektion wird weiterverbreitet, wenn eine nicht infizierte Fliege zuerst eine infizierte Person oder ein infiziertes Tier und dann eine andere Person oder ein anderes Tier sticht.
Bild mit freundlicher Genehmigung der Centers for Disease Control and Prevention, Global Health, Division of Parasitic Diseases and Malaria.
Diese Protozoen können auch während der Schwangerschaft oder Entbindung von einer infizierten Mutter auf ihr Kind übertragen werden. Sehr selten wird der Parasit auch durch Bluttransfusionen übertragen. Theoretisch könnte die Infektion durch ein Organ eines infizierten Spenders übertragen werden.
Symptome der afrikanischen Schlafkrankheit
Bei der afrikanischen Schlafkrankheit sind unterschiedliche Teile des Körpers in der folgenden Reihenfolge betroffen:
Haut
Blut und Lymphknoten
Gehirn und Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit)
Wie schnell die Infektion fortschreitet und welche Symptome sie verursacht, hängt davon ab, welche Art von Protozoen die Ursache ist.
Haut
An der Stelle des Stiches der Tsetse-Fliege kann sich innerhalb einiger Tage bis zwei Wochen eine Beule entwickeln. Diese wird mattrot und kann sich zu einer schmerzhaften und geschwollenen Wunde entwickeln. Bei manchen Menschen kann auch ein roter, ringförmiger Ausschlag auftreten.
This photo shows a tender, painful sore that appeared at the spot where this person was bitten by a tsetse fly. Tsetse files transmit to people the parasites that cause African trypanosomiasis (sleeping sickness) .
Blut und Lymphknoten
Wenn die Infektion durch T. b. gambiense verursacht wird, kommt es zu Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie einer vorübergehenden Schwellung des Gesichts. Diese Symptome treten über einen Zeitraum von mehreren Monaten auf. Ist T. b. rhodesiense die Ursache der Infektion, entwickeln sich diese Symptome über einen Zeitraum von Wochen. Bei manchen Infizierten vergrößern sich die Lymphknoten im Nacken. Es kann sich eine Anämie entwickeln.
Gehirn und Liquor
Wenn das Gehirn und die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit betroffen sind, können die Kopfschmerzen zu einem Dauerzustand werden. Die Betroffenen werden tagsüber benommen, haben Konzentrationsschwierigkeiten und Gleichgewichts- sowie Gehprobleme. Die Benommenheit verstärkt sich, sodass die Infizierten unter Umständen mitten in einer Tätigkeit einschlafen. Die Betroffenen haben möglicherweise weniger Energie als früher und sind nicht mehr an Dingen interessiert, die ihnen wichtig waren.
Ohne Behandlung schreitet die Schädigung des Gehirns fort und es kommt zu Koma und Tod. Der Tod tritt innerhalb von Monaten ein, wenn die Infektion durch T. b. rhodesiense verursacht wird, oder innerhalb von 2 oder 3 Jahren, wenn T. b. rhodesiense die Infektionsursache ist. Mitunter führen Unterernährung oder andere Infektionen zum Koma.
Diagnose der afrikanischen Schlafkrankheit
Untersuchung einer Blutprobe oder einer Probe aus der Flüssigkeit eines Lymphknotens
Spinalpunktion und Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit
Ärzte diagnostizieren die afrikanische Schlafkrankheit, indem sie eine Blutprobe oder eine Probe aus der Flüssigkeit eines Lymphknotens auf die Protozoen untersuchen. Manchmal wird eine Probe aus dem Knochenmark oder Flüssigkeit aus der Wunde an der Stichstelle auf Vorhandensein der Protozoen untersucht.
Eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) wird mithilfe einer Nadel vorgenommen, die in den unteren Teil der Wirbelsäule der betroffenen Person eingeführt wird, um eine Probe des Liquors (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) zu entnehmen und festzustellen, ob die Infektion Liquor und Gehirn betrifft. Die Flüssigkeitsprobe wird auf Vorliegen der Protozoen und auf andere Anzeichen der Infektion untersucht.
Behandlung der afrikanischen Schlafkrankheit
Medikamente, die gegen Trypanosoma brucei gambiense und Trypanosoma brucei rhodesiense wirksam sind
Patienten, die an der afrikanischen Schlafkrankheit leiden, sollten so schnell wie möglich mit Medikamenten behandelt werden, die gegen T. b. gambiense und T. b. rhodesiense wirksam sind.
Ärzte behandeln Patienten, die an der afrikanischen Schlafkrankheit leiden, auf Grundlage der verursachenden Protozoen, der Ausbreitung der Protozoen im Körper, dem Alter sowie dem Körpergewicht des Patienten.
Das Medikament Fexinidazol wird allen infizierten Personen verabreicht. Weitere mögliche Medikamente sind Suramin, Pentamidin, Melarsoprol und Eflornithin in Kombination mit Nifurtimox (NECT).
Viele dieser Medikamente verursachen leichte Nebenwirkungen wie Erbrechen, Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen. Andere führen zu schweren Nebenwirkungen. Suramin kann schwere allergische Reaktionen hervorrufen. Melarsoprol kann schwerwiegende, mitunter lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben, aber in vielen Ländern Afrikas ist es oft das einzige Medikament gegen Schlafkrankheit, da Eflornithin nicht immer verfügbar ist. Es können Steroide (manchmal als Kortikosteroide oder Glukokortikoide bezeichnet) gegeben werden, um das Risiko des Auftretens einiger dieser Nebenwirkungen zu senken.
Es gibt keinen Test, der bestätigt, dass eine Person geheilt wurde. Daher wird der Patient nach der Behandlung 24 Monate lang überwacht, und wenn die Symptome erneut auftreten, wird eine Probe der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit entnommen, um nach Parasiten zu suchen.
Vorbeugung gegen die afrikanische Schlafkrankheit
Durch folgende Maßnahmen kann die Wahrscheinlichkeit, von einer Tsetse-Fliege gestochen zu werden, gesenkt werden:
Vermeidung von Gebieten, in denen viele Tsetse-Fliegen vorkommen: Wer diejenigen Gegenden Afrikas bereist, in denen die Tsetse-Fliege vorkommt, kann Ortsansässige fragen, welche Gebiete zu vermeiden sind.
Tragen von langärmeliger Kleidung und langen Hosen: Tsetse-Fliegen können durch dünne Kleidung hindurch stechen.
Tragen von Kleidung mit unauffälligen Farben, die sich nicht stark von der Umgebung abhebt: Tsetse-Fliegen werden von leuchtenden oder dunklen Farben angezogen.
Verwendung von Insektenschutzmitteln nach Bedarf, obwohl viele unter Umständen nicht gegen Tsetse-Fliegen wirksam sind.
Weitere Informationen
Die folgende Quelle in englischer Sprache kann nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass MSD MANUAL nicht für den Inhalt dieser Quelle verantwortlich ist.
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Über die Schlafkrankheit
