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Pest und andere Yersinia -Infektionen

(Schwarzer Tod; Beulenpest)

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2020| Inhalt zuletzt geändert Feb 2020
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Die Pest ist eine schwere Infektion, die durch das gramnegative BakteriumYersinia pestis hervorgerufen wird und häufig die Lymphknoten und/oder die Lunge betrifft.

  • Die Ausbreitung der Bakterien geschieht durch Rattenflöhe.

  • Je nach Erscheinungsform kann die Pest Fieber, Schüttelfrost, geschwollene Lymphknoten, Kopfschmerzen, Herzrasen, Husten, Atembeschwerden, Erbrechen und Durchfall hervorrufen.

  • Bestätigt wird die Diagnose durch Feststellung der Bakterien mithilfe von Blutproben, Proben von Auswurf oder Eiter aus Lymphknoten.

  • Durch die Behandlung mit Antibiotika kann das Mortalitätsrisiko verringert werden. Um einen Ausbruch der Pest zu verhindern sollten Infizierte isoliert werden.

In der Vergangenheit fanden bei Massenepidemien, wie beim Schwarzen Tod im Mittelalter, viele Menschen den Tod. Die Vielzahl von Nagetieren, Überbevölkerung in den Städten und schlechte Hygiene waren die entscheidenden Faktoren für den Ausbruch dieser Seuche.

Heutzutage tritt die Pest noch sporadisch oder in begrenzten Ausbrüchen auf.

In den USA treten über 90 % der Fälle in ländlichen oder dünn besiedelten Gebieten der Südweststaaten wie Arizona, Kalifornien, Colorado und New Mexico auf; hauptsächlich betroffen sind Camper. In den letzten Jahrzehnten sind in den USA im Durchschnitt 7 Personen pro Jahr (Bereich: 1–17 Personen) an der Pest erkrankt.

Seit den 1990er Jahren kamen weltweit die meisten Fälle in Afrika vor, so auch bei den letzten Ausbrüchen in Madagaskar.

Übertragung der Pest

Gewöhnlich infizieren Pesterreger wilde Nagetiere wie Ratten, Mäuse, Eichhörnchen und Präriehunde. Die Ausbreitung der Bakterien geschieht durch Rattenflöhe. Wenn wilde Nagetiere sterben, gelangen die Erreger durch die Flöhe über andere Nagetiere in die Nähe von Menschen und Haustieren, vor allem von Katzen. Durch den Biss der Rattenflöhe kann die Krankheit auf Menschen übertragen werden. Menschen können sich auch über Hautabschürfungen infizieren, wenn sie in direkten Kontakt mit einem infizierten Tier kommen.

In seltenen Fällen wird die Krankheit durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen von Mensch zu Mensch übertragen. Die Bakterien bleiben in der Lunge und verursachen eine Art Lungenentzündung (Lungenpest). Übertragen wird die Infektion gewöhnlich nur, wenn Menschen mit Infizierten zusammenleben oder sich um diese kümmern.

Pesterreger stellen eine potenzielle biologische Waffe dar. Die Bakterien können sich durch die Luft ausbreiten und werden auf diese Weise eingeatmet. Die Größe der Schwebstoffpartikel bestimmt, in welchem Teil der Atemwege sich die Bakterien niederlassen. Kleine Partikel, die sich in der Lunge absetzen, verursachen Lungenpest. Größere Partikel, die sich im Hals (Pharynx) absetzen, verursachen Rachenpest (pharyngeale Pest).

Symptome

Es gibt mehrere Formen der Pest:

  • Beulenpest

  • Abortive Pest

  • Lungenpest

  • Septikämische Pest

Die Symptome hängen von der Form der Erkrankung ab.

Beulenpest

Die Beulenpest ist die häufigste Form der Pest.

Ihre Symptome treten nach ein paar Stunden bis zu 12 Tagen nach Erregerkontakt auf (üblicherweise nach 2 bis 5 Tagen). Schüttelfrost und bis zu 41 °C Fieber treten plötzlich auf. Es setzt Herzrasen ein, der Herzschlag wird schwächer und der Blutdruck kann abfallen. Viele Betroffene fallen in ein Delirium.

Kurz vor oder gleichzeitig mit Einsetzen des Fiebers schwellen die Lymphknoten in der Nähe des Flohbisses oder des infizierten Kratzers an und beginnen zu schmerzen, normalerweise in der Leistengegend oder in den Achselhöhlen. Diese geschwollenen Lymphknoten werden als Beulen bezeichnet. Sie sind fest, rot, warm und sehr druckempfindlich. Während der zweiten Woche kann es in den Lymphknoten zu Eiterabsonderung kommen. Leber und Milz können sich vergrößern.

Am Ort des Flohbisses kann sich eine Beule, eine Wunde oder ein schwarzer Schorf bilden.

Von der Beulenpest betroffene Personen zeigen sich möglicherweise rastlos, verwirrt, unkoordiniert und fallen in ein Delirium.

Da sich die Bakterien über den Blutkreislauf verbreiten können, kommt es möglicherweise auch zur Lungenpest.

Bei über 60 % der unbehandelten Patienten verläuft die Erkrankung tödlich, gewöhnlich zwischen dem dritten und dem fünften Tag.

Abortive Pest

Die abortive Pest bzw. Pestis minor ist eine leichte Form der Beulenpest. Ihre Symptome – geschwollene Lymphknoten, Fieber, Kopfschmerzen und Erschöpfung – verschwinden innerhalb einer Woche.

Lungenpest

Die Lungenpest ist eine Infektion der Lunge.

Die Symptome der Lungenpest setzen schlagartig 2 oder 3 Tage nach Kontakt mit dem Erreger ein. Die Betroffenen bekommen hohes Fieber, Schüttelfrost, Herzrasen und oft starke Kopfschmerzen. Innerhalb von 24 Stunden entwickelt sich ein Husten, der farblosen Auswurf hervorbringt, der nach kurzer Zeit Blutspuren aufweist. Dann verfärbt sich der Auswurf rosa oder hellrot (etwa wie Himbeersirup) und wird schaumig. Die Atmung wird schnell und mühsam.

Bei unbehandelten Patienten tritt der Tod innerhalb von 48 Stunden nach Ausbruch der Symptome ein.

Septikämische Pest

Septikämische Pest ist eine Infektion, die sich in die Blutbahn ausbreitet. Etwa 40 Prozent der Betroffenen leiden an Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen.

Es kommt schließlich zu einer übermäßigen Blutgerinnung, wodurch Blutgefäße blockiert werden. Wenn die Gerinnungsfaktoren aufgebraucht sind, treten starke Blutungen auf. Dieser Zustand wird als disseminierte intravasale Koagulopathie bezeichnet. Weil der Blutfluss blockiert ist, kommt es zu Gangrän in den Gliedmaßen, die sich schwarz färben (daher die Bezeichnung Schwarzer Tod).

Ohne Behandlung kommt es zu multiplem Organversagen, das oft tödlich verläuft.

Diagnose

  • Untersuchung und Anlegen von Kulturen aus Blut-, Sputum- oder Eiterproben

  • Mitunter andere Bluttests

Eine rasche Diagnose ist wichtig, denn je länger die Behandlung verzögert wird, desto höher ist das Risiko, an der Pest zu sterben.

Um die Pest zu diagnostizieren, werden Blutproben, Proben von Auswurf oder Eiter aus den Lymphknoten entnommen. Die Proben werden unter dem Mikroskop untersucht und ins Labor geschickt, wo Bakterienkulturen angelegt werden. Die Blutprobe wird auch auf entsprechende Antikörper untersucht. Es können Tests wie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) durchgeführt werden, mit deren Hilfe die Bakterien oder deren Erbgut (DNS) rasch identifiziert werden können.

Bei Verdacht auf Lungenpest wird eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs gemacht.

Vorbeugung

Die folgenden Maßnahmen können zur Bekämpfung von Nagetieren und so zur Prävention von Flohbissen getroffen werden:

  • Entfernen aller Dinge aus dem Wohnbereich, die Nagetiere anlocken könnten (z. B. Unterholz, Schotterhaufen, Alteisen, Holzhaufen und Lebensmittel)

  • Tragen von Handschuhen beim Umgang mit möglicherweise infizierten Tieren (z. B. beim Häuten von Tieren)

  • Einsatz von Insektenschutzmitteln wie DEET (Diethyltoluamid) bei möglichem Kontakt mit Nagetierflöhen (z. B. beim Zelten, Wandern oder bei der Arbeit im Freien)

  • Einsatz von Produkten zur Bekämpfung von Flöhen bei Haustieren

  • Haustiere, die sich an von Pest betroffenen Orten draußen aufhalten, nicht im Bett von Menschen schlafen lassen

In den USA gibt es keinen verfügbaren Pestimpfstoff mehr.

Reisende in Gebiete, in denen es Ausbrüche von Pest gibt, können ein Antibiotikum, wie z. B. Doxycyclin, einnehmen.

Nach Exposition gegenüber Pesterregern

Personen, die in Kontakt mit einer an Lungenpest erkrankten Person waren, werden ärztlich überwacht. Es wird 6 Tage lang alle 4 Stunden die Körpertemperatur gemessen.

Außerdem werden Antibiotika zur Prophylaxe gegen die Infektion gegeben. Erwachsene erhalten Doxycyclin oder Ciprofloxacin, Kinder erhalten Trimethoprim/Sulfamethoxazol.

Behandlung

  • Streptomycin oder Gentamicin

Mit der Pestbehandlung wird sofort begonnen, wodurch das Mortalitätsrisiko auf 11 % sinkt. Bei Lungenpest oder septikämischer Pest müssen innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten der Symptome Antibiotika verabreicht werden.

Streptomycin oder Gentamicin wird 10 Tage lang oder nach Normalisierung der Körpertemperatur weitere 3 Tage lang per Spritze verabreicht. Andere Antibiotika, wie z. B. Doxycyclin, Levofloxacin und Ciprofloxacin, sind ebenfalls wirksam.

Patienten mit Lungenpest müssen isoliert werden, damit sich die Erreger nicht über die Luft ausbreiten können (sogenannte respiratorische Isolierung). Die respiratorische Isolierung umfasst Folgendes:

  • Beschränkung des Zugangs zum Patientenzimmer

  • Tragen von Mundschutz, Schutzbrille, Kittel und Handschuhen für medizinische Mitarbeiter, die in der Nähe einer infizierten Person arbeiten

Weitere Informationen

Andere Yersinia -Infektionen

Andere Yersinia-Spezies, wie z. B. Yersinia enterocolitica und Yersinia pseudotuberculosis, befallen Tiere auf der ganzen Welt. Auch diese Bakterien können auf Menschen übertragen werden, rufen jedoch weniger schwere Erkrankungen als die Pest hervor.

Infektionen, die durch andere Yersinia-Bakterien hervorgerufen werden, können auch beim Umgang mit infizierten Tieren (z. B. bei Jägern), durch den Verzehr oder die Bearbeitung von rohem oder nicht durchgegartem Fleisch, Rohmilch oder Rohmilchprodukten von infizierten Tieren oder durch das Trinken von kontaminiertem Wasser erworben werden.

Typische Symptome solcher Infektionen sind Durchfall, der in der Regel von selbst abklingt, und Halsschmerzen. Es kommt zu einer Entzündung der Lymphknoten im Bauch und infolgedessen zu Schmerzen rechts unten in der Bauchgegend. Die Schmerzen fühlen sich ähnlich an wie bei einer Blinddarmentzündung.

Die Bakterien können in den Blutkreislauf gelangen, breiten sich aber nur selten auf Körperteile außerhalb des Verdauungstrakts aus.

Die Diagnose anderer Yersinia-Infektionen umfasst die Untersuchung von Blut-, Stuhl-, Sputum- oder Eiterproben aus Lymphknoten.

Vorbeugungsmaßnahmen gegen andere Yersinia-Infektionen umfassen Folgendes:

  • Händewaschen mit Wasser und Seife vor dem Verzehr und der Zubereitung von Nahrungsmitteln, nach dem Kontakt mit Tieren (insbesondere mit Tierfäkalien) und nach der Verarbeitung von rohem Fleisch

  • Garen von Fleisch bei der empfohlenen Temperatur

  • Nur Konsum von pasteurisierter Milch und pasteurisierten Milchprodukten

  • Hygienische Entsorgung von Haustierfäkalien

Die Behandlung anderer Yersinia-Infektionen konzentriert sich auf die Linderung des Durchfalls. Diese Infektionen klingen in der Regel von selbst ab. Wenn die Infektion in die Blutbahn gelangt ist oder sich auf andere Organe ausgebreitet hat, ist allerdings die Gabe von Antibiotika erforderlich.

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