Adrenale Virilisierung

VonAshley B. Grossman, MD, University of Oxford; Fellow, Green-Templeton College
Überprüft vonGlenn D. Braunstein, MD, Cedars-Sinai Medical Center
Überprüft/überarbeitet Geändert Jan. 2026
v772612_de
DIE AUSGABE FÜR MEDIZINISCHE FACHKREISE ANSEHEN
Kurzinformationen

Eine Virilisierung ist die Entwicklung übertrieben männlicher Merkmale, meist bei Frauen. Sie ist häufig die Folge einer Überproduktion von Androgenen (männlichen Geschlechtshormonen) durch die Nebennieren.

  • Ursache der Virilisierung ist eine Überproduktion von Androgenen, normalerweise aufgrund einer Vergrößerung einer Nebenniere oder eines Tumors in einem Eierstock oder einer abnormen Hormonproduktion in den Eierstöcken.

  • Symptome sind übermäßige Gesichts- und Körperbehaarung, Kahlköpfigkeit, Akne, tiefere Stimme, zunehmende Muskelkraft und gesteigerter Sexualtrieb.

  • Aufgrund der körperlichen Veränderungen wird eine Virilisierung von Ärzten relativ leicht erkannt. Wenn der Verdacht besteht, dass die Nebenniere die Quelle für überschüssige Androgene ist, kann der Dexamethason-Suppressionstest helfen, die Ursache zu bestimmen.

  • Die Nebenniere, in der sich der Tumor befindet, wird operativ entfernt. Manchmal können aber auch Medikamente die Überproduktion an Hormonen reduzieren.

(Siehe auch Überblick über die Nebennieren.)

Die häufigste Ursache für eine Virilisierung aufgrund von Geschlechtshormonen der Nebennieren ist:

  • Eine Vergrößerung der hormonproduzierenden Teile der Nebennierenrinde (Adenom oder Hyperplasie der Nebennieren).

Andere Ursachen umfassen:

  • Ein hormonproduzierender Tumor (Adenom oder Krebs) der Nebennieren

  • Ein Krebs außerhalb der Nebennieren, der männliche Geschlechtshormone oder Testosteron in den Nebennieren produziert

  • Große Mengen Androgen-Pillen oder -Injektionen (Anabolika) zur Steigerung der Muskelmasse

  • Eine Anomalie eines Enzyms (Proteins) in den Nebennieren, die von Geburt an vorhanden ist

Formen von Krebserkrankungen außerhalb der Nebennieren, die Androgene produzieren, sind wahrscheinlich Tumoren der Eierstöcke. Eine Vergrößerung der Eierstöcke, bedingt durch bestimmte Ovarialzysten (einschließlich durch das polyzystische Ovarialsyndrom [PCOS]), kann Ursache einer Virilisierung sein. Diese Erkrankungen sind aber fast immer nur leicht ausgeprägt. Gelegentlich kann im höheren Alter eine Überaktivität der Androgenausschüttung durch die Eierstöcke auftreten.

Eine derartige Enzymanomalie in den Nebennieren, die zu einer Überproduktion von Androgenen führt, wird gewöhnlich in der Kindheit oder Jugend diagnostiziert. Sie wird als kongenitale Nebennierenhyperplasie bezeichnet.

Nahrungsergänzungsmittel oder topische Produkte (z. B. Hautcremes), insbesondere solche, die die sexuelle Funktionsfähigkeit des Mannes unterstützen, können Androgene oder Substanzen enthalten, die wie Androgene wirken.

Symptome einer adrenalen Virilisierung

Die Symptome sind von Geschlecht und Alter der Betroffenen abhängig.

Symptome einer Virilisierung sind übermäßige Gesichts- und Körperbehaarung (Hirsutismus), Kahlköpfigkeit, Akne, tiefere Stimme, zunehmende Muskelkraft und gesteigerter Sexualtrieb.

Bei Frauen schrumpft die Gebärmutter, die Klitoris vergrößert sich, die Brüste verkleinern sich und die Menstruation bleibt aus, was manchmal zu Unfruchtbarkeit führt.

Bei Männern kann durch den Überschuss an Nebennierenhormonen die Funktion der Hoden unterdrückt werden, und es kann zur Unfruchtbarkeit kommen.

Bei Mädchen mit bestimmten Arten einer kongenitalen Nebennierenhyperplasie können die Genitalien denen von kleinen Jungen ähneln. Bei Kindern kann sich das Wachstum beschleunigen. Unbehandelt können sich die Wachstumsfugen der Knochen vorzeitig schließen, mit der Folge von Kleinwüchsigkeit. Bei betroffenen Jungen kann es zu vorzeitiger sexueller Reifung kommen.

Diagnose einer adrenalen Virilisierung

  • Messung der Androgenspiegel im Blut

Aufgrund der Kombination der körperlichen Veränderungen wird eine Virilisierung relativ leicht von Ärzten erkannt. Mit Tests kann der Androgenspiegel im Blut bestimmt werden und, sollte dieser hoch sein, bestimmt werden, ob dieser eher von den Geschlechtsorganen oder den Nebennieren ausgeht.

Ist die Konzentration der Androgene sehr hoch, ermitteln einige Ärzte mithilfe eines Dexamethason-Suppressionstests, ob das Problem ein Adenom oder eine Vergrößerung (Hyperplasie) der Nebennieren ist. Wenn eine Nebennierenhyperplasie die Ursache des Problems ist, verhindert die Einnahme des Medikaments Dexamethason, dass die Nebennieren Androgene produzieren. Geht das Problem auf ein Adenom oder Krebs der Nebennieren zurück, senkt Dexamethason die Androgenproduktion nur teilweise oder überhaupt nicht.

Mithilfe einer Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) können sich Ärzte ein genaueres Bild der Nebennieren machen.

Behandlung einer adrenalen Virilisierung

  • Chirurgische Entfernung des Tumors

  • Manchmal Steroidmedikamente (künstliche Glukokortikoide)

Bei Androgen-produzierenden Adenomen und Nebennierenkrebs wird gewöhnlich die Nebenniere mit dem Tumor operativ entfernt.

Bei einer kongenitalen adrenalen Hyperplasie kann die Androgenproduktion gewöhnlich durch kleine Mengen an Steroiden wie Hydrocortison verringert werden.

Nahrungsergänzungsmittel und topische Produkte, die Androgene oder Substanzen enthalten, die wie Androgene wirken, sollten abgesetzt werden.

quizzes_lightbulb_red
Test your KnowledgeTake a Quiz!