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Medikamentöse Behandlung von Diabetes mellitus

Von

Erika F. Brutsaert

, MD, New York Medical College

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2020| Inhalt zuletzt geändert Sep 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Viele Menschen mit Diabetes benötigen Medikamente, die ihren Blutzuckerspiegel senken, die Symptome beseitigen und den Komplikationen bei Diabetes mellitus vorbeugen.

Es gibt zwei Arten von Diabetes mellitus

  • Typ 1, bei dem das Immunsystem des Körpers die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift und so mehr als 90 Prozent davon dauerhaft zerstört

  • Typ 2, bei dem der Körper eine Resistenz gegen die Wirkungen von Insulin entwickelt

Zur allgemeinen Behandlung von Typ-1-Diabetes zählt häufig eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, unter anderem Gewichtsverlust, gesunde Ernährung und Sport. Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen Insulin spritzen und regelmäßig ihre Blutzuckerwerte kontrollieren.

Zur allgemeinen Behandlung von Typ-1-Diabetes zählt eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, unter anderem Gewichtsverlust, gesunde Ernährung und Sport. Manche Menschen mit Typ-2-Diabetes können ihre Blutzuckerwerte allein über die Ernährung und Sport kontrollieren. Die meisten benötigen jedoch verabreichte Medikamente zur Senkung der Blutzuckerspiegel und manchmal auch Insulin. Menschen, die für Typ-2-Diabetes Medikamente einnehmen, müssen häufig mehrmals am Tag ihren Blutzucker mit dem Blutzuckertest am Finger testen.

Ärzte müssen bei der Behandlung von Diabetes mit Medikamenten vorsichtig sein, da Insulin und viele der oral verabreichten Medikamente die Blutzuckerspiegel zu stark senken können (Hypoglykämie).

Insulintherapie

Menschen mit Typ-1-Diabetes benötigen fast immer eine Therapie mit Insulin und werden ohne diese Behandlung sehr krank. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen ebenfalls Insulin. In der Regel wird Insulin unter die Haut gespritzt. Für bestimmte Menschen gibt es auch Insulin zum Inhalieren. Das wird aber nicht häufig eingesetzt. Insulin kann zurzeit noch nicht oral eingenommen werden, da Insulin im Magen zerstört wird. Neue Formen von Insulin, die beispielsweise oral eingenommen werden können, werden untersucht.

Insulin wird in das Unterhautfettgewebe gespritzt, in der Regel in den Arm, den Oberschenkel oder den Bauch. Kleine Spritzen mit sehr dünnen Nadeln machen die Injektionen nahezu schmerzlos.

Ein Insulin-Pen, der eine mit Insulin gefüllte Patrone enthält, ist für viele Menschen für das Tragen und Anwenden von Insulin angenehm, insbesondere für Menschen, die täglich mehrere Injektionen außerhalb von zuhause nehmen.

Ein anderes Produkt ist eine Insulinpumpe, die Insulin kontinuierlich aus einem Tank durch eine kleine in der Haut belassene Kanüle (ein hohles Kunststoffröhrchen) pumpt. Die Rate der Insulin-Verabreichung kann an die Tageszeit, ob die Person körperlich aktiv ist oder an andere Maßgaben angepasst werden. Menschen können nach Bedarf für Mahlzeiten oder, um hohe Blutzuckerspiegel auszugleichen, zusätzliche Dosen von Insulin freisetzen. Die Pumpe imitiert genauer, wie der Körper normalerweise Insulin produziert. Eine Therapie mit einer Pumpe kommt für einige Patienten infrage, die mehr als drei Injektionen täglich benötigen. Für manche Menschen bietet die Pumpe ein zusätzliches Maß an Kontrolle, während andere das Tragen der Pumpe als unangenehm empfinden oder an der Stelle der Nadel eine Wunde entwickeln.

Zur Abgabe von Insulin ist ein Gerät mit dem Namen Hybrid-Closed-Loop-System verfügbar. Mit diesem System (das manchmal auch künstliche Bauchspeicheldrüse genannt wird) errechnet ein Algorithmus automatisch die eingangs benötigten Insulin-Dosen mithilfe einer Insulin-Pumpe auf Basis der Daten aus einem kontinuierlich messenden Monitor und verabreicht dann die Dosen automatisch. Das Gerät befreit Diabetiker aber nicht von der Notwendigkeit ihre Blutzuckerspiegel zu messen und sich zusätzlich vor den Mahlzeiten Insulin zu verabreichen.

Formen von Insulin

Insulin ist in vier Grundformen erhältlich, unterteilt nach Wirkbeginn und Wirkdauer:

  • Schnellwirksame Insuline sind unter anderem die Insuline Lispro, Aspart und Glulisin. Sie wirken am schnellsten, erreichen ihre maximale Wirksamkeit in ca. 1 Stunde und wirken dann 3 bis 5 Stunden. Schnellwirksame Insuline werden zu Beginn einer Mahlzeit gespritzt.

  • Kurzwirksames Insulin, wie etwa reguläres Insulin, wirkt etwas langsamer und dafür etwas länger als schnellwirksames Insulin. Normal insulin erreicht seine maximale Aktivität nach 2 bis 4 Stunden und wirkt für 6 bis 8 Stunden. Es wird 30 Minuten vor einer Mahlzeit gespritzt.

  • Mittellang wirksames Insulin (z. B. Neutral Protamin Hagedorn [NPH] oder U-500-Insulin) beginnt nach in 0,5 bis 2 Stunden zu wirken, erreicht seine maximale Aktivität nach 4 bis 12 Stunden und hält 13 bis 26 Stunden an, je nachdem, welches mittellang wirksame Insulin verwendet wird. Diese Art Insulin wird morgens gespritzt, um den Bedarf am ersten Teil des Tages zu decken, oder am Abend, um den Bedarf während der Nacht abzudecken.

  • Lang wirksames Insulin, wie Insulin glargin oder detemir, U-300-Insulin glargin oder Insulin degludec, zeigt in den ersten Stunden kaum Wirkung, stellt danach aber, abhängig vom verwendeten Typ, die Versorgung für 20 bis 40 Stunden sicher.

Sowohl schnellwirksames Insulin und kurzwirksames Insulin werden häufig von Menschen verwendet, die sich mehrmals täglich Insulin spritzen und für die Mahlzeiten zusätzlich Insulin benötigen.

Einige Insulinkombinationen sind bereits fertig gemischt erhältlich. Außerdem sind konzentrierte Insuline für Menschen erhältlich, die hohe Dosen Insulin benötigen.

Inhalatives Insulin ist in einigen Situationen für Menschen vorgesehen, die nicht in der Lage oder bereit dazu sind, sich Insulin zu spritzen. Inhaliertes Insulin ist als Inhalator (ähnlich wie ein Asthmaspray) verfügbar und das Insulin wird von den Menschen über die Lungen aufgenommen. Inhaliertes Insulin wirkt ähnlich wie kurz wirksames Insulin und muss mehrmals am Tag inhaliert werden. Die Betroffenen müssen unter Umständen auch Injektionen mit lang wirksamem Insulin erhalten. So lange Patienten inhaliertes Insulin verwenden, kontrollieren Ärzte ihre Lungenfunktion alle 6 bis 12 Monate.

Insulinzubereitungen halten sich bei Raumtemperatur bis zu einem Monat und lassen sich überallhin transportieren und können zur Arbeit oder auf eine Reise mitgenommen werden. Insulin sollte dennoch nicht extremen Temperaturen ausgesetzt werden und bei einer Lagerung über einem Monat im Gefrierschrank aufbewahrt werden.

Auswahl des Typs und der Dosis von Insulin

Die Auswahl des Insulins ist komplex. Folgende Faktoren werden berücksichtigt, wenn Ärzte entscheiden, welches Insulin das Beste ist und wie viel Insulin verwendet werden soll:

  • Wie gut der Körper auf das Insulin anspricht, das er selbst bildet

  • Wie stark der Blutzuckerspiegel nach dem Essen ansteigt

  • Ob andere Antidiabetika anstelle von Insulin verwendet werden könnten

  • Wie groß ist die Bereitschaft und Fähigkeit der Personen, ihre Blutzuckerspiegel zu überwachen und ihre Insulindosis anzupassen?

  • Wie oft sind die Personen bereit, Insulin zu injizieren?

  • Wie variabel sind die täglichen Aktivitäten?

  • Wie wahrscheinlich es ist, dass die Person Symptome einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) entwickelt

Manchmal empfehlen Ärzte ihren Patienten, zwei Insuline – ein schnellwirksames und ein mittellang wirksames Insulin – in einer Morgendosis zu kombinieren. Eine zweite Injektion eines Insulins oder von beiden kann beim Mittagessen oder vor dem Schlafengehen gespritzt werden.

Manche Personen nehmen jeden Tag die gleiche Menge Insulin. Andere Menschen, besonders Betroffene mit Typ-1-Diabetes, müssen ihre Insulindosis anpassen, besonders die Dosen, die um die Mahlzeiten herum eingenommen werden, je nachdem, was sie essen, wie körperlich aktiv sie sind oder wie ihre Blutzuckerspiegel ausfallen. Außerdem kann sich der Insulinbedarf ändern, wenn Personen Gewicht zunehmen oder verlieren oder emotionalen Stress oder Krankheiten, insbesondere Infektionen, erleiden.

Um einen Dosisplan anpassen zu können, muss ein langwirksames Insulin morgens oder abends zusammen mit mehreren anderen Spritzen eines schnellwirksamen Insulin tagsüber während der Mahlzeiten gespritzt werden. Anpassungen werden vorgenommen, wenn sich der Insulinbedarf ändert. Messungen der Blutzuckerspiegel zu verschiedenen Zeitpunkten während des Tages helfen bei der Bestimmung der Anpassung. Bei diesem Dosisplan müssen sich die Betroffenen sehr gut mit Diabetes mellitus auskennen, und genau auf Details ihrer Behandlung achtgeben.

Hypoglykämie (Unterzuckerung)

Die häufigste Komplikation bei der Behandlung von hohen Blutzuckerspiegeln mit Insulin sind niedrige Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie). Hypoglykämie tritt häufiger bei Betroffenen auf, die versuchen, ihre Blutzuckerspiegel streng zu kontrollieren.

Symptome einer leichten oder mittelschweren Hypoglykämie sind unter anderem Kopfschmerzen, Schwitzen, Herzrasen, Schwindel, verschwommenes Sehen, Erregtheit und Verwirrung. Symptome einer schwereren Hypoglykämie sind unter anderem Krampfanfälle und Bewusstseinsverlust. Bei älteren Menschen kann eine Hypoglykämie schlaganfallähnliche Symptome hervorrufen.

Menschen, die häufig unter Hypoglykämie leiden, bemerken Anfälle einer Unterzuckerung vielleicht gar nicht, weil sie die Symptome gar nicht mehr wahrnehmen (Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen).

Ärzte müssen die Betroffenen darin schulen, wies sie die Symptome einer Hypoglykämie erkennen und behandeln müssen. Für gewöhnlich kann der Betroffene etwas Süßes, wie ein Stück Schokolade, essen oder einen Fruchtsaft trinken, damit der Blutzuckerspiegel wieder rasch ansteigt. Die Betroffenen können auch Glukosetabletten für den Fall einer Unterzuckerung bei sich tragen. Weil unterzuckerte Menschen zu verwirrt sein können, um zu verstehen, dass sie an einer Hypoglykämie leiden, ist es wichtig, dass die Mitglieder in seinem Haushalt die Anzeichen einer Hypoglykämie ebenfalls erkennen können.

Insulin-Antikörper

In sehr seltenen Fällen produziert der Körper gegen das injizierte Insulin Antikörper, weil das gespritzte Insulin nicht genau dem vom Körper hergestellten Insulin entspricht. Obwohl diese Reaktion bei neueren Insulinpräparaten seltener ist, können diese Antikörper die Aktivität des Insulins so stören, dass sehr hohe Dosen notwendig sind.

Allergische Reaktionen auf Insulin

Insulininjektionen können die Haut und die darunter liegenden Gewebe beeinträchtigen. Allergische Reaktionen, die jedoch selten auftreten, verursachen für mehrere Stunden Schmerzen und Brennen, Rötung, Jucken und Schwellungen rund um die Einstichstelle. Sehr selten kann dann der Betroffene nach Verabreichung der Insulinspritze eine anaphylaktische Reaktion haben.

Hautreaktionen auf Insulin

Die Injektionen mit Insulin können zu Fettansammlungen führen, die Knoten in der Haut bilden oder Fett zerstören und Dellen hervorrufen. Eine Hautreaktion ist zwar keine allergische Reaktion, aber sie kann die Aufnahme des gespritzten Insulins verschlechtern. Daher ist es wichtig, dass die Injektionsstellen ständig gewechselt werden. Beispielsweise kann an einem Tag der Oberschenkel, an einem anderen der Bauch und danach in den Arm gespritzt werden, um diese Probleme zu vermeiden.

Orale verabreichte Antidiabetika

Orale Antidiabetika können die Blutzuckerspiegel bei Typ-2-Diabetikern häufig ausreichend senken. Bei Typ-1-Diabetes sind sie jedoch wirkungslos. Es gibt mehrere unterschiedliche Arten von oral einzunehmenden Antidiabetika, die aber alle nach den vier Hauptmethoden funktionieren:

  • Insulin-Sektretagoga, welche die Bauchspeicheldrüse zur Produktion von mehr Insulin anregen

  • Insulin-Sensitizer, die sich nicht auf die Ausschüttung von Insulin auswirken, sondern die Reaktion des Körpers auf die Ausschüttung verstärken

  • Einige Medikamente verzögern die Aufnahme von Glukose durch den Darm

  • Einige Medikamente erhöhen die Ausscheidung von Glukose über den Urin

Insulin-Sekretagoga sind unter anderem Sulfonylharnstoffe (z. B. Glyburid) und Meglitinide (z. B. Repaglinid).

Insulin-Sensitizer sind unter anderem Biguanide (z. B. Metformin) und Thiazolidinedione (z. B. Pioglitazon).

Medikamente, die die Aufnahme von Glukose durch den Darm verzögern, sind unter anderem Alpha-Glukosidase-Hemmer (z. B. Acarbose und Miglitol).

Medikamente, die die Glukoseausscheidung über den Urin erhöhen, sind unter anderem Hemmer der Natrium-Glukose-Cotransporter-2 (Sodium-Glucose Co-Transporter 2, SGLT2-Hemmer) (z. B. Canagliflizon, Dapagliflozin und Empagliflozin).

Dipeptidylpeptidase-4 (DPP 4)-Hemmer (z. B. Sitagliptin, Saxagliptin, Linagliptin und Alogliptin) regen die Bauchspeicheldrüse zur Bildung von mehr Insulin an und hemmen gleichzeitig die Aufnahme von Glukose im Darm. Diese Medikamente wirken, indem sie das Glucagon-ähnliche Peptid 1 (Glucagon-Like Peptide, GLP-1) erhöhen.

Typ-2-Diabetikern werden oft orale Antidiabetika verschrieben, wenn Ernährung und körperliche Aktivität die Blutzuckerspiegel nicht adäquat senken. Die Medikamente werden manchmal nur einmal täglich am Morgen eingenommen, wobei manche Menschen zwei oder drei Dosen benötigen. Wenn ein Medikament allein nicht ausreicht können mehr als eine Art von oral eingenommenen Medikamenten und/oder ein oral einzunehmendes Medikament plus Insulin oder ein zu spritzendes Medikament mit Glukagon-ähnlichem Peptid 1 (GLP-1) verwendet werden.

Tabelle
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Häufige Nebenwirkungen einiger oral verabreichter Antidiabetika

Medikament

Einige Nebenwirkungen

Biguanide

Alle Biguanide können das Folgende verursachen:

  • Durchfall

  • Übersäuerung der Körperflüssigkeiten (selten)

  • Leberversagen (selten)

Metformin

Metformin in Retardform

Sulfonylharnstoffe

Alle Sulfonharnstoffe können verursachen:

  • Gewichtszunahme

  • Niedrige Blutzuckerspiegel

möglicherweise das Risiko für Tod aufgrund von Herzkreislaufkomplikationen erhöhen

Acetohexamid

Durchfall

Übelkeit

Wasseransammlung (Ödem)

Chlorpropamid

Niedrige Natriumspiegel im Blut

Glimepirid

Schwindel

Kopfschmerzen

Glipizid

Durchfall

Übelkeit

Niedrige Blutzellzahl (Anämie)

Glipizid, verlängerte Freisetzung

Durchfall

Übelkeit

Glyburid

Verdauungsstörungen

Mikronisiertes Glyburid

Verdauungsstörungen

Tolazamid

Übelkeit

Erbrechen

Tolbutamid

Kopfschmerzen

Niedrige Blutzellzahl

Meglitinide

Alle Meglitinide können verursachen:

  • Niedrige Blutzuckerspiegel

Nateglinid

Minimale Gewichtszunahme

Repaglinid

Thiazolidinedione

Alle Thiazolidindione können verursachen:

  • Gewichtszunahme

  • Wasseransammlung (Ödem)

  • Erhöhtes Risiko für Knochenbrüche

Pioglitazon

Mögliches erhöhtes Risiko für Blasenkrebs

Rosiglitazon

Mögliche Zunahme von Herzinfarkten

Alpha-Glukosidasehemmer

Alle Alpha-Glukosidase-Hemmer können verursachen

  • Durchfall

  • Bauchschmerzen

  • Blähung

  • Flatulenz

Acarbose

Miglitol

Dipeptidylpeptidase-4-Hemmer

Alle Dipeptidylpeptidase-4-Hemmer können verursachen:

  • Kopfschmerzen

  • Infektion der oberen Atemwege

  • Erhöhtes Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Alogliptin

Gelenkschmerzen

Linagliptin

Durchfall

Saxagliptin

Gelenkschmerzen

Sitagliptin

Durchfall

Gelenkschmerzen

Natrium-Glukose-Cotransporter-2 (SGLT2)-Hemmer

Alle Natrium-Glukose-Cotransporter-2 (SGLT2)-Hemmer können:

SGLT2-Hemmer können möglicherweise:

  • das Risiko für Knochenbrüche erhöhen

  • das Risiko für diabetische Ketoazidose erhöhen

  • die Cholesterinspiegel erhöhen

  • das Risiko einer lebensbedrohlichen Infektion des Bereichs um die Genitalien (Fournier gangrän) erhöhen

Canaglifozin

das Risiko für Amputationen erhöhen (selten)

Dapagliflozin

Empagliflozin

Ertugliflozin

Injizierbare Antidiabetika

Insulin ist das am häufigsten eingesetzte injizierbare Antidiabetikum. Seine Verwendung ist weiter oben beschrieben.

Es gibt zwei weitere Arten von injizierbaren Antidiabetika:

  • Glukagon-ähnliche Peptidagonisten (GLP-1)

  • Amylin-ähnliche Medikamente

Injizierbare Antidiabetika werden zusammen mit anderen Antidiabetika verabreicht.

Glukagon-ähnliche Peptidagonisten (GLP-1-Medikamente) funktionieren weitgehend durch Erhöhung der Insulin-Ausscheidung über die Bauchspeicheldrüse. Diese Medikamente verlangsamen auch die Beförderung des Nahrungsbreis aus dem Magen (was zu einer Verlangsamung des Blutzuckerspiegels führt) und zügeln somit den Appetit und fördern die Gewichtsabnahme. GLP-1-Medikamente werden gespritzt. Die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen. Diese Medikamente können das Risiko für eine Pankreatitis (eine schmerzhafte Entzündung der Bauchspeicheldrüse) erhöhen, auch, wenn es dafür keine stichhaltigen Belege gibt. Sie sollten nicht bei Menschen angewendet werden, die selbst oder in der Familie einen Fall von medullären Schilddrüsenkrebs hatten, da Tierstudien ein erhöhtes Risiko für einige Formen von Schilddrüsentumoren nachgewiesen haben. Bisher sind diese Formen von Krebs bei Menschen nicht häufiger als vorher aufgetreten.

Amylin-ähnliche Medikamente simulieren den Mechanismus von Amylin, einem Bauchspeicheldrüsenhormon, das an der Regulierung der Blutzuckerspiegel nach dem Essen beteiligt ist. Pramlintid ist aktuell das einzig verfügbare Amylin-ähnliche Medikament. Es unterbindet die Ausscheidung des Hormons Glukagon. Da Glukagon den Blutzucker erhöht, hilft Pramlintid bei der Senkung des Blutzuckers. Es verlangsamt zudem den Verdauungsprozess im Magen und sorgt damit für ein längeres Völlegefühl. Es wird als Injektion verabreicht und in Kombination mit dem Mahlzeiten- Insulin bei Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes eingesetzt.

Tabelle
icon

Häufige Nebenwirkungen von injizierbaren Antidiabetika*

Medikament

Einige Nebenwirkungen

Glukagon-ähnliche Peptidagonisten

Alle Glukagon-ähnlichen Peptidagonisten können Folgendes verursachen:

  • Übelkeit

  • Erbrechen

  • Durchfall

Sie können das Risiko für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) und für einige Formen von Schilddrüsenkrebs erhöhen

Albiglutid

Dulaglutid

Exenatid

Nierenschädigung (selten)

Exenatid-Retardpräparat

Knötchen an der Injektionsstelle

Liraglutid

Lixisenatid

Semaglutid

Kann den durch Diabetes entstandenen Augenschaden verschlimmern (diabetische Retinopathie)

Amylin-ähnliches Medikament

Pramlintid

Übelkeit

Niedrige Blutzuckerspiegel

* Insulin ist das am häufigsten eingesetzte injizierbare Antidiabetikum.

Andere Medikamente, die Diabetiker erhalten

Da Menschen mit Diabetes mellitus ein Risiko für Komplikationen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall tragen, ist es wichtig, dass sie Medikamente zur Vorbeugung vor diesen Komplikationen erhalten. Sofern nichts dagegen spricht (z. B. eine Allergie auf das Medikament) können sie folgende Medikamente erhalten:

  • Angiotensinkonversionsenzym(ACE)-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorhemmer (ARBs): Für Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck oder chronischer Nierenerkrankung

  • Aspirin: Für Menschen mit Diabetes und Risikofaktoren für eine Herzkreislauferkrankung

  • Statine: Bei den meisten Diabetikern, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken

Weitere Informationen

Im Folgenden handelt es sich um einige englischsprachige Hilfsmittel, die nützlich sein könnten. Bitte beachten Sie, dass das MANUAL nicht für den Inhalt der Quellen verantwortlich ist.

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