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Lernstörungen

Von

Stephen Brian Sulkes

, MD, Golisano Children’s Hospital at Strong, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2018| Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Kurzinformationen
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Mit diesem Begriff bezeichnet man die Unfähigkeit, spezifische Fähigkeiten oder Informationen aufgrund mangelhafter Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- oder Gedankenleistungen zu erlangen, zu behalten und zu verallgemeinern, was sich auf die schulische Leistung auswirkt.

  • Betroffene Kinder haben Mühe, die Namen von Farben oder Buchstaben zu erlernen, oder sie lernen nur langsam zu zählen, zu schreiben oder zu lesen.

  • Sie absolvieren eine Reihe von schulischen und Intelligenztests, die von Lernspezialisten durchgeführt werden und Ärzte können dann anhand von anerkannten Kriterien eine Diagnose stellen.

  • Die Behandlung umfasst einen auf die Fähigkeiten des Kindes zugeschnittenen Lernplan.

Lernstörungen müssen von intellektueller Behinderung (früher als geistige Behinderung bezeichnet) abgegrenzt werden; sie treten auch bei Kindern mit normaler oder sogar überdurchschnittlich hoher Intelligenz auf. Lernstörungen betreffen nur bestimmte Funktionen, während beim Kind mit intellektueller Behinderung die kognitiven Funktionen allgemein beeinträchtigt sind.

Die drei gängigen Typen von Lernstörungen sind:

  • Lesestörungen

  • Störungen des schriftlichen Ausdrucks

  • Rechenstörungen

So kann ein Kind mit Lernstörungen z. B. beträchtliche Schwierigkeiten mit dem Rechnen haben, im Lesen und im schriftlichen Ausdruck sowie in anderen Bereichen jedoch problemlos durchs Leben gehen. Legasthenie ist die bekannteste Form der Lernstörungen. Lernstörungen haben nichts zu tun mit den Lernschwierigkeiten, die durch Seh-, Hör-, Koordinations- oder psychische Störungen verursacht werden. Jedoch können diese Probleme auch bei Kindern mit Lernstörungen auftreten.

Kinder können mit einer Lernstörung geboren werden oder diese im Verlauf ihres Wachstums entwickeln. Die genauen Ursachen für Lernstörungen sind zwar nicht bekannt, umfassen aber gestörte Verarbeitungsprozesse der gesprochenen und geschriebenen Sprache oder des Zahlenverständnisses und der Raumwahrnehmung. Mögliche Ursachen sind Erkrankungen der Mutter oder die Verwendung von toxischen Medikamenten während der Schwangerschaft der Mutter, Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Entbindung (wie z. B. Präeklampsie oder längere Wehen) und Probleme mit dem Neugeborenen zum Zeitpunkt der Entbindung (wie z. B. Frühgeburt, geringes Geburtsgewicht, Gelbsucht oder Übertragene Geburt). Nach der Geburt können mögliche Faktoren eine Belastung mit Umweltgiften sein, wie etwa Blei, Infektionen des zentralen Nervensystems, Krebserkrankungen und deren Behandlungen, Unterernährung und schwere soziale Isolation oder emotionale Vernachlässigung oder Misshandlung.

Obschon die genaue Anzahl der Kinder mit Lernstörungen nicht bekannt ist, erhalten in den USA rund 5 Prozent der Kinder im Schulalter sonderpädagogische Unterstützung für Lernstörungen. Bei Jungen ist die Störung fünfmal so häufig wie bei Mädchen. Allerdings wird bei den Mädchen die Störung häufig nicht erkannt bzw. diagnostiziert.

Viele Kinder, insbesondere solche mit Verhaltensstörungen, erzielen schlechte schulische Leistungen und werden von Erziehungspsychologen auf Lernstörungen getestet. Auf der anderen Seite verbergen viele Kinder mit bestimmten Typen von Lernstörungen ihre Defizite so gut, dass diese lange Zeit unerkannt und damit auch unbehandelt bleiben.

Wussten Sie ...

  • Lernstörungen treten auch bei Kindern mit normaler und überdurchschnittlich hoher Intelligenz auf.

Symptome

Kleine Kinder können Probleme haben, die Namen von Farben und Buchstaben zu erlernen, vertraute Alltagsgegenstände zu bezeichnen, zu zählen, und sie machen bei anderen frühen Lernfähigkeiten kaum Fortschritte. Auch Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen kommen vor. Weitere Symptome sind eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und Zerstreutheit (ähnlich der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung [ADHS]), Sprech-/Sprachprobleme, Probleme, gesprochene Informationen zu verstehen und ein kurzes Gedächtnis. Bei betroffenen Kindern können feinmotorische Schwierigkeiten, wie ein schlechtes Schriftbild oder Schwierigkeiten beim Abschreiben, vorliegen.

Kinder mit Lernstörungen haben häufig Kommunikationsschwierigkeiten. Einige Kinder sind anfänglich frustriert und entwickeln später Verhaltensprobleme, d. h., sie sind beispielsweise leicht ablenkbar, hyperaktiv, in sich zurückgezogen, scheu oder aggressiv. Lernstörungen und Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung treten häufig gemeinsam auf.

Diagnose

  • Erzieherische, medizinische und psychologische Beurteilung

  • Bekannte Kriterien

Kinder, die nicht ihrem Alter gemäß lesen oder lernen können, sollten untersucht werden. Dazu zählen auch Hör- und Sehtests, weil diese Sinnesstörungen ebenfalls die Lese- und Schreibfähigkeit beeinträchtigen können. Hör- und Sehstörungen sollten nicht mit einer Lernstörung verwechselt werden.

Zunächst wird das Kind auf körperliche Besonderheiten untersucht. Danach wird eine Reihe von verbalen und nonverbalen Intelligenztests sowie schulischen Tests durchgeführt, in deren Rahmen die Fähigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen bestimmt werden. Oft können diese Tests auf Anfrage der Eltern von einem Spezialisten in der Schule des Kindes durchgeführt werden. In den Vereinigten Staaten und anderen Ländern sind die Schulen gesetzlich verpflichtet, Tests und entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Bei der Beurteilung einer Lernstörung wird in der Regel folgendes untersucht:

  • Lesen

  • Verstehen der Bedeutung von schriftlichen Materialien

  • Rechtschreibung

  • Schreiben (z. B. ob Grammatik und Zeichensetzung richtig angewendet und Ideen klar ausgedrückt werden)

  • Verstehen der Bedeutung von Zahlen und ihre Beziehung zueinander (bei älteren Kindern, einfache Berechnungen)

  • Mathematische Logik (z. B. mit mathematischen Konzepten zur Problemlösung)

Kinder, die mindestens 6 Monate lang deutlich hinter den für ihr Alter erwarteten Leistungen in mindestens einem der Bereiche liegen, können eine Lernstörung haben.

Behandlung

  • Erzieherische Maßnahmen

Den größten Nutzen verspricht ein Förderprogramm, das speziell auf die Lernschwierigkeiten und Bedürfnisse eines Kindes zugeschnitten ist.

In den USA verlangt das Gesetz für die Bildung von Personen mit Behinderungen (Individuals with Disabilities Education Act, IDEA), dass Kinder und Jugendliche mit Lernstörungen an öffentlichen Schulen kostenlos und angemessen unterrichtet werden. Der Unterricht muss so wenig restriktiv wie möglich und so inklusiv wie möglich sein. Den Kindern muss jede Möglichkeit geboten werden, mit nicht-behinderten Gleichaltrigen zu interagieren und sie müssen gleichen Zugang zu vor Ort vorhandenen Ressourcen erhalten.

Der therapeutische Nutzen von Maßnahmen wie dem Meiden von Lebensmittelzusatzstoffen oder dem Einnehmen hochdosierter Vitaminpräparate oder Mineralstoffe ist nicht erwiesen. Auch Medikamente beeinflussen den schulischen Fortschritt, die Intelligenz und allgemeine Lernfähigkeit kaum.

Bei Kindern mit einer Lernstörung, die auch an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung leiden, lassen sich mit bestimmten Medikamenten, wie Methylphenidat, möglicherweise die Aufmerksamkeit und Konzentration und damit auch die Lernfähigkeit verbessern.

Weitere Informationen

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