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Religion und Spiritualität älterer Menschen

Von

Daniel B. Kaplan

, PhD, LICSW, Adelphi University School of Social Work;


Barbara J. Berkman

, DSW, PhD, Columbia University School of Social Work

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2021| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2021
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Religion und Spiritualität sind ähnliche, jedoch nicht identische Konzepte. Religion wird häufig als institutionell begründet und strukturierter erachtet. Auch gehen oft traditionellere Rituale und Praktiken mit einher. Spiritualität bezieht sich auf das Nicht-Greifbare und Immaterielle und kann somit als allgemeinerer Begriff betrachtet werden, der mit keiner bestimmten Gruppe oder Organisation assoziiert wird. Sie kann sich auf Gefühle, Gedanken, Erfahrungen und Verhaltensweisen beziehen, die mit der Seele oder einer Suche nach etwas Heiligem in Verbindung stehen.

Traditionelle Religion geht mit Verantwortlichkeit und Verantwortung einher. Spiritualität stellt geringere Anforderungen. Menschen können die traditionelle Religion ablehnen, sich aber dennoch selbst als spirituell betrachten. In den USA betrachten sich mehr als 90 % der älteren Menschen als religiös oder spirituell. Ungefähr 6 bis 10 % sind Atheisten und sind nicht von religiösen oder spirituellen Praktiken abhängig, um ihrem Leben einen Sinn zu geben.

Das Ausmaß der religiösen Teilnahme ist unter den älteren Menschen größer als in jeder anderen Altersgruppe. Ungefähr 50 % nehmen wöchentlich oder öfter an Gottesdiensten teil. Für ältere Menschen ist die religiöse Gemeinschaft die größte Quelle für soziale Unterstützung außerhalb der Familie, und die Mitwirkung in religiösen Organisationen ist die häufigste Art der freiwilligen sozialen Aktivität – häufiger als alle anderen Formen freiwilliger sozialer Aktivitäten zusammengenommen.

Nutzen

Religiöse Menschen weisen gewöhnlich eine bessere körperliche und psychische Gesundheit auf als nicht religiöse Menschen. Religiöse Menschen glauben womöglich, dass Gottes Eingreifen der Grund für diesen Nutzen ist. Jedoch können Experten nicht feststellen, ob die Partizipation an organisierter Religion zur Gesundheit beträgt oder ob psychologisch oder physisch gesündere Menschen eher religiös sind. Falls Religion hilft, ist der Grund – sei es der religiöse Glaube selbst oder andere Faktoren – nicht eindeutig. Viele solcher Faktoren (z. B. der Nutzen für die mentale Gesundheit, die Ermutigung zur Ausübung gesunder Praktiken und die soziale Unterstützung) wurden bisher vorgeschlagen.

Nutzen für die mentale Gesundheit

Religion kann die folgenden Nutzen für die mentale Gesundheit bringen:

  • Eine positive und hoffnungsvolle Einstellung gegenüber dem Leben und gegenüber Krankheit, was zu besseren gesundheitlichen Ergebnissen führt

  • Sinnhaftigkeit und Lebenszweck, was sich auf gesundheitsbezogene Verhaltensweisen und soziale und familiäre Beziehungen auswirkt

  • Eine bessere Fähigkeit, mit Krankheit und Behinderung zurechtzukommen

Viele ältere Menschen berichten, dass Religion der wichtigste Faktor ist, der es ihnen ermöglicht, mit physischen Gesundheitsproblemen und Belastungen im Leben zurechtzukommen (wie z. B. Rückgang der finanziellen Ressourcen oder Verlust des Ehe- oder Lebenspartners). Zum Beispiel hilft Menschen mit physischen Problemen eine hoffnungsvolle, positive Einstellung gegenüber der Zukunft, um in Bezug auf die Genesung oder Erholung weiterhin motiviert zu bleiben.

In einigen Studien wurde herausgefunden, dass ältere Menschen, die religiöse Bewältigungsstrategien anwenden, mit geringerer Wahrscheinlichkeit Depressionen und Angstgefühl entwickeln als diejenigen, die dies nicht tun. Sogar die Wahrnehmung einer Behinderung scheint sich durch den Grad der Religiosität zu verändern. In einer Studie mit älteren Frauen mit Hüftfrakturen wurde festgestellt, dass die religiösesten von ihnen die niedrigsten Depressionsraten aufwiesen und nach der Entlassung aus dem Krankenhaus signifikant weitere Distanzen zu Fuß gehen konnten als weniger religiöse Frauen.

Gesundheitsfördernde Praktiken

Aktive Einbindung in eine religiöse Gemeinschaft steht mit einer besseren Aufrechterhaltung der körperlichen Funktionsfähigkeit und Gesundheit in Verbindung. Einige religiöse Gruppen (wie z. B. die Mormonen oder die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten) befürworten gesundheitsfördernde Verhaltensweisen, wie z. B. der Verzicht auf Tabak und starken Alkoholkonsum. Mitglieder dieser Gruppen entwickeln mit geringerer Wahrscheinlichkeit substanzbezogene Erkrankungen und leben länger als die allgemeine Bevölkerung.

Sozialer Nutzen

Religiöser Glaube und religiöse Praktiken fördern häufig die Entwicklung einer Gemeinschaft und umfangreicher unterstützender sozialer Netzwerke. Bei älteren Menschen erhöht vermehrter sozialer Kontakt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Erkrankung frühzeitig erkannt wird und dass die älteren Menschen die Behandlungsschemata einhalten, weil Mitglieder ihrer Gemeinschaft mit ihnen interagieren und Fragen zu ihrer Gesundheit und medizinischen Versorgung stellen. Ältere Menschen, die über solche Gemeinschaftsnetzwerke verfügen, neigen weniger dazu, sich selbst zu vernachlässigen Selbstvernachlässigung bei älteren Menschen Manchmal kümmern sich ältere Menschen nicht um sich selbst. Sie nehmen eventuell keine Mahlzeiten zu sich, nehmen keine Arzneimittel ein oder gehen auf sonstige dringende eigene Bedürfnisse... Erfahren Sie mehr .

Betreuungspersonen

Schädliche Wirkungen

Religion bringt nicht immer einen Nutzen. Religiöse Hingabe kann zur Entwicklung von übermäßigen Schuldgefühlen, Engstirnigkeit, mangelnder Flexibilität und Angstgefühl führen. Personen mit Zwangsstörungen Zwangsstörung (Obsessive-Compulsive Disorder, OCD) Zwangsstörungen sind durch Zwangsvorstellungen, Zwangshandlungen oder beides gekennzeichnet. Zwangsvorstellungen sind wiederkehrende, anhaltende, unerwünschte, beängstigende, aufdringliche Ideen... Erfahren Sie mehr , bipolarer Störung Bipolare Störung Bei der bipolaren Störung (früher bekannt als manisch-depressive Erkrankung) wechseln sich Depression und Manie (oder eine weniger schwere Form der Manie, genannt Hypomanie) phasenweise ab.... Erfahren Sie mehr , Schizophrenie Schizophrenie Schizophrenie ist eine psychische Störung, die durch einen Verlust des Realitätsbezugs (Psychose), durch Halluzinationen (gewöhnlich Hören von Stimmen), Wahnvorstellungen, Denkstörungen und... Erfahren Sie mehr oder Psychosen können übermäßige religiöse Vertiefung und religiösen Wahn entwickeln. Manche Menschen empfinden ein intensives Gefühl der Ablehnung und eine Existenzkrise, wenn sie von einer Glaubensgemeinschaft zum Beispiel aufgrund von ihrem Geschlecht oder ihrer sexuellen Identität nicht akzeptiert werden.

Bestimmte religiöse Gruppen raten von notwendiger mentaler und physischer medizinischer Versorgung ab, einschließlich lebenserhaltender Therapien (z. B. Bluttransfusionen, Behandlung lebensbedrohlicher Infektionen und Insulintherapie) und können diese durch religiöse Rituale ersetzen (z. B. Gebete, Gesänge oder Anzünden von Kerzen). Manche strengeren religiösen Kulte können ältere Menschen von den Familienangehörigen und der breiteren sozialen Gemeinschaft isolieren und entfremden.

Rolle der medizinischen Fachkräfte und Ärzte

Medizinische Fachkräfte und Ärzte können mit älteren Menschen eventuell über ihren religiösen Glauben sprechen, weil sich dieser Glaube auf die mentale und physische Gesundheit der Person auswirken kann. Das Wissen über den religiösen Glauben einer Person kann einem Arzt dabei helfen, unter bestimmten Umständen eine bessere Versorgung bereitzustellen:

  • Wenn Menschen schwer krank sind, unter erheblichem Stress leiden oder dem Tod nahestehen und darum bitten oder vorschlagen, dass eine medizinische Fachkraft oder ein Arzt mit ihnen über religiöse Probleme spricht

  • Wenn Menschen einer medizinischen Fachkraft oder einem Arzt erzählen, dass sie religiös sind und dass die Religion ihnen hilft, mit der Krankheit zurechtzukommen

  • Wenn religiöse Bedürfnisse offensichtlich sind und sich auf die Gesundheit oder die gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen der Person auswirken

Wenn Ärzte oder medizinische Fachkräfte die spirituellen Bedürfnisse einer Person verstehen, können sie dieser dabei helfen, die notwendige Hilfe zu erhalten (z. B. spirituelle Beratung, Kontakt zu Selbsthilfegruppen, Teilnahme an religiösen Aktivitäten oder soziale Kontakte zu Mitgliedern einer religiösen Gemeinschaft). Ärzte können fragen, ob der spirituelle Glaube eine wichtige Rolle im Leben der Person spielt und inwieweit dieser Glaube die eigene Versorgung beeinflusst. Ärzte können Patienten auch bitten, ihre wichtigsten Bewältigungsmechanismen zu beschreiben. Wenn eine Person Interesse an religiösen oder spirituellen Ressourcen äußert, können Ärzte nachfragen, ob irgendwelche Hürden beim Zugang zu diesen Ressourcen bestehen, und eventuell Alternativen empfehlen. Zum Beispiel können Ärzte Transportdienste für die älteren Menschen vorschlagen, die keine Möglichkeit haben, zum Gottesdienst zu gehen.

Manchmal fällt es älteren Menschen leichter, eine Beratung durch einen Geistlichen anzunehmen als eine Beratung durch einen Psychotherapeuten. Wenn Geistliche gleichzeitig geschulte Berater sind und erkennen, wann Menschen professionelle psychiatrische medizinische Versorgung benötigen, können solche religiösen Berater sehr hilfreich sein. Geistliche können der Person auch dabei helfen, die benötigte Unterstützung durch die Gemeinschaft zu erhalten, z. B. durch Besuche, nachdem eine Person aus dem Krankenhaus entlassen wurde, oder durch die Bereitstellung von Mahlzeiten oder Transportdiensten.

Weitere Informationen

Die folgenden Quellen in englischer Sprache können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MANUAL nicht für den Inhalt dieser Quelle verantwortlich ist.

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