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Myofasziales Schmerzsyndrom

Von

Noshir R. Mehta

, DMD, MDS, MS, Department of Public Health and Community Service

Inhalt zuletzt geändert Aug 2017
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Myofasziales Schmerzsyndrom (früher als myofasziales Schmerz- und Dysftionssyndrom [MPDS oder MFPDS] bekannt) kann bei Patienten mit einem normalen Kiefergelenk auftreten. Es wird durch Spannung, Ermüdung oder Spasmen in den Kaumuskeln verursacht (M. pterygoideus medialis oder internus und lateralis oder externus, temporalis und masseter). Die Symptome umfassen Bruxismus, Schmerzen und Druckempfindlichkeit im und um den Kauapparat herum oder an andere Stellen im Kopf- und Halsbereich ausstrahlend und häufig Anomalien der Kieferbeweglichkeit. Die Diagnose basiert auf der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Eine konservative Behandlung, bestehend aus Analgetika, Muskelentspannung, Änderung von Habits und Aufbissschienen, ist in der Regel wirksam und ausreichend.

Dieses Syndrom ist die häufigste Erkrankung der Kiefergelenkregion. Es tritt häufiger bei Frauen auf und hat eine bimodale Altersverteilung in den frühen 20er Jahren und in den Wechseljahren.

Der Muskelschmerz von Triggerpunkten im betroffenen Muskel, der die Störung verursacht, ist in der Regel das Ergebnis von nächtlichem Bruxismus (Zusammenpressen oder Zähneknirschen). Ob Bruxismus durch ungleichmäßige Zahnkontakte, emotionalen Stress oder Schlafstörungen verursacht wird, ist umstritten. Bruxismus besitzt für gewöhnlich eine multifaktorielle Ätiologie. Das myofasziale Schmerzsyndrom ist nicht auf die Kaumuskeln beschränkt. Es kann an jeder Stelle des Körpers auftreten, wobei am häufigsten die Muskeln im Nacken- und Rückenbereich beteiligt sind.

Symptome und Beschwerden

Zu den Symptomen gehören Schmerzen und Druckempfindlichkeit der Kaumuskeln sowie häufig schmerzhafte und eingeschränkte Kieferbewegungen. Sowohl nächtlicher Bruxismus als auch schlafbezogene Atmungsstörungen (wie etwa obstruktive Schlafapnoe und Upper Airway Resistance Syndrom) führen zu Kopfschmerzen, die beim Aufwachen stärker sind und im Laufe des Tages allmählich nachlassen. Solche Schmerzen müssen von einer Riesenzellarteriitis unterschieden werden. Die Symptome tagsüber, einschließlich Erschöpftheit des Kiefermuskels, Kieferschmerzen und Kopfschmerzen, können sich verschlimmern, wenn das Knirschen oder Pressen auch am Tag fortgesetzt wird.

Der Kiefer weicht bei der Mundöffnung ab, allerdings in der Regel nicht so plötzlich oder nicht am gleichen Punkt der Mundöffnung wie bei der Diskusverlagerung des inneren Kiefergelenks. Durch leichten Druck kann der Untersuchende den Mund des Patienten um weitere 1 bis 3 mm über die passive maximale Mundöffnung hinaus öffnen.

Diagnose

  • Klinische Bewertung

  • Manchmal Polysomnographie

Ein einfacher Test kann bei der Diagnose helfen: Zwei oder drei Mundspatel werden zwischen die hinteren Molaren auf beiden Seiten platziert und der Patient wird aufgefordert, behutsam den Mund zu schließen. Die dadurch im Gelenkspalt hervorgerufene Distraktion kann die Symptome lindern. Röntgenaufnahmen helfen in der Regel nicht weiter, außer zum Ausschluss einer Arthritis. Wenn eine Riesenzellarteriitis vermutet wird, wird der ESR-Wert gemessen.

Die Polysomnographie sollte durchgeführt werden, wenn eine schlafbezogenen Atmungsstörung vermutet wird.

Therapie

  • Leichte Analgetika

  • Schiene oder Mundschutz

  • Ein Anxiolytika vor dem Schlafengehen kann in Betracht gezogen werden

  • Physikalische Therapie als Behandlung in Betracht ziehen

Eine vom Zahnarzt angefertigte Kunststoffschiene oder ein Mundschützer kann den Kontakt zwischen den Zahnreihen und damit die Schäden durch Bruxismus verhindern. Bequeme, durch Hitze formbare Schienen sind in vielen Sportgeschäften oder Drogerien erhältlich; aber diese Art von Schienen sollten kurzzeitig und nur als zeitlich begrenzte diagnostische Hilfsmittel verwendet werden. Weil Zähne sich bewegen können, sind Mundschutze, die von einem Zahnarzt angefertigt und angepasst werden, zu empfehlen.

Niedrige Dosen von Benzodiazepinen vor dem Schlafengehen sind für akute Exazerbationen und vorübergehende Symptomlinderung oft wirksam; bei Patienten mit assoziierten Schlafstörungen, wie etwa Schlafapnoe, Anxiolytika und Muskelrelaxantien, sollten sie jedoch mit Vorsicht verwendet werden, da sie diese Bedingungen verschlimmern können. Leichte Analgetika wie etwa NSAR oder Paracetamol, individuell oder in Kombination sind indiziert. Cyclobenzaprine kann bei manchen Personen zur Muskelentspannung hilfreich sein. Da die Erkrankung chronisch ist, sollten Opioide nicht verwendet werden, außer vielleicht kurzzeitig bei akuten Exazerbationen. In einigen Fällen von chronischen Schmerzen können Depressionen die Folge sein. In solchen Fällen sind Antidepressiva unter ärztlicher Aufsicht hilfreich.

Der Patient muss lernen, mit dem Pressen des Kiefers und Knirschen der Zähne beim Aufwachen aufzuhören. Hart zu kauende Speisen und Kaugummi sollten vermieden werden. Physikalische Therapie, Biofeedback zur Unterstützung der Entspannung sowie Beratungen helfen einigen Patienten. Zu den physikalischen Behandlungsformen gehören transkutane elektrische Nervstimulation (TENS) und „Sprayen und Dehnen“, wobei der Mund aufgedehnt wird, nachdem die Haut über der schmerzhaften Region mit Eis gekühlt oder mit einem hautkühlenden Mittel wie etwa Ethylchlorid eingesprüht wurde. Botulinumtoxin wurde in jüngerer Zeit erfolgreich verwendet, um Muskelspasmen beim myofaszialen Schmerzsyndrom zu lösen. Bei den meisten Patienten treten innerhalb von zwei bis drei Jahren auch ohne Behandlung keine nennenswerten Symptome mehr auf.

Wichtige Punkte

  • Myofasziales Schmerzsyndrom ist eine häufigere Ursache von Kiefergelenkschmerzen als von einer Diskusverlagerung des Kiefergelenks.

  • Tension, Müdigkeit und Spasmen der Kaumuskulatur sind Ergebnisse von nächtlichem Bruxismus.

  • Die Patienten leiden unter Schmerzen und Druckempfindlichkeit der Kaumuskulatur, schmerzhafterr Einschränkung der Kieferbewegung und manchmal unter Kopfschmerzen.

  • Nächtliche Verwendung von Schienen oder Mundschutz und ein Benzodiazepin können zusammen mit nichtopioden Analgetika helfen.

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