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Trennungsangst und Fremdeln

Von

Deborah M. Consolini

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Trennungsangst

Von Trennungsangst spricht man, wenn das Kind unruhig wird und zu schreien anfängt, sobald ein Elternteil den Raum verlässt. Einige Kinder schreien und haben Wutanfälle, weigern sich aus der Nähe ihrer Eltern zu gehen und/oder haben nächtliches Erwachen.

Trennungsangst ist ein normaler Entwicklungsschritt und beginnt typischerweise im Alter von etwa 8 Monaten, hat ihren Höhepunkt zwischen 10–18 Monaten und verschwindet wieder mit 24 Monaten. Sie muss von der pathologischen Trennungsangst, die in einem späteren Alter auftritt, und zwar zu einem Zeitpunkt, wenn dieses Verhalten nicht mehr altersentsprechend ist, unterschieden werden; die Weigerung, zur Schule oder zur Vorschule zu gehen ist eine häufige Manifestation der Trennungsangststörung.

Trennungsangst tritt auf, wenn Kinder zu verstehen beginnen, dass sie eine von ihrer primären Bezugsperson separate Person sind, jedoch noch nicht das Konzept der Objektpermanenz erworben haben (das Wissen, dass etwas immer noch existiert, wenn es nicht gesehen oder gehört werden kann). Wenn Kinder von ihrer primären Bezugsperson getrennt werden, verstehen sie deswegen nicht, dass die Bezugsperson wird zurückkehren wird. Weil Kinder kein Zeitkonzept haben, fürchten sie, dass der Abschied von ihren Eltern für immer ist. Die Trennungsangst verschwindet, wenn das Kind Erinnerung entwickelt. Es kann ein inneres Bild der Eltern vor Augen halten, sobald diese weg sind, und sich daran erinnern, dass sie in der Vergangenheit auch wieder zurückgekommen sind.

Es sollte Eltern davon abgeraten werden, die Trennungen als Antwort auf Trennungsangst zu minimieren oder übertriebene Vorbeugungen zu treffen, da dieses die Reifung und Entwicklung des Kindes beeinträchtigen könnte. Wenn die Eltern das Haus oder die Kindertagesstätte verlassen, können die folgenden Strategien ausprobieren:

  • Für Ablenkung durch die betreuende Person sorgen

  • Sich verabschieden ohne intensiver auf das Schreien des Kindes einzugehen

  • Gelassen und beruhigend bleiben

  • Eine bestimmte Routine für Abschiede entwickeln, um die Angst des Kindes zu erleichtern

  • Das Kind nach der Fütterung ein Nickerchen halten lassen, bevor sich die Eltern verabschieden, denn Trennungsangst kann sich verschlimmern, wenn ein Kind hungrig oder müde ist.

Wenn die Eltern in der Wohnung für einen Moment in einen anderen Raum gehen, hat es sich bewährt, zur Beruhigung des Kindes von dort zu rufen. Diese Strategie lässt die Kinder erfahren, dass die Eltern noch da sind, obwohl das Kind sie nicht sehen kann.

Trennungsangst verursacht keine langfristigen Schäden bei Kindern, wenn sie im Alter von 2 Jahren verschwindet. Wenn sie über das 2. Lebensjahr hinausgeht, kann sie unter Umständen zu Problemen führen, je nachdem wie sehr sie die normale Entwicklung des Kindes beeinträchtigt.

Es ist normal, wenn Kinder etwas Angst haben, wenn sie zum ersten Mal in die Kindertagesstätte oder den Kindergarten gehen. Diese Angst sollte jedoch nach einer Weile abnehmen. Nur selten hält ausgeprägte Angst ein Kind davon ab, zu einer Tagesmutter oder in den Kindergarten zu gehen und mit Gleichaltrigen zu spielen. Bei dieser Angst handelt es sich wahrscheinlich um pathologische (Trennungsangst). In den meisten dieser Fälle ist eine medizinische Behandlung nicht erforderlich.

Fremdeln

Fremdeln bedeutet, dass ein Kind anfängt zu schreien, wenn sich ein Fremder nähert. Es ist normal, wenn sie im Alter von 8–9 Monaten anfängt und mit 2 Jahren wieder nachlässt. Fremdeln ist mit dem normalen Entwicklungsschritt verknüpft, in dem das Kind lernt, zwischen Bekanntem und Unbekanntem zu unterscheiden. Sowohl das Ausmaß als auch die Dauer des Fremdelns unterscheiden sich von Kind zu Kind erheblich.

Manche Säuglinge und Kleinkinder zeigen in einem gewissen Alter eine deutliche Bevorzugung des einen Elternteils über dem anderen und Großeltern können plötzlich als Fremde angesehen werden. Um Missverständnisse in Bezug auf das Verhalten des Kindes zu vermeiden, ist es sinnvoll, im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen auf diese Erscheinungen hinzuweisen. Die Beruhigung des Kindes und das Vermeiden einer Überreaktion von Seiten der Eltern sind meistens die einzigen erforderlichen Maßnahmen.

Das Handeln sollte vom gesunden Menschenverstand geprägt sein. Es ist natürlich sinnvoll, einen neuen Babysitter erst etwas Zeit mit der Familie verbringen zu lassen, bevor der eigentliche Tag kommt, an dem das Kind mit der „fremden“ Person alleine ist. Genauso vernünftig ist es, an dem entsprechenden Tag zunächst etwas Zeit mit dem Kind und dem Babysitter zu verbringen. Wenn die Großeltern kommen, um ein paar Tage auf das Kind aufzupassen während die Eltern weg sind, sollten sie ein oder zwei Tage früher anreisen. Ähnliche Techniken können bei einem geplanten Krankenhausaufenthalt angewendet werden.

Fremdeln in ausgeprägter Intensität und Dauer kann Zeichen einer generalisierten Angst sein und sollte Anlass geben, die Familiensituation, das Elternverhalten und das seelische Befinden des Kindes zu überprüfen.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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