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Panikstörung bei Kindern und Jugendlichen

Von

Josephine Elia

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Von einer Panikstörung spricht man, wenn das Kind wiederholte, häufige Panikattacken hat, und zwar mindestens einmal pro Woche. Panikattacken sind Anfälle, die ungefähr 20 min andauern. Während der Anfälle zeigen die betroffenen Kinder somatische und kognitive Symptome oder beides. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Die Behandlung besteht in Benzodiazepinen, SSRI oder Verhaltenstherapie.

(Siehe auch Panikattacken und Panikstörung bei Erwachsenen.)

Im Vergleich zu Jugendlichen sind Panikstörungen bei präpubertären Kindern selten.

Panikattacken können allein oder mit anderen Angststörungen (z. B. Agoraphobie, Trennungsangst) oder psysischen Störungen (z. B. Zwangsstörung [OCD]) oder bestimmten Erkrankungen (z. B. Asthma) auftreten. Panikattacken können einen Asthmaanfall auslösen und umgekehrt.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome von Panikattacken umfassen ein plötzliches Aufkommen intensiver Angst, begleitet von somatischen Symptomen (z. B. Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Kurzatmigkeit oder Atemnot, Brustschmerzen, Übelkeit, Schwindel). Im Vergleich zu denjenigen bei Erwachsenen sind Panikattacken bei Kindern und Jugendlichen nach außen hin häufig noch dramatischer (z. B. mit Schreien, Weinen und Hyperventilation). Dieses Verhalten kann alarmierend auf Eltern und andere wirken.

Panikattacken entwickeln sich spontan, aber mit der Zeit fangen Kinder an, sie bestimmten Situationen und Umgebungen zuzuordnen. Betroffene Kinder versuchen dann, diese Situationen zu meiden, was zur Agoraphobie führen kann. Agoraphobie wird bei einem Kind diagnostiziert, wenn der Alltag (Schulbesuch, Besuch eines Einkaufszentrums oder andere typische Aktivitäten) nur noch schwer zu bewältigen ist.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

  • Abklärung anderer Ursachen

Panikstörung wird auf der Grundlage einer Vorgeschichte von wiederkehrenden Panikattacken diagnostiziert, in der Regel nach einer körperlichen Untersuchung, um körperliche Ursachen für somatische Symptome auszuschließen. Viele Kinder werden aufwendigen diagnostischen Tests unterzogen, bevor eine Panikstörung als Ursache vermutet wird. Das Vorhandensein anderer Erkrankungen, insbesondere von Asthma, kann die Diagnose zusätzlich erschweren. Eine sorgfältige psychiatrische Untersuchung sollte andere Störungen (z. B. OCD, soziale Angststörung) ausschließen, da eine dieser Störungen das primäre Problem sein kann und die Panikattacken nur das sekundäre.

Bei Erwachsenen gehören zu den wichtigen diagnostischen Kriterien für die Panikstörung auch die Angst vor der nächsten Panikattacke, oder Sorgen über ihre Auswirkungen und eine Änderung ihres Verhaltens. Doch Kindern und jüngeren Jugendlichen fehlt in der Regel Einsicht und Erfahrung, um diese Sorgen zu entwickeln. Es kann aber sein, dass sie ihr Verhalten ändern, um Situationen zu vermeiden, bei denen sie eine Panikattacke befürchten.

Prognose

Die Prognose ist mit einer Behandlung gut. Unbehandelt kann es vorkommen, dass die Jugendlichen die Schule abbrechen, sich von der Gesellschaft zurückziehen, verschlossen und suizidal werden.

Die Schwere von Panikstörungen nimmt oft ohne ersichtlichen Grund zu und wieder ab. Einige Patienten sind für lange Zeit symptomfrei, um dann plötzlich nach Jahren einen Rückfall zu erleiden.

Therapie

  • In der Regel Benzodiazepine oder SSRI begleitet von Verhaltenstherapie

Die Behandlung der Panikstörung ist normalerweise eine Kombination aus Medikamenten und Verhaltenstherapie. Bei Kindern kann es sogar schwer sein, mit einer Verhaltenstherapie zu beginnen, bevor die Panikattacken medikamentös kontrolliert sind.

Benzodiazepine sind am wirksamsten. SSRI werden aber oft bevorzugt, da die Benzodiazepine sedativ wirken und Lernen und Gedächtnis beeinträchtigen. Die SSRI wirken aber nicht schnell genug, und die kurzzeitige Gabe von Benzodiazepinen (z. B. Lorazepam 0,5–2,0 mg p.o. 3-mal täglich) kann helfen, die Zeit bis zur Wirkung der SSRI zu überbrücken.

Wichtige Punkte

  • Panikattacken sind gekennzeichnet durch einen plötzlichen Anstieg von intensiver Angst, begleitet von somatischen Symptomen.

  • Panikattacken bei Kindern und Jugendlichen sind oft dramatischer (z.B. mit Schreien, Weinen und Hyperventilation) als bei Erwachsenen.

  • Die Schwere von Panikstörungen nimmt oft ohne ersichtlichen Grund zu und wieder ab.

  • Behandeln Sie Panikstörungen mit Benzodiazepinen oder SSRIs, um Symptome zu kontrollieren, dann mit einer Verhaltenstherapie.

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