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Bipolare Störung bei Kindern und Jugendlichen

Von

Josephine Elia

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Quellen zum Thema

Bipolare Störungen sind durch sich abwechselnde Perioden von manischen, depressiven und normalen Gemütszuständen charakterisiert. Jede Phase kann Wochen oder Monate dauern. Die Diagnose wird nach klinischen Kriterien gestellt. Die Behandlung ist eine Kombination von Stimmungsstabilisatoren (z. B. Lithium, bestimmte Antiepileptika, Psychopharmaka), Psychotherapie und Antidepressiva.

Bipolare Störungen beginnen typischerweise in den Jahren zwischen Pubertät und Mitte 20. Bei vielen Kindern ist die Erstmanifestation eine oder mehrere depressive Episoden.

Bipolare Störung ist bei Kindern selten. In der Vergangenheit ist die bipolare Störung bei präpubertären Kindern diagnostiziert worden, die durch intensive instabile Stimmungen eingeschränkt wurden. Weil solche Kinder jedoch in der Regel zu einer depressiven anstatt einer bipolaren Störung fortschreiten, werden sie nun als disruptive Stimmungsdysregulationsstörung klassifiziert.

Ätiologie

Die Ätiologie der bipolaren Störung ist unbekannt, aber Vererbung ist beteiligt. Eine fehlerhafte Regulation von Serotonin und Noradrenalin kann damit in Verbindung gebracht werden, ebenso wie ein belastendes Ereignis.

Bestimmte Substanzen (z. B Kokain, Amphetamine, Phencyclidine, bestimmte Antidepressiva) und Umweltgifte (z. B. Blei) können die Störung verschlimmern oder imitieren. Bestimmte Erkrankungen (z. B. Erkrankungen der Schilddrüse) können ähnliche Symptome verursachen.

Symptome und Beschwerden

Das Hauptmerkmal einer bipolaren Störung ist eine manische Episode. Manische Episoden wechseln sich mit depressiven Episoden ab, die häufiger auftreten können. Während der manischen Episode kann die Stimmung des Jugendlichen entweder positiv oder irritierbar sein und je nach den sozialen Umständen zwischen beiden Stimmungen wechseln. Das Sprechen ist schnell und gepresst, der Schlaf vermindert und die Selbsteinschätzung überhöht. Die Manie kann psychotische Ausmaße erreichen (z. B. "Ich bin Eins mit Gott"). Das Urteilsvermögen kann stark beeinträchtigt sein, und Jugendliche können riskante Verhaltensweisen (z. B. Promiskuität, rücksichtsloses Fahren) zeigen.

Vorpubertäre Kinder können dramatische Stimmungsschwankungen erleben, aber die Dauer dieser Stimmungen ist sehr viel kürzer als bei Erwachsenen. Oft halten sie nur einige Minuten an.

Der Beginn ist typischerweise heimtückisch, und der Bericht lautet immer, das Kind sei schon immer temperamentvoll und schwer zu handhaben gewesen.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

  • Untersuchung auf toxikologische Ursachen

Die Diagnose der bipolaren Störung beruht auf der Identifizierung von manischen Symptomen, wie oben beschrieben, sowie einer Anamnese mit Remissionen und Rezidiven.

Eine Reihe von Erkrankungen (z. B. Erkrankungen der Schilddrüse, Infektionen des Gehirns oder Tumoren) und Drogenabhängigkeit müssen durch geeignete medizinische Verfahren ausgeschlossen werden. Dazu gehören auch toxikologische Untersuchungen auf Drogen und Umweltgifte. Der Arzt sollte auch nach auslösenden Ereignissen wie psychologischer Stress (darunter auch sexueller Missbrauch und Inzest) suchen.

Prognose

In der Pubertät beginnende bipolare Störungen haben eine unterschiedliche Prognose. Patienten mit leichten oder mittelschweren Symptomen, die gut auf die Behandlung ansprechen und kooperativ sind, haben eine hervorragende Prognose. Allzu oft ist das Ansprechen auf die Behandlung aber unzureichend und der Jugendliche hinsichtlich der Medikamenteneinnahme notorisch unzuverlässig. Für diese Jugendlichen ist die langfristige Prognose nicht so gut.

Im Augenblick weiß man noch nichts über die Langzeitprognose bei jungen Kindern mit einer bipolaren Störung und hochinstabilen, wechselnden und heftigen Gemütsschwankungen.

Behandlung

  • Stimmungsstabilisatoren und Antidepressiva

  • Psychotherapie

Beide, Jugendliche und junge Kinder, werden während ihrer manischen und hochaktiven Phase mit Stimmungsstabilisatoren behandelt, während Psychotherapie und Antidepressiva für die depressive Phase eingesetzt werden.

Stimmungsstabilisatoren (siehe Tabelle: Ausgewählte Medikamente für die bipolare Störung*) können grob in 3 Kategorien eingeteilt werden:

  • Stimmungsstabilisierende Antikonvulsiva

  • Stimmungsstabilisierende Antipsychotika

  • Lithium

Alle Stimmungsstabilisatoren können potenziell gefährliche Nebenwirkungen auslösen. Deswegen muss die Behandlung individuell erfolgen. Ferner können Medikamente, die in der Initialphase sehr erfolgreich gewirkt haben, wegen schwerer Nebenwirkungen, meistens Gewichtszunahme, nicht mehr als Dauermedikation verwendet werden.

Antidepressiva können einen Wechsel von Depression zu Manie auslösen, und werden daher in der Regel in Kombination mit einem Stimmungsstabilisator verwendet.

Tipps und Risiken

  • Bei Patienten mit bipolarer Störung können Antidepressiva einen Wechsel von Depression zu Manie auslösen, so dass sie in der Regel mit einem Stimmungsstabilisator verwendet werden.

Tabelle
icon

Ausgewählte Medikamente für die bipolare Störung*

Wirkstoff

Indikation

Initialdosis

Erhaltungsdosis

Kommentare

Lithium

Lithium mit Langzeitwirkung‡,§ bei Jugendlichen ≥ 12 Jahren

Akute Manie und Stabilisierung

450–900 mg 2-mal täglich

Dosis titriert bis zu einem Blutspiegel von 0,8–1,2 mmol/l

Lithium, sofortige Freisetzung‡,§, bei Jugendlichen

Akute Manie und Stabilisierung

200–300 mg 3-mal täglich

300–600 mg 3-mal täglich bis zu 2400 mg/Tag

Antipsychotika

Aripiprazole§ bei Kindern ≥ 10 Jahre

Akute Manie

Psychose

2–5 mg einmal täglich

Bis zu 30 mg einmal täglich

Begrenzte Erfahrungen bei Kindern

Chlorpromazin bei Kindern > 5 Jahre‡,§

Akute Manie

Psychose

0,6–1,5 mg/kg alle 6 h bis zu 200 mg/Tag

Selten verwendet, weil neuere Medikamente ein günstigeres Nebenwirkungsprofil haben

Olanzapin bei Kindern > 13 Jahre§

Akute Manie

Psychose

2,5–5 mg einmal täglich

Bis zu 10 mg 2-mal täglich

Verursacht Gewichtszunahme, die Anwendung kann dadurch bei manchen Patienten begrenzt sein

Olanzapin/Fluoxetin in fester Kombination Kinder > 10 Jahre‡,§

Bipolare Depression

3 mg/25 mg einmal/Tag

Bis zu 12 mg/50 mg einmal/Tag

Begrenzte Erfahrungen bei Kindern

Paliperidon bei Kindern > 12 Jahre ‡,§

Akute Manie

Psychose

3 mg einmal täglich

Bis zu 3 mg 2-mal täglich

Eng verwandt mit Risperidon

Sehr begrenzte Erfahrungen bei Kindern

Quetiapin, sofortige Freisetzung, bei Kindern > 10 Jahre§

Akute Manie

Psychose

25 mg 2-mal täglich

Bis zu 200 mg 2-mal täglich

Verursacht eine Sedierung, die die Dosiserhöhung beschränkt

Risperidon bei Kindern > 10 Jahre§

Akute Manie

Psychose

0,5 mg einmal täglich

Bis zu 2,5 mg/Tag einmal/Tag

Erhaltungsdosis sehr variabel Passen Sie die Dosis in Schritten von 0,5 bis 1 mg/Tag in Abständen von mindestens 24 Stunden an.

Bei hohen Dosen erhöhtes Risiko für neurologische Nebenwirkungen

Ziprasidon bei Kindern > 10 Jahre§

Akute Manie

Psychose

20 mg 2-mal täglich

Bis zu 80 mg 2-mal täglich

Sehr begrenzte Erfahrungen bei Kindern

Antikonvulsiva

Carbamazepin

Akute Manie und gemischte Episode

200 mg 2-mal täglich

Bis zu 600 mg 2-mal täglich

Metabolische Enzyminduktion, erfordert möglicherweise eine Dosisanpassung

Divalproex

Akute Manie

5 mg/kg 2-mal oder 3-mal täglich

Bis zu 10–20 mg/kg 3-mal täglich

Dosis titriert bis zu einem Blutspiegel von 50–125 μg/ml

Lamotrigin

Langzeittherapie

25 mg einmal täglich

Bis zu 100 mg 2-mal täglich

Erfordert, dass Angaben der Packungsbeilage genau befolgt werden

* Diese Medikamente stellen ein kleines, aber ernsthaftes Risiko für eine Vielzahl von großen Nebenwirkungen dar. Daher muss der Nutzen sorgfältig gegen mögliche Risiken abgewogen werden.

Die Dosierungshinweise sind ungefähre Angaben. Die interindividuelle Variabilität in therapeutischer Wirksamkeit und Nebenwirkungen ist beträchtlich. Diese Tabelle ist kein Ersatz für die vollständige Medikamenteninformation.

Diese Medikamente wurden bei Kindern nicht untersucht. Zur Dosierung bei Kindern < 12 Jahre siehe die Verschreibungsinformationen.

§Diese Medikamente erhöhen das Risiko für Gewichtszunahme, negative Auswirkungen auf das Lipidprofil, Zunahmen in Glukose- und Prolaktin-Spiegeln und QT-Verlängerung.

Wichtige Punkte

  • Bipolare Störungen sind durch sich abwechselnde Perioden von manischen, depressiven und normalen Gemütszuständen charakterisiert. Jede Phase kann Wochen oder Monate dauern.

  • Bipolare Störungen beginnen typischerweise in den Jahren zwischen Pubertät und Mitte 20. Sie ist selten bei Kindern.

  • Typischerweise ist der Beginn heimtückisch; Kinder haben eine Vorgeschichte, in der sie sehr temperamentvoll und schwer zu handhaben sind.

  • Bei Jugendlichen und präpubertären Kindern behandeln Sie manische oder unruhige Episoden mit Stimmungsstabilisatoren und depressive Episoden mit Psychotherapie und Antidepressiva (meist mit einem Stimmungsstabilisator).

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