Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Neurofibromatose

Von

Margaret C. McBride

, MD, Northeast Ohio Medical University;


M. Cristina Victorio

, MD, Northeast Ohio Medical University

Inhalt zuletzt geändert Apr 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Quellen zum Thema

Neurofibromatose bezieht sich auf mehrere verwandte Störungen, die überlappende klinische Manifestationen haben, von denen aber jetzt verstanden wird, dass sie verschiedene genetische Ursachen haben. Sie verursacht verschiedene Arten von benignen oder malignen Tumoren, die die zentralen oder peripheren Nerven betreffen, und verursacht oft pigmentierte Hautflecken und manchmal auch andere Manifestationen. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Es gibt keine spezifische Behandlung, aber benigne Tumoren können chirurgisch entfernt werden und maligne Tumoren (die weniger häufig sind) können mit Strahlentherapie oder Chemotherapie behandelt werden.

Neurofibromatose ist ein neurokutanes Syndrom (ein Syndrom mit neurologischen und kutanen Manifestationen).

Formen

Es gibt mehrere Typen der Neurofibromatose.

Neurofibromatose Typ 1 (NF1 oder von-Recklinghausen-Krankheit) ist am häufigsten und tritt bei 1 von 2500 bis 3000 Personen auf. Sie verursacht neurologische, kutane und manchmal Weichteil- und Knochenveränderungen. Das Gen für NF1 liegt auf Band 17q11.2 und kodiert die Synthese von Neurofibromin; > 1000 Mutationen sind identifiziert worden. Obwohl es eine autosomal-dominante Erkrankung ist, werden 20 bis 50% der Fälle durch eine de novo Keimzellmutation verursacht.

Neurofibromatose Typ 2 (NF2) ist für 10% der Fälle verantwortlich und tritt bei etwa 1 von 35.000 Personen auf. Sie manifestiert sich in erster Linie als kongenitale bilaterale Akustikusneurinome (vestibuläre Schwannome). Das Gen für NF2 liegt auf Band 22q11 und kodiert die Synthese von Merlin, einem Tumorsuppressor; 200 Mutationen sind identifiziert worden. Die meisten Personen mit NF2 ererben sie von einem ihrer Elternteile.

Schwannomatose, eine seltene Erkrankung, wird als 3. Typ der Neurofibromatose klassifiziert. In 15% der Fälle ist dieser Typ familiär und steht im Zusammenhang mit einer Keimbahnmutation im SMARCB1-Gen, einem Tumorsupressorgen, das auf 22q11.23 liegt, ganz in der Nähe des NF2-Gens. In den übrigen Fällen wird die genetische Basis noch nicht gut verstanden, aber im Gewebe einiger Patienten sind andere Mutationen desselben Gens beteiligt. Zwei oder mehr Schwannome entwickeln sich in den spinalen und peripheren Nerven und sind manchmal sehr schmerzhaft; allerdings entwickeln sich keine Akustikusneurinome. Schwannomatose wurde früher als eine Form der NF2 angesehen, weil mehrere Schwannome bei beiden Erkrankungen vorhanden sind; allerdings unterscheidet sich das klinische Erscheinungsbild und die beteiligten Gene unterscheiden sich voneinander.

Periphere und zentrale Neurofibromen

Tumoren können peripher oder zentral sein.

Periphere Tumoren sind bei NF1 häufig und können sich überall entlang des Verlaufs der peripheren Nerven entwickeln. Die Tumoren sind Neurofibrome, die sich aus Nervenscheiden entwickeln und aus Gemischen von Schwann-Zellen, Fibroblasten, neuraler Zellen und Mastzellen bestehen. Die meisten erscheinen in der Adoleszenz. Gelegentlich formen sie sich zu malignen peripheren Nervenscheidentumoren. Es gibt mehrere Formen:

  • Kutane Neurofibrome sind weich und fleischig.

  • Subkutane Neurofibrome sind fest und knotig.

  • Die nodulären, plexiformen Neurofibrome können die Nervenbahnen der spinalen Nerven befallen. Sie wachsen typischerweise durch ein intervertebrales Foramen und verursachen intraspinale und extraspinale Tumoren (intraspinale Sanduhrtumoren). Der intraspinale Anteil kann die Wirbelsäule zusammendrücken.

  • Diffuse plexiforme Neurofibrome (subkutane Knoten oder amorphe Tumormassen aus darunter liegenden Knochen- oder Schwann-Zellen) können entstellend sein und Störungen distal des Neurinoms verursachen. Plexiforme Neurofibrome können bösartig werden und scheinen bei Personen mit NF1 die häufigsten Vorläufer für maligne periphere Nervenhüllentumoren zu sein.

  • Schwannome sind aus Schwann-Zellen abgeleitet, unterziehen sich selten einer malignen Transformation und können überall im Körper in peripheren Nerven auftreten.

Zentrale Tumoren haben verschiedene Formen:

  • Optikusgliome: Diese Tumoren sind pilozytische Astrozytome niedrigen Grades, die asymptomatisch sein oder sich genug fortbilden können, um den Sehnerv zu komprimieren und zu Blindheit zu führen. Sie treten bei jüngeren Kindern auf; diese Tumoren können in der Regel im Alter von 5 Jahren identifiziert werden und entwickeln sich selten nach dem Alter von 10 Jahren. Sie treten bei NF1 auf.

  • Akustikusneurinom (vestibuläre Schwannome): Diese Tumoren können aufgrund der Kompression des 8. Hirnnervs Schwindel, Ataxie, Schwerhörigkeit und Tinnitus verursachen; sie verursachen manchmal Fazialisschwäche aufgrund der Kompression des benachbarten 7. Nervs. Sie sind das Unterscheidungsmerkmal der NF2.

  • Meningeome: Diese Tumoren entwickeln sich bei manchen Personen, insbesondere denjenigen mit NF2.

Symptome und Beschwerden

NF1

Die meisten Patienten mit Neurofibromatose vom Typ 1 (NF1) sind asymptomatisch, einige stellen sich jedoch mit neurologischen Defiziten oder Knochenanomalien vor. Bei > 90% der Fälle sind charakteristische Hautbefunde bei Geburt vorhanden oder entwickeln sich in der Kindheit.

Die Zeichen sind mittelbraune Flecken (Café-au-lait-Flecken) und sommersprossenartige Flecken, die über den ganzen Rumpf, das Becken und die Beugeseiten der Ellenbogen und Knie verteilt sind. Obwohl Kinder, die keine Neurofibromatose haben, 2 oder 3 Café-au-lait-Läsionen haben können, haben Kinder, die NF1 haben, ≥ 6 solche Makula und oft viele mehr. Diese Flecken sind bei betroffenen präpubertären Kindern > 5 mm und bei postpubertären Patienten > 15 mm (siehe Tabelle zur Diagnose der Neurofibromatose).

Kutane Neurofibrome, die entlang kleiner peripherer Nerven entstehen, sind häufig. In der späten Kindheit erscheinen diese fleischfarbenen Tumoren in verschiedenen Größen und Formen; ihre Anzahl kann zwischen einigen wenigen und tausend schwanken. Sie sind üblicherweise asymptomatisch.

Plexiforme Neurofibrome können sich entwickeln und neigen dazu, zu großen Größen zu wachsen, was unregelmäßig verdickte, verzerrte Strukturen verursacht, manchmal mit grotesken Missbildungen, die auf Nerven und andere Strukturen einwirken können. An plexiformen Neurofibromen können auch Hirnnerven beteiligt sein, typischerweise der 5., 9. und 10. Bereich.

Die neurologischen Symptome variieren in Abhängigkeit von der Lage und der Anzahl der Neurofibrome. Größere Neurofibrome können auf ihren Ursprungsnerv drücken und distale Parästhesien, Schmerzen und sensorischen Verlust oder Schwäche verursachen, abhängig von der Funktion dieses Nervs. Neurofibrome, die sich entlang spinaler Nervenwurzeln bilden, insbesondere wenn die Nervenwurzeln im Knochen enthalten sind, können die Nervenwurzeln komprimieren und radikuläre Schmerzen, Schwäche oder einen weit verbreiteten sensorischen Verlust in dieser Nervenverteilung verursachen. Plexiforme Neurofibrome, die Hirnnerven komprimieren, verursachen für diese Nerven typische Defizite.

Hautmanifestationen der Neurofibromatose Typ 1

Zu den Knochenanomalien gehören

  • Subperiostale Knochenzysten

  • Keilwirbel

  • Verdünnung der Knochenkortikalis

  • Pseudarthrose

  • Fehlender größerer Keilbeinflügel (posteriore Orbitawand) mit einem pulsierenden Exophthalmus als Folge

Optikusgliom und Lisch-Knötchen (Irisharmatome) kommen bei einigen Patienten vor. Optische Gliome sind in der Regel asymptomatisch und bedürfen keiner Behandlung, es sei denn, ihre Größe nimmt allmählich zu.

Patienten mit NF1 können auch Veränderungen in ihren Arterienwänden haben, die zu einem Moyamoya-Syndrom führen können (Stenose oder Verschluss der Arterien im und um den Willis-Kreis mit Bildung kleiner Kollateralarterien) oder intrakranielle Arterienaneurysmen. Einige Kinder haben Lernschwierigkeiten und leicht vergrößerte Köpfe.

Kinder und Jugendliche mit NF1 können eine chronische myelomonozytäre Leukämie der Kindheit (juvenile myelomonozytäre Leukämie) und Rhabdomyosarkom haben. Pheochromozytome können in jedem Lebensalter auftreten.

Maligne Tumoren sind viel seltener, aber immer noch häufiger als in der Allgemeinbevölkerung; sie umfassen supratentorielle oder Hirnstamm-Gliomen und die Transformation von plexiformen Neurofibromen zu malignen peripheren Nervenscheidentumoren. Diese Tumoren können sich in jedem Alter entwickeln.

NF2

Bei der Neurofibromatose vom Typ 2 (NF2) können sich bilaterale Akustikusneurinome entwickeln, die in der Kindheit oder Adoleszenz symptomatisch werden. Sie verursachen Hörverlust, Gleichgewichtsstörungen und manchmal Kopfschmerzen oder eine Fazialisparese. Bilaterale Tumoren des VIII. Hirnnervs können vorhanden sein. Familienmitglieder können Gliome, Meningeome und Schwannome haben.

Schwannomatose

Bei Schwannomatose entwickeln sich mehrere Schwannomen auf Schädel-, spinalen und peripheren Nerven. Akustikusneurinomen entwickeln sich nicht, und die Patienten werden nicht taub. Auch entwickeln sich die anderen Arten von Tumoren, die manchmal bei neurokutanen Störungen auftreten nicht.

Das erste Symptom von Schwannomatose sind in der Regel Schmerzen, die chronisch und schwer werden können. Andere Symptome können sich in Abhängigkeit von der Lage der Schwanome entwickeln.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

  • MRT oder CT

Bei NF1 werden die meisten Patienten bei einer Routineuntersuchung, wegen kosmetischer Probleme oder bei einer positiven Familienanamnese identifiziert. (Siehe dazu auch die guidelines for the diagnosis and management of NF1.)

Die Diagnose aller 3 Typen erfolgt klinisch (siehe Tabelle: Neurofibromatose) durch ausführliche körperliche Untersuchung, die sich auf die Haut-, Skelett- und neurologischen Systeme konzentriert. NF1 sollte vermutet und überwacht werden für Kinder, die mehrere Café-au-lait-Flecken haben, auch wenn sie keine anderen Merkmale oder eine Familiengeschichte von NF1 haben.

Eine MRT wird bei Patienten mit neurologischen Symptomen oder Anzeichen und wenn eine detaillierte Sichtprüfung nicht möglich ist, bei jüngeren Kindern, die die klinischen Kriterien für NF1 erfüllen und die ein Optikusgliom haben, durchgeführt. Die T2-gewichtete MRT kann eine Verdickung oder Tortuosität der Sehnerven und parenchymalen hyperintensiven Läsionen zeigen, die sich im Laufe der Zeit verändern und mit kleinen zystischen Strukturen in NF1 korrelieren; die MRT kann helfen, akustische Neurome oder Meningeome in NF2 zu identifizieren. Wenn ein Akustikusneurinom vermutet wird, kann eine CT des Felsenkamms durchgeführt werden; sie zeigt typischerweise eine Verbreiterung des Gehörgangs.

Genetische Tests werden bei diesen Erkrankungen in der Regel nicht durchgeführt, weil nicht alle Mutationen bekannt sind und die klinischen Kriterien klar sind.

Tabelle
icon

Neurofibromatose

Typ

Kriterien

Neurofibromatose Typ 1 (NF1)

2 der folgenden Bedingungen müssen vorhanden sein:

  • 6 Café-au-lait-Flecken mit einem Durchmesser von > 5 mm an der breitesten Stelle bei präpubertären Patienten und > 15 mm bei postpubertären Patienten

  • 2 Neurofibrome jeglicher Art oder 1 plexiformes Neurofibrom

  • Sommersprossen in der Achsel oder Leiste

  • Optikusgliom

  • 2 Lisch-Knötchen (Irishamartome)

  • Deutliche knöcherne Läsion (z. B. Dysplasie des Keilbeinflügels, Verdünnung der Knochenkortikalis) mit oder ohne Pseudarthrose

  • Ein Elternteil oder Geschwister mit der Diagnose NF1

Neurofibromatose Typ 2 (NF2)

Eine der folgenden Bedingungen müssen vorhanden sein:

  • Bilaterale Tumoren des VIII. Hirnnervs, erkennbar auf CT oder MRT

  • Ein Elternteil oder Geschwister mit NF2 und entweder ein einseitiger Tumor des VIII. Hirnnervs oder 2 der folgenden Befunde: Neurofibrom, Meningeom, Gliom, Schwannom oder juvenile posteriore subkapsuläre Linsentrübung

Schwannomatose

  • ≥ 2 nicht-intradermale Schwannome (mindestens eines pathologisch bestimmt)

  • Kein Nachweis von vestibulärem Neurom auf hochauflösender MRT

  • Keine bekannte NF1-Genmutation

  • Ein pathologisch bestätigtes nicht-vestibuläres Schwannom und ein Verwandter 1. Grades, der die oben genannten Kriterien erfüllt

Adaptiert nach Martuza RL, Eldredge R: Neurofibromatosis 2 (bilateral acoustic neurofibromatosis). Nachdruck mit Genehmigung von The New England Journal of Medicine 318:684–688, 1988; additional data from Plotkin SR, Blakeley JO, Evans DG, et al: Update from the 2011 International Schwannomatosis Workshop: From genetics to diagnostic criteria. American Journal of Medical Genetics (part A) 161 (3):405–416, 2013 and Chen SL, Liu C, Liu B, et al: Schwannomatosis: A new member of neurofibromatosis family. Chinese Medical Journal (English) 126 (14):2656–60, 2013.

Behandlung

  • Bei symptomatischen Neurofibromen möglicherweise Operation oder Entfernung durch Laser oder Elektrokauter

  • Bei malignen Tumoren Chemotherapie

Es gibt keine allgemeine Behandlung für Neurofibromatose.

Neurofibrome, die schwere Symptome verursachen, können eine operative Entfernung oder, wenn sie klein sind, eine Entfernung mit Laser oder Elektrokauterisation erfordern. Die chirurgische Entfernung von plexiformen Neurofibromen kann die Funktion des betroffenen Nervs auslöschen und die Neurofibrome neigen dazu, an der Entnahmestelle wieder aufzutauchen.

Die meisten optischen Gliome sind asymptomatisch und müssen nur auf Progression überwacht werden. Für sowohl progressive optische Gliome als auch für maligne ZNS-Läsionen ist die Chemotherapie die Therapie der Wahl.

Eine genetische Beratung wird empfohlen. Ist ein Elternteil an Neurofibromatose erkrankt, besteht ein 50%-iges Erkrankungsrisiko für die Kinder. Ist kein Elternteil erkrankt, ist das Risiko unbekannt, da neue Mutationen häufig sind, insbesondere bei NF1.

Wichtige Punkte

  • Es gibt 3 Typen von Neurofibromatose: NF1, NF2; und Schwanomatose - sie werden durch Genmutationen verursacht.

  • NF1 verursacht typischerweise kutane, neurologische und Knochenanomalien, kann aber nahezu jeden Körperteil betreffen.

  • NF2 verursacht bilaterale Akustikusneurinome.

  • Schwannomatosis verursacht mehrere nicht-intradermale Schwannome; es verursacht keine Akustikusneurinome.

  • Die Diagnose wird anhand klinischer Kriterien gestellt; Neuroimaging wird durchgeführt, wenn die Patienten neurologische Anomalien haben.

  • Es gibt keine spezifische Behandlung, aber Neurofibrome, die schwere Symptome verursachen, können chirurgisch entfernt werden.

  • Bösartige Tumore können eine Chemotherapie erfordern.

Weitere Informationen

  • Guidelines for the diagnosis and management of NF1

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
How to do Neonatal Resuscitation
Video
How to do Neonatal Resuscitation
3D-Modelle
Alle anzeigen
Mukoviszidose: Defekter Chloridtransport
3D-Modell
Mukoviszidose: Defekter Chloridtransport

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN