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Andere Arten der Muskeldystrophie

Von

Michael Rubin

, MDCM, New York Presbyterian Hospital-Cornell Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Kongenitale Muskeldystrophie

Die kongenitale Muskeldystrophie ist keine Einzelerkrankung, sondern bezieht sich auf eine bei der Geburt evidente Muskeldystrophie, die sich aus allen möglichen seltenen Formen der Muskeldystrophie entwickeln kann. Alle diese Dystrophien sind genetisch rezessiv und resultieren aus Mutationen einer Vielzahl von verschiedenen Genen einschließlich derer, die für die Basisproteine der Basalmembran oder die extrazelluläre Matrix der Skelettmuskelfasern verantwortlich sind.

Die Diagnose einer angeborenen Muskeldystrophie wird bei einem schlappen Neugeborenen vermutet, muss durch eine Muskelbiopsie aber in jedem Fall von einer kongenitalen Myopathie abgegrenzt werden.

Die Behandlung der angeborenen Muskeldystrophie besteht aus unterstützender Behandlung inklusive Krankengymnastik, die dabei hilft, die Muskelfunktionen zu erhalten.

Emery-Dreifuss-Muskeldystrophie

Diese Störung wird autosomal-dominant, autosomal-rezessiv (sehr selten) oder X-chromosomal vererbt. Die Inzidenz ist nicht bekannt. Frauen können Trägerinnen sein, aber nur Männer sind von der X-chromosomalen Vererbung betroffen. Die Gene, die mit der Emery-Dreifuss-Muskeldystrophie assoziiert sind, kodieren für einige nukleäre Membranproteine Lamin A/C (autosomal) und Emerin (X-chromosomal).

Symptome und Beschwerden

Muskelschwäche und Muskelschwund können jederzeit vor dem 20. Lebensjahr beginnen und betreffen Bizeps, Trizeps und, wenn auch seltener, die Beinmuskulatur. Charakteristisch sind multiple frühe Anfälle. Häufig ist das Herz involviert, mit Vorhofparalyse, Leitungsstörungen (AV-Block), Kardiomyopathie und einer großen Wahrscheinlichkeit für einen plötzlichen Tod.

Diagnose

  • Muskelbiopsie

  • DNA-Mutationsanalyse

Die Diagnose der Emery-Dreifuss-Dystrophie wird durch die charakteristischen klinischen Befunde, Alter bei Krankheitsbeginn und Familienanamnese gestellt. Die Diagnose wird durch die leichte Erhöhung der Creatin-Kinase-Spiegel und die myopathischen Anzeichen im EMG und der Muskelbiopsie gestützt und durch eine DNA-Analyse bestätigt.

Therapie

  • IT-Therapie zur Vorbeugung von Kontrakturen

Die Behandlung der Emery-Dreifuss Dystrophie zielt auf die Kontrakturprophylaxe ab. Bei manchen Patienten mit einer Leitungsstörung ist ein Herzschrittmacher lebensrettend.

Fazioskapulohumerale Muskeldystrophie

Facioskapulohumerale Muskeldystrophie (FSHMD) ist die häufigste Form der Muskeldystrophie und tritt bei 7/1000 Menschen vs 5/1000 Menschen mit Duchenne- oder Becker- Muskeldystrophie auf. Es ist eine autosomal dominant vererbte Erkrankung. Bei etwa 98% der Patienten wird FSHMD durch eine Deletion auf dem langen Arm von Chromosom 4 bei dem 4q35-Genort verursacht. Bei etwa 10–33% der Patienten tritt die Mutation de novo (sporadisch) auf, bei anderen ist sie vererbt (1).

Allgemeiner Hinweis

  • 1. Tawil R, Kissel JT, Heatwole C, et al: Evidence-based guideline summary: Evaluation, diagnosis, and management of facioscapulohumeral muscular dystrophy: Report of the Guideline Development, Dissemination, and Implementation Subcommittee of the American Academy of Neurology and the Practice Issues Review Panel of the American Association of Neuromuscular & Electrodiagnostic Medicine. Neurology 85:357–364, 2015. doi: 10.1212/WNL.0000000000001783.

Symptome und Beschwerden

Die Facioscapulohumerale Muskeldystrophie wird durch eine Schwäche der Gesichtsmuskeln und des Schultergürtel charakterisiert. Die Symptome können sich in der frühen Kindheit entwickeln und sind in der Regel in den Teenagerjahren bemerkbar; 95% der Fälle werden erst nach einem Alter von 20 Jahren manifest. Initiale Symptome entwickeln sich schleichend und können sich durch Schwierigkeiten beim Pfeifen, Augenschließen und Armheben aufgrund einer Schwäche der Skapulamuskulatur bemerkbar machen. Betroffene Patienten bemerken irgenwann eine Änderung im Gesichtsausdruck.

Der Verlauf ist unterschiedlich. Viele Patienten werden nicht behindert und haben eine normale Lebenserwartung. Andere Patienten sind im Erwachsenenalter auf einen Rollstuhl angewiesen. Eine kindliche Variation, die durch eine Schwäche der Gesichts-, Schulter- und Hüftgürtelmuskulatur gekennzeichnet ist, schreitet schnell voran. Diese Form ist immer schwer. Nichtmuskuläre Symptome, die häufig mit dieser Erkrankung assoziiert sind, können Hörverlust und retinale Gefäßveränderungen sein.

Diagnose

  • DNA-Mutationsanalyse

Die Diagnose der facioscapulohumeralen Muskeldystrophie ist bei charakteristischen klinischen Befunden, Alter bei Krankheitsbeginn sowie bei Familienanamnese wahrscheinlich und wird durch eine DNA-Analyse bestätigt.

Therapie

  • Physiotherapie

Es gibt keine Behandlung für die Schwäche, aber eine physikalische Therapie kann dabei helfen, die Funktion zu erhalten. Eine Überwachung der retinalen Gefäßveränderungen ist unerlässlich, um Blindheit zu verhindern.

Gliedergürtel-Muskeldystrophie

Die Muskeldystrophie vom Glieder-Gürtel-Typ hat 31 aktuell bekannte Untertypen, 23 werden autosomal-rezessiv, 8 autosomal-dominant vererbt. Die Gesamthäufigkeit wird auf etwa 20 bis 40/1.000.000 geschätzt. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Erkenntnisse aus der Molekularbiologie haben die Art der Klassifizierung neu definiert. Autosomal-dominante Formen werden als LGMD 1A, -1B, -1C und so weiter klassifiziert, rezessive Formen werden als LGMD 2A, -2B, -2C und so weiter klassifiziert. Einige Genorte wurden identifiziert: 5q (kein bekanntes Genprodukt) für den autosomal-dominanten Typ und 2q, 4q (Beta-Sarcoglycan), 13q (Gamma-Sarcoglycan), 15q (Calpain, eine Kalzium-aktivierende Protease) und 17q (Alpha-Sarcoglycan oder Adhalin) für den rezessiven Typ. Betroffen sein können die strukturellen (Dystrophin-assoziierten Glykoproteine) oder die nichtstrukturellen (z. B. Proteasen) Proteine.

Symptome und Beschwerden

Patienten kommen in der Regel mit langsam fortschreitender, symmetrischer, proximaler Muskelschwäche mit oder ohne Gesichtsbeteiligung und verminderten oder fehlenden Sehnenreflexen in die Behandlung. Die Becken- oder Schultergürtelmuskeln können als Erste betroffen sein. Das erstmalige Auftreten der Symptome autosomal-dominanter Typen kann in der frühen Kindheit, aber auch erst im Erwachsenenalter stattfinden Die autosomal-rezessiven Fälle fangen eher in der Kindheit an und betreffen primär den Beckengürtel.

Diagnose

  • Muskelbiopsie

  • DNA-Mutationsanalyse

Die Diagnose der Gliedergürteldystrophie wird durch charakteristische klinische Befunde, das Alter bei Beginn und die Familiengeschichte vermutet und erfordert eine Untersuchung der Muskelhistologie, der Immunzytochemie, eine Western-Blot-Analyse sowie Gentests auf bestimmte Proteine.

Therapie

  • Aufrechterhaltung der Funktion und Prävention von Kontrakturen

Die Behandlung der Gliedergürteldystrophie konzentriert sich auf die Erhaltung der Funktion und das Verhindern von Kontrakturen. Die Richtlinien der American Academy of Neurology empfehlen, dass neu diagnostizierte LGMD-Patienten mit hohem Risiko für kardiale Komplikationen für eine kardiale Auswertung verlegt werden, selbst in Abwesenheit von Herzsymptomen. Bei denjenigen mit einem hohen Risiko für Atemversagen sollten Lungenfunktionstests durchgeführt werden. Alle LGMD-Patienten sollten im Idealfall in eine Multispezialklinik mit Erfahrung in der Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen verlegt werden.

Es gibt derzeit abgesehen von einer Forschungsstudie keine Rolle für Gentherapie, Myoblastentransplantation, neutralisierende Antikörper gegen Myostatin oder Wachstumshormon (2).

Behandlungshinweise

  • 2. Narayanaswami P, Weiss M, Selcen D, et al: Evidence-based guideline summary: Diagnosis and treatment of limb-girdle and distal dystrophies: Report of the Guideline Development Subcommittee of the American Academy of Neurology and the Practice Issues Review Panel of the American Association of Neuromuscular & Electrodiagnostic Medicine. Neurology 83:1453–1463, 2014. doi: 10.1212/WNL.0000000000000892.

Myotonische Muskeldystrophie

Myotone Dystrophie betrifft etwa 1/8000 in der Allgemeinbevölkerung. Die Vererbung ist autosomal-dominant mit unterschiedlicher Penetranz. Verursacht wird die Störung durch die beiden Genorte DM 1 und DM 2.

Kongenitale Muskeldystrophie

Betroffene Mütter und selten Väter mit DM 1- Mutationen können Nachwuchs mit einer schweren Form der Myotonie haben, die als angeborene Muskeldystrophie bezeichnet wird. Diese Form ist gekennzeichnet durch schwere Hypotonie (schlapper Säugling), Schwierigkeiten bei der Fütterung, Atembeschwerden, Skelettdeformitäten, Gesichtsschwäche und verzögerte psychomotorische Entwicklung. Bis zu 40% der Kinder überleben nicht, vor allem wegen der respiratorischen Insuffizenz und vielleicht wegen der Kardiomyopathie. Bis zu 60% der Überlebenden haben eine geistige Behinderung.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome und Beschwerden der Muskeldystrophie beginnen in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter und schließen Myotonie (verspätete Relaxation nach Muskelkontraktur), Schwäche und Muskelschwund der distalen Extremitäten (vor allem der Hand) und der Gesichtsmuskulatur (Ptosis ist vor allem häufig) und eine Kardiomyopathie ein. Eine geistige Behinderung, Katarakte und endokrine Störungen können ebenfalls vorkommen.

Der Tod wird meist durch Atemwegs- und Herzerkrankungen verursacht, und Patienten, die Herzrhythmusstörungen und schwere Muskelschwäche in einem jüngeren Alter entwickeln, sind einem erhöhten Risiko für einen vorzeitigen Tod ausgeliefert. Das mittlere Todesalter liegt bei 54 Jahren.

Diagnose

  • DNA-Mutationsanalyse

Die Diagnose der myotonen Dystrophie ist bei charakteristischen klinischen Befunden, Alter bei Krankheitsbeginn sowie bei Familienanamnese wahrscheinlich und wird durch eine DNA-Analyse bestätigt.

Therapie

  • Membranstabilisierende Medikamente

Eine Myotonie kann auf Membran-stabilisierende Medikamente (z. B. Mexiletin, Procainamid, Chinidin, Phenytoin, Carbamazepin) ansprechen. Von diesen Medikamenten wurde für Mexiletin gezeigt, dass es Myotonie bei nicht-dystrophischer Myotonie deutlich reduziert, und es ist damit das Medikament erster Wahl für Patienten mit Muskeldystrophie, die eine funktionell einschränkende Myotonie haben. Weil Mexiletin in seltenen Fällen Arrhythmien bei Patienten mit zugrunde liegenden ventrikulären Arrhythmien auslösen kann, ist das Medikament bei Patienten mit AV-Block 2. oder 3. Grades kontraindiziert; eine Rücksprache mit einem Kardiologen wird vor Einleitung der Behandlung mit Mexiletin empfohlen, insbesondere bei Patienten mit einem abnormalen EKG.

Es ist gewöhnlicherweise nicht so, dass der Patient durch die Myotonie deaktiviert ist; es ist die Schwäche, für die es keine Behandlung verfügbar ist. Schienen für den Fallfu sind in der Regel erforderlich, wenn die Krankheit fortschreitet.

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