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Babesiose

Von

Richard D. Pearson

, MD, University of Virginia School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Quellen zum Thema

Eine Babesiose ist eine Infektion mit Babesia protozoa. Infektionen können asymptomatisch verlaufen oder eine malariaähnliche Krankheit mit Fieber und hämolytischer Anämie verursachen. Die Krankheit verläuft bei asplenischen Patienten, älteren Menschen und Patienten mit AIDS schwerer. Die Diagnose wird durch den Nachweis von Babesia in einem peripheren Blutausstrich, serologisch oder mittels PCR gestellt. Die Therapie erfolgt bei Bedarf mit Azithromycin plus Atovaquone oder mit einem Chinin plus Clindamycin.

Zu den Endemiegebiete in den USA gehören die Inseln und das Festland, die an den Nantucket Sound in Massachusetts angrenzen, Rhode Island, das östliche Long Island und Shelter Island in New York, die Küstengebiete Connecticuts, New Jersey sowie einzelne Herde in Wisconsin und in Minnesota im oberen Mittleren Westen. Babesia duncaniBabesia duncani wurde von Patienten in Washington und Kalifornien isoliert. Ein derzeit unbenannte Stamm, bezeichnet als MO-1, wurde bei Patienten in Missouri gemeldet. Andere Babesia-Arten werden in Europa von verschiedenen Zeckenarten übertragen. In Europa ist B. divergens die Hauptursache von Babesiose bei Patienten, die eine Splenektomie hatten.

Ätiologie

In den USA wird eine Babesiose beim Menschen am häufigsten durch Babesia microti ausgelöst. Das hauptsächliche tierische Reservoir stellen Nagetiere dar, der häufigste Vektor sind Hirschzecken der Familie Ixodidae. Zeckenlarven infizieren sich bei der Blutmahlzeit an einem infizierten Nagetier, wandeln sich dann in Nymphen um, die den Parasiten auf ein anderes Tier oder einen Menschen übertragen. Adulte Zecken befallen meist Rehwild und können den Parasiten auf den Menschen übertragen. Babesia dringen in Erythrozyten ein, reifen heran und teilen sich dann asexuell. Infizierte Erythrozyten rupturieren schließlich und setzen Erreger frei, die in andere Erythrozyten eindringen. Somit kann Babesia auch durch Bluttransfusionen, möglicherweise durch Organtransplantationen und kongenital übertragen werden. Momentan sind keine Tests für die Suche nach Babesia bei Blutspendern verfügbar.

Ixodes-Zecken, die mit Babesia infiziert sind, sind manchmal zusätzlich mit Borrelia burgdorferi (die Lyme-Borreliose verursachen), Anaplasma phagocytophilum (die menschliche Granulozytenanaplasmose [HGA] verursachen) oder Borrelia miyamotoi (die eine HGA-ähnliche Krankheit verursachen) infiziert.

Hirschzecken.

Hirschzecken.

Symptome und Beschwerden

Eine asymptomatische Infektion kann über Monate bis Jahre persistieren und über den gesamten Verlauf bei ansonsten gesunden Menschen subklinisch bleiben, insbesondere bei < 40-Jährigen.

Bei einem symptomatischen Verlauf beginnt die Krankheit meist nach einer 1- bis 2-wöchigen Inkubationszeit mit Krankheitsgefühl, Erschöpfung, Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien und Arthralgien, die wochenlang anhalten können. Eine Hepatosplenomegalie mit Ikterus, leichter bis mittelschwerer Anämie, leichter Neutropenie und Thrombozytopenie kann vorkommen.

Gelegentlich verläuft Babesiose tödlich, insbesondere bei älteren, asplenischen und AIDS-Patienten. Bei diesen Patienten kann eine Babesiose an eine Falciparum-Malaria erinnern, mit hohem Fieber, hämolytischer Anämie, Hämoglobinurie, Ikterus und Nierenversagen. Eine Splenektomie kann dazu führen, dass eine früher erworbene asymptomatische Parasitämie symptomatisch wird.

Diagnose

  • Lichtmikroskopie von Blutausstrichen

  • Serologische und PCR-basierte Tests.

Die meisten Patienten können sich nicht an einen Zeckenbiss erinnern, aber sie können von Reisen in eine endemische Region berichten oder in einer solchen Region wohnen.

Die Diagnose wird in der Regel durch Befunde von Babesia in Blutausstrichen gestellt, aber die Differenzierung von Plasmodium-Arten kann schwierig sein. Tetraederformen (sogenannte Malteserkreuzformation), obwohl nicht üblich, sind charakteristisch für Babesiaen und diagnostisch hilfreich.

Ebenso verfügbar sind serologische und PCR-basierte Tests. Ein Antikörpernachweis durch indirekte Tests auf Fluoreszenzantikörper (IFA) mit B. microti Antigenen kann bei Patienten mit Low-Level-Parasitämie hilfreich sein, kann aber auch bei Personen, die mit anderen Babesia sp. infiziert sind, fälschlicherweise negativ ausfallen.

Therapie

  • Atovaquon in Kombination mit Azithromycin

  • Chinin plus Clindamycin

Asymptomatische Patienten brauchen keine Therapie, eine Therapie ist jedoch indiziert bei Patienten mit persistierendem Fieber, rasch ansteigender Parasitämie und Hämatokritabfall.

Die Kombination von Atovaquon und Azithromycin für 7 bis 10 Tage hat weniger Nebenwirkungen als die traditionelle Therapie mit Chinin plus Clindamycin. Für Erwachsene beträgt die Dosis Atovaquon 750 mg p. o. alle 12 h und Azithromycin 500 bis 1000 mg p. o. am ersten Tag, gefolgt von einer täglichen Dosis von 250 bis 1000 mg. Die pädiatrische Dosierung beträgt bei Atovaquon 20 mg/kg p.o. 2-mal täglich zzgl. Azithromycin 10 mg/kg p.o. einmalig, dann 5 mg/kg/Tag über 7–10 Tage.

Chinin 650 mg p. o. 3-mal täglich plus Clindamycin 600 mg p. o. 3-mal täglich oder 300 bis 600 mg i. v. 4 mal täglich für 7 bis 10 Tage können ebenfalls verwendet werden. Die pädiatrische Dosierung beträgt bei Chinin 10 mg/kg p.o. 3-mal täglich zzgl. Clindamycin 7–14 mg p.o. 3-mal täglich. Chinin plus Clindamycin gilt als Standard für die Versorgung schwer kranker Patienten.

Bei hypotensiven Patienten mit hoher Parasitämie wurden Austauschtransfusionen verwendet.

Vorbeugung

In Endemiegebieten sollten von allen Menschen Standardmaßnahmen zur Expositionsprophylaxe gegen Zecken angewendet werden ( Zeckenstichprävention). Asplenische Patienten und Patienten mit AIDS sollten besonders vorsichtig sein.

Zeckenstichprävention

Um zu vehindern, dass Zecken auf die Haut gelangen, sollte man

  • Auf Wegen und Pfaden bleiben

  • Hosen in Stiefel oder Socken stecken

  • Langärmelige Hemden tragen

  • Repellents mit Diethyltoluamid (DEET) auf die Hautoberfläche auftragen

DEET sollte bei sehr kleinen Kindern vorsichtig verwendet werden, da von toxische Reaktionen berichtet wurde. Permethrin auf der Kleidung tötet Zecken effektiv. Das häufige Absuchen nach Zecken, insbesondere in behaarten Bereichen und bei Kinder, ist in endemischen Gebieten essenziell.

Vollgesaugte Zecken sollten mit Vorsicht entfernt und nicht zwischen den Fingern zerdrückt werden, weil das Zerkleinern der Zecke zur Übertragung von Krankheiten führen kann. Der Zeckenkörper sollte nicht gegriffen oder gequetscht werden. Durch langsames Ziehen am Kopf mit einer kleinen Pinzette kann die Zecke entfernt werden. Die Ansatzstelle sollte mit Alkohol abgewischt werden. Vaseline, Alkohol, entzündete Streichhölzer und andere Reizstoffe sind keine wirksame Methoden, um Zecken zu entfernen und sollten nicht angewendet werden.

Es stehen keine praktischen Mittel zur Verfügung, um ganze Gebiete von Zecken zu befreien, aber die Zeckenpopulationen in endemischen Gebieten können durch Kontrolle kleiner Tierpopulationen reduziert werden.

Wichtige Punkte

  • Zu den endemischen Regionen der Babesiose in den USA gehören die Küste und die Inseln im Süden von Neuengland und New Jersey sowie Teile des oberen mittleren Westens.

  • Die Babesiose reicht von einer leichten, asymptomatischen Infektion bis hin zu einer schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung (vor allem bei älteren und asplenischen oder immunsupprimierten Patienten).

  • Die Symptome ähneln denen der Malaria, mit längerem Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und manchmal Gelbsucht.

  • Die Diagnose wird mit einer Lichtmikroskopie von Blutausstrichen und manchmal mit PCR-basierten Tests gestellt.

  • Behandeln Sie symptomatische Patienten mit Atovaquone plus Azithromycin oder, wenn die Symptome schwerwiegend sind, Chinin plus Clindamycin.

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