Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Stimmbandpolypen, Knötchen und Granulome

Von

Clarence T. Sasaki

, MD, Yale University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Jul 2017
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

Bei einem akute Trauma oder bei chronischer Reizung können sich die Stimmlippen so verändern, dass sich schließlich Polypen, Knötchen oder Granulome entwickeln. Alle führen zu Heiserkeit und einer hauchigen (breathy) Stimme. Wenn die Symptome länger als 3 Wochen anhalten, sollte man unbedingt die Stimmlippen in Augenschein nehmen. Die Diagnose stützt sich auf laryngoskopische Untersuchungsbefunde und eine Biopsie in ausgewählten Fällen zum Ausschluss eines Karzinoms. Nach sorgfältiger chirurgischer Abtragung der Läsionen normalisiert sich die Stimme wieder, und das Ausschalten der Reizquelle hilft, Rückfälle zu verhindern.

Ätiologie

Polypen und Knötchen entwickeln sich nach einer Verletzung der Lamina propria der Stimmlippen. Granulome entwickeln sich nach einer Verletzung des Perichondriums über den Processus vocales der Aryknorpel.

Stimmbandpolypen im mittleren Drittel der Stimmlippen finden sich meist nur auf einer Seite. Polypen sind meist größer als Knötchen, ragen weiter vor und haben oft ein dominantes oberflächliches Blutgefäß. Sie entstehen oft aus einer anfänglich akuten phonatorischen Schädigung. Andere poypoide Veränderungen, oft bilateral, können noch andere Ursachen haben, z. B. gastroösophagealer Reflux, unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion, chronisch allergische (Larynx-)Reaktionen oder chronische Reizgasinhalation (Industrieabgase oder Zigarettenrauch). Akute Verletzungen verursacht in der Regel gestielte Polypen, während polypoide Ödeme Ergebnisse von chronischer Reizung sind.

Stimmbandknötchen treten gewöhnlich beidseitig im Übergangsbereich zwischen vorderem und mittlerem Drittel der Stimmlippen auf, hauptsächlich bei chronischer Überanstrengung der Stimme – durch Schreien, Brüllen, lautes Singen oder unnatürlich tiefes Sprechen.

Stimmbandgranulome treten in der posterioren Glottis an den Processus vocales auf und können ein- oder beidseitig vorkommen. Sie lassen sich meist auf ein Intubationstrauma zurückführen, können aber durch eine Reflux-Krankheit noch verschlimmert werden.

Larynxstörungen.

Wenn entspannt, bilden die Stimmbänder in der Regel eine V-förmige Öffnung, die es der Luft erlaubt, ungehindert durch die Trachea zu strömen. Die Stimmbänder öffnen sich während der Inspiration und schließen sich beim Schlucken oder Sprechen. Wenn ein Spiegel an die Rückseite des Mundes eines Patienten gehalten wird, können häufig die Stimmbänder betrachtet und auf Störungen wie Kontaktulzera, Polypen, Knötchen, Lähmung und Krebs überprüft werden. Eine Lähmung kann ein (unilateral) oder beide Stimmbänder (bilateral – nicht gezeigt) betreffen.

Larynxstörungen.

Symptome und Beschwerden

Alle führen zu einer langsam stärker werdenden Heiserkeit und hauchigen (breathy) Stimme.

Diagnose

  • Laryngoskopie

  • Gelegentlich Biopsie

Die Diagnose lässt sich durch (direkte oder indirekte) Kehlkopfspiegelung oder Laryngoskopie stellen. Im Rahmen einer Mikrolaryngoskopie können aus unauffälligen Läsionen Biopsien zum Karzinomausschluss entnommen werden.

Tabelle
icon

Unterscheidung von Stimmlippenpolypen, -knötchen und -granulomen

Typ

Ursachen

Merkmale

Therapie

Polypen

Akutes Stimmtrauma (am häufigsten), gastroösophagealer Reflux, unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion, chronisch allergische (Larynx-)Reaktionen, chronische Reizgasinhalation (z. B. Industrieabgase, Zigarettenrauch)

Die traumatischen Läsionen treten typischerweise unilateral auf.

Bilaterale Polypen haben oft andere Ursachen

Vorkommen an der mittleren Membranschnur

Größer als Knötchen

Oberflächliche Blutgefäße

Chirurgische Entfernung eines traumatischen Polyps

Medizinische Behandlung, zunächst von anderen polypoiden Läsionen

Knötchen

Chronisches Trauma (z. B. Überanstrengung der Stimme, Schreien, Brüllen, lautes Singen, unnatürlich tiefes Sprechen)

Beidseitig

Membranöse Stimmlippen betroffen

Verhaltensänderung (z. B. Abbauen der Larynxmuskelanspannung beim Sprechen), Sprachtherapie, Antirefluxtherapie

Granulome

Wiederholter Stimmmissbrauch, Refluxkrankheit, endotracheale Intubation

Häufig beidseitig, tritt aber auch einseitig auf

Beide Processus vocales betroffen (hintere Stimmlippen)

Größer als Knötchen

Sprachtherapie, Antirefluxtherapie

Chirurgische Entfernung bei Granulomen, die sich nicht zurückbilden,

Therapie

  • Vermeidung der Ursache

  • In der Regel operative Entfernung bei Polypen

Eine Korrektur der zugrunde liegenden Überanstrengung der Stimme ist bei den meisten Knötchen und Granulomen kurativ und hilft auch, Rezidive zu verhindern. Um den Heilungsprozess zu fördern, sollten Reizstoffe ausgeschaltet werden (inkl. Behandlung von gastroösophagealem Reflux). Mit einer logopädischen Stimm- bzw. Sprechtherapie lässt sich erreichen, dass die Stimmlippen nicht mehr so stark belastet werden, etwa durch falsche Gesangstechnik oder ständig erhöhte Lautstärke beim Reden. Knötchen bilden sich oft allein durch die Stimmtherapie zurück. Granulome, die sich nicht zurückbilden, können chirurgisch entfernt werden, neigen aber zum Rezidiv.

Polypen müssen meist chirurgisch abgetragen werden, damit sich die Stimme wieder normalisiert. Dabei sollte man einer mikrochirurgischen Exzision mit der Kryosonde den Vorzug geben, denn eine falsch angewandte Lasertechnik kann viel eher thermische Schäden verursachen.

Bei der Mikrolaryngoskopie wird der Kehlkopf unter einem Operationsmikroskop untersucht, biopsiert und operiert. Auch eine Videoaufzeichnung ist möglich. Vor dem Eingriff müssen die Patienten anästhesiert und ihre Atemwege gesichert werden (Hochdruckjetventilation über das Laryngoskop, endotracheale Intubation oder, falls sie nicht stabil genug sind, durch Tracheotomie). Da das Gewebe unter Mikroskopvergrößerung viel gezielter und genauer abgetragen werden kann, verringert sich das Risiko einer (möglicherweise bleibenden) Stimmschädigung. Das optische System des Mikrolaryngoskops ermöglicht auch viel präzisere Schnitte bei der Lasertherapie. Für Biopsien (oder auch zur Entfernung gutartiger Tumoren) im Larynxbereich und für viele Arten phonochirurgischer Eingriffe ist fast immer die Mikrolaryngoskopie indiziert.

Wichtige Punkte

  • Stimmbandpolypen resultieren aus akutem Trauma oder chronischer Reizung.

  • Bei Symptomen, die > 3 Wochen anhalten, sollte man unbedingt die Stimmlippen in Augenschein nehmen.

  • Eine Biopsie kann notwendig sein, um Krebs auszuschließen.

  • Nach der Exzision ist eine Entfernung der reizenden Quelle zur Prävention eines Rezidivs notwendig.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Wie Nasenbluten behandelt wird (Epistaxis)
Video
Wie Nasenbluten behandelt wird (Epistaxis)
3D-Modelle
Alle anzeigen
Mittelohr und Innenohr
3D-Modell
Mittelohr und Innenohr

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN