Vermeidung von iatrogenen Komplikationen bei älteren Menschen

VonMagda Lenartowicz, MD, Altais Health Solutions
Überprüft/überarbeitet Mai 2023
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Iatrogene Komplikationen sind bei älteren Patienten häufiger und oft schwerer als bei jüngeren. Diese Komplikationen sind unerwünschte Wirkungen von Medikamenten (z. B. Interaktionen), Stürze, nosokomiale Infektionen, Dekubitus, Delir und Komplikationen im Zusammenhang mit Operationen. Häufig ist eine Prävention möglich.

Risikofaktoren für iatrogene Komplikationen

Der erste Schritt bei der Prävention besteht darin, Patienten mit einem hohen Risiko zu identifizieren. Zu den Risikofaktoren gehören mehrere chronische Krankheiten, mehrere Ärzte, die Einnahme mehrerer Medikamente und ein Krankenhausaufenthalt.

Mehrere chronischen Krankheiten

Je größer die Anzahl von chronischen Krankheiten ist, desto größer ist die Gefahr, dass die Behandlung einer Krankheit andere Krankheiten verschärft. Die Behandlung von Arthritis mit einem nichtsteroidalen Antiphlogistikum kann z. B. eine Herzinsuffizienz, eine koronare Herzkrankheit oder eine chronische Gastritis verschärfen.

Mehrere Ärzte

Die Beteiligung mehrerer Ärzte kann zu unkoordinierter Pflege und Polypharmazie führen. Die Absprache zwischen mehreren Ärzte nach jedem Besuch eines gemeinsamen Patienten bei einem von ihnen ist schwierig. Als Ergebnis wird der Therapieplan eines Patienten häufig ohne den Input seiner anderen Ärzte verändert, wodurch das Risiko iatrogener Komplikationen steigt.

Mehrere Medikamente () und ungeeignete Medikamente

Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente und das Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen erhöhen das Risiko nachteiliger Arzneimittelinteraktionen oder Interaktionen zwischen Arzneimitteln und Erkrankungen deutlich. Das Interaktionsrisiko ist besonders hoch bei Patienten, die mangelernährt sind oder chronische Nierenerkrankungen haben. Außerdem bergen bestimmte Medikamente ein besonders hohes Risiko unerwünschter Wirkungen bei älteren Menschen aufgrund von Veränderungen der Körperzusammensetzung und des Medikamentenstoffwechsels. Spezifische Beispiele umfassen Anticholinergika wie Diphenydramin, Benzodiazepine und andere Schlafmittel (z. B. Zolpidem), Opioide, Antipsychotika, Antikoagulantien und nichtsteroidale Antiphlogistika (vgl. Bier Kriterien).

Krankenhausaufenthalt

Risiken durch Krankenhausaufenthalte sind im Krankenhaus erworbene Infektionen, Polypharmazie und Transfusionsreaktionen. Hospitalisierte Patienten, die eine Demenz haben oder immobilisiert sind (z. B. nach einer Operation) haben ein hohes Risiko iatrogener Komplikationen (z. B. Druckstellen, tiefe Venenthrombose, Harnretention, Delirium).

Medizintechnik kann zu iatrogenen Komplikationen beitragen; dazu gehören plötzlicher Tod oder Myokardinfarkt nach Klappenersatzchirurgie, Schlaganfall nach Karotisendarteriektomie, Flüssigkeitsüberschuss nach Transfusionen und Infusionen, ungewollte Lebensverlängerung durch künstliche Lebenserhaltung, hypoxische Enzephalopathie nach potenziell lebensverlängernder kardiopulmonaler Reanimation.

Maßnahmen zur Verhinderung iatrogener Komplikationen

Maßnahmen, die iatrogene Komplikationen verhindern können, sind die folgenden.

Pflegemanagement

Pflegemanager erleichtern die Kommunikation zwischen medizinischen Fachkräften, sie stellen sicher, dass benötigte Dienste bereitsgestellt werden und verhindern die Redundanz von Dienstleistungen. Pflegemanager können von Ärztegruppen, Krankenversicherungen oder von Gemeinden oder staatlichen Organisationen eingesetzt werden. Gebrechliche ältere Menschen profitieren am meisten vom Versorgungsmanagement.

Interdisziplinäres geriatrisches Team

Ein interdisziplinäres geriatrisches Team bewertet alle Bedürfnisse des Patienten, entwickelt einen koordinierten Versorgungsplan und handhabt die Pflege (oder ist zusammen mit dem Hausarzt ein Ko-Manager). Da diese Intervention ressourcenintensiv ist, ist sie am ehesten sehr komplexen Fällen vorbehalten. Interdisziplinäre geriatrische Teams befassen sich manchmal mit speziellen Fragen des Alterns, wie z. B. Sturzrisiko und -prävention, Beurteilung von Gebrechlichkeit (insbesondere vor Operationen oder Krebsbehandlungen) sowie Demenzdiagnose und -pflege.

Konsultation des Apothekers

Ein Apotheker kann helfen, mögliche Komplikationen durch Polypharmazie und unangemessen Medikamentengebrauch zu vermeiden.

Akut- und Notfallversorgung für ältere Menschen

Diese Akutversorgungseinheiten sind Krankenhausstationen mit Protokollen, um sicherzustellen, dass ältere Patienten vor möglichen iatrogenen Problemen gründlich untersucht werden, bevor Probleme auftreten, und dass solche Probleme erkannt und angemessen behandelt werden Geriatrische Notfallstationen konzentrieren sich auf die besonderen Bedürfnisse älterer Patienten (einschließlich Versorgungsübergänge und multidisziplinäre Versorgung).

Patientenverfügungen

Die Patienten werden ermutigt, Patientenverfügungen, inkl. der Benennung eines Bevollmächtigten für medizinische Entscheidungen, vorzubereiten. Diese Dokumente können unerwünschte Behandlungen kritisch kranker Patienten, die nicht für sich selbst sprechen können, verhindern helfen.