Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Gangstörungen bei älteren Menschen

Von

James O. Judge

, MD, University of Connecticut School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Quellen zum Thema

Gangstörungen umfassen eine Reihe von Faktoren wie verlangsamte Gehgeschwindigkeit und Verlust von Geschmeidigkeit, Symmetrie oder Synchronität der Körperbewegungen.

Für ältere Menschen sind Gehen, Aufstehen von einem Stuhl, Umdrehen und Anlehnen für selbstständige Mobilität erforderlich. Die Gehgeschwindigkeit, die benötigte Zeit, um von einem Stuhl aufzustehen, und die Fähigkeit zum Tandemstand (mit einem Fuß vor dem anderen stehen–ein Maß für das Gleichgewicht) sind unabhängige Prädiktoren für die Fähigkeit zu instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (z. B. Einkaufen, Reisen, Kochen) und das Risiko für eine Einweisung in ein Pflegeheim und den Tod.

Gehen ohne fremde Hilfe erfordert eine angemessene Aufmerksamkeit und Muskelkraft sowie eine effiziente motorische Steuerung, um den sensorischen Input und die Muskelkontraktion zu koordinieren.

Tipps und Risiken

  • Die Gehgeschwindigkeit, die benötigte Zeit, um von einem Stuhl aufzustehen, und die Fähigkeit zum Tandemstand sind unabhängige Prädiktoren für die Fähigkeit zu instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens und das Risiko für eine Einweisung in ein Pflegeheim und den Tod.

Normale altersbedingte Veränderungen des Gangs

Einige Elemente des Gangs ändern sich in der Regel mit dem Altern, andere nicht.

Die Gehgeschwindigkeit (Geschwindigkeit beim Gehen) bleibt bis etwa 70 Jahre stabil; sie fällt dann um etwa 15% pro Jahrzehnt beim normalen Gehen und um 20% pro Jahrzehnt beim schnellen Gehen ab. Die Gehgeschwindigkeit ist ein starker Prädiktor für die Sterblichkeit – so aussagekräftig wie die Zahl der chronischen Erkrankungen und Krankenhausaufenthalte einer älteren Person. Im Alter von 75 Jahren sterben Personen, die langsam gehen, ≥ 6 Jahre früher als solche, die mit normaler Geschwindigkeit gehen, und ≥ 10 Jahre früher als Personen, die schnell gehen. Die Gehgeschwindigkeit nimmt ab, weil ältere Menschen mit der gleichen Geschwindigkeit (Trittfrequenz) kürzere Schritte machen. Der wahrscheinlichste Grund für die verkürzte Schrittlänge (Abstand von einer Ferse zur nächsten) ist eine Schwäche der Wadenmuskulatur, die den Körper nach vorne treibt; die Kraft der Wadenmuskeln ist bei älteren Menschen deutlich reduziert. Allerdings scheinen ältere Menschen ihre abnehmende Kraft in den Wadenmuskeln zu kompensieren, indem sie ihre Hüftebeuger und -strecker stärker als junge Erwachsene einsetzen.

Die Kadenz (angegeben als Schritte/min) ändert sich nicht mit dem Älterwerden. Jeder Mensch hat eine bevorzugte Kadenz, die mit der Beinlänge zusammenhängt und in der Regel einen energieeffizienten Rhythmus repräsentiert. Große Menschen machen längere Schritte mit geringerer Kadenz, kleine Menschen machen kürzere Schritte mit schnellerer Kadenz.

Die Zeit im Doppelstand (d. h. die Zeit, in der beide Füße auf dem Boden beim Umhergehen sind–stabilere Position zum Bewegen des Schwerpunkts nach vorne) nimmt mit dem Alter zu. Der Prozentsatz der Zeit im Doppelstand reicht von 18% bei jungen Erwachsenen bis zu 26% bei gesunden älteren Menschen. Eine verlängerte Zeit im Doppelstand reduziert die Zeit, die das Schwungbein hat, nach vorn zu gehen, und verkürzt die Schrittlänge. Bei älteren Menschen kann sich die Zeit im Doppelstand sogar noch verlängern, wenn sie auf unebenem oder rutschigem Untergrund gehen, wenn sie Gleichgewichtsstörungen haben oder wenn sie Angst haben zu stürzen. Sie können aussehen, als gingen sie auf Glatteis.

Die Gehhaltung ändert sich nur geringfügig mit dem Altern. Ältere Menschen gehen aufrecht, ohne sich vorzubeugen. Allerdings gehen ältere Menschen mit stärkerer anteriorer (abwärts gerichteter) Beckenrotation und erhöhter Lendenlordose. Diese Haltungsänderung beruht in der Regel auf einer Kombination von schwachen Bauchmuskeln, steifen Hüftbeugern und erhöhtem Bauchfett. Ältere Menschen gehen außerdem mit um etwa 5° seitlich eingedrehten Beinen (Zehen), möglicherweise aufgrund eines Ausfalls der Innenrotation der Hüfte oder zur Erhöhung der seitlichen Stabilität. Die Fußfreiheit beim Gehen bleibt mit fortschreitendem Alter unverändert.

Die Gelenkbeweglichkeit verändert sich mit dem Altern leicht. Die Plantarflexion des Sprunggelenks während der späten Phase der Bodenberührung (kurz bevor der hintere Fuß abhebt) ist reduziert. Die gesamte Bewegung des Knies bleibt unverändert. Hüftflexion und -extension sind unverändert, die Hüftadduktion ist jedoch erhöht. Die Beckenbewegungen sind in allen Ebenen eingeschränkt.

Ganganomalien

Ursachen

Eine Reihe von Erkrankungen können zu dysfunktionalem oder unsicherem Gang beitragen. Diese umfassen insbesondere

  • Neurologische Erkrankungen

  • Muskuloskelettale Erkrankungen (z. B. Spinalstenose)

Ursächliche neurologische Erkrankungen sind Demenzen, Bewegungs- und Kleinhirnstörungen und sensorische oder motorische Neuropathien.

Manifestationen

Es gibt viele Erscheinungsformen von Ganganomalien. Einige unterstützen die Annahme von bestimmten Ursachen. (Demonstrationen auf Video von ausgewählten anomalen Gangarten sind zur Veranschaulichung hier verfügbar.)

Der Verlust von Symmetrie und zeitlicher Abstimmung der Bewegung zwischen der linken und der rechten Seite zeigt üblicherweise eine Störung an. Ein gesunder Körper bewegt sich symmetrisch; Schrittlänge, Kadenz, Rumpfbewegungen und Sprunggelenks-, Knie-, Hüft- und Beckenbewegungen sind auf der rechten und der linken Seite gleich. Eine reguläre Asymmetrie tritt bei einseitigen neurologischen oder muskuloskelettaen Erkrankungen auf (z. B. Hinken wegen eines schmerzenden Sprunggelenks). Unvorhersehbare oder stark schwankende Gangart, Schrittlänge oder Schrittweite deutet auf einen Ausfall der motorischen Kontrolle des Gehens aufgrund eines Kleinhirn- oder Frontallappensyndroms oder der Einnahme mehrerer psychoaktiver Medikamente hin.

Schwierigkeiten bei der Einleitung oder Aufrechterhaltung des Gangs können auftreten. Wenn die Patienten den Gang initiieren, können ihre Füße erscheinen, als würden sie am Boden kleben, typischerweise deshalb, weil die Patienten ihr Gewicht nicht auf einen Fuß verlagern, damit sich der andere nach vorne bewegen kann. Dieses Problem kann für eine isolierte Gangeinleitungsstörung, M. Parkinson oder eine frontale oder subkortikale Erkrankung stehen. Sobald der Gang eingeleitet ist, sollten die Schritte kontinuierlich und mit wenig Variabilität in der zeitlichen Abfolge sein. "Einfrieren", stehenzubleiben oder beinahe stehenzubleiben deuten üblicherweise auf einen vorsichtigen Gang, die Angst zu stürzen oder eine Frontallappen-Gangstörung hin. Schlurfen ist nicht normal (und ein Risikofaktor für Stolpern).

Retropulsion bedeutet, bei Gangeinleitung rückwärts zu gehen oder beim Gehen nach hinten zu fallen. Sie kann auftreten bei frontalen Gangstörungen, Parkinsonismus, ZNS-Syphilis und progressiver supranukleärer Blickparese.

Ein Fallfuß verursacht ein Nachziehen der Zehen oder einen Steppergang (d. h. übertriebenes Hochziehen des Beins, um nicht mit der Zehe hängenzubleiben). Er kann Folge einer Tibialis-anterior-Schwäche sein (z. B. verursacht durch ein Trauma des N. peroneus lateral am Knie oder einer Peroneus-Mononeuropathie meist im Zusammenhang mit Diabetes), eines Spasmus der Wadenmuskulatur (M. gastrocnemius und M. soleus) oder einer Absenkung des Beckens aufgrund einer Schwäche der proximalen Muskeln auf der Standseite (insbesondere M. gluteus medius). Ein niedriger Fußschwung (z. B. aufgrund einer reduzierten Beugung im Knie) kann dem Fallfuß ähneln.

Eine kurze Schrittlänge ist unspezifisch und kann die Angst vor Stürzen oder ein neurologisches oder muskuloskelettales Problem widerspiegeln. Die Seite mit der kurzen Schrittlänge ist in der Regel die gesunde Seite, und der kurze Schritt beruht üblicherweise auf einer Störung des anderen (problematischen) Beins während der Standphase. Ein Patient mit einem schwachen oder schmerzenden linken Bein wendet weniger Zeit auf, während er auf dem linken Bein steht, und erzeugt weniger Leistung, um den Körper vorwärts zu bewegen, was zu einer kürzeren Schwingzeit für das rechte Bein und zu einem kürzeren rechten Schritt führt. Ein normales rechtes Bein hat eine normale Einzelstandzeit, was eine normale Schwingzeit für das anormale linke Bein bedingt und eine größere Schrittlänge des linken Beins im Vergleich zum rechten.

Breitbasiger Gang (vergrößerte Schrittbreite) wird bestimmt bei der Beobachtung des Gangs des Patienten über einen Boden mit 30-cm-Fliesen. Der Gang wird als breitbasig angesehen, wenn die Außenseite der Füße des Patienten nicht innerhalb der Fliesenbreite bleibt. Indem Gehgeschwindigkeit abnimmt, erhöht sich die Schrittbreite leicht. Breitbasiger Gang kann durch Kleinhirnstörungen oder bilaterale Knie- oder Hüfterkrankungen verursacht sein. Eine variable Schrittbreite (Schlingern zur einen oder anderen Seite) deutet auf eine unzureichende motorische Kontrolle hin, die auf frontale oder subkortikale Gangstörungen zurückzuführen sein kann.

Zirkumduktion (Bewegen des Fußes beim Vorwärtsgehen in einem Bogen statt auf einer geraden Linie) tritt bei Patienten mit Schwäche der Beckenmuskulatur oder Schwierigkeiten beim Beugen des Knies auf. Eine Spastik der extrinsischen Kniemuskulatur ist eine häufige Ursache.

Vorwärtsneigung kann auftreten bei Kyphose und M. Parkinson oder bei Störungen, die Parkinson-ähnliche Merkmale mit Demenz aufweisen (insbesondere vaskuläre Demenz und Demenz mit Lewy-Körperchen).

Festination ist eine progressive Beschleunigung der Schritte (in der Regel mit Vorwärtsneigung), wobei die Patienten evtl. zu rennen beginnen, um nicht zu fallen. Festination kann zusammen mit M. Parkinson vorkommen und selten als Nebenwirkung von Dopamin-Antagonisten (konventionelle und atypische Antipsychotika).

Eine Seitwärtsneigung des Rumpfes, die sich konsistent und vorhersehbar auf die Seite des Standbeins bezieht, kann eine Strategie sein, Gelenkschmerzen aufgrund von Arthritis in der Hüfte oder, seltener, in den Knien zu verringern (antalgischer Gang). Bei hemiparetischem Gang kann der Rumpf zur starken Seite hin geneigt sein. Bei diesem Muster neigt sich der Patient, um das Becken auf der gegenüberliegenden Seite zu heben, damit das spastische Bein (das das Knie nicht beugen kann) während der Schwingphase den Boden nicht berührt.

Unregelmäßige und unvorhersehbare Rumpfinstabilität kann durch zerebelläre, subkortikale oder Basalganglien-Dysfunktion verursacht sein.

Abweichungen vom Weg sind starke Indikatoren für Defizite der motorischen Steruerung.

Der Armschwung kann verringert sein oder fehlen bei M. Parkinson und vaskulären Demenzen. Störungen des Armschwungs können auch unerwünschte Wirkungen von Dopamin-Antagonisten (konventionelle und atypische Antipsychotika) sein.

Abklärung

Das Ziel besteht darin, möglichst viele potenzielle Einflussfaktoren für Gangstörungen zu bestimmen. Ein leistungsorientiertes Assessment-Tool für die Mobilität kann hilfreich sein (siehe Tabelle: Leistungsorientierte Bewertung der Mobilität), ebenso wie andere klinische Tests (z. B. ein Screening zur kognitiven Testung von Patienten mit Gangstörungen, die möglicherweise von Frontallappensyndromen herrühren).

Tabelle
icon

Leistungsorientierte Bewertung der Mobilität

Komponente

Befunde

Score*

Klinische Bedeutung

Initiieren des Gangs (unmittelbar nachdem der Patient aufgefordert wurde, zu gehen)

Jedes Zögern oder mehrere Versuche, zu starten

0

M. Parkinson

Isolierte Gangeinleitungsstörung (Schlaganfall oder Demenz)

Frontale Gangstörung

Ohne Zögern

1

Schrittlänge und -höhe rechts (rechtes Schwungbein)

Passiert den linken Standfuß beim Schritt nicht oder lässt den Boden beim Schritt nicht komplett unberührt

0

Arthritis

Fußproblem

Schlaganfall

Passiert den linken Standfuß

1

Der Boden bleibt komplett unberührt

1

Schrittlänge und -höhe links (linkes Schwungbein)

Passiert den rechten Standfuß beim Schritt nicht oder lässt den Boden beim Schritt nicht komplett unberührt

0

Arthritis

Fußproblem

Schlaganfall

Passiert den rechten Standfuß

1

Der Boden bleibt komplett unberührt

1

Schrittsymmetrie

Schrittlänge rechts und links sind nicht gleich (geschätzt)

0

Einseitig

Muskuloskelettales oder fokales neurologisches Defizit

Schrittlänge rechts und links sind gleich (geschätzt)

1

Schrittkontinuität

Anhalten oder Diskontinuität zwischen den Schritten

0

Frontale Gangstörung

Angst, zu fallen, häufig bei Demenz

Schritte erscheinen kontinuierlich

1

Weg (geschätzt in Bezug auf 30 cm breite Bodenfliesen; beobachtete Abweichung eines Fußes etwa 3 m)

Deutliche Abweichung

0

Frontale Gangstörung

Leichte bis moderate Abweichung oder Verwendung einer Gehhilfe

1

Gerade ohne Gehhilfe

2

Rumpf

Deutliches Schwanken oder Verwendung einer Gehhilfe

0

Kleinhirn-, subkortikale und Basalganglien-Dysfunktion

Antalgischer Gang (Arthitis in Hüfte oder Knien)

Kein Schwanken, aber Beugung der Knie, Rückenschmerzen oder Armeausbreiten beim Gehen

1

Angst, zu fallen

Kein Schwanken, keine Beugung, kein Einsatz der Arme und keine Verwendung einer Gehhilfe

2

Schrittbreite

Fersen beim Gehen weit auseinander

0

Hüfterkrankung

Kleinhirnerkrankung

Normaldruckhydrozephalus

Fersen berühren sich bein Gehen beinahe

1

* Die perfekte Punktzahl beträgt 12. Eine Punktzahl < 10 ist in der Regel mit Einschränkungen der funktionsbezogenen Mobilität verbunden.

Adaptiert nach Tinetti M: Performance-oriented assessment of mobility problems in elderly patients. Journal of the American Geriatrics Society 34:119-126, 1986; verwendet mit Genehmigung.

Die Beurteilung wird am besten in 4 Teilen angegangen:

  • Besprechen der Beschwerden, Ängste und Ziele des Patienten in Bezug auf die Mobilität

  • Beobachten des Gangs mit und ohne Hilfsmittel (sofern sicher)

  • Beurteilung aller Komponenten des Gangs (siehe Tabelle: Leistungsorientierte Bewertung der Mobilität)

  • Erneutes Beobachten des Gangs mit Kenntnis der Gangkomponenten des Patienten

Anamnese

Zusätzlich zur Standard-Anamnese sollten ältere Patienten zu gangbezogenen Problemen befragt werden. Zuerst werden ihnen offene Fragen zu Schwierigkeiten beim Gehen und/oder mit dem Gleichgewicht gestellt und dazu, ob sie gestürzt sind (oder fürchten zu stürzen). Dann werden die spezifischen Fähigkeiten beurteilt; dazu gehört auch, ob die Patienten Treppen steigen und heruntergehen können, ob sie sich auf einen Stuhl, in eine Dusche oder Badewanne stetzen und wieder aufstehen können und ob sie bei Bedarf einkaufen und kochen und die Hausarbeit erledigen können. Wenn sie über irgendwelche Schwierigkeiten berichten, werden die Details zu Beginn, Dauer und Verlauf ermittelt. Die Vorgeschichte neurologischer und muskuloskelettalker Beschwerden und bekannter Erkrankungen ist wichtig.

Körperliche Untersuchung

Die Stärke der unteren Extremität wird beurteilt. Die proximale Muskelkraft wird getestet, indem sich die Patienten ohne Zuhilfenahme der Arme aus einem Stuhl erheben. Die Stärke der Wadenmuskulatur wird bestimmt, indem die Patienten vor einer Wand stehen, ihre Handflächen an der Wand auflegen und auf ihre Zehen steigen, zuerst mit beiden Füßen und dann mit jeweils einem Fuß. Die Stärke der Hüft-Innenrotation wird beurteilt.

Beurteilung des Gangs

Eine Routinebeurteilung des Gangs kann durch einen Hausarzt erfolgen; ein Experte kann für komplexe Gangstörungen benötigt werden. Für die Beurteilung werden ein gerader Flur ohne Störfaktoren oder Hindernisse und eine Stoppuhr benötigt.

Die Patienten sollten auf die Untersuchung vorbereitet werden. Sie sollten gebeten werden, kniefreie Hosen oder Shorts zu tragen und darüber informiert werden, dass evtl. mehrere Beobachtungen benötigt werden, sie aber ausruhen können, wenn sie müde werden.

Hilfsvorrichtungen sorgen für Stabilität, beeinflussen aber auch den Gang. Der Einsatz von Gehböcken führt oft zu einer gebeugten Haltung und zu diskontinuierlichem Gang, insbesondere bei Gehböcken ohne Rollen. Wenn es gefahrlos möglich ist, sollte der Arzt den Patienten ohne Hilfsmittel gehen lassen, aber in seiner Nähe bleiben oder mit ihm gehen unter Zuhilfenahme eines Gurts zur Sicherheit. Benutzen die Patienten einen Gehstock, kann der Arzt mit ihnen auf der Seite des Stocks gehen oder sie am Arm halten und mit ihnen gehen. Patienten mit V. a. periphere Neuropathie sollten beim Gehen den Unterarm des Arztes berühren. Verbessert sich der Gang bei dieser Intervention, wird die Propriozeption aus dem Arm genutzt, um die fehlende Propriozeption aus dem Bein zu ergänzen; solche Patienten profitieren in der Regel vom Einsatz eines Gehstocks, der Informationen über die Art der Oberfläche oder des Bodens zur Hand, die den Stock hält, übermittelt.

Das Gleichgewicht wird durch die Bestimmung der Zeit beurteilt, die die Patienten auf beiden Füßen im Tandemstand (Ferse an Zehe) und auf einem Fuß (Einbeinstand) stehen können; normal sind 5 s.

Die Gehgeschwindigkeit wird mit einer Stoppuhr gemessen. Die Zeit wird gestoppt, in der die Patienten eine festgelegte Entfernung (vorzugsweise 6 oder 8 m) mit ihrer bevorzugten Geschwindigkeit zurücklegen. Der Test muss möglicherweise wiederholt werden, wenn die Patienten möglichst schnell gehen. Die normale Gehgeschwindigkeit bei gesunden älteren Menschen liegt im Bereich von 1,1–1,5 m/s.

Die Kadenz wird als Schritte/min bestimmt. Die Kadenz variiert mit der Beinlänge von etwa 90 Schritten/min bei großen Erwachsenen (1,83 m) bis etwa 125 Schritten/min bei kleinen Erwachsenen (1,5 m).

Die Schrittlänge kann durch Messen der Entfernung über 10 Schritte und Dividieren dieser Zahl durch 10 bestimmt werden. Da kleinere Menschen kürzere Schritte machen und die Fußgröße direkt mit der Körpergröße zusammenhängt, beträgt die normale Schrittlänge 3 Fußlängen und eine abnorme Schrittlänge < 2 Fußlängen. Eine Faustregel besagt, dass, wenn mindestens 1 Fußlänge zwischen den Schritten des Patienten sichtbar ist, die Schrittlänge normal ist.

Die Schritthöhe kann durch Beobachten des Schwingfußes beurteilt werden; berührt er den Boden, v. a. in der Mitte der Schwungphase, können die Patienten stolpern. Einige Patienten mit Angst vor Stürzen oder einem vorsichtigen Gang schieben ihre Füße gezielt über die Bodenoberfläche. Dieses Gangbild kann auf einer glatten Oberfläche sicher sein, ist aber riskant beim Gehen auf Teppichen, weil die Patienten stolpern können.

Asymmetrie oder Variabilität des Gangrhythmus können erfasst werden, indem der Arzt sich selbst bei jedem Schritt des Patienten "dum..dum..dum" vorsagt. Einige Ärzte hören den Gangrhythmus besser als sie ihn sehen.

Tests

Manchmal sind Tests erforderlich.

Häufig erfolgt eine CT oder MRT des Gehirns, insbesondere bei unzureichender Gangeinleitung, chaotischer Trittfrequenz oder den Bild eines sehr steifen Gangs. Diese Tests helfen, lakunäre Infarkte, Erkrankungen der weißen Substanz und fokale Atrophien zu identifizieren und tragen zur Feststellung bei, ob ein Normaldruckhydrozephalus in Betracht zu ziehen ist.

Behandlung

  • Krafttraining

  • Gleichgewichtstraining

  • Hilfsmittel

Obwohl es wichtig ist, den Grund für Ganganomalien zu festzustellen, sind Interventionen zur Änderung des Gangs nicht immer angezeigt. Ein verlangsamter, ästhetisch abweichender Gang kann es der älteren Person ermöglichen, sicher und ohne Hilfe zu gehen. Allerdings können einige Interventionen zu einer Verbesserung führen; dazu gehören sportliche Betätigung, Gleichgewichtstraining und Hilfsmittel (siehe Tabelle: Behandlung von Gangstörungen).

Tabelle
icon

Behandlung von Gangstörungen

Häufiges Problem

Behandlung

Kommentare

Knochenstruktur

Kyphotische Haltung aufgrund von Kompressionsfrakturen der Brustwirbelsäule oder schlechter Körperhaltung

Thoraxausdehnung, Rotation der Schulter, Kopf auf die Brust nehmen

Osteoporosebehandlung, um neue Frakturen zu verhindern

Eine Kompressionsfraktur kann durch Röntgen diagnostiziert werden und eine Osteoporose durch eine Knochendichtemessung.

Beinlängendifferenzen

Fersenhebung

Normalerweise beträgt die Korrektur der Fersenhebung nicht 100%.

Schweres Genu varus oder valgus

Orthesen, Verstrebungen, Stärkung des Quadrizeps

Die Kriterien für Kniegelenkersatz sollten überprüft werden.

Fußanomalie oder -schmerzen

Hallux valgus (Ballen)

Verlust des Längsgewölbes

Orthesen, Fußpflege, angepasste Schuhe

Tests auf plantare Neuropathie mit Nylon-Monofilamenten erfolgen immer, um die Gefahr plantarer Ulzerationen zu erkennen.

Bewegungsbereich der Gelenke

Verminderte Innenrotation der Hüfte

Dehnen der Adduktoren, Stärkung der Abduktoren

Der Versuch, die Innenrotation durch Dehnung zu verbessern, ist in der Regel nicht wirksam, kann aber einer weiteren Einschränkung des Bewegungsbereichs vorbeugen.

Verminderte Hüftextension

Dehnen der Hüftbeuger, Stärkung der Hüftstrecker

Liegend, nach hinten gewölbt und die Hüfte gestreckt wird oft empfohlen.

Verminderte Dorsalflexion des Sprunggelenks

Dehnen der Wadenmuskulatur

Die Absatzhöhe der Schuhe wird reduziert.

Hallux rigidus (Ausfall der Dorsalflexion der Großzehe)

Fußpflege oder Überweisung an einen Orthopäden

Eine Orthese sollte erwogen werden.

Muskelkraft

Schwache Hüftextension

Übungen zum Aufstehen von einem Stuhl

Tests zum Aufstehen von einem Stuhl können bei der Diagnose hilfreich sein.

Schwache Kniestreckung

Übungen zum Aufstehen von einem Stuhl, Kniestreckung mit Sandsäckchen am Knöchel, Hocke

Tests zum Aufstehen von einem Stuhl können bei der Diagnose hilfreich sein.

Schwache Plantarflexion des Sprunggelenks

Fersenhebung (mithilfe des Körpergewichts)

Um den Widerstand während der Fersenhebung zu erhöhen, können die Patienten eine Weste, einen Rucksack oder einen Gürtel mit Gewichten tragen; evtl. müssen sie sich gegen eine Wand stabilisieren.

Schwache Dorsalflexion des Sprunggelenks

Muskelkräftigung (z. B. Zehenhebung), Knöchel-Fuß-Orthesen bei Fallfuß

Die Patienten legen Sandsackgewichte auf ihre Mittelfußknochen. Mit dem Rücken sicherheitshalber an der Wand, steigen die Patienten auf die Fersen (d. h. sie heben die Zehen vom Boden ab).

Schwache Hüftabduktion

Hüftabduktion mit Gewichten am Knöchel, seitlich auf dem Boden liegend

Sensorische Systeme

Lagesinn oder Gleichgewicht sind verringert oder beeinträchtigt, wenn die Augen beim Romberg-Test geschlossen sind

Geeignetes Schuhwerk

Der Vitamin-B12Spiegel sollte überprüft werden.

Verminderte oder beeinträchtigte plantare Berührungsempfindung, gemessen mit Monofilamenten nach Semmes-Weinstein

Geeignetes Schuhwerk

Beurteilen Sie Diabetes und Alkoholmissbrauch und, falls nicht, prüfen Sie die Nervenleitungsstudien.

Benommenheit oder Schwindel

Motorische Steuerung/Gleichgewicht

Tandemstand oder Einbeinstand < 5 s oder Drehung um 360° (sowohl nach rechts und nach links) benötigt > 10 Schritte oder Patient ist während des Drehens unsicher

Gleichgewichtstraining, inkl. statisches und dynamisches Gleichgewicht, Tai Chi oder ein Äquivalent dazu

Eine Vitamin-D-Supplementierung (1000 IE/Tag) reduziert das Sturz- und Frakturrisiko für Patienten in Pflegeheimen.

Vorwärtsneigung

Bradykinesie

Bein-Hypertonie

Parkinson-Zeichen

Physiotherapeutisches Training zur Erhaltung oder Verbesserung der motorischen Steuerung/Balance

Beurteilung der Parkinson-Krankheit

CT oder MRT können Lückeninfarkte, Kleinhirnveränderungen und Erkrankungen der weißen Substanz erkennen.

Körperliche und Herz-Kreislauf-Fitness

Schwindel aufgrund von orthostatischer Hypotonie

Überprüfung von Medikamenten auf mögliche Ursachen, Kompressionsstrümpfe

Müdigkeit, Atemnot, Unfähigkeit, < 300 m weit bei üblichen Tempo zu gehen

Regelmäßiges Gehprogramm

Die Patienten sollten auf Angina pectoris, Herzinsuffizienz, Lungenerkrankungen und Schaufensterkrankheit überprüft werden.

Eine 6-Minuten-Gestrecke sollte bestimmt werden.

Krafttraining

Gebrechliche ältere Menschen mit Mobilitätsproblemen erzielen bescheidene Verbesserungen mit Trainingsprogrammen. Bei älteren Menschen mit Arthritis reduziert Geh- oder Krafttraining Schmerzen im Knie, und der Gang kann sich verbessern.

Übungen gegen Widerstand können Kraft und Gehgeschwindigkeit verbessern, v. a. bei gebrechlichen Patienten mit verlangsamtem Gang. Zwei oder drei Trainingseinheiten pro Woche sind in der Regel erforderlich; Übungen gegen Widerstand bestehen aus 3 Sätzen mit 8–14 Wiederholungen pro Einheit. Die Last wird wöchentlich oder alle zwei Wochen erhöht, bis ein Plateau erreicht ist. Eine gute Haltung während jeder Übung ist wichtig, um Schmerzen oder Verletzungen zu reduzieren.

Beinpressen trainieren alle großen Muskelgruppen des Beins und bieten Unterstützung von Rücken und Becken beim Heben. Allerdings sind diese Geräte nicht immer zugänglich für ältere Patienten. Aufstehen von Stühlen mit Gewichtswesten oder Gewichten an der Taille (Taillengürtel) sind eine Alternative. Es sind Instruktionen nötig, um das Risiko für Rückenverletzungen durch zu starke Lendenlordose zu senken. Stepper und Treppensteigen mit den gleichen Gewichten sind ebenfalls nützlich. Eine Plantarflexion des Sprunggelenks kann mit den gleichen Gewichten durchgeführt werden.

Kniestreckmaschinen sind wirksam zur Stärkung des Quadrizeps. Das Anbringen von Gewichten am Knöchel stärkt den Quadrizeps bei sehr gebrechlichen älteren Menschen. Das übliche Anfangsgewicht für gebrechliche Menschen beträgt 3 kg. Der Widerstand für alle Übungen sollte jede Woche erhöht werden oder nachdem der Patient 10 oder 12 Wiederholungen durchführen kann, bis der Patient ein Plateau der Stärke erreicht hat. Dann wird das Training mit dem maximal tolerierbaren Gewicht für die Wartung fortgesetzt.

Gleichgewichtstraining

Viele Patienten mit Gleichgewichtsstörungen profitieren von Gleichgewichtstraining. Zuerst werden eine gute Haltung im Stehen und das statische Gleichgewicht geschult. Den Patienten wird dann beigebracht, sich bewusst zu sein, wo der Druck ihrer Füße lokalisiert ist und wie sich diese Stelle bei langsamer Neigung oder Drehen des Oberkörpers, um nach links oder rechts zu schauen, verlagert. Neigen nach vorne (mit einer Wand oder einem Tresen zur Unterstützung), nach hinten (mit einer Wand direkt dahinter) und zu jeder Seite wird dann geübt. Ziel ist es, dass der Patient 10 s lang auf einem Bein stehen kann.

Dynamisches Gleichgewichtstraining kann beinhalten: langsame Bewegungen im Einbeinstand, einfache Tai-Chi-Bewegungen, Tandemgang, sich beim Gehen umdrehen, rückwärts gehen, zu Fuß über ein virtuelles Objekt gehen (z. B. einen 15 cm langen Streifen auf dem Boden), langsame Ausfallschritte vorwärts und langsame Tanzbewegungen. Ein Mehrkomponenten-Gleichgewichtstraining ist wahrscheinlich am effektivsten für die Verbesserung der Balance.

Hilfsvorrichtungen

Hilfsvorrichtungen können zur Erhaltung der Mobilität und Lebensqualität beitragen. Neue Bewegungsstrategien müssen erlernt werden. Physiotherapeuten sollten bei der Auswahl von und dem Training mit Hilfsmitteln beteiligt sein.

Gehstöcke sind besonders hilfreich für Patienten mit Schmerzen durch Knie- oder Hüftgelenksarthritis oder mit peripherer Neuropathie in den Füßen, weil ein Stock Informationen über die Art der Oberfläche oder den Boden auf die Hand überträgt, die den Stock hält. Ein Stock mit vier Füßen können den Patienten stabilisieren, er verlangsamt aber üblicherweise den Gang. (Anmerkung der Redaktion: sind in Deutschland kaum verbreitet.) Gehstöcke werden in der Regel auf der Gegenseite des schmerzenden oder schwachen Beins eingesetzt. Viele der im Geschäft gekauften Gehstöcke sind zu lang, sie können aber an die richtige Höhe angepasst werden ( Anpassen der Stockhöhe), indem sie abgeschnitten werden (Gehstock aus Holz) oder indem die Pin-Einstellungen geändert werden (einstellbarer Gehstock). Zur maximalen Unterstützung sollte die Länge so sein, dass die Ellbogenbeugung der Patienten beim Halten des Gehstocks 20 bis 30° beträgt.

Gehböcke können die Kraftentwicklung an und Schmerzen in arthritischen Gelenken stärker reduzieren als ein Gehstock, ausreichende Kraft in Arm und Schulter vorausgesetzt. Gehböcke bieten eine gute Seitenstabilität und moderaten Schutz vor Stürzen nach vorne, aber wenig oder nichts, um bei Patienten mit Gleichgewichtsstörungen Stürze nach hinten zu verhindern. Bei Verschreibung eines Gehbocks sollte der Physiotherapeut die teilweise konkurrierenden Bedürfnisse nach Stabilität und maximaler Effizienz (Energieeffizienz) beim Gehen beachten. Vierrädrige Rollatoren mit größeren Rädern und Bremsen maximieren die Gangeffizienz, bieten aber weniger seitliche Stabilität. Diese Gehhilfen haben den zusätzlichen Vorteil eines kleinen Sitzes, auf den sich die Patienten setzen können, wenn sie müde werden.

Prävention

Primärprävention: Eine hohe körperliche Aktivität trägt nachweislich zur Aufrechterhaltung der Mobilität bei, selbst bei Patienten mit Erkrankungen.

Sekundäre Prävention: Bewegung hat Gang und Maße der Mobilität in kurz- und langfristigen Studien verbessert.

Die Weltgesundheitsorganisation, das American College of Sports Medicine und die American Heart Association empfehlen dringend eine regelmäßige multimodale Aktivität für ältere Erwachsene, um die Gesundheit und Mobilität zu erhalten (1, 2). Die wichtigste Empfehlung ist regelmäßiges Gehen oder die Aufrechterhaltung eines körperlich aktiven Lebensstils. Die negativen Auswirkungen von Dekonditionierung und Inaktivität können nicht genug betont werden. Ein regelmäßiges Gehprogramm von 30 min/Tag ist die beste Einzelaktivität zur Aufrechterhaltung der Mobilität, jedoch erhöht das Gehen nicht die Kraft einer schwachen Person. Eine sicherer Weg sollte empfohlen werden, aber auch Hügel können helfen, die Beinkraft zu erhalten. Die Verwendung von verstellbaren Spazierstöcken oder Stöcken kann älteren Erwachsenen Vertrauen und Sicherheit bieten.

Zur Prävention gehören auch Widerstands- und Gleichgewichtstraining. Die Auswirkungen eines aktiven Lebensstils auf die Stimmung und das Zutrauen sind wahrscheinlich genauso wichtig wie ihre Wirkung auf die Physiologie.

Hinweis zur Prävention

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN