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Kolon- und Rektumpolypen

Von

Elliot M. Livstone

, MD, Sarasota Memorial Hospital, Sarasota, FL

Inhalt zuletzt geändert Okt 2017
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Quellen zum Thema

Ein intestinaler Polyp ist eine Gewebemasse, die der Darmwand entspringt und in das Lumen hervorragt. Die meisten sind bis auf geringe, meist okkulte Blutungen asymptomatisch. Die Hauptsorge ist eine maligne Transformation; die meisten Kolonkarzinome entstehen in vormals benignen adenomatösen Polypen. Die Diagnose wird endoskopisch gestellt. Die Behandlung besteht in der endoskopischen Resektion.

(Siehe auch die US Multi-Society Task Force on Colorectal Cancer’s guidelines for colonoscopy surveillance after screening and polypectomy.)

Polypen können breitbasig oder gestielt sein und variieren merklich in der Größe. Die Inzidenz von Polypen reicht von 7–50%; die höhere Angabe schließt auch kleinste, bei Autopsie gefundene Polypen ein (meist hyperplastische Polypen oder Adenome). Polypen, oft auch multipel, treten am häufigsten im Rektum und im Sigmoid auf, ihre Häufigkeit nimmt zum Zäkum hin ab. Multiple Polypen können im Rahmen einer familiären adenomatösen Polypose auftreten. Etwa 25% der Patienten mit kolorektalen Karzinomen haben außerdem adenomatöse Satellitenpolypen.

Adenomatöse (neoplastische) Polypen sind von größter Bedeutung. Diese Läsionen werden histologisch als tubuläre Adenome, tubulovillöse Adenome oder villöse Adenome eingeteilt. Die Wahrscheinlichkeit eines Karzinoms in einem adenomatösen Polyp zum Zeitpunkt der Diagnose hängt von der Größe, dem histologischen Typ und dem Grad der Dysplasie ab; ein 1,5 cm großes tubuläres Adenom hat ein Risiko von 2%, ein Karzinom zu enthalten, verglichen mit einem Risiko von 35% bei einem 3 cm großen villösen Adenom. Gezackte Adenome, eine etwas aggressivere Art von Adenom, können sich aus hyperplastischen Polypen entwickeln.

Nichtadenomatöse (nichtneoplastische) Polypen sind hyperplastische Polypen, Hamartome ( Peutz-Jeghers-Syndrom), juvenile Polypen, Pseudopolypen, Lipome, Leiomyome und andere seltenere Tumoren. Juvenile Polypen treten bei Kindern auf und wachsen üblicherweise schneller als ihre Blutversorgung, sie fallen um die Zeit der Pubertät von selbst ab. Eine Behandlung ist nur bei unkontrollierbaren Blutungen oder Invaginationen erforderlich. Inflammatorische Polypen und Pseudopolypen treten bei einer chronischen Colitis ulcerosa und einem Morbus Crohn des Kolons auf. Multiple juvenile Polypen (aber nicht die sporadischen) gehen mit einem erhöhten Malignomrisiko einher. Die genaue Anzahl von Polypen, ab der ein erhöhtes Risiko besteht, ist unklar.

Symptome und Beschwerden

Die meisten Polypen sind asymptomatisch. Die häufigste Beschwerde ist eine meist okkulte, rektale Blutung, massive Blutungen sind selten. Krämpfe, Bauchschmerzen oder Obstruktionen können bei größeren Läsionen auftreten. Rektale Polypen können bei der digitalen Rektumuntersuchung tastbar sein. Gelegentlich kann ein Polyp mit langem Stiel auch durch den Anus prolabieren. Große villöse Adenome verursachen selten eine wässrige Diarrhö, die zu einer Hypokaliämie führen kann.

Diagnose

  • Koloskopie

Die Diagnose von Kolonpolypen wird meist koloskopisch gestellt. Ein Bariumeinlauf, v. a. als Doppelkontrastuntersuchung, ist zwar effektiv, aber die Koloskopie wird bevorzugt, da während der Prozedur auch gleichzeitig Polypen entfernt werden können. Da rektale Polypen oft multipel auftreten und von einem Malignom begleitet sein können, ist eine komplette Koloskopie bis zum Zäkum zwingend erforderlich, auch wenn bei der flexiblen Sigmoidoskoie nur eine distale Läsion gefunden wurde.

Therapie

  • Vollständige Entfernung während der Koloskopie

  • Gelegentlich gefolgt von einer chirurgischen Resektion

  • Nachsorgekoloskopie zur Überwachung

Polypen sollten während der Koloskopie komplett mit einer Schlinge oder einer Biopsiezange entfernt werden. Wenn eine koloskopische Entfernung nicht gelingt, sollte eine Laparotomie durchgeführt werden. Das Tätowieren des distalen Polypenrandes mit Tusche hilft dem Chirurgen, den Polypen während der Laparotomie zu lokalisieren.

Die weitere Therapie hängt von der Histologie des Polypen ab. Wenn das dysplastische Epithel die Lamina muscularis mucosae nicht infiltriert, die Resektionslinie des Polypenstiels frei und die Läsion gut differenziert ist, sollten die endoskopische Exzision und eine engmaschige endoskopische Verlaufskontrolle ausreichend sein. Patienten mit tieferer Invasion, unsicherer freier Resektionslinie oder einer schlecht differenzierten Läsion sollten sich einer Kolonsegmentresektion unterziehen. Weil eine Invasion durch die Lamina muscularis mucosae Zugang zum lymphatischen System bietet und die Wahrscheinlichkeit einer Lymphknotenmetastasierung erhöht, sollten diese Patienten einer weiterführenden Diagnostik zugeführt werden (wie beim Kolonkarzinom).

Die zeitliche Festsetzung der Nachuntersuchungen nach Polypektomie ist umstritten und hängt von der Anzahl, Größe und Art der entfernten Polypen ab (siehe auch American College of Gastroenterology's [ACG] guidelines for colonoscopy surveillance after polypectomy). Zum Beispiel empfehlen die ACG-Leitlinien von 2012 eine wiederholte totale Koloskopie (oder Bariumeinlauf, wenn eine totale Koloskopie nicht möglich ist) 3 Jahre nach Entfernung eines tubulären Adenoms ≥ 10 mm oder eines Zottenadenoms jeglicher Größe.

Vorbeugung

Acetylsalicylsäure und COX-2-Inhibitoren mögen dabei helfen, bei Patienten mit Polypen oder Kolonkarzinom die Bildung neuer Polypen zu verhindern (1). Die potenziellen Vorteile einer Langzeittherapie mit diesen Mitteln müssen gegen mögliche Nebenwirkungen (z. B. Blutungen, Nierenfunktionsstörungen) abgewogen werden.

Hinweis zur Prävention

  • 1. Cook NR, Lee IM, Zhang SM, et al: Alternate-day, low-dose aspirin and cancer risk: Long-term observational follow-up of a randomized trial. Ann Int Med 159:77–85, 2013. doi: 10.7326/0003-4819-159-2-201307160-00002.

Wichtige Punkte

  • Kolonpolypen sind verbreitet; die Inzidenz reicht von 7–50% (je nachdem, welches diagnostische Verfahren eingesetzt wird).

  • Die Hauptsorge ist eine maligne Transformation, die mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten in Abhängigkeit von der Größe und Art des Polypen auftritt.

  • Das Hauptsymptom sind Blutungen, in der Regel okkult und selten massiv.

  • Die Koloskopie ist das empfohlene diagnostische und therapeutische Verfahren.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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