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Knöchelverstauchungen

Von

Danielle Campagne

, MD, University of California, San Francisco

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2021| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2021
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Knöchelverstauchungen sind Risse in den Bändern, mit denen das Sprunggelenk fixiert ist.

  • Für gewöhnlich treten Knöchelverstauchungen ein, wenn jemand auf unebenem Boden geht oder läuft und der Fuß sich nach innen dreht, wodurch die Bänder des Knöchels über ihre Grenzen hinaus gedehnt werden und reißen.

  • In der Regel ist der Knöchel geschwollen und das Gehen schmerzhaft.

  • Die ärztliche Diagnose stützt sich auf eine körperliche Untersuchung und in einigen Fällen auf eine Röntgenuntersuchung.

  • Die Behandlung umfasst in der Regel PECH (Pausieren, Eis, Druckverband (Compression) mit einem Verband und Hochlagern des Beins) bei leichten Verstauchungen, Ruhigstellung und Physiotherapie bei mittelschweren bis schweren Verstauchungen und manchmal Operationen bei sehr schweren Verstauchungen.

In den USA sind Knöchelverstauchungen sehr häufig.

Der Knöchel bzw. das Sprunggelenk setzt sich aus dem Schienbein (Tibia), dem kleineren Unterschenkelknochen (dem Wadenbein oder Fibula) und mehreren Bändern zusammen, die die Knochen des Sprunggelenks stabilisieren (Siehe die Abbildung Bänder: halten den Knöchel zusammen).

Die Schwere der Verstauchung hängt davon ab, welche Bänder verletzt und wie stark sie gedehnt oder gerissen sind. Ausgehend vom Schweregrad der Verstauchung wird vom Arzt folgende Einstufung vorgenommen:

  • Grad 1: Leicht

  • Grad 2: mittelschwere bis schwere Verstauchungen

  • Grad 3: sehr schwere Verstauchungen

Die meisten Knöchelverstauchungen sind leicht.

Bänder: stabilisieren den Knöchel

Bänder: stabilisieren den Knöchel

Verstauchungen treten meist auf, wenn der Fuß nach innen gedreht wird, so dass die Fußsohle zum anderen Fuß zeigt (Inversion). Diese Verletzung schädigt in der Regel die Bänder auf der Außenseite des Knöchels. Sie kann auftreten, wenn jemand auf unebenem Boden geht, insbesondere wenn er auf einen Stein tritt oder auf der Gehwegkante abrutscht.

Knöchelverstauchung

Der Fuß wird nach innen gedreht, wodurch das Band auf der Außenseite des Knöchels reißt.

Knöchelverstauchung

Knöchelverstauchungen, bei denen der Fuß nach außen gedreht wurde (Eversion), sind weniger häufig.

Wenn der Fuß nach außen gedreht wird, können verschiedene andere Verletzungen auftreten:

  • Abrissfraktur: Das Band, mit dem das Schienbein (Tibia) an einem der Fußknochen an der Innenseite des Knöchels befestigt ist, kann einen kleinen Knochensplitter vom Schienbein abreißen. Eine Verdrehung des Fußes nach außen führt eher zu einer Abrissfraktur als zu einer Verstauchung, weil das Band hier sehr stark ist.

  • Syndesmosenverletzung: Die Bänder, mit denen das Schienbein und der andere Unterschenkelknochen (das Wadenbein bzw. die Fibula) am unteren Ende zusammengehalten werden, können reißen.

  • Fraktur des Wadenbeins: Es kann zu einem Bruch des Wadenbeins am Knöchel oder mitunter am Knie kommen.

Eine Knöchelverstauchung kann auch mit einer Nervenschädigung einhergehen.

Unter folgenden Umständen neigt der Fuß dazu, sich nach außen zu drehen (bzw. der Knöchel neigt dazu, sich nach außen zu rollen), so dass das Verstauchungsrisiko erhöht ist:

  • bei gelockerten Bändern im Knöchel aufgrund früherer Verstauchungen

  • bei Muskelschwäche oder Nervenschädigung im Bein

  • wenn bestimmte Arten von Schuhen getragen werden, etwa Pfennigabsätze

Symptome einer Knöchelverstauchung

Generell ist die Stelle über dem verletzten Band schmerzhaft und geschwollen. Manchmal haben Verletzte mit einem verstauchten Fußgelenk Muskelspasmen – ungewollte Zuckungen der Muskeln um das Fußgelenk herum.

Die Schwere der Symptome hängt davon ab, wie gravierend der Riss ist. Sind auch Nerven verletzt, fällt es den Betroffenen womöglich schwer, zu fühlen, wo sich Fuß und Knöchel befinden, wenn sie nicht darauf blicken (eine Wahrnehmung, die Propriozeption genannt wird).

Leicht

Es liegen eine Dehnung und Risse in einem Band bzw. in mehreren Bändern vor, wobei die Risse jedoch so klein sind, dass sie nur mikroskopisch sichtbar wären. Der Knöchel schmerzt in der Regel kaum und schwillt kaum an, das Gelenk ist aber geschwächt und in höherem Maße verletzungsgefährdet. Die Heilung kann Stunden bis Tage dauern.

mittelschwere bis schwere Verstauchungen

Bei dieser Art von Verstauchung liegt ein partieller Bänderriss vor. Oft ist der Knöchel geschwollen, ein Bluterguss ist zu sehen und das Gehen ist in der Regel schmerzhaft und erschwert. Die Heilung braucht Tage bis Wochen.

Eine weitere Knöchelverstauchung kann auch mit einer Nervenschädigung einhergehen.

sehr schwere Verstauchungen

Bei dieser Art von Verstauchung liegt ein vollständiger Bänderriss vor. Unter Umständen ist der gesamte Knöchel geschwollen und von einem Bluterguss bedeckt. Das Knöchelgelenk ist instabil und nicht mehr belastbar.

Die Heilung dauert für gewöhnlich 6 bis 8 Wochen. Wenn die Betroffenen nicht warten, bis der Knöchel komplett verheilt ist, bevor sie ihre gewohnten Aktivitäten wieder aufnehmen, erhöht sich ihr Risiko künftiger Verletzungen und der Heilungsverlauf im Knöchel kann beeinträchtigt sein.

Auch Nervenschäden können die Folge sein.

Bei sehr schweren Knöchelverstauchungen ist unter Umständen auch der Knorpel am Ende der Knochen im Knöchelgelenk gebrochen. Dies kann zu dauerhaften Schmerzen, Schwellungen und mitunter zu Gehschwierigkeiten führen. Das Gelenk könnte in seiner Beweglichkeit eingeschränkt sein oder unkontrolliert nachgeben. Es kommt auch vor, dass sich bereits in jungen Jahren in dem Gelenk eine Arthritis ausbildet.

Diagnose einer Knöchelverstauchung

  • Untersuchung durch den Arzt

  • mitunter Röntgenaufnahmen zur Überprüfung auf Frakturen

Der Arzt erkundigt sich nach den Umständen des Auftretens der Verletzung und führt eine körperliche Untersuchung durch.

Bei der Untersuchung bewegt der Arzt den Knöchel auch in verschiedene Richtungen, um die Schwere der Verstauchung festzustellen. Wenn der Patient aber an großen Schmerzen und einer Schwellung oder Muskelspasmen leidet, wird die Untersuchung in der Regel solange verschoben, bis Röntgenbilder erstellt und auf Knochenbrüche hin untersucht werden kann.

Bei der Untersuchung wird der Knöchel vorsichtig abgetastet, um festzustellen, an welcher Stelle die Schmerzen am stärksten sind. Wenn bereits die Berührung der Haut über einem Band intensive Schmerzen verursacht, ist das Band wahrscheinlich gerissen. Wenn die Berührung der Haut über einem Knochen schmerzhaft ist, könnte ein Knochenbruch vorliegen. Eine Schwellung und Spasmen erschweren eine Untersuchung des Knöchels. In solchen Fällen können Ärzte das Gelenk erst einmal mit einer Schiene ruhigstellen (immobilisieren) und dann einige Tage später noch einmal untersuchen.

Eine Verstauchung lässt sich in der Regel ausgehend vom Befund der Untersuchung diagnostizieren. Unter folgenden Umständen werden mitunter auch Röntgenbilder aufgenommen, um eine Überprüfung auf Frakturen durchzuführen:

  • Wenn der Knöchel an bestimmten Stellen sehr schmerzhaft ist.

  • Wenn der Knöchel wegen der Schmerzen nicht belastbar ist.

  • Bei Patienten über 55 Jahren.

Wussten Sie ...

  • Nicht jeder umgeknickte Knöchel muss geröntgt werden.

Um nach anderen Verletzungen zu suchen, kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden, was besonders dann notwendig ist, wenn der Knöchel nach 6 Wochen Pausieren, Eis, Druckverband (Compression) und Hochlagern (PECH) immer noch schmerzhaft ist.

Behandlung einer Knöchelverstauchung

  • Pausieren, Eis, Druckverband (Compression) und Hochlagern (PECH)

  • Paracetamol

  • Bandage, Schiene, speziell angefertigter Stiefel oder Gipsverband

  • Physiotherapie

Die Behandlung kann Folgendes umfassen: PECH sowie Paracetamol zur Schmerzkontrolle. Krücken werden bei allen Verstauchungen solange verwendet, bis die Betroffenen wieder normal gehen können.

Leichte Verstauchungen

Die meisten Knöchelverstauchungen sind leicht, erfordern keine spezielle Behandlung und heilen gut aus.

Es wird eine Behandlung nach dem PECH-Prinzip empfohlen. Diese beinhaltet:

  • Schutz: Das Fußgelenk, je nach Schwere der Verstauchung, mit einem Elastikverband, einer Schiene, einem speziell dafür entwickelten Stiefel oder einem Gips stützen

  • Ruhigstellung: Kein Auftreten auf den Fuß mit dem verletzten Knöchel bzw. nur mit einer Krücke, falls unbedingt notwendig

  • Eis: Auflegen von Eispacks auf den verletzten Knöchel

  • Druckverband: Einwickeln des Knöchels und des Fußes mit einer elastischen Bandage oder mit einem Tape

  • Hochlagern: Hochlagern des Knöchels (so oft wie möglich)

In der Regel wird Paracetamol zur Schmerzlinderung gegeben.

Die meisten Patienten können sofort wieder gehen bzw. Sport treiben, sofern sie stützendes Schuhwerk tragen.

Wussten Sie ...

  • Bei einer leichten Knöchelverstauchung können die meisten Patienten sofort wieder gehen bzw. Sport treiben, sofern sie stützendes Schuhwerk tragen und vorsichtig auftreten.

Mittelstarke Verstauchungen

Mittelschwere Verstauchungen können mit der PECH-Regel behandelt werden. Wenn das Gehen sehr schwer fällt, kann eine Schiene oder ein Stiefel zur Stützung getragen werden. Die meisten Patienten können bereits nach einigen Tagen wieder auftreten und Sport treiben.

Physiotherapie ist wichtig, um ein Anschwellen möglichst gering zu halten, den Bewegungsumfang des Gelenks zu erhalten und die Muskeln um den Knöchel herum nach und nach zu kräftigen, damit wiederkehrende Verstauchungen in Zukunft vermieden werden.

Schwere Verstauchungen

Schwere Verstauchungen erfordern eine sofortige ärztliche Behandlung. Ohne Behandlung können sie zu bleibender Instabilität des Knöchels und anhaltenden Schmerzen führen.

Der Knöchel wird ruhiggestellt, manchmal mit einem Gips. Die meisten Patienten werden an einen Facharzt überwiesen.

Ob ein chirurgischer Eingriff erfolgen sollte, ist umstritten. Die meisten Experten sind der Auffassung, dass eine chirurgische Wiederherstellung der gerissenen Bänder nicht besser ist als eine Behandlung ohne chirurgischen Eingriff.

Krankengymnastische Übungen stellen die Beweglichkeit wieder her, kräftigen die Muskeln und verbessern das Gleichgewicht, weshalb sie notwendig sind, bevor die Patienten wieder eine belastende Tätigkeit aufnehmen können. Eine solche Physiotherapie kann außerdem den Heilungsverlauf beschleunigen.

Syndesmosenverletzungen

Bei hohen Fußgelenkverstauchungen muss in der Regel mehrere Wochen lang ein Gips getragen werden.

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