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Bleivergiftung

(Bleivergiftung)

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Kurzinformationen
  • Einige Ursachen für eine Bleivergiftung sind das Verschlucken von bleihaltiger Farbe oder das Trinken aus bestimmten importierten Keramikprodukten, deren Bleiglasur falsch aufgetragen wurde.

  • Sehr hohe Bleikonzentrationen im Blut können zu Persönlichkeitsveränderungen, Kopfschmerzen, Gefühlsverlust, Schwäche, einem metallischen Geschmack im Mund, unkoordiniertem Gehen, Verdauungsproblemen und Anämie führen.

  • Die Diagnose hängt von Symptomen und einem Bluttest ab.

  • Das Testen von Leitungswasser, Keramik und Farbe auf Blei kann helfen, potenzielle Quellen für eine Bleivergiftung zu identifizieren.

  • Die Behandlung besteht darin, den Kontakt mit Blei zu stoppen und das Blei, das sich im Körper angesammelt hat, zu entfernen.

Eine Bleivergiftung ist sehr viel weniger verbreitet, seit Farbe mit Bleipigmenten verboten ist (in den Vereinigten Staaten seit 1978) und im Autobenzin verboten wurde (1986 in den Vereinigten Staaten und seit 2011 in allen Schwellenländern mit Ausnahme von 6 Ländern). Allerdings ist die Bleivergiftung in Städten an der Ostküste der USA und in anderen bestimmten Städten immer noch ein großes Gesundheitsproblem.

Bleihaltige Farbe

Eine Bleivergiftung wird in der Regel durch direktes Verschlucken (Essen) von Blei verursacht. Das geschieht in der Regel

  • bei Kindern, die in älteren Häusern mit abblätternder Bleifarbe an den Wänden oder Bleirohren wohnen

Bei der Hausrenovierung können die Menschen bei der Vorbereitung der Oberflächen zum Streichen mit beträchtlichen Mengen von Blei in Form von abgekratzten oder abgeschmirgelten Partikeln in Berührung kommen. Kleine Kinder können genügend Farbpartikel, insbesondere bei einer Renovierung, verschlucken, um Symptome einer Bleivergiftung zu bekommen. Im Wasserkreislauf verbaute Bleirohre und Wasserbehälter können Blei in den Wasserkreislauf entlassen, das als Leitungswasser getrunken wird.

Es gibt verschiedene andere Quellen für eine Bleivergiftung:

  • Einige Keramikglasuren enthalten Blei. Keramikwaren, wie Krüge, Tassen und Teller, die mit solchen Glasuren überzogen sind (was außerhalb der Vereinigten Staaten häufig ist), können Blei absondern, besonders, wenn sie mit sauren Substanzen in Berührung kommen (wie Obst, Coca-Cola, Tomaten, Wein und Apfelwein).

  • Mit Blei kontaminierter, selbst gebrauter Whisky und andere Hausbraurezepte sind mögliche Quellen.

  • Gelegentlich Fremdobjekte aus Blei im Magen oder in Geweben (wie Kugeln oder Vorhang- oder Angelgewichte). Kugeln, die in bestimmte Weichgewebe eingedrungen sind, können die Bleikonzentration im Blut steigern, dieser Prozess dauert aber Jahre.

  • Gelegentlicher Kontakt kann bei der Herstellung von Batterien und beim Recycling, beim Bräunen, bei der Kupferherstellung, bei der Glasherstellung, beim Schneiden von Leitungen, beim Löten oder Schweißen, beim Verhütten oder bei der Arbeit mit Topfwaren oder Pigmenten eintreten.

  • Manche ethnische Kosmetikprodukte und importierte Kräuterprodukte und medizinische Kräuter enthalten Blei und führen bei Immigrantengruppen zu Massenbleivergiftungen.

  • Dämpfe von Bleibenzin (in Ländern, in denen es dies noch gibt), die zum Vergnügen wegen der toxischen Wirkung auf das Gehirn eingeatmet werden, können zu einer Bleivergiftung führen.

Blei nimmt Einfluss auf viele Teile des Körpers, auch das Gehirn, die Nerven, die Nieren, die Leber, das Blut, den Verdauungstrakt und die Geschlechtsorgane. Insbesondere Kinder sind diesen Risiken ausgesetzt, weil Blei den größten Schaden in einem Nervensystem anrichtet, das sich noch in der Entwicklung befindet.

Wenn der Bleianteil im Blut tagelang hoch ist, kommt es für gewöhnlich zu Symptomen einer schnellen Hirnschädigung (Enzephalopathie). Niedrigere Blutkonzentrationen, die über längere Zeiträume anhalten, führen manchmal langfristig zu kognitiven Defiziten.

Wussten Sie ...

  • Kinder, die in Gemeinschaften leben, die alte Häuser bewohnen, sollten auf eine Bleivergiftung untersucht werden, unabhängig davon, ob die Symptome vorliegen oder nicht.

Symptome einer Bleivergiftung

Viele Leute mit einer leichten Bleivergiftung haben keine Symptome. Die Symptome, die gewöhnlich auftreten, entwickeln sich über mehrere Wochen oder länger. Manchmal tauchen die Symptome zeitweise immer wieder auf.

Zu den typischen Symptomen einer Bleivergiftung zählen Persönlichkeitsveränderungen, Kopfschmerzen, Gefühllosigkeit, Schwäche, ein metallischer Geschmack im Mund, unkoordiniertes Gehen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Darmverstopfung, krampfartige Bauchschmerzen, Knochen- oder Gelenkschmerzen, Bluthochdruck und Anämie. Nierenschäden treten auch ohne Symptome ein.

  • Kleine Kinder, die Blei verschluckt haben, werden eventuell launisch und ihre Aufmerksamkeitsspanne und Spieltätigkeit kann sich über mehrere Wochen hinweg reduzieren. Eine Enzephalopathie kann dann plötzlich einsetzen und über mehrere Tage schlimmer werden, was zu andauerndem starken Erbrechen, Koordinations- und Gehschwierigkeiten, Verwirrtheit, Schläfrigkeit und schließlich zu Krämpfen und zum Koma führen kann. Eine chronische Bleivergiftung bei Kindern kann zu geistigen Behinderungen, Anfallkrankheiten, aggressivem Verhalten, rückschreitender Entwicklung, chronischen Bauchschmerzen und Anämie führen.

  • Erwachsene, die bei der Arbeit mit Blei in Kontakt kommen, entwickeln über mehrere Wochen oder länger Symptome (wie Persönlichkeitsveränderungen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Nervenschäden, mit Taubheit und Gefühlsverlust in Füßen und Beinen). Erwachsene können einen verminderten Sexualtrieb, Unfruchtbarkeit und Männer Erektionsstörungen (Impotenz) entwickeln. Bei Erwachsenen entwickelt sich selten eine Enzephalopathie.

  • Kinder und Erwachsene können eventuell eine Anämie entwickeln.

  • Kinder und Erwachsene, die Dämpfe von bleihaltigem Benzin einatmen, können zusätzlich zu typischen Symptomen einer Bleivergiftung Symptome einer Psychose entwickeln.

Manche Symptome können abklingen, wenn der Kontakt mit Blei nicht mehr besteht, wobei sie dann aber wieder schlimmer werden, wenn der Kontakt wiederhergestellt wird.

Diagnose einer Bleivergiftung

  • Bleikonzentrationen im Blut

Die Diagnose einer Bleivergiftung basiert auf den Symptomen oder einem Bluttest. Erwachsene, zu deren Arbeit der Umgang mit Blei zählt, müssen sich häufigen Bluttests unterziehen. Kinder, die in Gemeinden mit vielen alten Häusern leben, in denen Farbe auf Bleibasis abblättert, sollten ebenfalls Bluttests auf Blei unterzogen werden. Bei Kindern zeigen Röntgenbilder der Knochen und des Bauchraums oft Hinweise auf eine Bleivergiftung.

Vermeidung einer Bleivergiftung

Im Handel erhältliche Tests sollten bei Haushaltsfarbe (außer bei Häusern, die nach 1978 erbaut wurden), Keramik von außerhalb der Vereinigten Staaten und Wasserzufuhr mit Bleigehalt durchgeführt werden. Zu den Maßnahmen für eine Reduzierung des Risikos für eine Vergiftung im Haushalt zählen regelmäßiges Säubern, wie etwa

  • Händewaschen

  • Waschen der Spielzeuge und Schnuller der Kinder

  • Reinigen der Haushaltsoberflächen

  • Abstauben von betroffenen Fensterbänken mit einem feuchten Tuch

Abgebröckelte bleihaltige Farbe sollte repariert werden. Größere Renovierungsprojekte, um bleihaltige Farbe zu entfernen, können größere Mengen von Blei im Haus freisetzen und sollten vom Fachmann durchgeführt werden. Im Handel verfügbare Wasserfilter können das meiste Blei aus dem Trinkwasser entfernen.

Erwachsene, die Bleistaub ausgesetzt sind, sollten

  • entsprechende Personenschutzausrüstung tragen

  • Kleidung und Schuhe vor dem nach Hause gehen wechseln

  • vor dem Zubettgehen duschen

Behandlung einer Bleivergiftung

  • Die Belastung mit Blei einstellen

  • Manchmal Spülung des gesamten Darms

  • Manchmal Chelat-Therapie und Mineral-Nahrungsergänzungsmittel

Die Behandlung besteht darin, den Kontakt mit Blei zu stoppen und das Blei, das sich im Körper angesammelt hat, zu entfernen. Falls ein Röntgenbild des Bauchraums Bleipartikel zeigt, wird eine spezielle Lösung mit Polyethylenglykol oral oder über eine Magensonde verabreicht, um den Inhalt des Magens und des Darms zu spülen (Ganzdarmspülung).

Die Ärzte entfernen das Blei aus dem Körper, indem sie Medikamente verabreichen, die sich mit dem Blei verbinden (Chelat-Therapie), sodass es über den Urin ausgeschieden werden kann. Alle Medikamente, die Blei entfernen, wirken langsam und können schwere Nebenwirkungen verursachen.

Succimer ist ein Medikament, das in der Chelat-Therapie eingesetzt wird. Menschen mit einer leichten Bleivergiftung wird über den Mund Succimer verabreicht. Patienten mit einer schweren Bleivergiftung werden im Krankenhaus mit Injektionen chelatbildender Medikamente wie Dimercaprol, Succimer und Natrium-Calcium-Edetat (EDTA) behandelt. Weil chelatbildende Medikamente auch die wichtigen Minerale wie Zink, Kupfer und Eisen aus dem Körper ausschwemmen können, werden den Patienten diese Mineralstoffe oft zusätzlich zugeführt.

Nach der Behandlung behalten viele Kinder mit einer Enzephalopathie zu einem gewissen Grad bleibende Hirnschäden zurück. Manchmal bleibt auch ein Nierenschaden zurück.

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