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Halluzinogene

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2020| Inhalt zuletzt geändert Jun 2020
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Halluzinogene sind eine Arzneimittelklasse, die zu starken Verzerrungen der Wahrnehmungen von Menschen führt.

  • Halluzinogene verzerren und verstärken die Sinneswahrnehmungen, die tatsächlichen Auswirkungen variieren jedoch stark und sind schwer vorherzusagen.

  • Die Hauptgefahren bestehen in ihrer Wirkung auf die Psyche und dem damit verbundenen eingeschränkten Urteilsvermögen. Die meisten Personen wissen, dass sie halluzinieren und man kann mit ihnen vernünftig reden.

  • Die Diagnose stützt sich auf eine ärztliche Untersuchung.

  • Bei einer Intoxikation kann ein beruhigendes Gespräch in einem abgedunkelten, ruhigen Raum helfen. Bisweilen sind angstlösende Medikamente und eine Versorgung durch einen Psychiater erforderlich.

Halluzinogene können aus Pflanzen gewonnen oder künstlich hergestellt werden (synthetische Halluzinogene). Typische Beispiele sind unter anderem

  • LSD oder Lysergsäurediethylamid (das aus einem Pilz gewonnen wird)

  • Psilocybin (aus verschiedenen Pilzen)

  • Mescalin (aus dem Peyote-Kaktus)

  • N,N-Dimethyltryptamin (DMT)

  • 5-​Methoxy-​N,N-Diisopropyltryptamin (5-MeO-DIPT)

Es werden ständig neue Verbindungen synthetisiert, und die Liste der Halluzinogene wächst.

Diese Drogen werden auf unterschiedliche Weise angewandt. LSD wird als Tablette geschluckt oder von Löschpapier eingenommen. Psilocybin und Mescalin werden oral eingenommen. N,N-Dimethyltryptamin (DMT) kann geraucht werden.

Eine psychische Abhängigkeit von Halluzinogenen ist möglich, eine körperliche Abhängigkeit allerdings untypisch.

Symptome

Halluzinogene verursachen unmittelbar und manchmal auch langfristig Symptome.

Unmittelbare Auswirkungen

Körperliche Auswirkungen von Halluzinogenen sind häufig Übelkeit und Erbrechen. Der Konsum von LSD kann vergrößerte Pupillen, verschwommenes Sehen, Schweißausbrüche, Herzklopfen und eingeschränkte Koordinationsfähigkeit verursachen.

Halluzinogene verzerren und intensivieren die akustische und optische Wahrnehmung. Es tritt beispielsweise das Gefühl auf, Klänge zu sehen und Farben zu hören (Synästhesie genannt). Betroffene fühlen sich als nicht wirklich existent (Depersonalisation) oder von der Umwelt abgespalten (Dissoziation). Es kommt zu Stimmungsveränderungen (meistens Euphorie, manchmal auch Depression) und das Urteilsvermögen ist eingeschränkt. Eine Kombination dieser Wirkungen wird von den Konsumenten als „Trip“ bezeichnet.

Welche Wirkung tatsächlich eintritt, hängt von der Stimmung und den Erwartungen an den „Trip“, der Fähigkeit mit Halluzinationen umzugehen und dem Rahmen ab, in dem die Droge genommen wird. Visuelle Halluzinationen sind bei Psilocybin und Mescalin häufiger als bei LSD. Wenn jemand beispielsweise bereits deprimiert ist, fühlt er sich meist noch schlechter, wenn das Mittel zu wirken beginnt. Die Hauptgefahr beim Konsum dieser Drogen liegt in ihrer psychischen Wirkung und der Beeinträchtigung des Urteilsvermögens, was zu riskanten Entschlüssen und Unfällen führen kann. So mag jemand nach dem Gebrauch dieser Drogen davon überzeugt sein, dass er fliegen kann, und sich zum Beweis dessen aus dem Fenster stürzen.

Die Art des Rauschzustands, auch als „Trip“ bezeichnet, hängt auch davon ab, wie der Konsument mit den optischen und akustischen Verzerrungen umgehen kann. Ein unerfahrener, ängstlicher Konsument wird damit schlechter fertig als ein erfahrener, der keine Angst vor dem „Trip“ hat. Unter dem Einfluss eines Halluzinogens, meist LSD, kann extreme Angst bis hin zur Panik auftreten, was zu einem schlimmen Trip führt. Einen derart unangenehmen Trip abzubrechen, ist nicht möglich.

Überdosis

Hohe Dosen (Überdosis, mehr als 0,5 mg LSD) erhöhen den Blutdruck und die Herzfrequenz. Auch kann es zu einer extrem hohen Körpertemperatur (Hyperthermie) kommen, da der Körper die Temperatur nicht mehr regulieren kann. Eine Hyperthermie kann zu hohem Fieber, Übelkeit und Erbrechen führen.

Eine Überdosis ist selten, kann jedoch manchmal tödlich verlaufen. Die tödliche Dosis LSD wird auf Löschpapier auf 10 mg oder etwa 200 Einheiten geschätzt. Die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit Halluzinogenen werden den synthetischen Halluzinogenen 25I-NBOMe und 25C-NBOMe zugeschrieben.

Langzeitauswirkungen

Bei manchen Konsumenten bleibt der Realitätsverlust (Psychose) tagelang oder länger bestehen, auch wenn die Wirkung der Droge längst abgeklungen ist. Es ist nicht klar, ob die Droge die Ursache einer Psychose ist oder lediglich eine zugrunde liegende psychische Störung aktiviert.

Entzug

Bei chronischem und wiederholtem Missbrauch von Halluzinogenen, insbesondere von LSD, kommt es bei manchen Menschen zu so genannten Rückblenden (Flashbacks), nachdem sie mit dem Drogenkonsum aufgehört haben. Rückblenden sind dem Rauschzustand ähnlich, aber weniger intensiv. Meist verschwinden die Flashbacks nach sechs bis zwölf Monaten wieder, doch können sie auch Jahre nach dem letzten LSD-Trip noch auftreten, besonders wenn eine Angststörung oder andere psychische Erkrankung besteht oder nach dem Konsum von Marihuana, Alkohol oder Barbituraten.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

Die Diagnose einer Abhängigkeit stützt sich normalerweise auf Symptome bei Patienten, bei denen der Konsum von Halluzinogenen bekannt ist. Zur Bestätigung des Konsums vieler dieser Drogen gibt es keine Tests.

Behandlung

  • Ein beruhigendes Umfeld

  • Bisweilen angstlösende Medikamente wie Benzodiazepine

  • Manchmal eine Betreuung durch einen Psychiater

Die meisten Konsumenten lassen sich nicht für die Auswirkungen von Halluzinogenen behandeln. Bei einem schlechten Trip kann ein beruhigendes Gespräch in einem ruhigen, abgedunkelten Raum helfen. Man sollte dem Betroffenen versichern, dass die unangenehmen Wirkungen durch die Droge entstehen und wieder nachlassen werden. Bei schweren Angstzuständen können Benzodiazepine (Sedativa) wie Lorazepam helfen. Eine länger dauernde Psychose kann eine psychiatrische Behandlung erfordern.

Weitere Informationen

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