Bei der Skin Picking Disorder zupfen die Betroffenen wiederholt an ihrer Haut herum und verletzen sie damit.
Das Skin Picking geht aber möglicherweise ein Gefühl der Anspannung oder Angst voraus, und das Hautzupfen kann dieses Gefühl lindern.
Ärzte diagnostizieren diese Störung, wenn Menschen so sehr an ihrer Haut herumzupfen oder nagen, dass sie sich verletzen; wenn sie versuchen, ihr Verhalten zu unterdrücken oder zu beenden und dies aber nicht schaffen, und wenn sie ihr eigenes Verhalten deutlich belastet oder ihre Funktionsfähigkeit beeinträchtigt.
Eine kognitive Verhaltenstherapie (Habit-Reversal-Training), die speziell auf die Skin Picking Disorder ausgerichtet ist und bestimmte Antidepressiva oder N-Acetylcystein oder Memantin können helfen, die Symptome zu lindern.
Personen mit dieser Störung zupfen oder kratzen wiederholt an ihrer Haut herum. Sie tun dies nicht, um einen unschönen oder kranken Pickel oder Schorf loszuwerden (was bei Personen mit körperdysmorpher Störung der Fall ist). Einige Betroffene kratzen an gesunder Haut. Andere kratzen an Schwielen, Pickeln oder Krusten.
Das Skin Picking beginnt oft im Jugendalter, kann jedoch auch in einem anderen Alter anfangen. Ungefähr 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung sind gleichzeitig von der Störung betroffen. Etwa 60 bis 75 Prozent davon sind weiblich.
Symptome der Skin Picking Disorder
Die Methoden und Stellen, an denen die Betroffenen kratzen, variieren von Person zu Person. Manche Betroffene weisen viele wunde und vernarbte Stellen auf. Andere haben nur wenige Narben oder wunde Stellen. Die Stellen, an denen gekratzt wird, können sich mit der Zeit ändern.
Einige Personen kratzen mehr oder weniger automatisch an ihrer Haut, ohne darüber nachzudenken. Andere sind sich der Handlung bewusst.
Die Betroffenen zupfen nicht an ihrer Haut herum, weil sie wegen ihres Äußeren besorgt sind (was ein Symptom der körperdysmorphen Störung sein könnte). Dem Skin Picking geht aber möglicherweise ein Gefühl der Spannung oder Angst voraus, und das Kratzen kann dieses Gefühl lindern. Anschließend überkommt sie häufig ein Gefühl der Befriedigung.
Viele Handlungen (Rituale) können das Skin Picking begleiten. Die Betroffenen können akribisch nach einer Kruste einer bestimmten Art suchen, um daran zu kratzen. Sie reißen die Kruste vielleicht auf eine bestimmte Art ab, zum Beispiel mit den Fingern oder einem Hilfsmittel, wie einer Pinzette. Eventuell beißen sie auf der Kruste herum oder schlucken sie, nachdem sie diese abgerissen haben.
Viele Personen mit Skin Picking Disorder rupfen sich auch wiederholt die Haare aus, kauen ihre Nägel oder ihre Wange oder führen andere körperbezogene repetitive Handlungen aus. Einige Betroffene kratzen die Haut anderer Personen.
Den Betroffenen ist ihr Aussehen möglicherweise peinlich oder sie schämen sich dafür oder ihre Unfähigkeit ihr Verhalten zu kontrollieren. Infolgedessen vermeiden sie möglicherweise Situationen, in denen andere die Hautschäden sehen können. Normalerweise kratzen sie sich nicht vor anderen, abgesehen von Familienmitgliedern. Viele Betroffene versuchen, die Hautschäden mit Kleidung oder Make-up zu kaschieren. Die Personen sind möglicherweise wegen ihres Kontrollverlusts verzweifelt und versuchen wiederholt, das Zupfen an ihrer Haut zu unterbinden, schaffen es aber nicht.
Bei übermäßigem Skin Picking kann dies zu Narbenbildung, Infektionen, starken Blutungen und sogar zu einer schweren Infektion des Blutkreislaufs führen (Sepsis).
Viele Menschen mit Skin Picking Disorder leiden auch an anderen psychischen Gesundheitsstörungen, wie körperbezogene repetitive Verhaltensweisen, einer Zwangsstörung, Trichotillomanie und Depression.
Die Symptome variieren hinsichtlich der Intensität, können sich aber ein Leben lang fortsetzen.
Diagnose der Skin Picking Disorder
Ärztliche Beurteilung auf der Basis spezifischer psychiatrischer Diagnosekriterien
Eine körperliche Untersuchung und medizinische Tests sind manchmal zur Beurteilung auf körperliche Erkrankungen erforderlich.
Ärzte stützen die Skin-Picking-Diagnose auf die folgenden Symptome:
Starkes Hautkratzen, sodass die Haut geschädigt wird
Wiederholter Versuch, das Zupfen zu unterdrücken
Gefühl tiefer Verzweiflung oder beeinträchtigte Arbeits- und Lebensweise aufgrund der Skin Picking Disorder
Das Skin Picking darf nicht auf eine Droge wie Kokain, ein Medikament wie Stimulanzien oder eine andere Erkrankung wie Krätze zurückzuführen sein.
Behandlung der Skin Picking Disorder
Kognitive Verhaltenstherapie (insbesondere Habit-Reversal-Training)
Medikamente, einschließlich N-Acetylcystein oder Memantin
Eine kognitive Verhaltenstherapie – vor allem das Habit-Reversal-Training, das speziell auf die Skin Picking Disorder ausgerichtet ist – kann auch zur Verringerung der Symptome beitragen. Beim Habit-Reversal-Training lernen die Patienten Folgendes:
Sich ihres Hautzupfens mehr bewusst zu werden
Situationen zu erkennen, die dieses Verhalten auslösen
Strategien einsetzen, die ihnen helfen, sich selbst am Skin Picking zu hindern, z. B., indem sie diese durch eine andere Handlung ersetzen (etwa ihre Faust ballen, Stricken oder auf ihren Händen sitzen)
N-Acetylcystein (NAC) und Memantin wirken beide auf das glutamaterge System und können helfen, das Hautzupfen zu reduzieren. Eine Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (eine Art Antidepressivum) oder Clomipramin kann ebenfalls hilfreich sein und die Symptome einer gleichzeitig bestehenden Depression oder Angststörungen verbessern. Begrenzte Belege deuten darauf hin, dass diese Medikamente auch das Skin Picking reduzieren können.
