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Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Von

John W. Barnhill

, MD, Weill Cornell Medical College and New York Presbyterian Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2018| Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Kurzinformationen
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Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) geht mit starken, unangenehmen und gestörten Reaktionen einher, die nach einem überwältigenden traumatischen Ereignis beginnen.

  • Lebensbedrohliche Erfahrungen und schwere Verletzungen können sich sehr lange intensiv auswirken.

  • Betroffene durchleben das Ereignis erneut, haben Albträume und vermeiden jeglichen Kontakt mit allem, was sie an das Ereignis erinnert.

  • Die Behandlung kann Psychotherapie (unterstützende Therapie und Konfrontationstherapie) und Antidepressiva beinhalten.

Schreckliche Erlebnisse sind für viele Menschen für lange Zeit belastend. Bei manchen ist die Belastung so anhaltend und schwerwiegend, dass diese sie lähmt und sie daran erkranken. Generell sind Ereignisse, die eine PTBS verursachen, solche, die Gefühle der Angst, Hilflosigkeit oder Horror hervorrufen. Kampf, sexueller Übergriff und natürliche oder künstliche Katastrophen sind häufige Ursachen für PTBS. Sie kann jedoch aus jedem Erlebnis entstehen, das sich überwältigend und lebensbedrohlich anfühlt, wie körperliche Gewalt oder Autounfall.

Diese Ereignisse können direkt erlebt werden (z. B. sich schwer verletzen oder in Todesgefahr schweben) oder indirekt (Zeugen anderer sein, die sich schwer verletzten, getötet wurden oder in Todesgefahr schwebten, oder das Erlernen traumatischer Ereignisse, die Angehörigen oder Freunden zustießen). Die Betroffenen haben möglicherweise ein einzelnes Trauma oder, was häufig vorkommt, mehrmals ein Trauma erlebt.

Es ist nicht bekannt, warum das gleiche traumatische Ereignis bei einer Person keine Symptome und bei einer anderen eine lebenslange PTBS verursachen kann. Auch nicht klar ist, warum manche Menschen über Jahre hinweg Zeuge oder Opfer des gleichen Traumas sind, ohne eine PTBS zu entwickeln, dann aber nach einer scheinbar gleichen Episode eine PTBS entwickeln.

Posttraumatische Belastungsstörungen betreffen knapp 9 Prozent der Menschen irgendwann in ihrem Leben; auch Kinder sind betroffen ( Akute und posttraumatische Belastungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen). Während eines zwölfmonatigen Zeitraums leiden etwa 4 Prozent darunter.

Die posttraumatische Belastungsstörung dauert länger als 1 Monat. Sie kann entweder die Fortsetzung einer akuten Belastungsreaktion sein oder unabhängig davon bis zu 6 Monate nach dem Ereignis auftreten.

Chronische posttraumatische Belastungsstörungen verschwinden manchmal nicht ganz, schwächen aber, selbst ohne Behandlung, mit der Zeit oft ab. Dennoch bleiben viele Betroffene dauerhaft beeinträchtigt.

Symptome

Patienten mit PTBS haben normalerweise Symptome aus den folgenden 4 Kategorien:

  • Intrusionen (das Ereignis taucht wiederholt und unkontrollierbar in ihren Gedanken auf)

  • Vermeidung von allem, was an das Ereignis erinnert

  • Negative Auswirkungen auf das Denken und die Gemütslage

  • Veränderungen der Wachsamkeit und Reaktionen

Intrusionssymptome

Das traumatische Ereignis kann wiederholt in Form unwillkürlicher, unerwünschter Erinnerungen oder wiederkehrender Albträume auftreten. Manche Betroffene haben Flashbacks, in denen sie die Ereignisse wieder erleben, so als würden diese tatsächlich stattfinden und sie sich nicht nur daran zu erinnern.

Die Betroffenen können auch intensive Reaktionen auf Erinnerungen an das Ereignis erleben. Die Symptome eines Kriegsveteranen können z. B. durch ein Feuerwerk ausgelöst werden, während die Symptome eines Opfers von einem Raubüberfall durch das Sehen einer Waffe in einem Film ausgelöst werden können.

Vermeidungssymptome

Die Betroffenen meiden dauerhaft alles, was sie an die traumatische Situation erinnert (Aktivitäten, Situationen oder Menschen). Beispielsweise vermeiden sie Parks oder Bürogebäude, in denen sie zuvor überfallen wurden, oder sie vermeiden es, mit Menschen zu sprechen, die der gleichen ethnischen Bevölkerungsgruppe angehören wie der Angreifer. Manche vermeiden sogar Gedanken, Gefühle oder Gespräche in Bezug auf das traumatische Ereignis.

Negative Auswirkungen auf das Denken und die Gemütslage

Die Betroffenen können sich manchmal an bedeutende Aspekte des traumatischen Ereignisses nicht erinnern (sogenannte dissoziative Amnesie).

Möglicherweise fühlen sie sich emotional betäubt oder losgelöst von anderen Personen. Häufig kommt eine Depression dazu, und die Betroffenen verlieren das Interesse an Aktivitäten, die ihnen zuvor Spaß gemacht haben.

Die Art, in der die Betroffenen an das Ereignis denken, kann verzerrt sein und dazu führen, dass sie sich selbst oder Andere wegen des Ereignisses verantwortlich machen. Schuldgefühle sind ebenfalls häufig. Beispielsweise können sich Betroffene schuldig fühlen, überlebt zu haben, da andere Menschen nicht überlebt haben. Sie empfinden möglicherweise nur negative Gefühle wie Furcht, Horror, Wut oder Scham und sind vielleicht nicht in der Lage, glücklich oder zufrieden zu sein oder Liebe zu empfinden.

Veränderungen der Wachsamkeit und Reaktionen

Die Betroffenen haben eventuell Probleme, einzuschlafen oder sich zu konzentrieren.

Möglicherweise achten sie übertrieben wachsam auf Anzeichen für Risiken. Sie sind schreckhaft.

Sie können Probleme haben, ihre Reaktionen zu kontrollieren, was zu leichtsinnigem Verhalten oder Wutausbrüchen führen kann.

Sonstige Symptome

Manche Menschen entwickeln rituelle Handlungen, um ihre Angstgefühle in den Griff zu bekommen. Beispielsweise baden und duschen sich Opfer sexueller Übergriffe immer wieder, um sich nicht mehr schmutzig zu fühlen.

Viele Menschen mit PTBS versuchen, ihre Symptome mit Alkohol oder illegalen Drogen zu lindern und entwickeln eine Substanzgebrauchsstörung.

Diagnose

  • Ärztliche Beurteilung auf der Basis spezifischer Kriterien

Ärzte diagnostizieren eine PTBS, wenn:

  • Die Betroffenen direkt oder indirekt einem traumatischen Ereignis ausgesetzt waren.

  • Die Symptome über e1 Monat oder länger anhalten.

  • Die Symptome sehr quälend sind oder die Funktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

  • Die Betroffenen Symptome aus jeder der Kategorien im Zusammenhang mit posttraumatischen Belastungsstörungen aufweisen (Intrusionen, Vermeidungen, negative Auswirkungen auf das Denken und die Stimmung sowie Veränderungen der Wachsamkeit und Reaktionen).

Ärzte prüfen außerdem, ob die Ursache der Symptome auch die Anwendung eines Medikaments oder eine andere Erkrankung sein könnte.

Eine PTBS wird häufig nicht diagnostiziert, da sie so viele verschiedene und komplexe Symptome verursacht. Auch das Vorhandensein einer Substanzgebrauchsstörung kann von der PTBS ablenken. Wenn die Diagnose und Behandlung verzögert werden, kann eine PTBS chronisch belastend werden.

Behandlung

  • Psychotherapie

  • Medikamentöse Behandlung

  • Behandlung anderer Erkrankungen wie Substanzgebrauch oder schwerer Depression

Psychotherapie

Die Psychotherapie ist für die Behandlung der PTBS sehr wichtig.

Eine Aufklärung über PTBS kann ein wichtiger früher Behandlungsschritt sein. Die Symptome einer PTBS können sehr verwirrend sein. Den Betroffenen und Angehörigen hilft es daher häufig, wenn sie verstehen, dass eine PTBS von scheinbar zusammenhangslose Symptome begleitet sein kann.

Stressmanagement-Techniken, wie Atmung und Entspannung, sind wichtig. Übungen zur Verringerung und Kontrolle von Angstzuständen (z. B. Yoga, Meditation) können die Symptome lindern und die Patienten auf eine Behandlung vorbereiten, die Stress auslösende Erinnerungen an das Trauma verursacht.

Laut aktuellsten und aussagekräftigsten Erkenntnissen eignet sich am besten eine strukturierte, zielgerichtete Psychotherapie, normalerweise eine Art von kognitiver Therapie (KT), die sogenannte Konfrontationstherapie, die dabei hilft, die von einem traumatischen Ereignis herrührende Angst abzubauen.

Bei der Konfrontationstherapie versetzt der Therapeut seine Patienten gedanklich in Situationen, die mit einem früheren Trauma in Verbindung stehen. Beispielsweise werden sie vom Therapeuten aufgefordert, sich einen Besuch in dem Park vorzustellen, in dem sie überfallen wurden. Der Therapeut kann auch dabei helfen, das traumatische Ereignis selbst in Erinnerung zu rufen. Wegen der oft intensiven Ängste, die mit traumatischen Erinnerungen einhergehen, ist es wichtig, dass die Betroffenen sich unterstützt fühlen und im richtigen Tempo schrittweise belastet werden. Menschen, die traumatisiert wurden, können besonders sensibel gegenüber einer erneuten Traumatisierung sein. Daher kann die Behandlung ins Stocken geraten, wenn sie zu schnell vorangetrieben wird. Oft kann die Behandlung durch eine Therapie ersetzt werden, die stärker unterstützt und offener ist, damit sich der Patient in der Konfrontationstherapie wohler fühlt.

Eine breitere und mehr untersuchende Psychotherapie kann zudem die Rückkehr in ein glückliches Leben erleichtern, z. B. indem man sich auf Beziehungen konzentriert, die an einer PTBS zerbrochen sein könnten. Andere Formen der supportiven und psychodynamischen Psychotherapie können ebenfalls hilfreich sein, solange sie den Schwerpunkt der Behandlung nicht von der Konfrontationstherapie nehmen.

Die Augenbewegungs-Desensibilisierung und Wiederaufarbeitung (Eye movement desensitization and reprocessing, EMDR) ist eine Behandlung, bei der der Patient gebeten wird, der Bewegung des Fingers des Therapeuten zu folgen, während er sich vorstellt, dem Trauma ausgesetzt zu sein. Einige Fachleute sind der Überzeugung, dass die Augenbewegungen an sich bei der Desensibilisierung helfen, aber das EMDR funktioniert vermutlich vor allem wegen der Exposition, nicht aufgrund der Augenbewegungen.

Medikamentöse Behandlung

Antidepressiva werden als erste Behandlung bei PTBS in Erwägung gezogen, auch bei Personen, die nicht auch an einer schweren Depression leiden. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Selective serotonin reuptake inhibitors, SSRI) und andere Antidepressiva wie Mirtazapin und Venlafaxin werden am häufigsten empfohlen.

Zur Behandlung von Schlaflosigkeit und Albträumen verabreichen Ärzte Medikamente wie Olanzapin und Quetiapin (auch als Antipsychotika verwendet) oder Prazosin (auch zur Behandlung von Bluthochdruck verwendet). Allerdings behandeln diese Medikamente die PTBS selbst nicht.

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