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Dauererektion

(Priapism)

Von

Anuja P. Shah

, MD, David Geffen School of Medicine at UCLA

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2019| Inhalt zuletzt geändert Sep 2019
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Quellen zum Thema

Priapismus ist eine schmerzhafte Dauererektion ohne sexuelle Erregung. Betroffen sind meistens Jungen zwischen 5 und 10 Jahren und Männer zwischen 20 und 50 Jahren. (Siehe auch Übersicht der Symptome der Harnwege.)

Der Penis ist ein zylindrisches Organ, bestehend aus drei Schwellkörpern (Schwellgewebe), durch die das Blut strömen kann (erektiles Gewebe). Die beiden größeren Schwellkörper, die Corpora cavernosa, liegen nebeneinander. Der dritte Schwellkörper, der Corpus spongiosum glandis, umgibt die Harnröhre und bildet an der Penisspitze die konusförmige Eichel (Glans penis). Füllen sich diese Schwellkörper mit Blut, vergrößert sich sein Volumen und der Penis wird steif. Nun spannen sich die Muskeln rund um die Venen in der Leiste an, und verhindern den Abfluss des Blutes aus dem Penis, sodass dieser im erigierten Zustand bleibt.

Wussten Sie ...

  • Erektionen können über die sexuelle Erregung des Mannes hinweg andauern und schmerzhaft werden.

  • Ein Junge oder ein Mann mit einer verlängerten, schmerzhaften Erektion sollte unverzüglich den Arzt aufsuchen.

Ischämischer Priapismus

Meistens ist die Ursache für eine Dauererektion ein unzureichender Blutabfluss aus dem Penis. Das Blut staut sich und neues sauerstoffreiches Blut kann nicht in den Penis fließen. Dies führt zu einer Sauerstoffunterversorgung des Penis. Diese Störung wird als ischämischer Priapismus oder Low-Flow-Priapismus bezeichnet. Wenn eine Erektion länger als 4 Stunden andauert, treten starke Schmerzen auf. Es ist möglich, dass der Penis erigiert ist, während die Glans penis (Eichel) weich bleibt. Ein lang anhaltender Priapismus kann zu einer Erektionsstörung oder sogar zum Absterben von Penisgewebe führen.

Der intermittierende Priapismus ist eine immer wiederkehrende Form des ischämischen Priapismus, bei dem sich Erektionsepisoden mit Episoden ohne Erektion abwechseln.

Nichtischämischer Priapismus

Seltener tritt ein Priapismus aufgrund eines unkontrollierten Blutflusses in den Penis auf. Ein derartiger abnormaler Blutfluss ist meist die Folge einer Verletzung einer Arterie im Leistenbereich. Der nichtischämische Priapismus wird auch als High-Flow-Priapismus bezeichnet. Er ist nicht so schmerzhaft wie ein ischämischer Priapismus und kann nicht zum Absterben von Penisgewebe führen. Der Penis ist erigiert aber nicht vollkommen steif. Diese Form des Priapismus hat deutlich seltener eine Erektionsstörung zur Folge.

Ursachen

Wahrscheinlich führen Anomalien der Blutgefäße, roten Blutkörperchen oder Nerven zu einem Blutstau im erektilen Gewebe des Penis. Manchmal lässt sich die Ursache für den Priapismus nicht feststellen.

Häufige Ursachen

Die Ursachen variieren in gewisser Weise abhängig vom Alter.

Bei Männern ist der häufigste Grund

Medikamente mit potenzfördernder Wirkung (Avanafil, Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil) und potenzfördernden Wirkstoffen, die in den Penis injiziert werden (z. B. Alprostadil), können einen Priapismus verursachen.

Bei Jungen sind die häufigsten Ursachen

Seltenere Ursachen

Weniger häufige Ursachen sind:

Beurteilung

Die folgenden Informationen können helfen zu klären, wann man zum Arzt gehen sollte und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Jungen und Männern mit Priapismus sind bestimmte Symptome unbedingt ernst zu nehmen. Hierzu gehören

  • Starke Schmerzen

  • Alter unter 10 Jahren

  • Kürzlich erfolgte Verletzung am Penis oder in der Leistengegend

  • Fieber und Nachtschweiß

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Alle Jungen und Männer mit Priapismus sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen und sich behandeln lassen. Wenn die erwähnten Warnsignale hinzukommen, sollten weitere Untersuchungen erfolgen, um zu bestimmen, ob diesem Priapismus eine ungewöhnliche oder ernsthafte Ursache zugrunde liegt.

Was der Arzt unternimmt:

Der Arzt befragt den Patienten zunächst zu den Symptomen und der Krankengeschichte, bevor eine körperliche Untersuchung erfolgt. Die Befunde aus der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung deuten häufig auf eine Ursache des Priapismus und auf die eventuell erforderlichen Untersuchungen hin (siehe Tabelle Einige Ursachen und Merkmale von Priapismus).

Der Arzt fragt

  • Wie lange die Erektion bereits andauert

  • Ob der Patient Schmerzen hat

  • Ob eine Verletzung von Penis oder in der Leistengegend vorlag

  • Ob eventuell eine zugrunde liegende Erkrankung (z. B. Sichelzellkrankheit), die einen Priapismus auslösen könnte, vorliegt

  • Ob Drogen oder Medikamente eingenommen wurden, einschließlich Präparate gegen Erektionsstörungen.

Hauptfokus des Arztes liegt in der Untersuchung des Genitalbereichs, um zu überprüfen, ob irgendetwas auf eine Verletzung oder Krebs hindeutet; es folgen jedoch auch eine Untersuchung des Bauchs sowie eine digital-rektale Untersuchung. Der Arzt entscheidet sich möglicherweise auch für eine neurologische Untersuchung, um festzustellen, ob eine Erkrankung des Rückenmarks vorliegt.

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale von Priapismus

Ursache

Häufige Merkmale*

Untersuchungen

Medikamente gegen Erektionsstörungen (wie Alprostadil, Papaverin, Phentolamin, Avanafil, Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil)

Schmerzhafter Priapismus bei Männern, die unmittelbar vor Auftreten des Priapismus eines dieser Medikamenten genommen haben.

Nur ärztliche Untersuchung

Drogen (wie Amphetamine und Kokain)

Schmerzhafter Priapismus

Wenn Amphetamine oder Kokain als Ursache zugrunde liegen, Unruhe und Angstzustände

Ärztliche Untersuchung

Manchmal Drogen-Screening

Andere Präparate (z. B. gerinnungshemmende Mittel, bestimmte Antidepressiva, blutdrucksenkende Mittel, Psychostimulanzien, Antipsychotika, Kortikosteroide oder Lithium)

Schmerzhafter Priapismus bei Jungen und Männern, die aufgrund einer Erkrankung in Behandlung sind

Nur ärztliche Untersuchung

Bei Jungen oder Männern, häufig afrikanischer oder mediterraner Herkunft

Ein großes Blutbild

Blutuntersuchung, zum Nachweis eventueller abnormer Hämoglobine (Hämoglobinelektrophorese)

Prostatakrebs, der bereits die umliegenden Organe befallen hat, oder ein sonstiger Krebs mit Metastasen im Genitalbereich

Bei Männern über 50, bei denen sich die Symptome verschlechtern und darauf hindeuten, dass eine Obstruktion der Blasenöffnung zur Harnröhre vorliegt (wie ein schwacher Urinstrahl, Schwierigkeiten beim Wasserlassen und Tröpfeln am Ende des Toilettengangs)

Manchmal Blut im Urin

Bluttests, um den Spiegel des Prostata-spezifischen Antigens zu messen

CT oder MRT

Erkrankungen des Rückenmarks wie eine Verengung im Spinalkanal (Rückenmarkstenose) oder Rückenmarkkompression

Schwäche oder Taubheit in den Beinen

MRT oder CT der Wirbelsäule

Verletzung einer Arterie

Leicht schmerzhafter und leicht steifer Priapismus

Bei Männern, die in der näheren Vergangenheit eine Verletzung am Penis oder im Leistenbereich hatten

Duplex-Sonographie des Penis (spezielle Ultraschalluntersuchung zur Messung des Blutflusses und zur Darstellung der Struktur der entsprechenden Blutgefäße)

Angiographie (röntgenologische Untersuchung der Blutgefäße)

MRT

* Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

CT = Computertomographie; MRT = Magnetresonanztomographie.

Tests

Ob und welche Testverfahren erforderlich sind, hängt von den Befunden der körperlichen Untersuchung und der Krankengeschichte ab. Häufig sind die Art des Priapismus (ischämisch oder nichtischämisch) und die Ursache ganz offensichtlich (z. B. Einnahme eines Medikaments zur Behandlung von Erektionsstörungen). Wenn es nicht ganz klar ist, ob es sich um einen ischämischen oder nichtischämischen Priapismus handelt, wird möglicherweise eine Blutprobe aus dem Penis entnommen, und auf Sauerstoff und andere Gase überprüft (arterielle Blutgasmessung). Möglicherweise erfolgt außerdem eine Duplex-Sonographie (spezielle Ultraschalluntersuchung zur Messung des Blutflusses und zur Darstellung der Struktur der entsprechenden Blutgefäße). Diese Testverfahren helfen dabei, einen ischämischen von einem nichtischämischen Priapismus zu unterscheiden. Die Ultraschalluntersuchung zeigt möglicherweise auch die Blutflussmuster und die anatomischen Anomalien, die bei der Entstehung des Priapismus eine Rolle spielen. Wenn die Ursache noch immer nicht klar ist, können weitere Untersuchungen auf Bluterkrankungen und Harnwegsinfektionen durchgeführt werden. Zu den Tests zählen

  • Ein großes Blutbild

  • Manchmal eine Hämoglobinelektrophorese, besonders bei Jungen und Männern afrikanischer oder mediterraner Herkunft

Die Hämoglobinelektrophorese ist ein Bluttest zum Nachweis anomaler Hämoglobine (das Protein, das Sauerstoff in die roten Blutkörperchen transportiert), wie bei der Sichelzellkrankheit.

Da es einigen Jungen und Männern unter Umständen unangenehm ist, den Arzt über einen eventuellen Drogenkonsum zu informieren, wird in manchen Fällen ein Drogenscreening durchgeführt. Gelegentlich wird eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) vorgenommen.

Behandlung

Einfache Maßnahmen, die sofort ergriffen werden können, wie Auflegen von Eis, Treppen steigen oder beides. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dem Priapismus um einen Notfall. Die Behandlung sollte schnellstmöglich erfolgen, vorzugsweise durch einen Urologen in der Notaufnahme.

Jungen und Männer mit starken Schmerzen erhalten zunächst ein Schmerzmittel (Analgetikum). Bei einem ischämischen Priapismus sind weitere Maßnahmen erforderlich. Nachdem der Penis mit einem Lokalanästhetikum betäubt wurde, wird dem Patienten eventuell ein Medikament in den Penis injiziert, das die Blutgefäße, die den Penis versorgen, verengt (z. B. Phenylephrin) und auf diese Weise die Blutzufuhr zum Penis und die damit verbundene Schwellung verringert. Der Arzt kann außerdem mit einer Spritze Blut aus dem Penis entnehmen (Aspiration). Durch die Blutentnahme können der Druck und die Schwellung reduziert werden. In manchen Fällen werden auch die Venen des Penis mit einer Kochsalzlösung durchspült, um das sauerstoffarme Blut oder Blutgerinnsel zu entfernen.

Diese Maßnahmen können wiederholt werden. Wenn diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen, kann ein chirurgischer Shunt geschaffen werden. Ein Shunt ist eine künstlich angelegte Verbindung zur Umleitung des übermäßigen Blutflusses, mit dem Ziel, die normale Blutzirkulation im Penis wiederherzustellen.

Wichtigste Punkte

  • Der Priapismus ist ein Notfall, der einer unverzüglichen Beurteilung und Behandlung bedarf.

  • Medikamente, wie z. B. Präparate zur Behandlung einer Erektionsstörung oder einer Sichelzellkrankheit sind die häufigsten Ursachen.

  • Die Behandlung umfasst normalerweise die Injektion eines Medikaments in den Penis und die Entfernung des überschüssigen Blutes aus dem Penis.

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