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Übersicht über die Störung der Filterfunktion der Nieren

Von

Navin Jaipaul

, MD, MHS, Loma Linda University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2019| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2019
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Jede Niere verfügt über etwa 1 Million winzige Filtrationseinheiten (Glomeruli). Die Glomeruli sind mikroskopisch kleine zusammengeknäuelte Blutgefäße (Kapillaren) mit kleinen Poren. Blutbestandteile werden aus dem Gefäßknäuel in ein Röhrensystem (Tubulussystem) gedrückt. Im Tubulussystem erfolgt die Absonderung und Resorption von Chemikalien und Substanzen aus der Flüssigkeit und schließlich die Produktion des Urins. Der Urin wird nun durch die Tubuli in größere Röhren geleitet bis er schließlich die Niere verlässt. In der Regel ermöglicht das Filtersystem das Durchsickern von Flüssigkeit und kleinen Molekülen (aber so gut wie kein Protein und keine Blutkörperchen – Asymptomatische Proteinurie und Hämaturie) in die Tubuli. Erkrankungen der Niere können in drei Kategorien unterteilt werden, basierend auf der Art und Weise, wie sie verschiedene Bereiche der Nieren beeinträchtigen.

  • Glomerulonephritis (oder nephritisches Syndrom) ist eine Entzündung der Glomeruli, die dafür verantwortlich ist, dass Blutkörperchen und Eiweiß aus den glomerulären Kapillaren in den Urin entweichen können. Sie wird manchmal vererbt und wird dann als erbliche Nephritis bezeichnet.

  • Ein nephrotisches Syndrom entsteht, wenn durch eine Schädigung der Kapillaren der Glomeruli Eiweiße in den Urin gelangen.

  • Eine tubulo-interstitielle Nephritis ist eine Entzündung der Nierenkanälchen und/oder des umliegenden Gewebes (Interstitium).

Einige Erkrankungen weisen Merkmale einer Glomerulonephritis und eines nephrotischen Syndroms auf.

Eine gesonderte Erkrankung ist die Refluxnephropathie. Hierbei fließt der Urin von der Blase in die Nieren, was das Risiko einer Harnwegsinfektion erhöht und zu einer Entzündung und Narbenbildung der Nieren führen kann.

Betrachtung der Harnwege

Betrachtung der Harnwege

Glomerulonephritis, nephrotisches Syndrom und tubulo-interstitielle Nephritis sind keine spezifischen Erkrankungen, sondern vielmehr Kategorien von Erkrankungen. Viele Erkrankungen können einer der Kategorien zugerechnet werden und viele bestimmte Störungen können Krankheiten in jeder Kategorie verursachen. Die membranoproliferative Glomerulonephritis beispielsweise ist eine Entzündung der Filterzellen der Niere, als Folge einer Immunreaktion. Diese Immunreaktion kann durch jede der verschiedenen Autoimmunerkrankungen, wie den systemischen Lupus erythematodes (Lupus), durch eine Infektion oder sogar durch Krebs ausgelöst werden.

Bei der Glomerulonephritis entsteht die Entzündung häufig als Folge einer abnormen Reaktion des Immunsystems. Eine derartige Reaktion kann auf zwei verschiedene Weisen auftreten:

  • Antikörper (vom Körper produzierte Eiweiße, die gegen bestimmte Moleküle, sogenannte Antigene, gerichtet sind) können sich direkt an die Nierenzellen oder die darin eingeschlossenen Moleküle heften und eine Entzündung verursachen.

  • Die Antikörper verbinden sich außerhalb der Nieren mit Antigenen. Diese Antigen-Antikörper-Komplexe (oder Immunkomplexe) gelangen über die Blutbahn zu den Nieren, werden in den Glomeruli eingeschlossen und lösen eine Entzündung aus.

Wenn die Anzahl der geschädigten Glomeruli zu groß ist, wird die Nierenfunktion beeinträchtigt. Dadurch verringert sich die Urinproduktion, was eine Anhäufung von Stoffwechselabbauprodukten im Blut zur Folge hat. Bei einer schweren Schädigung häufen sich Entzündungszellen und geschädigte Glomeruluszellen an und drücken die Kapillaren im Glomerulus zusammen, was die Filtration stört. Es kommt zu Vernarbungen, welche die Nierenfunktion beeinträchtigen und die Urinproduktion verringern. In den Kapillargefäßen, welche die Glomeruli versorgen, können sich winzige Blutgerinnsel (Mikrothrombi) bilden, die die Nierenfunktion weiter beeinträchtigen. In seltenen Fällen kann die Glomerulonephritis erblich bedingt sein. In anderen Fällen wird die Glomerulonephritis durch eine Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis) verursacht.

Beim nephrotischen Syndrom kommt es zu einem starken Eiweißverlust über den Urin. Dieser Verlust kann durch eine Schädigung der Glomeruli durch entzündliche oder nicht-entzündliche Prozesse ausgelöst werden. Bei entzündlichen Prozessen werden rote Blutkörperchen mit dem Urin ausgeschieden. Ein durch eine Entzündung ausgelöstes nephrotisches Syndrom ist somit durch ähnliche Merkmale wie eine Glomerulonephritis gekennzeichnet. Bei nicht-entzündlichen Prozessen werden keine roten Blutkörperchen über den Urin ausgeschieden. Einige Formen des nephrotischen Syndroms können gravierend sein. Durch eine Vernarbung der Glomeruli entwickelt sich eine Niereninsuffizienz (Verlust eines Großteils der Nierenfunktion). Durch leichtere Formen des nephrotischen Syndroms wird die Nierenfunktion nur geringfügig eingeschränkt.

Eine tubulo-interstitielle Nephritis wird häufig durch eine toxische oder allergische Reaktion gegen ein Medikament hervorgerufen. Die betroffene Niere ist durch Auftreten von weißen Blutkörperchen oder Narbengewebe gekennzeichnet. Auch eine Infektion der Nieren (Pyelonephritis) kann eine tubulo-interstitielle Nephritis auslösen. Schädigt die Entzündung die Tubuli und das umgebende Gewebe, können die Nieren möglicherweise ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Beispielsweise wird der Urin nicht konzentriert und ist daher stark verdünnt. Die Nieren entfernen eventuell die Abfallprodukte nicht mehr aus dem Körper oder gleichen die Ausscheidung von Säure, Natrium und anderen Elektrolyten (wie Kalium) nicht aus. Wenn die Schädigung schwerwiegend ist und beide Nieren betrifft, hat dies eine Niereninsuffizienz zur Folge.

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