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Infektiöse Arthritis eines künstlichen Gelenks

(Artificial Joint Infection; Prosthetic Joint Infection; Prosthetic Joint Infectious Arthritis)

Von

Steven Schmitt

, MD, Cleveland Clinic Lerner College of Medicine at Case Western Reserve University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2020| Inhalt zuletzt geändert Okt 2020
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Bei künstlichen Gelenken kann es zu Infektionen durch Bakterien kommen.

  • Diese können das künstliche Gelenk während oder nach einer Operation befallen und so zu einer Infektion führen.

  • Die Symptome können Schmerzen, Schwellungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit sein.

  • Die Diagnose stützt sich auf die Symptome, eine Untersuchung und eine Reihe von Testergebnissen.

  • Manchmal können Infektionen in künstlichen Gelenken durch die Einnahme von Antibiotika vor bestimmten Eingriffen verhindert werden.

  • Befallene Gelenkprothesen müssen ersetzt werden, und die Patienten müssen lange Antibiotika einnehmen.

Ursachen

Bei schweren Gelenkerkrankungen ist oftmals der Austausch eines Gelenks (Arthroplastik) notwendig. Infektionen sind in künstlichen Gelenken (Gelenkprothesen) häufiger als Infektionen in natürlichen Gelenken. Sie werden häufig verursacht, wenn Bakterien:

  • während einer Operation ins Gelenk gelangen

  • kurz nach der Operation in eine offene Wunde eindringen

  • nach einer Operation in die Blutbahn eindringen

Ins Blut gelangen die Bakterien durch eine Hautinfektion, eine Lungenentzündung, eine Zahnbehandlung, das Einführen eines Instruments in den Körper (invasives Verfahren), einen infizierten Katheterschlauch in der Blutbahn oder eine Infektion der Harnwege.

Etwa zwei Drittel der Infektionen tritt innerhalb des ersten Jahres nach der Operation auf. In den ersten Monaten nach der Operation stellen Staphylokokken das größte Risiko dar.

Symptome

Die Symptome eines infizierten künstlichen Gelenks können Schmerzen, Schwellungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit bei normaler Körpertemperatur sein.

Einige Patienten stürzen, bevor nach einigen Wochen die Symptome einer Infektion einsetzen.

Bei ca. 20 % der Betroffenen wurden operative Korrekturen am künstlichen Gelenk durchgeführt, bevor die Symptome auftraten.

Auch nachdem sie sich vollständig von der Operation erholt haben, treten bei einigen Patienten noch Monate später in Ruhestellung oder bei Belastung Gelenkschmerzen auf.

Diagnose

  • Analyse und Kultur der Gelenkflüssigkeit

  • Röntgenaufnahmen und möglicherweise ein Knochenszintigramm oder Leukozytenbestimmung

Die Diagnose eines infizierten künstlichen Gelenks stützt sich auf die Symptome, die Untersuchung und eine Reihe von Tests.

Es wird untersucht, ob sich eine Fistel gebildet hat. Eine Fistel ist ein anormaler Kanal vom Gelenk zur Haut und kann auf eine Infektion hinweisen.

Mit einer Nadel wird Gelenkflüssigkeit entnommen (Gelenkaspiration) und im Labor auf eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen, auf Bakterien und andere Erreger untersucht. Im Labor wird eine Kultur der Erreger angelegt.

Mithilfe von Röntgenuntersuchungen wird untersucht, ob sich das künstliche Gelenk gelöst oder sich neue Knochensubstanz gebildet hat. Weitere Untersuchungsmethoden sind Knochenszintigramme (Aufnahmen des Knochens nach Injektion von radioaktivem Technetium) oder Leukozytenbestimmungen (Aufnahmen nach Injektion von mit radioaktivem Indium markierten weißen Blutkörperchen in eine Vene).

Wenn sich eine Infektion durch andere Tests nicht ausschließen lässt, wird in einem chirurgischen Eingriff Gewebe aus dem Bereich um das künstliche Gelenk entnommen und zur Kultivierung und Analyse an ein Labor gesandt.

Vorbeugung

  • Manchmal Einnahme von Antibiotika vor bestimmten Eingriffen

Personen mit künstlichen Gelenken sollten mit ihrem Zahnarzt oder Arzt vor einer medizinischen Behandlung über die Einnahme von Antibiotika sprechen (diese vorbeugende Einnahme nennt man Prophylaxe). Bei Behandlung der Zähne, Verdauungsorgane und Harnwege werden z. B. Antibiotika zur Prävention verabreicht.

Manchmal prüft der Arzt den Patienten vor der Operation für den Austausch eines Gelenks auf das Vorhandensein von Staphylococcus aureus. Mit einem Wattestäbchen wird dafür eine Probe vom Naseninneren entnommen und auf Bakterien untersucht. Wenn dieses Bakterium festgestellt wird, kann ein Antibiotikum in Salbenform auf die Innenseite der Nase aufgetragen werden, um die Infektion zu verhindern.

Behandlung

  • Austausch des künstlichen Gelenks

  • Langfristige Antibiotikatherapie

Die Behandlung eines infizierten künstlichen Gelenks ist äußerst langwierig.

Normalerweise werden das gesamte oder Teile des infizierten künstlichen Gelenks (Revisionsoperation mit Arthroplastik) sowie der Zement, Eiteransammlungen (Abszesse) und umliegendes infiziertes Gewebe entfernt. Danach wird unverzüglich ein neues künstliches Gelenk oder ein mit Antibiotika gefüllter Platzhalter eingesetzt, bis 2 bis 4 Monate später eine neue Prothese mit antibiotischem Zement befestigt wird. Bei beiden Verfahren ist eine langfristige Antibiotikabehandlung erforderlich. Gleich, ob sie sofort oder nach einigen Monaten eingesetzt werden, kommt es bei den neuen künstlichen Gelenken häufig zu Infektionen, wenn auch in weniger als der Hälfte der Fälle.

Wenn eine Operation nicht möglich ist, kann eine langfristige Antibiotikabehandlung eine Alternative sein.

Bei einer unkontrollierten Infektion oder einem zu großen Knochenverlust wird das Gelenk manchmal ganz oder teilweise entfernt. Danach können die gelenkbildenden Knochen fixiert werden oder auch nicht.

Wenn sich die Infektion auf keine andere Weise bekämpfen lässt, muss in seltenen Fällen die Gliedmaße mit dem betroffenen Gelenk chirurgisch entfernt (amputiert) werden.

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