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Onchozerkose

(Flussblindheit)

Von

Richard D. Pearson

, MD, University of Virginia School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2019| Inhalt zuletzt geändert Mai 2019
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Quellen zum Thema

Onchozerkose (Flussblindheit) ist eine Infektion mit dem Fadenwurm Onchocerca volvulus. Sie verursacht Juckreiz, einen Ausschlag, manchmal mit Vernarbung, sowie Augensymptome, die zur Erblindung führen können.

  • Diese Infektion wird durch den Stich der weiblichen Kriebelmücken verbreitet, die in Flüssen brüten.

  • Die Infektion kann lediglich intensiven Juckreiz verursachen, manchmal aber auch einen Ausschlag, geschwollene Lymphknoten, Sehstörungen oder komplette Blindheit.

  • Normalerweise diagnostizieren Ärzte diese Infektion, indem sie eine unreife Form des Wurms in einer Hautprobe identifizieren.

  • Die Verabreichung von Ivermectin ein- oder zweimal jährlich in Gebieten, wo diese Infektion häufig auftritt, kann zur Kontrolle der Infektion beitragen.

  • Wenn die Onchozerkose mit Symptomen verbunden ist, besteht die Behandlung aus einer Einzeldosis Ivermectin, die alle 6 bis 12 Monate wiederholt wird, bis alle Symptome verschwunden sind.

Weltweit leiden etwa 18 Millionen Menschen an Onchozerkose. Ungefähr 270.000 davon sind blind, und 750.000 sind sehgeschädigt. Onchozerkose ist die zweithäufigste Ursache von Blindheit infolge von Infektionen weltweit.

Onchozerkose ist in den tropischen Gebieten Afrikas südlich der Sahara am meisten verbreitet. Manchmal kommt sie im Jemen, in Südmexiko, Guatemala, Ecuador, Kolumbien, Venezuela und Brasilien (entlang des Amazonas) vor.

Wussten Sie ...

  • Onchozerkose oder Flussblindheit ist eine der häufigsten Ursachen von Blindheit in Entwicklungsländern.

Übertragung von Onchozerkose

Onchozerkose wird durch den Stich der weiblichen Kriebelmücke übertragen, die in schnell fließenden Flüssen brütet (daher der Begriff Flussblindheit).

Der Zyklus der Infektion beginnt, wenn die Kriebelmücke eine infizierte Person sticht und mit der unreifen Form des Wurmes, den sogenannten Mikrofilarien, infiziert wird. In der Mücke entwickeln sich die Mikrofilarien zu Larven. Wenn die Mücke eine andere Person sticht, werden die Larven in die Haut dieser Person übertragen. Die Larven bewegen sich unter der Haut und bilden Knoten (Verknäuelungen), wo sie sich innerhalb von 12 bis 18 Monaten zu adulten Würmern entwickeln. Adulte weibliche Würmer können bis zu 15 Jahre in diesen Knäueln leben. Nach der Paarung produzieren weibliche Würmer Eier, die sich zu Mikrofilarien entwickeln, die den Wurm verlassen. Ein Wurm kann jeden Tag 1000 Mikrofilarien produzieren. Tausende von Mikrofilarien bewegen sich durch das Gewebe von Haut und Augen und sind verantwortlich für die Erkrankung.

Normalerweise sind viele Stiche nötig, bevor die Infektion Symptome verursacht. Demzufolge sind Infektionen bei Besuchern der betroffenen Gebiete viel seltener.

Da die Infektion in der Nähe von Flüssen übertragen wird, vermeiden viele Menschen diese Gegenden. Nicht in der Nähe von Flüssen leben oder arbeiten zu können beeinträchtigt aber die Fähigkeit dieser Menschen, Feldfrüchte anzupflanzen. Demzufolge kann Onchozerkose in manchen Gebieten zu Nahrungsmittelknappheit beitragen.

Symptome

Symptome von Onchozerkose treten auf, wenn die Mikrofilarien sterben. Ihr Tod kann intensiven Juckreiz verursachen, was das einzige Symptom sein kann. Es kann sich ein Ausschlag mit Rötung entwickeln. Mit der Zeit kann sich die Haut verdicken und rau und runzlig werden. Sie kann an fleckigen Stellen ihre Elastizität und ihre Pigmente verlieren. In schweren Fällen können sich bei den Betroffenen lange Hautfalten entwickeln, die über den Unterbauch und die oberen Oberschenkel hängen (in der Leistengegend). Lymphknoten, inklusive der im Genitalbereich, können sich entzünden und anschwellen. Knötchen oder Knäuel mit adulten Würmern können unter der Haut gesehen oder ertastet werden. Diese Knäuel verursachen in der Regel keine Symptome.

Die Auswirkungen auf die Sehkraft erstrecken sich von leichter Beeinträchtigung (Trübung) bis zu kompletter Blindheit. Das Auge kann entzündet werden und rot erscheinen. Exposition gegenüber hellem Licht kann Schmerzen verursachen. Ohne Behandlung kann die Hornhaut komplett trüb werden und vernarben – der Grund für die Blindheit. Andere Strukturen des Auges wie Iris, Pupille und Netzhaut können ebenfalls befallen werden. Der Sehnerv kann sich entzünden und degenerieren.

Wenn Menschen erblinden, sind sie eventuell nicht mehr in der Lage, zu arbeiten und für ihre Familie zu sorgen, und sie haben möglicherweise auch eine verkürzte Lebenserwartung.

Diagnose

  • Untersuchung einer Hautprobe

Normalerweise wird zur Diagnose der Onchozerkose eine Hautprobe entnommen und auf Mikrofilarien untersucht. Der Arzt kann eine Spaltlampe einsetzen, um das Auge auf Mikrofilarien abzusuchen.

Bluttests können zum Nachweis der Infektion vorgenommen werden, aber diese Tests sind nicht immer zuverlässig und stehen nicht überall zur Verfügung.

Knötchen können entfernt und auf adulte Würmer untersucht werden, aber diese Vorgehensweise ist selten nötig.

Vorbeugung

Folgendes kann dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit von Stichen durch Kriebelmücken und dadurch das Risiko einer Onchozerkose zu senken:

  • Vermeiden von Gegenden, die von Mücken besiedelt sind

  • Tragen von Schutzkleidung

  • Großzügige Verwendung von Insektenschutzmitteln

Durch die ein- oder zweimalige Verabreichung von Ivermectin pro Jahr reduziert sich die Anzahl von Mikrofilarien drastisch, was die Weiterentwicklung der Krankheit verhindert und dazu beiträgt, die Infektion bei Menschen unter Kontrolle zu bringen, die ihr wiederholt ausgesetzt sind. Dieser Präventionsansatz wird in Gegenden verfolgt, in denen Onchozerkose weit verbreitet ist.

Behandlung

  • Ivermectin

  • Mitunter Doxycyclin

Zur Behandlung von Onchozerkose wird Ivermectin als Einzeldosis oral eingenommen. Dies wird alle 6 bis 12 Monate wiederholt, bis alle Symptome verschwunden sind. Ivermectin tötet Mikrofilarien und reduziert so die Anzahl von Mikrofilarien in Haut und Augen. Dadurch wird die Produktion von Mikrofilarien durch adulte Würmer mehrere Monate lang reduziert. Das Medikament tötet adulte Würmer nicht ab, reduziert bei wiederholter Dosisgabe aber ihre Fruchtbarkeit. Patienten mit Onchozerkose, die in afrikanischen Regionen leben, in denen Loa loa vorkommt, werden auf Loiasis untersucht, bevor ihnen Ivermectin verabreicht wird, denn Ivermectin kann bei Patienten mit Loiasis eine schwere Gehirnentzündung (Enzephalitis) hervorrufen.

Mitunter verabreicht der Arzt zur Behandlung von Onchozerkose auch 6 Wochen lang Doxycyclin (ein Antibiotikum). Doxycyclin tötet die Bakterien, die in den Würmern leben und für deren Überleben unverzichtbar sind. Dies hat zur Folge, dass viele adulte weibliche Würmer sterben und andere weniger oder keine Mikrofilarien mehr produzieren. Nebenwirkungen sind normalerweise leicht.

In der Vergangenheit wurden Knäuel operativ entfernt, aber diese Form von Behandlung wurde durch Ivermectin ersetzt.

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