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Afrikanische Schlafkrankheit

(Afrikanische Trypanosomiasis)

Von

Richard D. Pearson

, MD, University of Virginia School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Quellen zum Thema

Die afrikanische Schlafkrankheit ist eine Infektion, die von dem Einzeller Trypanosoma brucei gambiense oder Trypanosoma brucei rhodesiense verursacht wird. Sie wird durch den Stich der Tsetse-Fliege übertragen.

  • Die Schlafkrankheit kommt nur in Äquatorialafrika vor.

  • An der Stichstelle der Fliege entwickelt sich unter Umständen eine schmerzhafte Beule oder Wunde, darauf folgen Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten, mitunter ein Ausschlag und schließlich Benommenheit, Gehschwierigkeiten und ohne Behandlung Koma und Tod.

  • Bestätigt wird die Diagnose durch Identifizierung der Einzeller in einer Blutprobe oder einer Probe der Flüssigkeit aus einem Lymphknoten oder der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.

  • Alle Infizierten sollten mit einem von mehreren gegen Trypanosoma wirksamen Arzneimitteln behandelt werden.

Die Schlafkrankheit kommt nur in Äquatorialafrika vor, wo die Tsetse-Fliege heimisch ist. Es gibt zwei Formen der Schlafkrankheit. Jede wird von einer anderen Trypanosoma-Art verursacht. Eine Form (verursacht von Trypanosoma brucei gambiense) tritt in West- und Zentralafrika auf. Die andere Form (verursacht von Trypanosoma brucei rhodesiense) tritt in Ostafrika auf. In Uganda treten beide Formen auf. Es gab einen dramatischen Rückgang (> 95 %) der gemeldeten Fälle der afrikanischen Schlafkrankheit in den letzten 20 Jahren infolge von Kontrollbemühungen, und die Weltgesundheitsorganisation zielt auf eine Auslöschung der Krankheit ab. In den Vereinigten Staaten wird jedes Jahr durchschnittlich ein Fall diagnostiziert.

Eine andere Art, Trypanosoma cruzi, ist in Süd- und Zentralamerika endemisch und verursacht die Chagas-Krankheit (amerikanische Trypanosomiasis).

Übertragung

Trypanosoma brucei gambiense und Trypanosoma brucei rhodesiense werden in der Regel durch den Stich einer infizierten Tsetse-Fliege und die dadurch bedingte Injektion der Einzeller in die Haut auf Menschen übertragen. Die Protozoen wandern ins Lymphsystem und in die Blutbahn, wo sie sich vermehren. Anschließend wandern sie in Organe und Gewebe im ganzen Körper und erreichen schließlich das Gehirn. Die Infektion verbreitet sich, wenn eine Fliege zuerst eine infizierte Person oder ein infiziertes Tier und dann eine andere Person sticht.

Eine infizierte Mutter kann die Einzeller während der Schwangerschaft oder der Entbindung auf ihr Kind übertragen. Sehr selten wird der Parasit auch durch Bluttransfusionen übertragen. Theoretisch könnte die Infektion durch ein Organ eines infizierten Spenders übertragen werden.

Symptome

Bei der afrikanischen Trypanosomiasis sind unterschiedliche Teile des Körpers in der folgenden Reihenfolge betroffen:

  • Haut

  • Blut und Lymphknoten

  • Gehirn und Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit)

Wie schnell die Infektion fortschreitet und welche Symptome sie verursacht, hängt davon ab, welcher Art der Erreger ist.

Haut

An der Stelle des Stiches der Tsetse-Fliege kann sich innerhalb einiger Tage bis zwei Wochen eine Beule entwickeln. Diese wird mattrot und kann sich zu einer schmerzhaften und geschwollenen Wunde entwickeln.

Blut und Lymphknoten

Die Infektion breitet sich innerhalb von Wochen oder Monaten auf das Blut und die Lymphe aus. Die Betroffenen entwickeln dann Fieber, das irgendwann wieder abklingt und erneut auftritt, Kopfschmerzen und Muskel- und Gelenkschmerzen. Es kann vorübergehend zu Gesichtsschwellungen kommen. Bei manchen Infizierten entwickelt sich ein Ausschlag und die Lymphknoten im Nacken vergrößern sich. Es kann sich eine Anämie entwickeln.

Gehirn und Liquor

Wenn das Gehirn und die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit betroffen sind, können die Kopfschmerzen zu einem Dauerzustand werden. Die Betroffenen werden benommen, haben Konzentrationsschwierigkeiten und Gleichgewichts- und Gehprobleme. Die Benommenheit verstärkt sich, sodass die Infizierten unter Umständen mitten in einer Tätigkeit einschlafen.

Ohne Behandlung schreitet die Schädigung des Gehirns fort und es kommt zu Koma und Tod. Der Tod tritt innerhalb von Monaten oder innerhalb von 2 bis 3 Jahren nach Einsetzen der Symptome ein, je nachdem, welche Erregerart ursächlich ist. Mitunter führen Unterernährung oder andere Infektionen zum Tod.

Diagnose

  • Untersuchung einer Blutprobe oder einer Probe aus der Flüssigkeit eines Lymphknotens

  • Spinalpunktion und Analyse der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit

Ärzte diagnostizieren die afrikanische Trypanosomiasis, indem sie eine Blutprobe oder eine Probe aus der Flüssigkeit eines Lymphknotens untersuchen und die Protozoen darin feststellen. Manchmal wird eine Probe aus dem Knochenmark oder Flüssigkeit aus der Wunde an der Stichstelle auf Vorhandensein der Protozoen untersucht.

Eine Lumbalpunktion wird vorgenommen, um eine Probe des Liquors (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit) zu entnehmen und festzustellen, ob die Infektion Liquor und Gehirn betrifft. Die Flüssigkeitsprobe wird auf Vorliegen der Protozoen und auf andere Anzeichen der Infektion untersucht. Solche Anzeichen sind beispielsweise eine Erhöhung des Flüssigkeitsdrucks und der Anzahl der weißen Blutkörperchen in der Flüssigkeit.

Vorbeugung

Durch folgende Maßnahmen kann die Wahrscheinlichkeit, von einer Tsetse-Fliege gestochen zu werden, gesenkt werden:

  • Vermeidung von Gebieten, in denen viele Tsetse-Fliegen vorkommen: Wer diejenigen Gegenden Afrikas bereist, in denen die Tsetse-Fliege vorkommt, kann Ortsansässige fragen, welche Gebiete zu vermeiden sind.

  • Tragen von langärmeliger Kleidung und langen Hosen: Tsetse-Fliegen können durch dünne Kleidung hindurch stechen.

  • Tragen von Kleidung mit unauffälligen Farben, die sich nicht stark von der Umgebung abhebt: Tsetse-Fliegen werden von leuchtenden oder dunklen Farben angezogen.

  • Verwendung von Insektenschutzmitteln nach Bedarf, obwohl viele unter Umständen nicht gegen Tsetse-Fliegen wirksam sind.

Behandlung

  • Arzneimittel, die gegen diese Einzeller wirksam sind

Die Behandlung der afrikanischen Schlafkrankheit unterscheidet sich je nach Art und Stadium der Krankheit.

Die Schlafkrankheit sollte so schnell wie möglich mit wirksamen Medikamenten behandelt werden. Einige Medikamente können allerdings schwere Nebenwirkungen haben.

Welches Medikament eingesetzt wird, richtet sich danach, welche Art (T. gambiense oder T. rhodesiense) die Infektion verursacht hat und ob sich diese bereits auf das Gehirn und die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit ausgebreitet hat.

Die folgenden Arzneimittel sind wirksam, wenn sich die Infektion noch nicht auf das Gehirn und die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit ausgebreitet hat:

  • Suramin (für T. rhodesiense)

  • Pentamidin (bevorzugt für T. gambiense); Suramin ist eine Alternative

Diese Medikamente werden intravenös (in eine Vene) verabreicht. Pentamidin kann auch in einen Muskel injiziert werden.

Die folgenden Arzneimittel sind wirksam, wenn sich die Infektion auf das Gehirn und die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit ausgebreitet hat:

  • Melarsoprol

  • Eflornithin (nur für T. gambiense)

  • Nifurtimox in Kombination mit weniger häufigen Eflornithin-Dosen in Regionen Afrikas, in denen die häufige Dosierung von Eflornithin logistisch schwierig ist (nur für T. gambiense)

Diese Medikamente werden intravenös verabreicht.

Melarsoprol kann schwerwiegende, mitunter lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben, aber in vielen Ländern Afrikas ist es oft das einzige Medikament gegen Schlafkrankheit mit Einbeziehung des Gehirns. Es können Kortikosteroide gegeben werden, um das Risiko des Auftretens einiger dieser Nebenwirkungen zu senken.

Weitere Informationen

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