Gasbrand und andere Clostridieninfektionen des Weichgewebes

(Clostridiale Myonekrose)

VonLarry M. Bush, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University;
Maria T. Vazquez-Pertejo, MD, FACP, Wellington Regional Medical Center
Überprüft vonBrenda L. Tesini, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry
Überprüft/überarbeitet Geändert Dez. 2025
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Gasbrand ist eine lebensgefährliche Infektion des Muskelgewebes, die vor allem von dem anaeroben Bakterium Clostridium perfringens und mehreren anderen Clostridienarten hervorgerufen wird.

  • Gasbrand kann sich nach bestimmten Arten von Operationen oder Verletzungen entwickeln.

  • Es entstehen Gasblasen in der Nähe des infizierten Bereiches, die mit Fieber, beschleunigtem Herzschlag, rascher Atmung und häufig mit Schmerzen an der Infektionsstelle einhergehen.

  • Die aufgrund der Symptome vermutete Diagnose wird in aller Regel durch bildgebende Untersuchungen oder das Anlegen von Kulturen einer Probe des infizierten Gewebes bestätigt.

  • Die Behandlung umfasst hohe Dosen an Antibiotika und die operative Entfernung des abgestorbenen oder infizierten Gewebes.

Gasbrand (clostridiale Myonekrose) ist eine sich schnell ausbreitende Clostridieninfektion des Muskelgewebes, die, wenn sie nicht behandelt wird, schnell tödlich verlaufen kann.

Clostridien-Bakterien sind Anaerobier und gedeihen unter Ausschluss von Sauerstoff. Sie vermehren sich also gut in Weichgewebe, das stark geschädigt ist, und in sehr tiefen Wunden. Solche Gewebe sind schlecht durchblutet und enthalten daher wenig Sauerstoff.

Die meisten Clostridieninfektionen des Weichgewebes, einschließlich Gasbrand, werden von Clostridium perfringens verursacht. Clostridieninfektionen des Weichgewebes entwickeln sich gewöhnlich Stunden oder Tage nach einer Verletzung, manchmal kann es aber auch mehrere Tage dauern, bis sie sich bemerkbar machen. In seltenen Fällen treten Clostridieninfektionen des Weichgewebes spontan auf und werden in der Regel durch Clostridium septicum verursacht.

Weitere Clostridieninfektionen des Weichgewebes sind zum Beispiel:

  • Infektionen der inneren Hautschicht und des umliegenden Weichteilgewebes (Zellulitis), die möglicherweise nicht sehr schmerzhaft sind

  • Tiefere Infektionen des Muskels (Myositis) oder des Fasergewebes um die Muskeln, den sogenannten Faszien (Fasziitis), die normalerweise schmerzhaft sind

Die meisten Infektionen der Haut und des Weichgewebes breiten sich eher langsam aus.

Mitunter bilden die Bakterien im Weichgewebe große Mengen an Gas als Abfallprodukt. Das Gas kann im Gewebe Blasen und Beulen bilden. Häufig blockiert die Infektion kleine Blutgefäße. Infolgedessen stirbt das infizierte Gewebe ab. Durch das abgestorbene Gewebe kann sich die Clostridieninfektion noch schneller ausbreiten. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Gasbrand ist bei einer Infektion der Muskeln höher als bei einer reinen Hautinfektion.

Ursachen von Gasbrand

Gewöhnlich entwickelt sich Gasbrand nach Verletzungen oder Operationen. Verletzungen mit hohem Risiko umfassen Wunden, die:

  • tief und schwer sind

  • Muskeln betreffen

  • mit Schmutz, vermoderten Pflanzenresten oder Exkrementen verunreinigt sind

  • gequetschtes oder abgestorbenes Gewebe enthalten

Hochrisikooperationen sind z. B.:

  • Operationen am Dickdarm (Colon) oder an der Gallenblase

In seltenen Fällen tritt Gasbrand auf, wenn weder eine Verletzung noch ein chirurgischer Eingriff vorliegt – in der Regel bei Menschen mit Dickdarmkrebs, Divertikulitis oder einer Erkrankung, welche die Durchblutung des Darms verringert oder zum Austreten von Stoffen durch die Darmwand führt. Gasbrand kann entstehen, wenn im Darm lebende Clostridien-Bakterien austreten.

Symptome von Gasbrand

Gasbrand führt zu starken Schmerzen im infizierten Bereich. Dieser sieht zunächst geschwollen und bleich aus, verfärbt sich dann aber rot oder bronzefarben und schließlich schwärzlich-grün. Der Bereich ist fest und berührungsempfindlich. Oft bilden sich große Blasen. Innerhalb der Blase können Gasbläschen sichtbar sein oder unter der Haut ausgemacht werden, was gewöhnlich der Fall ist, wenn die Infektion fortgeschritten ist. Die aus der Wunde fließende Flüssigkeit hat einen verwesungsartigen Geruch.

Die Betroffenen bekommen rasch Fieber, fangen an zu schwitzen und werden unruhig. Möglicherweise kommt es zum Erbrechen. Herzschlag und Atmung werden oft schneller. Bei manchen Menschen färben sich die Haut und das Weiße der Augen gelb, was auf Gelbsucht hindeutet, die durch den Abbau roter Blutkörperchen entsteht. Diese Symptome werden durch von Bakterien produzierte Toxine verursacht.

Normalerweise bleiben die Betroffenen bei Bewusstsein, bis sich die Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, bei dem es zu gefährlich niedrigem Blutdruck, Kreislaufschock, Nierenversagen und Koma kommen kann. Dies kann zu raschem Nierenversagen und zum Tode führen.

Diagnose von Gasbrand

  • Untersuchung und Kultur der Wundflüssigkeit

  • Mitunter eine Operation, um das Problem zu erkennen, oder eine Biopsie zur Entnahme einer Gewebeprobe

Der Verdacht auf Gasbrand stützt sich auf die Symptome und das Ergebnis der körperlichen Untersuchung.

Es wird eine Röntgenuntersuchung zur Ermittlung von Gasbläschen im Muskelgewebe oder Scans mit Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) zur Überprüfung auf Bereiche mit abgestorbenem Muskelgewebe durchgeführt. Diese Befunde bestätigen die Diagnose. Jedoch können Gasbläschen auch bei anderen anaeroben Infektionen vorkommen.

Die Wundflüssigkeit wird unter dem Mikroskop auf Clostridien untersucht und in ein Labor geschickt, wo Bakterienkulturen angelegt und untersucht werden können. Mit Kulturen kann das Vorhandensein von Clostridien bestätigt werden. Jedoch leiden nicht alle Menschen mit Clostridien an Gasbrand.

Um die Diagnose von Gasbrand zu bestätigen, kann eine explorative (untersuchende) Operation erforderlich sein, um das Problem zu erkennen, oder die Entnahme einer Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung (Biopsie), um nach charakteristischen Veränderungen im Muskel zu suchen.

Behandlung von Gasbrand

  • Antibiotika

  • Operation zur vollständigen Entfernung von totem und infiziertem Gewebe

Wenn Gasbrand vermutet wird, muss sofort mit der Behandlung begonnen werden.

Es werden hohe Dosen von Antibiotika, typischerweise Penicillin und Clindamycin, intravenös (über die Vene) verabreicht. Alle toten und infizierten Gewebe werden operativ entfernt. In schweren Fällen kann in seltenen Fällen eine Amputation nötig sein.

Die Behandlung mit einer hyperbaren Sauerstofftherapie (Sauerstoff im Überdruck) kann unterstützend sein, aber solche Sauerstoffkammern sind nicht immer verfügbar.

Ohne Behandlung verläuft die Myonekrose bei 100 Prozent der Infizierten tödlich. Selbst mit einer Behandlung sterben viele Infizierte daran.

Vorbeugung von Gasbrand

Hautverletzungen müssen gründlich gereinigt werden. Patienten sollten ihren Arzt kontaktieren, wenn sich der verletzte Bereich vergrößert und anschwillt, heiß, rot und druckempfindlich ist, da sie möglicherweise Antibiotika benötigen. Menschen mit Diabetes und anderen Erkrankungen, die ihr Immunsystem schwächen, haben ein erhöhtes Risiko, verletzungsbedingte Infektionen zu entwickeln, und sollten so früh wie möglich untersucht werden.

Ärzte führen bei Menschen mit Wunden oder Operationen Folgendes durch, um schwere Infektionen und Gasbrand zu verhindern:

  • Sorgfältiges Reinigen von Wunden

  • Entfernen von Fremdkörpern und totem Gewebe aus der Wunde

  • Intravenöse Verabreichung von Antibiotika vor, während und nach Bauchoperationen, um Infektionen zu verhindern

Es gibt keinen Impfstoff zur Verhinderung einer Clostridieninfektion.

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