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Angioödem

Von

Peter J. Delves

, PhD, University College London, London, UK

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Unter einem Angioödem versteht man Gewebebereiche mit Schwellungen unter der Haut, die in einigen Fällen auch das Gesicht und den Hals betreffen können.

  • Ein Angioödem kann infolge einer Reaktion auf ein Medikament oder eine andere Substanz (Auslöser), einer Erbkrankheit, einer seltenen Komplikation einer Krebserkrankung oder einer Immunerkrankung auftreten; manchmal ist die Ursache aber auch unbekannt.

  • Ein Angioödem kann auch das Anschwellen des Gesichts, des Rachens, des Verdauungstrakts oder der Atemwege umfassen.

  • Antihistaminika können leichte Symptome lindern. Wenn ein Angioödem aber das Schlucken oder Atmen erschwert, ist eine umgehende Notfallbehandlung erforderlich.

Angioödeme treten oft mit Quaddeln auf, was zu Juckreiz führt. Schwellungen treten bei Quaddeln und beim Angioödem auf, wobei die Schwellungen beim Angioödem tiefer (im Unterhautgewebe) als bei der Nesselsucht und eventuell nicht juckend sind.

Es gibt seltene vererbte oder angeborene Angioödeme. Diese Formen der Erkrankung werden durch einen Mangel oder eine Fehlfunktion eines Stoffes verursacht, der als C1-Inhibitor bezeichnet wird und Teil des Immunsystems ist. Das vererbte Angioödem und das erworbene Angioödem weisen Ähnlichkeit mit dem Angioödem auf, das durch eine allergische Reaktion verursacht wird. Allerdings entwickeln sich keine Quaddeln und die Ursache ist eine andere.

Angioödeme können akut oder chronisch sein.

Akutes Angioödem

Akute Angioödeme entstehen plötzlich nach Kontakt mit einem Auslöser.

Häufige Auslöser sind

  • viele Medikamente, wie z. B Aspirin, andere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Hemmer des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE-Hemmer) und bestimmte Opioide (sog. Opiate) wie Morphin und Codein

  • Insektenstiche oder -bisse

  • Injektionen bei Allergien (Immuntherapie mit einem Allergen)

  • Bestimmte Lebensmittel, v. a. Eier, Fisch, Meeresfrüchte, Nüsse und Früchte

Angioödeme ohne Quaddeln können auch durch ACE-Hemmer, die für die Behandlung von Bluthochdruck und Herzversagen verwendet werden, verursacht werden. Wenn ACE-Hemmer die Ursache sind, sind am häufigsten das Gesicht und die oberen Atemwege betroffen. Der Darm kann jedoch auch betroffen sein.

Bei einigen Nahrungsmitteln kann bereits der Verzehr einer winzigen Menge plötzlich zu einem Angioödem führen. Bei anderen Lebensmitteln hingegen (wie Erdbeeren) tritt die Reaktion dagegen erst nach dem Verzehr großer Mengen auf.

Ebenso kann gelegentlich bei einer bildgebenden Untersuchung ein Angioödem nach Anwendung eines auf Röntgenaufnahmen sichtbaren Stoffes (röntgendichten Kontrastmittels) auftreten.

Chronisches Angioödem

Ein Angioödem kann chronisch sein und über Wochen oder Monate wiederkehren. Die Ursache hierfür ist in der Regel unbekannt, kann aber eine wiederholte, unbeabsichtigte Aufnahme einer Substanz wie Penicillin in Milch oder eines Konservierungsmittels oder Farbstoffs in Nahrungsmitteln sein. Ebenso kann die Anwendung von bestimmten Medikamenten wie Aspirin, anderen NSAR oder Opioiden ein chronisches Angioödem verursachen.

Bei einem chronischen Angioödem ohne Quaddeln kann es sich um ein sogenanntes vererbte (hereditäres) oder erworbenes Angioödem handeln.

Tritt ein Angioödem (mit oder ohne Quaddeln) ohne bekannte spezifische Ursache immer wieder auf, spricht man von einem idiopathischen Angioödem.

Symptome

Bei einem Angioödem kann es sein, dass die Schwellung auf beiden Körperhälften nicht gleichmäßig ist. Außerdem kann es leicht schmerzhaft sein. Es kann den Hand- oder Fußrücken, die Augenlider, die Zunge, das Gesicht, die Lippen oder die Genitalien betreffen. Manchmal schwellen die Schleimhäute im Mund, Hals und in den Atemwegen an, was das Schlucken oder Atmen schwierig machen kann.

Gelegentlich ist auch der Verdauungstrakt betroffen, was zu Übelkeit, Erbrechen, Krämpfen, Magenschmerzen oder Durchfall führen kann.

Viele Personen leiden auch an Quaddeln. Quaddeln beginnen gewöhnlich mit Juckreiz. Typischerweise kommt es dann zu Quaddeln in Schüben, die kommen und gehen. Ein solcher Fleck kann für mehrere Stunden da sein und dann verschwinden, um später an einer anderen Stelle am Körper zu erscheinen. Wenn die Quaddeln abgeklungen sind, sieht die Haut meist wieder normal aus.

Bei Betroffenen kann es zu einer anaphylaktischen Reaktion (einer plötzlichen, umfassenden, manchmal lebensbedrohlichen allergischen Reaktion) kommen. Der Blutdruck kann gefährlich niedrig werden (Schockzustand).

Bilder eines Angioödems

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

Wenn es zu einem Angioödem kommt, sollte der Betroffene umgehend einen Arzt aufsuchen. Ist ein Bienenstich die Ursache, so können Betroffene Hinweise zur Behandlung bei einem erneuten Bienenstich erhalten.

Die Ursache eines Angioödems ist häufig augenscheinlich und Tests werden nur selten benötigt, da die Reaktionen meist abklingen und nicht wieder auftreten.

Wenn ein Angioödem erneut auftritt und die Ursache ungeklärt ist, fragt der Arzt die Betroffenen nach allen Medikamenten, Lebensmitteln und Getränken, die sie zu sich nehmen. Ist die Ursache immer noch nicht klar und insbesondere, wenn die Betroffenen keine Quaddeln haben oder wenn Familienmitglieder ein Angioödem aufweisen, können die Ärzte Tests für vererbte oder erworbene Formen von Angioödemen durchführen.

Behandlung

  • Antihistaminika

  • Kortikosteroide

  • Manchmal gefrorenes Frischplasma, Ecallantid oder gereinigter C1-Inhibitor

  • Manchmal Adrenalin

Ist die Ursache des Angioödems offensichtlich, sollten die Betroffenen diese wenn möglich meiden. Ist die Ursache nicht ersichtlich, sollten alle nicht unbedingt erforderlichen Medikamente so lange abgesetzt werden, bis die Symptome abklingen.

Bei einem leichten Angioödem mit Quaddeln kann die Einnahme von Antihistaminika den Juckreiz teilweise lindern und die Schwellung verringern. Orale Kortikosteroide werden nur dann für möglichst kurze Zeit für schwere Symptome verschrieben, wenn andere Behandlungen unwirksam sind. Werden orale Kortikosteroide länger als 3 bis 4 Wochen angewandt, haben sie viele und manchmal auch schwere Nebenwirkungen. Kortikosteroid-Präparate für die Haut (z. B. Cremes, Salben und Lotionen) helfen hier nicht.

Bei einem Angioödem ohne Quaddeln (etwa durch einen ACE-Hemmer oder eine vererbte Form des Angioödems verursacht) helfen Antihistaminika, Kortikosteroide und Adrenalin möglicherweise nicht. Wenn die Ursache ein ACE-Hemmer ist, klingen die Symptome normalerweise etwa 24 bis 48 Stunden nach Absetzen des Medikaments ab. Sollten sie das nicht tun oder sollten die Symptome schwerwiegend sein oder sich verschlechtern, werden dem Betroffenen umgehend gefrorenes Frischplasma oder bestimmte Medikamente wie Ecallantid verabreicht. Auch gereinigter C1-Inhibitor (aus menschlichem Blut) kann die Schwellung lindern.

Bei einem idiopathischen Angioödem kann eine hohe über den Mund eingenommene Antihistaminikum-Dosis helfen.

Notfallbehandlung

Wenn ein schweres Angioödem zu Schluck- und Atembeschwerden oder einem Kreislaufzusammenbruch führt, ist eine sofortige Notfallbehandlung erforderlich. Der Arzt muss die Atemwege des Patienten öffnen, indem er eines oder beide der folgenden Dinge tut:

  • Injektion von Adrenalin unter die Haut oder in einen Muskel (um die Schwellung zurückgehen zu lassen)

  • Einführen eines Beatmungsschlauchs durch den Mund oder die Nase des Patienten in die Luftröhre (Intubation)

Wenn sich die Atemwege zu schnell schließen, muss der Arzt möglicherweise einen kleinen Einschnitt in die Haut über der Luftröhre machen und einen Beatmungsschlauch einführen.

Betroffene mit schweren Reaktionen sollten grundsätzlich eine Adrenalin-Fertigspritze bei sich haben, die sie beim Auftreten einer Reaktion umgehend anwenden können. Antihistaminika-Tabletten können auch helfen; allerdings sollte vor der Einnahme dieser Tabletten Adrenalin als Spritze verabreicht werden.

Nach einer schweren allergischen Reaktion sollte die betroffene Person die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen, um sich dort untersuchen und bedarfsmäßig behandeln zu lassen.

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