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Hypoglykämie (Unterzuckerung)

(niedriger Blutzucker)

Von

Erika F. Brutsaert

, MD, New York Medical College

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2019| Inhalt zuletzt geändert Mai 2019
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Kurzinformationen
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Bei einer Unterzuckerung enthält das Blut ungewöhnlich wenig Zucker (Glukose).

  • Unterzuckerung (Hypoglykämie) wird häufig durch die Medikamente ausgelöst, die den Diabetes kontrollieren sollen. Viel seltenere Ursachen einer Hypoglykämie sind andere Medikamente, eine schwere Erkrankung oder Organversagen, eine Reaktion auf Kohlenhydrate (bei anfälligen Menschen), ein Insulin-produzierender Tumor in der Bauchspeicheldrüse und einige Arten der bariatrischen Operation (chirurgischer Eingriff zur Gewichtsabnahme).

  • Ein Abfall der Blutglukose verursacht Symptome wie Hunger, Schwitzen, Zittern, Müdigkeit, Schwäche und fehlendes klares Denkvermögen, während eine schwere Unterzuckerung Symptome wie Verwirrtheit, Krampfanfälle und Koma verursacht.

  • Die Diagnose für einen Diabetiker basiert auf dem Vorfinden von niedrigen Blutzuckerspiegeln, während Symptome auftreten.

  • Die Symptome einer Unterzuckerung werden durch Aufnahme von Zucker in jeglicher Form behandelt.

  • Die Dosierungen von Medikamenten, die eine Unterzuckerung verursachen, müssen eventuell reduziert werden.

(Siehe auch Diabetes mellitus.)

Gewöhnlich hält der Körper den Blutzuckerspiegel in einem Bereich von 70 bis 110 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) bzw. 3,9 bis 6,1 Millimol pro Liter (mmol/l) im Blut aufrecht. Bei Unterzuckerung wird der Glukosespiegel zu niedrig. Obwohl Diabetes mellitus durch hohe Blutzuckerspiegel charakterisiert ist, leiden viele Diabetiker hin und wieder an einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) aufgrund der Nebenwirkungen der Diabetesbehandlung. Unterzuckerung ist bei Nichtdiabetikern selten.

Sehr niedrige Blutzuckerspiegel können die Funktion vieler Organsysteme beeinträchtigen. Vor allem das Gehirn reagiert auf empfindlich auf niedrige Blutzuckerspiegel, denn Zucker ist seine wichtigste Energiequelle. Um den Blutzuckerspiegel daran zu hindern, dass er zu weit unter den Normbereich abfällt, stimuliert das Gehirn

  • Nebennieren zur Ausschüttung von Epinephrin (Adrenalin)

  • Nebennieren zur Ausschüttung von Kortisol

  • Bauchspeicheldrüse zur Ausschüttung von Glukagon

  • Hirnanhangdrüse (Hypophyse) zur Ausschüttung von Wachstumshormon

All diese Hormone führen dazu, dass die Leber Zucker in das Blut entlässt, aber manchmal erhöhen diese Hormone trotzdem den Blutzuckerspiegel nicht ausreichend, um eine Hypoglykämie zu verhindern. Wenn der Blutzuckerspiegel zu niedrig ist, erhält das Gehirn nicht ausreichend Nährstoffe, was zu Verwirrung, Krampfanfällen oder Bewusstseinsverlust führt.

Ursachen

Arzneimittel

Die meisten Fälle von Unterzuckerung treten bei Diabetikern auf und werden durch Insulin oder andere Medikamente verursacht (besonders Sulfonylharnstoffe, siehe Medikamentöse Behandlung von Diabetes: orale Antidiabetika), die eingenommen werden, um die Blutzuckerspiegel zu senken. Hypoglykämie tritt häufiger auf, wenn man besonders darum bemüht ist, die Blutzuckerspiegel auf einem so normalen Niveau wie möglich zu halten, oder wenn Betroffene, die Insulin nehmen, ihre Blutzuckerspiegel nicht oft genug kontrollieren. Bei Diabetikern, die die Nahrungsmittelaufnahme reduzieren, um Gewicht zu verlieren, oder die eine chronische Nierenkrankheit entwickeln, kommt es eher zu einer Hypoglykämie. Ältere Menschen sind anfälliger als jüngere für Unterzuckerungen als Reaktion auf Sulfonylharnstoffe.

Wenn ein Diabetiker nach der Einnahme eines Diabetesmedikaments weniger als gewöhnlich isst oder sich körperlich mehr anstrengt, kann das Medikament den Blutzuckerspiegel zu stark absenken. Menschen, die schon lange unter schwerem Diabetes leiden, sind für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) in diesen Situationen besonders anfällig, da sie eventuell nicht genug Glukagon oder Adrenalin bilden können.

Bestimmte Medikamente für andere Erkrankungen, vor allem Pentamidin, mit dem eine bei AIDS häufig auftretende Lungenentzündung (Pneumonie) behandelt wird, und Chinin, das bei Muskelkrämpfen angewendet wird, verursachen gelegentlich eine Hypoglykämie.

Eine seltene Form der medikamentenabhängigen Unterzuckerung kommt manchmal bei Personen vor, die heimlich Insulin oder andere Antidiabetika aufgrund einer psychischen Störung wie z. B. der Simulierung einer Krankheit bei sich selbst (früher Münchhausen-Syndrom genannt) nehmen.

Hypoglykämie, nüchtern

Bei ansonsten gesunden Menschen ist es unwahrscheinlich, dass längeres Fasten (auch über mehrere Tage) und verlängerte anstrengende körperliche Betätigung (auch nach einer Phase des Fastens) zu Unterzuckerung führt.

Es gibt jedoch mehrere Erkrankungen oder Zustände, bei denen der Körper nach einer Zeit ohne Nahrung die erforderlichen Blutzuckerspiegel nicht aufrechterhalten kann (Nüchternhypoglykämie). Bei schweren Trinkern, die kaum essen, kann der Alkohol die Bildung von Glukose aus der Leber blockieren. Bei Personen mit Leberkrankheiten wie viraler Hepatitis, Zirrhose oder Krebs kann die Leber eventuell nicht ausreichend Glukose bilden und speichern. Kleinkinder und Kinder mit einem Defekt der Enzymsysteme, die die Glukoseverwertung kontrollieren (wie z. B. eine Glykogen-Speicherkrankheit), können ebenfalls eine Nüchternhypoglykämie entwickeln.

Eine seltene Ursache für eine Nüchternhypoglykämie ist ein Insulinom, ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse, der Insulin produziert. Krankheiten, die die Hormonbildung in der Hypophyse und den Nebennieren verringern (vor allem die Addison-Krankheit), können zur Hypoglykämie führen. Andere Krankheiten wie die chronische Nierenkrankheit, Herzinsuffizienz, Krebs und Sepsis können ebenfalls Hypoglykämie verursachen, vor allem bei schwerkranken Menschen.

Reaktion auf Ernährung

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) kann auftreten, nachdem eine Person eine sehr kohlenhydratreiche Mahlzeit zu sich genommen hat (reaktive Hypoglykämie), wenn der Körper aus irgendeinem Grund mehr Insulin als erforderlich produziert. Diese Reaktion tritt jedoch selten auf. In manchen Fällen treten bei Personen mit normalen Blutzuckerspiegeln Symptome auf, die mit Unterzuckerung verwechselt werden können.

Nach bestimmten bariatrischen Operationen, z. B. bei einem Magenbypass, werden Zucker sehr schnell verwertet, was zu einer übermäßigen Insulinproduktion führt, wodurch es dann zur Unterzuckerung kommen kann.

Auch Probleme bei der Verwertung mancher Zucker (Fruktose und Galaktose) und Aminosäuren (Leucin) können eine Unterzuckerung hervorrufen, wenn die betroffene Person Nahrungsmittel zu sich nimmt, die diese Substanzen enthalten.

Symptome

  • Leichte Hypoglykämie Schwitzen, Nervosität, Zittern, Ohnmacht, Herzklopfen und Hunger.

  • Schwere Hypoglykämie Schwindel, Ermüdung, Schwäche, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Verwirrung, undeutliche Sprache, verschwommenes Sehen, Krampfanfälle und Koma

Symptome von Unterzuckerung (Hypoglykämie) entwickeln sich zumeist erst, wenn der Blutzuckerspiegel unter 60 mg/dl (3,3 mmol/l) im Blut abgesunken ist. Manche Menschen entwickeln Symptome bei etwas höheren Spiegeln, vor allem, wenn der Blutzuckerspiegel rapide abfällt, andere wiederum haben keine Symptome, bis ihre Blutzuckerspiegel noch viel weiter abgefallen sind.

Zuerst reagiert der Körper auf einen Abfall der Blutzuckerspiegel, indem er über die Nebennieren Adrenalin ausschüttet. Adrenalin ist ein Hormon, das die Ausschüttung von Glukose aus den Körperspeichern anregt, aber auch Symptome verursacht, die einer Angstattacke ähneln: Schwitzen, Nervosität, Zittern, Ohnmachtsanfälle, Palpitationen und Hunger.

Bei schweren Unterzuckerungen wird die Glukoseversorgung des Gehirns verringert, was zu Schwindel, Müdigkeit, Schwäche, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Verwirrung und einem Benehmen führen kann, das möglicherweise mit einer Trunkenheit verwechselt wird, sowie eine undeutliche Aussprache, verschwommenes Sehen, Krampfanfälle und Koma verursachen kann. Eine schwere und länger dauernde Unterzuckerung kann das Gehirn dauerhaft schädigen.

Die Symptome können langsam oder plötzlich auftreten, sie können sich innerhalb von Minuten von leichter Unbehaglichkeit bis zu schwerer Verwirrung und Panik wandeln. Manchmal können langjährige Diabetiker (besonders, wenn sie bereits häufig unterzuckert waren) die Frühsymptome einer Unterzuckerung nicht mehr wahrnehmen, und Ohnmacht oder sogar Koma können sich ohne weitere Vorwarnung entwickeln.

Bei Personen mit einem Insulinom treten die Symptome häufig nach nächtlichem Fasten früh am Morgen auf, insbesondere, wenn die Glukosespeicher im Blut durch Sport vor dem Frühstück weiter aufgebraucht wurden. Anfangs erleben Tumorpatienten meist nur gelegentlich eine Unterzuckerung, aber nach Monaten oder Jahren können die Anfälle häufiger und schwerer werden.

Wussten Sie ...?

  • Manchmal werden Personen mit Unterzuckerung fälschlicherweise als betrunken betrachtet.

Diagnose

  • Tests zur Messung des Glukosespiegels

Bei bekannten Diabetikern kann ein Arzt eine Unterzuckerung vermuten, wenn die Symptome beschrieben werden. Die Diagnose kann bestätigt werden, wenn niedrige Blutzuckerspiegel gemessen werden, während Symptome auftreten.

Bei ansonsten gesunden Personen, die nicht an Diabetes leiden, können Ärzte eine Unterzuckerung normalerweise basierend auf den Symptomen, der Krankengeschichte, einer körperlichen Untersuchung und einfachen Tests erkennen.

Die Ärzte messen zuerst den Blutzuckerspiegel. Ein niedriger Blutzuckerspiegel bei einer Person, die typische Symptome einer Unterzuckerung aufweist, bestätigt die Diagnose bei einem Nichtdiabetiker, insbesondere wenn der Zusammenhang zwischen einem niedrigen Blutzuckerspiegel und den Symptomen mehr als einmal demonstriert wird. Lassen die Symptome innerhalb von Minuten nach Zuckerzufuhr nach, wenn die Blutzuckerspiegel ansteigen, stützt dies die Diagnose.

Wenn der Zusammenhang zwischen den Symptomen einer Person und dem Blutzuckerspiegel bei einem Nichtdiabetiker unklar bleibt, können weitere Tests erforderlich sein. Häufig besteht der nächste Schritt darin, die Blutzuckerspiegel nach nächtlichem Fasten in einem Krankenhaus oder in einer anderen streng überwachten Umgebung zu messen. Es können auch umfassendere Tests erforderlich sein.

Bei dem Verdacht, dass Arzneimittel wie Pentamidin oder Chinin die Unterzuckerung auslösen, wird das Medikament abgesetzt und die Blutzuckerspiegel werden gemessen, um festzustellen, ob sie ansteigen. Bleibt die Ursache unklar, können weitere Labortests erforderlich sein.

Wird ein Insulinom vermutet, können Messungen der Insulinspiegel im Blut während des Fastens (manchmal bis zu 72 Stunden lang) nötig werden. Wenn die Insulinmessungen auf einen Tumor hindeuten, versucht der Arzt, ihn vor der Behandlung zu lokalisieren.

Wussten Sie ...?

  • Manchmal kann ein Laborfehler (z. B., wenn eine Blutprobe zu lang aufbewahrt wurde) Blutzuckerspiegel ergeben, die künstlich niedrig sind, was als Pseudohypoglykämie bezeichnet wird.

Behandlung

  • Verzehr von Zucker, um den Zuckergehalt im Blut anzuheben

  • Änderung der Medikamentendosis

  • Verzehr von mehreren kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt

  • Manchmal chirurgischer Eingriff zur Entfernung eines Tumors

Personen mit Neigung zu Unterzuckerung sollten einen medizinischen Ausweis mit sich führen, um Mediziner über ihre Erkrankung zu informieren.

Sofortige Behandlung der Hypoglykämie

Die Symptome einer Unterzuckerung lassen innerhalb von Minuten nach der Aufnahme von Zucker in jeglicher Form nach, z. B. Süßigkeiten, Glukosetabletten oder einem süßen Getränk wie ein Glas Fruchtsaft. Menschen mit wiederkehrenden Unterzuckerungen, insbesondere Diabetiker, tragen gerne Glukosetabletten mit sich, da die Tabletten schnell wirken und eine konstante Zuckermenge liefern. Diesen Personen kann durch den Verzehr von Zucker gefolgt von Nahrungsmitteln geholfen werden, die länger anhaltende Kohlenhydrate enthalten (etwa Brot oder Salzkekse). Wenn bei schwerer oder langanhaltender Unterzuckerung die orale Zuckeraufnahme nicht möglich ist, verabreichen Ärzte rasch Glukose intravenös, um Hirnschäden zu vermeiden.

Menschen mit bekanntem Risiko für Episoden einer schweren Unterzuckerung können für Notfälle Glukagon mit sich führen. Die Verabreichung von Glukagon regt die Leber an, große Glukosemengen freizusetzen. Es wird als Injektion verabreicht und normalisiert die Blutglukose innerhalb von 5 bis 15 Minuten wieder auf ein ausreichendes Niveau. Glukagon-Kits sind einfach anzuwenden, und Familienmitglieder können in der Verabreichung von Glukagon geschult werden.

Behandlung der Ursache der Hypoglykämie

Wenn ein Medikament zu Unterzuckerung führt, wird die Dosis angepasst, oder das Medikament wird gewechselt. Insulinome sollten operativ entfernt werden. Da die Tumoren klein und nicht leicht zu lokalisieren sind, sollte der chirurgische Eingriff von einem Experten durchgeführt werden. Vor dem chirurgischen Eingriff kann die Person ein Medikament wie Octreotid oder Diazoxid erhalten, um die Symptome zu kontrollieren. Manchmal existiert mehr als ein Tumor, und wenn der Operateur nicht alle findet, kann eine zweite Operation notwendig werden.

Nichtdiabetiker, die zu Unterzuckerungen neigen, können Episoden oft vermeiden, indem sie häufige kleine Mahlzeiten anstatt drei große Mahlzeiten pro Tag zu sich nehmen.

Häufig wird eine Beschränkung der Kohlenhydratezufuhr, besonders von Einfachzuckern, zur Vorbeugung einer Unterzuckerung nach einer Mahlzeit (reaktive Hypoglykämie genannt) empfohlen. Alpha-Glukosidase-Hemmer, wie Acarbose, die die Aufnahme von Kohlehydraten verlangsamen, wurden bei Menschen mit reaktiver Hypoglykämie und Unterzuckerung nach einer bariatrischen Operation ebenfalls mit Erfolg eingesetzt.

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