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Nasenbluten

(Epistaxis)

Von

Marvin P. Fried

, MD, Montefiore Medical Center, The University Hospital of Albert Einstein College of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2019| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2019
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Quellen zum Thema

Manche Menschen bekommen ziemlich häufig Nasenbluten, andere dagegen nur selten. Es können einige Tropfen Blut austreten, oder das Blut rinnt stetig. Wenn das Blut geschluckt wird, kommt es oft zu Erbrechen, weil Blut den Magen reizt. Geschlucktes Blut kann durch den Verdauungstrakt gelangen und führt zu schwarzem teerigem Stuhl.

Anteriores Nasenbluten

Normalerweise stammt die Blutung aus dem vorderen Teil der Nase (anteriores Nasenbluten), und zwar aus den kleinen Blutgefäßen auf dem Knorpel, der die beiden Nasenlöcher trennt. Dieser Knorpel ist die Nasenscheidewand, die viele Blutgefäße birgt. Nasenbluten aus dem vorderen Teil wirkt oft erschreckend, ist aber ungefährlich.

Posteriores Nasenbluten

Eine Blutung aus dem hinteren Bereich der Nase (posteriores Nasenbluten) ist ungewöhnlich, gefährlicher und schwieriger zu behandeln. An posteriorem Nasenbluten sind größere Gefäße beteiligt als beim anterioren Nasenbluten. Da sich diese Gefäße im hinteren Bereich der Nase befinden, sind sie für den Arzt schwer zu erreichen und zu behandeln. Posteriores Nasenbluten tritt eher bei Patienten auf, die Atherosklerose haben und bei denen der Blutfluss in den Arterien reduziert oder blockiert ist, bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen, bei Patienten, die Arzneimittel einnehmen, die die Blutgerinnung beeinflussen, sowie nach Operationen im Bereich der Nase oder der Nasennebenhöhlen.

Ursachen

Nasenbluten tritt auf, wenn die feuchte Innenauskleidung der Nase gereizt ist oder wenn Blutgefäße in der Nase reißen. Es gibt viele Ursachen für Nasenbluten. Grundsätzlich neigen Patienten eher zu Nasenbluten, die Aspirin oder andere Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen (Antikoagulanzien), und die Gerinnungsstörungen oder Arterienverkalkung (Arteriosklerose) haben.

Häufige Ursachen

Die häufigsten Ursachen für Nasenbluten sind:

  • Trauma (z. B. Nase schnäuzen und Nasebohren)

  • Austrocknen der feuchten inneren Auskleidung der Nase (z. B. im Winter)

Seltenere Ursachen

Zu den weniger häufigen Ursachen für Nasenbluten zählen:

Bluthochdruck (Hypertonie) kann die Dauer eines bereits begonnenen Nasenblutens verlängern, ist jedoch wahrscheinlich nicht die eigentliche Ursache.

Tabelle
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Ursachen und Merkmale von Nasenbluten

Ursache*

Häufige Merkmale und Tests

Häufig

Nase schnäuzen oder Nasebohren

Ein Schlag auf die Nase oder sonstige Verletzung der Nase

Bei Patienten, die von solchem Verhalten oder solchen Verletzungen berichten

Austrocknen der feuchten Membranen, die die Nase auskleiden, z. B. bei kaltem Wetter

Trockenheit, die während der Untersuchung erkannt werden kann

Weniger häufig

Naseninfektionen (wie Erkältung oder Nebenhöhleninfektionen)

Ausfluss aus der Nase, manchmal verdickt oder verfärbt, mit Verkrustung in den Nasenlöchern

Häufige Schmerzen und Austrocknung der feuchten Membranen, die die Nase auskleiden

Systemische Erkrankungen wie schwere Lebererkrankungen oder AIDS

Bei Patienten, bei denen diese Erkrankungen bekannt sind

Ein Fremdkörper in der Nase, vor allem bei Kindern

Häufig wiederkehrendes Nasenbluten und/oder ein übelriechender Ausfluss aus einer Seite der Nase

Normalerweise bei älteren Patienten

Erweiterte kleine Blutgefäße (Teleangiektasien) im Gesicht, an den Lippen, den Membranen, die Mund und Nase auskleiden, sowie an den Spitzen von Fingern und Zehen

In der Regel bei Patienten mit Familienmitgliedern, die diese Erkrankung haben

Tumore (gutartige oder bösartige) der Nase oder der Nasennebenhöhlen

Manchmal ist in der Nase eine anormale Masse zu sehen

Seitliche Ausbuchtung an der Nase

Eine Computertomographie (CT) kann durchgeführt werden

Ein Loch (Perforation) in der Nasenscheidewand (die das Innere der Nase in zwei Hälften teilt)

Ein Loch, das während der Untersuchung sichtbar ist

Manchmal bei Patienten, die häufig Kokain schnupfen

Blutgerinnungsstörungen (Koagulopathie)

Bei Patienten, die Nasenbluten oder Blutungen in anderen Bereichen hatten, beispielsweise am Zahnfleisch

Bluttests, z. B. ein komplettes Blutbild und Tests zur Messung, wie schnell das Blut gerinnt, können durchgeführt werden

*Erkrankungen, die zu Nasenbluten führen können, entwickeln diesen Effekt häufiger bei Patienten, die gleichzeitig eine Blutgerinnungsstörung haben oder die Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung beeinflussen. Die Blutungen sind dann oft stärker und schwer zu behandeln.

Zu den Merkmalen zählen Symptome und Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

Beurteilung

Die folgenden Angaben können bei der Entscheidung behilflich sein, ob eine ärztliche Beurteilung nötig ist, und liefern Gewissheit darüber und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Nasenbluten sind bestimmte Symptome und Merkmale Anlass zu besonderer Aufmerksamkeit. Hierzu gehören

  • Anzeichen von übermäßigem Blutverlust (wie Schwäche, Ohnmacht oder Schwindelgefühl beim Aufstehen)

  • Einnahme von Arzneimitteln, die sich auf die Blutgerinnung auswirken

  • Anzeichen für eine Blutgerinnungsstörung oder bekanntes Vorliegen einer Blutgerinnungsstörung (wie z. B. Hämophilie)

  • Mehrere kürzlich aufgetretene Episoden von Nasenbluten, besonders wenn die Ursache unklar ist

Die gängigsten Arzneimittel, die die Blutgerinnung stören, sind Aspirin, Clopidogrel und Warfarin sowie neuere Arzneimittel, die über den Mund eingenommen werden (sogenannte neue orale Gerinnungshemmer), wie Rivaroxaban und Apixaban.

Anzeichen einer Blutungsstörung sind unter anderem:

  • Zahlreiche kleine, violette Flecken auf der Haut (Petechien)

  • Viele große Blutergüsse

  • Rasches Zahnfleischbluten

  • Blutiger oder teeriger Stuhl

  • Hochhusten von Blut

  • Blut im Urin

  • Übermäßige Blutungen beim Zähneputzen, bei Blutuntersuchungen oder bei geringfügigen Wunden

  • Starke Menstruationsperioden bei Frauen

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Wenn sich das Nasenbluten nicht durch Zusammenkneifen der Nasenflügel zum Stillstand bringen lässt, sollte sofort ein Krankenhaus aufgesucht werden. Auch wenn die Blutung aufgehört hat, sollten Patienten mit Warnzeichen sofort ins Krankenhaus gehen. Patienten ohne Warnzeichen, die Nasenbluten hatten, das mit oder ohne Behandlung zum Stillstand gekommen ist, die sich jedoch ansonsten wohlfühlen, sollten ihren Arzt anrufen. Möglicherweise ist eine Untersuchung nötig.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten, bevor sie eine körperliche Untersuchung vornehmen. Die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung liefern in Verbindung mit der Anamnese Hinweise auf die Ursache des Nasenblutens und geben vor, welche Untersuchungen als nächste erforderlich sind.

Während der Anamnese stellt der Arzt Fragen zu Folgendem:

  • Offensichtliche Auslöser (z. B. Niesen, Schnäuzen oder Nasebohren und kürzliche Infektionen der oberen Atemwege)

  • Dauer und Anzahl der bisherigen Episoden von Nasenbluten und wie sie gestoppt wurden

  • Ob die Person (oder ein Familienmitglied) eine Blutgerinnungsstörung oder andere Erkrankungen hat, die Probleme mit der Blutgerinnung verursachen

  • Ob die Person Arzneimittel nimmt, die die Blutgerinnung beeinflussen

Zu den Erkrankungen, die Probleme mit der Blutgerinnung verursachen können, gehören schwere Lebererkrankungen (wie Zirrhose oder Hepatitis) und bestimmte Krebsarten.

Während der körperlichen Untersuchung sucht der Arzt zunächst nach Anzeichen für einen massiven Blutverlust (wie eine zu schnelle Herzfrequenz und ein zu niedriger Blutdruck) und prüft, ob ein deutlich erhöhter Blutdruck vorliegt.

Dann konzentriert sich der Arzt auf die Nase und sucht nach der Blutungsstelle. Außerdem wird die Haut auf Anzeichen von Blutgerinnungsstörungen untersucht. Solche Anzeichen sind Petechien, große blaue Flecken und erweiterte kleine Blutgefäße in und um den Mund sowie an den Spitzen von Fingern und Zehen.

Eine Blutungsstelle im vorderen (anterioren) Bereich der Nase ist für den Arzt mithilfe einer Lampe leicht zu finden. Eine Blutungsstelle weiter hinten (posterior) lässt sich mit einem flexiblen Betrachtungstubus finden. Allerdings ist die Blutmenge bei einer aktiven posterioren Blutung so groß, dass der Arzt auch mit einem Betrachtungstubus nichts erkennen kann.

Tests

Routinelabortests sind nicht erforderlich. Patienten mit Symptomen einer Blutgerinnungsstörung und/oder Anzeichen von erheblichem Blutverlust sowie Patienten mit schwerem oder wiederkehrendem Nasenbluten sollten Blutuntersuchungen durchführen lassen. Wenn ein Fremdkörper, ein Tumor oder eine Nebenhöhleninfektion vermutet wird, kann eine Computertomographie (CT) durchgeführt werden.

Behandlung

Der Arzt behandelt alle Nasenblutungen so, als ob es sich um anteriores Nasenbluten handelte. Die wenigen Patienten, die eine große Menge Blut verloren haben, erhalten Flüssigkeiten durch die Vene (intravenös) und in seltenen Fällen Bluttransfusionen. Bekannte oder festgestellte Blutgerinnungsstörungen werden behandelt.

Anteriores Nasenbluten

Eine Blutung aus dem vorderen Bereich der Nase lässt sich normalerweise zu Hause unter Kontrolle bringen. Dazu werden die Nasenflügel 10 Minuten lang fest zusammengedrückt, während der Patient aufrecht sitzt. Dabei sollte nicht auf den knöchernen Teil der Nase gedrückt werden. Dieser Griff muss ohne Unterbrechung 10 Minuten lang durchgehalten werden. Andere Hausmittel, wie etwa Eispackungen auf der Nase, zusammengerollte Taschentücher in den Nasenlöchern und bestimmte Kopfhaltungen sind nicht wirkungsvoll.

Gelingt es nicht, die Blutung mit dieser Technik zum Stillstand zu bringen, kann der Griff weitere 10 Minuten wiederholt werden. Wenn die Blutung auch dann nicht nach 10 Minuten aufhört, muss ein Arzt aufgesucht werden. Der Arzt schiebt normalerweise mehrere Stückchen Watte in das blutende Nasenloch. Die Watte wird mit einem Betäubungsmittel (z. B. Lidocain) und einem Wirkstoff getränkt, der bewirkt, dass sich die Blutgefäße in der Nase schließen (z. B. Phenylephrin). Anschließend wird die Nase ungefähr 10 Minuten lang zusammengedrückt, dann wird die Watte entfernt. Bei kleineren Blutungen wird häufig nichts weiter unternommen. Alternativ dazu kann der Arzt an der Blutungsstelle einen speziellen Schaumstoffschwamm (Nasentampon) einlegen. Der Schwamm quillt auf und stoppt die Blutung. Nach zwei bis vier Tagen wird der Schwamm entfernt.

Bei ernsterem und wiederholtem Nasenbluten kann die Blutungsstelle mit einer Chemikalie, Silbernitrat, oder durch Versiegelung mit Strom (Elektrokauterisation) verschlossen werden. Wenn diese Methoden unwirksam sind, können verschiedene Nasenballons verwendet werden, die Druck auf die Blutungsstelle ausüben. In seltenen Fällen muss die ganze Nasenhöhle einseitig mit einem langen Gazestreifen verbunden werden. Ein solcher Verband wird gewöhnlich nach 3 Tagen abgenommen.

Posteriores Nasenbluten

Eine Blutung aus dem hinteren Bereich der Nase ist schwieriger zu stoppen und kann lebensbedrohlich sein. Bei dieser Form von Nasenbluten lässt sich die Blutung nicht durch Zusammendrücken der Nasenflügel stoppen. Dies führt nur dazu, dass das Blut in den Rachen fließt, anstatt aus der Nase. Der Arzt kann in einem solchen Fall einen speziell geformten Ballon in die Nase einführen und aufblasen, um Druck auf die Blutungsstelle auszuüben. Dieses Verfahren und andere Arten von Nasentamponaden sind allerdings sehr unangenehm und behindern die Atmung. Normalerweise erhält der Patient intravenös ein Beruhigungsmittel, bevor ein solcher Ballon oder ein Tampon eingesetzt wird. Wenn die Blutung auf solche Art gestoppt werden musste, wird der Patient ins Krankenhaus eingewiesen und mit Sauerstoff und Antibiotika versorgt, damit sich die Nebenhöhlen und das Mittelohr nicht entzünden. Die Tamponade bleibt 4 bis 5 Tage an Ort und Stelle. Dieses Verfahren verursacht ein unangenehmes Gefühl, das jedoch mit Behandlungen gelindert werden kann.

Wenn der Ballon nicht die erwartete Wirkung hat, muss das blutende Gefäß direkt verschlossen werden. Bei diesem chirurgischen Eingriff wird durch die Nebenhöhlenwand ein faseroptisches Endoskop eingeführt. Mit dem Endoskop kann der Arzt die größere Arterie erreichen, die das blutende Gefäß versorgt, und mit einer Klemme verschließen. Gelegentlich wird auch ein kleiner Katheter unter Röntgensicht durch die Blutgefäße bis zur Blutungsstelle vorgeschoben und eine Substanz gespritzt, die das blutende Gefäß verschließt (Embolisation).

Wichtigste Punkte

  • Die meisten Nasenblutungen stammen aus dem vorderen Teil der Nase und lassen sich durch Zusammendrücken der Nasenflügel stoppen.

  • Nasenbluten sollte möglichst durch 10-minütiges Zusammendrücken der Nasenflügel zum Stillstand gebracht werden.

  • Wenn dies nicht der Fall ist, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

  • Während der Aufnahme der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung fragt der Arzt nach Blutgerinnungsstörungen und der Einnahme von Arzneimitteln, die sich auf die Blutgerinnung auswirken, wie etwa Warfarin, Clopidogrel, Aspirin und andere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR).

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