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Toxoplasmose bei Neugeborenen

(angeborene Toxoplasmose)

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Nov 2018| Inhalt zuletzt geändert Nov 2018
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Quellen zum Thema

Eine

Toxoplasmose ist eine Infektion mit dem Parasiten Toxoplasma gondii. Die Infektion verursacht bei gesunden Erwachsenen in der Regel keine Probleme, führt aber bei Neugeborenen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu einer schweren Erkrankung.

  • Toxoplasmose wird von einem Parasiten verursacht, der in der Katze lebt und sich dort vermehrt.

  • Ein Fötus kann zu früh auf die Welt kommen, und ein Neugeborenes kann Probleme wie einen zu kleinen Kopf oder eine vergrößerte Leber haben.

  • Bluttests und Tests mit anderen Flüssigkeiten können durchgeführt werden, um das Virus beim Fötus, Neugeborenen oder der Mutter zu identifizieren.

  • Die Infektion kann bei manchen Kindern zum Tod führen und bei anderen langfristige neurologische Störungen verursachen.

  • Schwangere Frauen sollten Katzenstreu vermeiden und Fleisch vor dem Verzehr gründlich durchbraten.

  • Zur Behandlung der Infektion können Föten oder Neugeborenen parasitenbekämpfende Medikamente verabreicht werden.

Der Parasit Toxoplasma gondii lebt und vermehrt sich hauptsächlich in Katzen, und ihre Eier werden über den Katzenkot ausgeschieden. Katzenkot kann Nahrungsmittel, Erde und Wasser mit den Eiern verunreinigen. Schwangere Frauen können sich infizieren, indem sie Toxoplasma-Eier schlucken, nachdem sie mit dem Erreger verunreinigtes Katzenstreu, Erde oder andere Gegenstände berührt haben und sich dann am Mund berührt oder Nahrungsmittel angefasst oder gegessen haben, ohne sich zuvor die Hände zu waschen. Schwangere Frauen können sich auch infizieren, wenn sie rohes oder halbgares Fleisch oder andere verunreinigte Lebensmittel verzehren. Föten infizieren sich, wenn Toxoplasma gondii während der Schwangerschaft die Plazenta (das Organ, das den Fötus ernährt) passiert.

Eine Frau, die bereits vor der Schwangerschaft infiziert wurde, gibt den Parasiten nur dann an das ungeborene Kind weiter, wenn ihr Immunsystem geschwächt ist (beispielsweise aufgrund einer HIV-Infektion) und die Infektion dadurch reaktiviert wird.

Die Infektion ist schwerwiegender, wenn der Fötus früh in der Schwangerschaft infiziert wird.

Lebenszyklus von Toxoplasma gondii

  • 1a. Eier werden im Katzenkot ausgeschieden. Es werden viele Eier ausgeschieden, jedoch für gewöhnlich nur 1 bis 2 Wochen lang. Nach 1 bis 5 Tagen außerhalb des Körpers können die Eier eine Infektion verursachen.

  • 1b. Katzen können sich erneut infizieren, indem sie Futter oder andere Dinge aufnehmen, die mit den Eiern kontaminiert sind.

  • 2. Andere Tiere (wie z. B. Wildvögel, Nager, Rehe, Schweine und Schafe) können die Eier aus dem Boden, aus dem Wasser, aus Pflanzenmaterial und Katzenstreu, die mit Katzenkot verunreinigt sind, aufnehmen.

  • 3. Kurze Zeit nach der Aufnahme der Eier schlüpfen daraus bewegliche Formen des Parasiten (so genannte Tachyzoiten).

  • 4. Die Tachyzoiten breiten sich überall im Körper des Tieres aus und bilden schließlich Zysten in Nerven- und Muskelgewebe.

  • 5. Katzen können sich infizieren, wenn sie Tiere fressen, die solche Zysten enthalten.

  • 6a. Der Mensch kann sich infizieren, indem er halbgares Fleisch isst, das solche Zysten enthält.

  • 6b. Der Mensch kann sich außerdem durch den Verzehr von Lebensmitteln, Wasser oder anderen Dingen (wie z. B. Erde) infizieren, die mit Katzenkot kontaminiert sind, oder dadurch, dass er zuerst die Streu einer infizierten Hauskatze und danach seinen Mund berührt.

  • 7. In seltenen Fällen kann eine Infektion auch durch Bluttransfusionen oder ein Organtransplantat, in denen der Parasit vorhanden ist, stattfinden.

  • 8. In seltenen Fällen wird die Infektion von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen.

  • 9. Beim Menschen bilden die Parasiten Gewebezysten, meist in der Muskulatur und im Herzen, im Gehirn und in den Augen.

Lebenszyklus von  <i >Toxoplasma gondii</i>

Symptome

Der Fötus kann Wachstumsstörungen haben und vorzeitig geboren werden.

Neugeborene haben bei der Geburt in der Regel keine Symptome, können aber auch folgende Probleme haben:

  • Zu kleiner Kopf (Mikrozephalie)

  • Gehirnentzündung

  • Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und/oder des Augenweiß)

  • Vergrößerte Leber und Milz

  • Entzündung von Herz, Lungen oder Augen

  • Ausschlag

Eine Entzündung der Augen (Chorioretinitis) kann zur Erblindung führen. Schwere neurologische Probleme, darunter Krampfanfälle, können auftreten. Manche Kinder haben eine intellektuelle Behinderung.

Kinder, die mit kongenitaler Toxoplasmose geboren werden, können schwer krank sein und kurz nach der Geburt sterben oder aber auch erst Monate bis Jahre später symptomatisch werden. Manche werden niemals krank.

Diagnose

  • Bei der Mutter: Bluttests

  • Beim Fötus: Fruchtwasseruntersuchung

  • Beim Neugeborenen: Untersuchung von Blut und anderen Flüssigkeiten, bildgebende Aufnahme des Gehirns, Spinalpunktion und Augenuntersuchungen

Die Diagnose einer Toxoplasmose bei Schwangeren stützt sich normalerweise auf Bluttests, bei denen Antikörper gegen den Parasiten festgestellt werden. (Antikörper sind Proteine, die vom Immunsystem produziert werden, um dem Körper zu helfen, sich gegen eine bestimmte Attacke, zum Beispiel gegen einen Befall mit Parasiten, zu verteidigen.)

Um festzustellen, ob ein Fötus infiziert wurde, kann der Arzt eine Probe des Fruchtwassers entnehmen (in einem Verfahren, das als Amniozentese bezeichnet wird) und auf das Vorliegen von genetischem Material des Parasiten (DNA) untersuchen. Der Test wird normalerweise nach der 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

In einigen Staaten der USA wird die Infektion bei scheinbar gesunden Neugeborenen während einer routinemäßigen Neugeborenen-Vorsorgeuntersuchung mit einer Trockenblutprobe festgestellt. Wenn der Arzt vermutet, dass ein Neugeborenes infiziert ist, untersucht er das Blut und die Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt (Rückenmarksflüssigkeit). Zur Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit führen Ärzte eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) durch. Auch andere Körperflüssigkeiten und die Plazenta können getestet werden. Es werden bildgebende Verfahren durchgeführt, z. B. mit Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT), um Auffälligkeiten im Gehirn zu erkennen. Neugeborene erhalten außerdem eine gründliche Augenuntersuchung durch einen Ophthalmologen (einen Arzt, der auf die Untersuchung und Behandlung aller Arten von Augenkrankheiten spezialisiert ist) und Hörtests.

Prognose

Manche Kinder haben eine schwere Infektion und sterben früh, während andere überleben, aber langfristige neurologische Probleme haben. Gelegentlich entstehen neurologische Probleme (wie z. B. intellektuelle Behinderung, Taubheit und Krampfanfälle) oder Augenprobleme, wie etwa eine Chorioretinitis (Entzündung von Netzhaut und Aderhaut) bei Kindern, die bei Geburt ganz normal erschienen, erst in späteren Jahren. Daher sollten Kinder mit angeborener Toxoplasmose über die Kindheit hinaus genau von Ärzten überwacht werden.

Vorbeugung

Schwangere Frauen sollten den Umgang mit Katzenstreu vermeiden. Wenn dies nicht möglich ist, sollten schwangere Frauen jeden Tag die gesamte Box wechseln, da die Toxoplasmose-Eier erst 24 Stunden, nachdem sie von der Katze mit dem Kot ausgeschieden wurden, ansteckend sind. Zudem sollten sie Handschuhe tragen und dann sorgfältig ihre Hände waschen, um das Infektionsrisiko zu senken.

Schwangere Frauen sollten Fleisch vor dem Verzehr gründlich durchbraten. Obst und Gemüse sollten gründlich gewaschen oder geschält werden und die Hände anschließend gründlich gewaschen werden.

Um das Risiko einer Übertragung der Infektion auf den Fötus zu reduzieren, kann infizierten schwangeren Frauen das Medikament Spiramycin verabreicht werden. Allerdings wird das Ungeborene durch dieses Medikament nicht behandelt.

Behandlung

  • Für Föten: Pyrimethamin und Sulfonamide

  • Für Neugeborene: Pyrimethamin, Sulfadiazin und Leucovorin

Im späteren Schwangerschaftsverlauf kann bei einer Infektion des Fötus eine Kombination aus Pyrimethamin und Sulfonamid verabreicht werden.

Infizierte Neugeborene mit und ohne Symptome werden mit Pyrimethamin, Sulfadiazin und Leucovorin (einem Medikament, das Nebenwirkungen von Pyrimethamin verhindert) behandelt.

Eine Entzündung der Augen wird manchmal mit Kortikosteroiden behandelt.

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