Das Familiäre Mittelmeerfieber ist eine vererbte Erkrankung, die durch Fieberschübe mit begleitenden Bauchschmerzen oder seltener Schmerzen im Brustkorb, Gelenkschmerzen oder einem Ausschlag charakterisiert ist.
Es wird durch Mutationen in einem Gen verursacht, das in der Regel von beiden Elternteilen ererbt wurde.
Die meisten Betroffenen haben Schübe von starken Bauchschmerzen und hohem Fieber.
Die Diagnose wird in der Regel anhand der Symptome und einer genetischen Untersuchung gestellt.
Mit Colchicin können die Schubfrequenz reduziert oder Schübe gestoppt und das Risiko einer Niereninsuffizienz aufgrund einer Amyloidose beseitigt werden.
Bei nicht angemessener Behandlung kann eine Amyloidose entstehen.
Das familiäre Mittelmeerfieber ist über alle Altersgruppen hinweg das am häufigsten auftretende hereditäre periodische Fiebersyndrom. Am meisten betroffen sind Menschen aus dem Mittelmeerraum (z. B. Menschen, die von sephardischen Juden, nordafrikanischen Arabern, Armeniern, Griechen, Italienern oder Türken abstammen). Diese Erkrankung tritt jedoch auch bei Menschen mit anderer ethnischer Herkunft auf (z. B. bei Menschen, die von Aschkenasim-Juden, Kubanern oder Japanern abstammen).
Bis zu etwa 50 Prozent der von familiärem Mittelmeerfieber betroffenen Menschen haben Verwandte, meistens Geschwister, welche die Erkrankung haben (Familiengeschichte).
Das familiäre Mittelmeerfieber wird durch ein defektes rezessives Gen verursacht. Damit eine Person erkrankt, muss sie für gewöhnlich zwei Kopien des veränderten Gens haben, eine von jedem Elternteil. Es kann jedoch schon eine Kopie des mutierten Gens ausreichen, um einige Symptome hervorzurufen.
Das veränderte Gen führt zur Produktion einer fehlerhaften Form des Proteins Pyrin, das Entzündungen reguliert. Es gibt eine Reihe verschiedener möglicher Mutationen des Gens, von denen noch nicht alle identifiziert wurden, was möglicherweise erklärt, warum manche Menschen, die typische Symptome des familiären Mittelmeerfiebers haben, keine Mutation im Gen haben. Alternativ können auch nicht-genetische Faktoren vorliegen, die eine Rolle bei der Entwicklung dieses Syndroms spielen.
Symptome des familiären Mittelmeerfiebers
Die Symptome des familiären Mittelmeerfiebers treten meist im Alter zwischen 5 und 15 Jahren auf.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
Fieber und Bauchschmerzen
Bei rund 95 Prozent der betroffenen Menschen treten Bauchschmerzen auf. Sie beginnen normalerweise an einer Stelle im Bauch und breiten sich dann im gesamten Bauchraum aus. Die Bauchschmerzen werden durch eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) verursacht. Die Stärke der Schmerzen kann bei jedem Schub variieren. Die Anfälle komm#en unregelmäßig vor und werden in der Regel von hohem Fieber bis 40 C begleitet. Diese schmerzhaften Schübe dauern normalerweise 12 bis 72 Stunden, manchmal auch länger und können im Extremfall zweimal pro Woche oder aber auch nur einmal pro Jahr auftreten. Schwere und Häufigkeit der Anfälle ändern sich während der Schwangerschaft nicht konsequent. Manchmal hören die Schübe für mehrere Jahre gänzlich auf, um dann erneut zu beginnen.
Manche Menschen können vor einem Anfall bestimmte Symptome haben und eine Veränderung im Geschmackssinn wahrnehmen und sich ängstlich, reizbar und unruhig fühlen.
Zu den weniger häufigen Symptomen gehören:
Schmerzen im Brustkorb: Rund 30 Prozent der betroffenen Menschen haben Schmerzen im Brustkorb. Diese machen sich typischerweise beim Atmen bemerkbar und werden durch eine Brustfellentzündung (Pleuritis) oder seltener durch eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) verursacht.
Arthritis: Ungefähr 75 Prozent der Betroffenen leiden unter Entzündungen der großen Gelenke (Arthritis) wie Knie, Knöchel und Hüfte.
Ausschlag: In der Nähe der Unterschenkel kann ein schmerzhafter roter Ausschlag auftreten.
Hodenschmerzen: Bei Männern kann der Hodensack (Skrotum), eine beutelartige Hauttasche, die die Hoden enthält und schützt, anschwellen und aufgrund einer Entzündung eines Hodens zu Schmerzen kommen.
Trotz der Schwere der Symptome während der Schübe erholen sich die betroffenen Menschen schnell und bleiben bis zum nächsten Schub symptomfrei.
Körperlicher und emotionaler Stress (z. B. körperliche Verletzungen, Infektionen und Menstruation) kann Anfälle auslösen.
Komplikationen durch das familiäre Mittelmeerfieber
Wird das familiäre Mittelmeerfieber nicht angemessen behandelt, kann bei den betroffenen Menschen eine Amyloidose entstehen. Bei der Amyloidose lagert sich ein ungewöhnlich geformtes, als Amyloid bezeichnetes Protein in den Nieren und vielen anderen Organen und Geweben ab und beeinträchtigt deren Funktion.
Ablagerungen des Proteins Amyloid können die Nieren schädigen und schließlich zu Niereninsuffizienz führen. Bei den Betroffenen kann sich Flüssigkeit im Körper ansammeln, sie können sich schwach fühlen und ihren Appetit verlieren.
Bis zu einem Drittel der unbehandelten Frauen mit familiärem Mittelmeerfieber leidet an Unfruchtbarkeit oder hatte eine Fehlgeburt. Die Erkrankung kann zur Bildung von Narbengewebe im Beckenbereich führen. das Empfängnisschwierigkeiten verursachen kann.
Menschen mit familiärem Mittelmeerfieber haben ein erhöhtes Risiko für andere entzündliche Erkrankungen, wie z. B. Spondylitis ankylosans (Morbus Bechertew), Immunglobulin-A-assoziierte Vaskulitis, Polyarteriitis nodosa und Morbus Behçet (Behçet-Syndrom).
Diagnose von familiärem Mittelmeerfieber
Untersuchung durch den Arzt
Genetische Untersuchung
Der Arzt stützt seine Diagnose des familiären Mittelmeerfiebers gewöhnlich auf typische Symptome und bekannte Kriterien. Die Bauchschmerzen des Familiären Mittelmeerfiebers sind jedoch praktisch nicht von den Schmerzen bei akutem Abdomen, insbesondere bei einem Blinddarmdurchbruch, zu unterscheiden. Deshalb wird bei manchen Menschen mit dieser Erkrankung eine Notfalloperation durchgeführt, bevor die korrekte Diagnose gestellt wird.
Zwar kann ein routinemäßiger Labortest für sich allein nicht zu Diagnosezwecken genutzt werden, solche Tests können aber nützlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen. Genetische Bluttests können das veränderte Gen, das die Erkrankung verursacht, identifizieren und somit manchmal die Diagnose sichern. Einige Menschen mit dem typischen familiären Mittelmeerfieber haben nur eine Kopie des veränderten Gens statt der üblichen zwei, oder sie haben keine nachweisbaren Mutationen des Gens, sodass ihre Testergebnisse negativ ausfallen. In diesen Fällen sollten Menschen eine Genberatung und eine Versorgung von Fachärzten erhalten, die sich mit dem familiären Mittelmeerfieber auskennen.
Behandlung von familiärem Mittelmeerfieber
Colchicin
Schmerzmittel
Die tägliche orale Einnahme von Colchicin kann bei ungefähr 95 Prozent der Betroffenen die schmerzhaften Schübe gänzlich stoppen oder die Anzahl der Schübe deutlich reduzieren. Außerdem senkt Colchicin das Risiko für Nierenversagen aufgrund von Amyloidose erheblich. Bei schwangeren Patientinnen verhindert Colchicin Schübe, die zu einer Fehlgeburt führen könnten.
Wenn Colchicin nicht mehr wirkt oder die Betroffenen es nicht vertragen, können Injektionen mit anderen Medikamenten wie Canakinumab, Anakinra oder Rilonacep helfen. Diese Medikamente modifizieren die Funktionsweise des Immunsystems und schwächen Entzündungen ab.
Ibuprofen oder Paracetamol können bei Schmerzen und Fieber verabreicht werden.
