Ehlers-Danlos-Syndrome

VonEsra Meidan, MD, Boston Children's Hospital
Überprüft vonMichael SD Agus, MD, Harvard Medical School
Überprüft/überarbeitet Geändert Okt. 2025
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Ehlers-Danlos-Syndrome sind seltene erbliche Bindegewebserkrankungen, die zu ungewöhnlich beweglichen Gelenken, sehr elastischer Haut und schwachem Gewebe führen.

  • Diese Syndrome werden durch einen Fehler in einem von mehreren Genen verursacht, die für die Herstellung von Bindegewebe verantwortlich sind.

  • Zu den typischen Symptomen gehören sehr flexible Gelenke, eine schlechte Wundheilung und eine Haut, die sich weit dehnen lässt.

  • Die Diagnose wird anhand der Symptome und des Befunds einer genetischen Untersuchung gestellt.

  • Die Ehlers-Danlos-Syndrome sind nicht heilbar.

  • Die meisten Menschen, die am Ehlers-Danlos-Syndrom leiden, haben eine normale Lebenserwartung.

Die Ehlers-Danlos-Syndrome werden durch einen Fehler in einem der Gene verursacht, die die Bindegewebeproduktion kontrollieren. Das feste, oft fibröse Gewebe, das die Strukturen des Körpers zusammenhält, stützt und Elastizität verleiht, heißt Bindegewebe.

Es gibt 14 Arten von Ehlers-Danlos-Syndromen. Sie betreffen unterschiedliche Gene und variieren stark in ihrer Krankheitsschwere. Obwohl die verschiedenen Formen leicht unterschiedliche Symptome aufweisen, ist das Ergebnis bei allen stets ein sehr schwaches Bindegewebe, das in den Gelenken und Knochen Probleme bereitet und innere Organe schwächen kann.

Tabelle
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Symptome der Ehlers-Danlos-Syndrome

Ehlers-Danlos-Syndrome können jedes Organ oder Gewebe betreffen. Obwohl es mehrere verschiedene Arten gibt (siehe Tabelle ), gibt es mehrere gemeinsame Merkmale.

Menschen mit einem Ehlers-Danlos-Syndrom haben in der Regel sehr flexible Gelenke, auffällige Narbenbildung, schlechte Wundheilung, schwache Blutgefäße und sehr weiche, elastische Haut. Die Haut kann man um mehrere Zentimeter dehnen, dies geht jedoch nach dem Loslassen wieder zurück.

Die Gelenkflexibilität ist unterschiedlich, aber die Gelenke sind oft übermäßig flexibel. Weitere Gelenk- oder Knochensymptome sind Skoliose und ein Buckel (Kyphoskoliose), Klumpfuß, Plattfüße und Hüftgelenksdysplasie. Bei manchen Menschen kommt es zu einer Brustdeformität.

Manche Menschen entwickeln kleine, harte, runde Knoten auf ihren Narben oder an Druckpunkten.

Bei einer kleinen Zahl von Betroffenen mit Ehlers-Danlos-Syndrom gerinnt das Blut nicht richtig, daher kann die Blutung einer kleinen Wunde schwer zu stillen sein. Bei bestimmten Syndromen führt schwaches Gewebe in einer Herzklappe dazu, dass die Klappe undicht wird. Ausbuchtungen können sich in schwachen Bereichen der Aortenwände im Herzen entwickeln (Aortenaneurysmen), die Schichten der Aortenwand können sich trennen (Aortendissektion) oder es kann ein Loch in der Aortenwand entstehen (Aortenriss).

Komplikationen von Ehlers-Danlos-Syndromen

Ehlers-Danlos-Syndrome können die körperliche Reaktion auf Verletzungen verändern. Bereits geringfügige Verletzungen können weit klaffende Wunden verursachen. Diese Wunden bluten zwar in der Regel kaum, schließen sich dafür aber nur unter starker Narbenbildung.

Die harte, weiße, äußere Schicht des Augapfels kann brüchig sein, was zu einem Riss des Augapfels führen kann.

Zerrungen und Verrenkungen (Luxationen) kommen häufig vor.

Der Darm kann sich durch die Bauchwand wölben (Hernie genannt) und es können sich abnorme Ausstülpungen (Divertikel) im Darm bilden. In seltenen Fällen blutet oder platzt ein brüchiger Darm (Perforation).

Schwangere Personen mit Ehlers-Danlos-Syndrom haben ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten. Das schwache Gewebe der Mutter erhöht das Risiko, dass die Gebärmutter während der Wehen reißt. Eine schlechte Hautheilung kann einen Dammschnitt (Episiotomie) oder einen Kaiserschnitt problematisch machen. Wenn der Fötus am Ehlers-Danlos-Syndrom leidet, kann die Fruchtblase vorzeitig platzen (vorzeitiger Blasensprung). Eine Mutter oder ein Baby mit Ehlers-Danlos-Syndrom kann vor, während und nach der Geburt stark bluten.

Diagnose von Ehlers-Danlos-Syndromen

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Genetische Untersuchung

  • Bildgebende Verfahren zur Erkennung von Komplikationen des Herzens

Die Diagnose eines Ehlers-Danlos-Syndroms stützt sich auf die Symptome einer Person sowie die Befunde der körperlichen Untersuchung. Der Arzt kann zudem festgelegte Kriterien heranziehen, die bei der Diagnose des Ehlers-Danlos-Syndroms behilflich sein können. Er kann dem Patienten zum Beispiel Fragen dazu stellen, wie flexibel seine Gelenke sind, und kann messen, wie weit sich die Haut des Patienten dehnen lässt.

Zur Bestätigung der Diagnose werden für gewöhnlich genetische Untersuchungen durchgeführt.

Manche Arten des Ehlers-Danlos-Syndroms lassen sich anhand einer Hautbiopsie (Entnahme von Hautproben und deren anschließende Untersuchung unter dem Mikroskop) bestimmen.

Zum Aufspüren von Problemen mit dem Herz oder mit Blutgefäßen werden eine Echokardiographie und andere bildgebende Verfahren des Herzens durchgeführt.

Behandlung von Ehlers-Danlos-Syndromen

  • Behandlung von Komplikationen

  • Vorbeugung von Verletzungen

Das Ehlers-Danlos-Syndrom lässt sich weder beheben, noch lassen sich die Bindegewebeanomalien korrigieren.

Die Verletzungen können behandelt werden. Die Ärzte vernähen die Wunden vorsichtig, da die Nähte in dem schwachen Gewebe leicht ausreißen. Schnitte werden meist besser und ohne große Narbenbildung mit einem Klebeverband oder einem medizinischen Kleber verschlossen.

Um Verletzungen zu vermeiden, sollten bestimmte Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Kinder mit einem schweren Ehlers-Danlos-Syndrom können beispielsweise Schutzkleidung und Polster tragen.

Physiotherapie mit entsprechender Muskelkräftigung hilft, die Gelenke zu stabilisieren.

Falls zur Behebung der Komplikation ein operativer Eingriff erforderlich ist, werden spezielle Techniken genutzt, mit denen Verletzungen reduziert werden. Außerdem wird sichergestellt wird, dass eine große Menge an Blut für Transfusionen bereitsteht.

Ein Geburtshelfer (ein Arzt, der sich auf Geburtshilfe und die Versorgung und Behandlung von schwangeren Personen spezialisiert hat) muss die Schwangerschaft und Entbindung beaufsichtigen.

Eine genetische Beratung ist angebracht.

Prognose bei Ehlers-Danlos-Syndromen

Trotz der vielen und unterschiedlichen Komplikationen haben Menschen mit Ehlers-Danlos-Syndrom eine normale Lebenserwartung. Ihre Lebensqualität kann jedoch stark beeinträchtigt sein, insbesondere wenn sie Gelenksymptome oder Komplikationen zeigen.

Potenziell tödlich verlaufende Komplikationen (in der Regel Blutungen) treten bei bestimmten Formen auf, insbesondere bei der vaskulären Form des Ehlers-Danlos-Syndroms.

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