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Diabetes während der Schwangerschaft

Von

Lara A. Friel

, MD, PhD, University of Texas Health Medical School at Houston, McGovern Medical School

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2019| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2019
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Bei Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft Diabetes hatten, hängt das Risiko von Komplikationen in der Schwangerschaft damit zusammen, wie lange die Zuckerkrankheit schon besteht und ob bereits Komplikationen wie Bluthochdruck oder Nierenschäden vorliegen. Gewöhnlich verschlimmert sich der Diabetes (vom Typ 1 und 2), verursacht bzw. verschlimmert jedoch keine damit zusammenhängenden Komplikationen (z. B. Augen-, Nieren oder Nervenschäden).

(Siehe auch Diabetes.)

Schwangerschaftsdiabetes

Mindestens 5 Prozent der schwangeren Frauen entwickeln während der Schwangerschaft Diabetes. Diese Erkrankung wird Schwangerschaftsdiabetes genannt. Schwangerschaftsdiabetes tritt häufiger bei folgenden Personen auf:

  • Übergewichtige Frauen

  • Frauen mit einer familiären Vorgeschichte von Diabetes

  • Bestimmte ethnische Gruppen, insbesondere Ureinwohner Nordamerikas und Frauen mexikanischer, indischer oder asiatischer Abstammung

Wird ein Schwangerschaftsdiabetes nicht erkannt und nicht behandelt, kann dies zu einem höheren Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind sowie zu einer Lebensgefahr für das Kind führen.

Bei den meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ist die Krankheit auf eine unzureichende Produktion von Insulin zurückzuführen. Das Insulin hilft dabei, den Zuckerspiegel (Glukosehaushalt) im Blut zu regeln. Während der Schwangerschaft wird mehr Insulin benötigt, da die Plazenta ein Hormon produziert, das dafür verantwortlich ist, dass der Körper zunehmend unempfindlicher gegenüber Insulin wird (ein Zustand, der als Insulinresistenz bezeichnet wird). Diese Wirkung zeigt sich besonders in der Spätschwangerschaft, wenn sich die Plazenta vergrößert. Infolgedessen erhöhen sich die Blutzuckerwerte. Daraufhin wird noch mehr Insulin benötigt.

Bei einigen Frauen hat sich unter Umständen schon vor der Schwangerschaft ein Diabetes entwickelt, jedoch wurde die Erkrankung erst bemerkt, nachdem sie schwanger wurden.

Risiken

Schlecht eingestellter Diabetes sorgt mit größerer Wahrscheinlichkeit für Probleme.

In der Frühschwangerschaft erhöhen sich durch schlecht eingestellten Diabetes die folgenden Risiken:

  • Schwere Fehlbildungen

  • Fehlgeburt

In der Spätschwangerschaft erhöhen sich durch schlecht eingestellten Diabetes die folgenden Risiken:

Die Kinder von Diabetikerinnen sind gewöhnlich größer als die Kinder von Frauen ohne Diabetes. Bei einem schlecht eingestellten Diabetes kann es zur Geburt besonders großer Kinder kommen. Ein großes Kind passt nicht so leicht durch den Geburtskanal und wird bei einer vaginalen Entbindung leichter verletzt. Folglich kann die Durchführung eines Kaiserschnitts erforderlich sein. Auch bildet sich die Lunge des Kindes gewöhnlich nur langsam aus.

Bei Neugeborenen von Diabetikerinnen ist die Blutkonzentration an Zucker und Kalzium häufig niedrig, die an Bilirubin hingegen hoch (Hyperbilirubinämie).

Diagnose

  • Bluttests zur Bestimmung des Blutzuckers

Die meisten Experten empfehlen eine regelmäßige Untersuchung aller schwangeren Frauen auf Schwangerschaftsdiabetes.

Um Frauen auf Diabetes zu untersuchen, entnehmen manche Ärzte zunächst eine Blutprobe, in der Regel nachdem die Frauen über Nacht gefastet haben, und führen einen Bluttest durch, um den Zuckerspiegel (Glukosegehalt) zu messen.

Die beste Methode zur Bestätigung der Diagnose von Diabetes ist eine zweiteilige Untersuchung. Zunächst wird der Frau eine Flüssigkeit zum Trinken gegeben, die Glukose enthält. Eine Stunde nachdem die Frau die Flüssigkeit getrunken hat, werden Blutproben entnommen und analysiert, um herauszufinden, ob der Blutzuckerspiegel in ungewöhnlichem Maße gestiegen ist. Ist dieser ungewöhnlich hoch, wird ihr vom Arzt eine Flüssigkeit gegeben, die eine größere Menge an Glukose enthält. Nach 3 Stunden wird ihr Blutzuckerspiegel erneut gemessen. Ist er immer noch ungewöhnlich hoch, wird Diabetes diagnostiziert. Diese Untersuchung wird oraler Glukosetoleranztest genannt.

Behandlung

  • Enge Überwachung von Mutter und Fötus

  • Gesunde Ernährung, Bewegung und in manchen Fällen Medikamente zur Kontrolle der Blutzuckerwerte

  • Glukagon-Kit (bei einer starken Senkung der Blutzuckerwerte einzusetzen)

  • Manchmal ein Medikament zur Einleitung der Wehen

Um das Komplikationsrisiko zu senken, führen Ärzte in der Regel Folgendes durch:

  • Einbeziehung eines auf Diabetes spezialisierten Teams (mit Krankenpflegern, einem Ernährungsberater und einem Sozialarbeiter) sowie eines Kinderarztes.

  • Sofortige Diagnose und Behandlung von schwangerschaftsbedingten Problemen, unabhängig davon, wie trivial diese sein mögen

  • Planung der Entbindung unter Einbeziehung eines erfahrenen Kinderarztes

  • Sicherstellung der Verfügbarkeit von Intensivpflege (bei Bedarf)

Kontrolle des Blutzuckerspiegels

Das Komplikationsrisiko während der Schwangerschaft kann durch die Kontrolle des Blutzuckerspiegels reduziert werden. Der Blutzuckerspiegel sollte während der gesamten Schwangerschaft so normal wie möglich bleiben.

Diabetikerinnen, die eine Schwangerschaft planen, wird empfohlen, umgehend Schritte zur Kontrolle ihrer Blutzuckerwerte zu unternehmen, sofern sie dies nicht schon getan haben. Zu diesen Schritten gehören eine angemessene Ernährung, Sport und bei Bedarf die Zuführung von Insulin. Nahrungsmittel, die viel Zucker enthalten, werden aus dem Ernährungsplan gestrichen. Die Frauen sollten sich so ernähren, dass sie kein zusätzliches Gewicht zum Schwangerschaftsgewicht zulegen.

Die meisten schwangeren Diabetikerinnen werden gebeten, ihre Blutzuckerwerte mehrmals pro Tag mit einem Blutzuckerüberwachungsgerät zu Hause zu messen. Wird ein hoher Blutzuckergehalt festgestellt, müssen die Frauen unter Umständen hypoglykämische Medikamente einnehmen oder mit Insulin behandelt werden.

Durch die Behandlung kann es manchmal zu einer zu starken Senkung der Blutzuckerwerte kommen (dies wird als Hypoglykämie bezeichnet). Eine schwere Hypoglykämie kann Verwirrtheit und Ohnmacht verursachen und kann ohne Vorwarnung auftreten. Neigt eine Frau zu Unterzuckerungen (z. B. wenn sie seit einer langen Zeit unter Typ-1-Diabetes leidet), wird ihr ein Glukagon-Kit gegeben und erklärt, wie dieses zu benutzen ist. Das gespritzte Glukagon erhöht die Blutzuckerwerte. Auch einem Familienmitglied wird gezeigt, wie das Kit zu verwenden ist. Kommt es dann zu Symptomen einer Unterzuckerung, kann die Frau oder ein Familienmitglied das Glukagon spritzen.

Vor allem in der Spätschwangerschaft ist ein gut eingestellter Diabetes von großer Bedeutung, da in dieser Zeit die Blutzuckerwerte gewöhnlich ansteigen. In der Regel ist eine höhere Insulindosis erforderlich.

Überwachung des ungeborenen Kindes

Häufig werden die Frauen gebeten, die Anzahl der Bewegungen des Kindes pro Tag zu zählen. Verspürt die Frau mindestens 10 Bewegungen (Tritte, Zuckungen, Drehungen) innerhalb von 2 Stunden, scheint alles in Ordnung zu sein. Gewöhnlich bewegt sich das Kind schon in kürzerer Zeit zehnmal. Wenn die Frau feststellt, dass die Bewegungen drastisch abgenommen haben, sollte sie dies unverzüglich ihrem Arzt mitteilen.

Mithilfe von Untersuchungen wie der Überwachung der fötalen Herzfrequenz, Non-Stress-Tests oder biophysikalischen Profilen (mittels Ultraschall) überprüft der Arzt den Gesundheitszustand des ungeborenen Kindes. Die Überwachung beginnt oftmals in der 32. Schwangerschaftswoche und bei Komplikationen schon früher, z. B. wenn der Fötus nicht wie erwartet wächst oder ein hoher Blutdruck bei der Mutter auftritt.

Sollte einer der folgenden Punkte zutreffen, wird eine Probe der Flüssigkeit, die den Fötus umgibt (Fruchtwasser), entnommen und analysiert:

  • Frauen, bei denen bei früheren Schwangerschaften bereits schwangerschaftsbezogene Komplikationen auftraten

  • Unklarer Geburtstermin

  • Schlecht eingestellter Blutzucker

  • Unzureichende medizinische Versorgung während der Schwangerschaft

  • Frauen, die ihren Behandlungsplan nicht weisungsgemäß einhalten

Mit der sogenannten Amniozentese kann festgestellt werden, ob die Lunge bereits so weit ausgereift ist, dass das Kind atmen kann, und wann das Kind gefahrlos entbunden werden kann.

Wehen und Entbindung

Haben die Wehen in der 39. Schwangerschaftswoche immer noch nicht begonnen, werden sie gegebenenfalls mithilfe eines Medikaments eingeleitet (sog. Weheneinleitung). Wenn der Blutzucker nicht gut kontrolliert ist oder die Frauen ihren Behandlungsplan nicht einhalten, können die Wehen bereits ab 37 Wochen einsetzen. In der Regel ist eine vaginale Entbindung möglich.

Während der Wehen und der Geburt muss vielen Diabetikerinnen kontinuierlich eine Insulininfusion über einen Venenkatheter gegeben werden.

Nach der Entbindung

Bei Neugeborenen von Diabetikerinnen misst das Krankenhauspersonal die Blutzucker-, Kalzium- und Bilirubinwerte, da bei diesen Neugeborenen oft ungewöhnliche Konzentrationen festgestellt werden. Bei den Neugeborenen wird auch darauf geachtet, ob sich Symptome einstellen, die auf Abweichungen dieser Art hinweisen.

Direkt nach der Geburt brauchen Diabetikerinnen deutlich weniger Insulin als vorher. Die Menge pendelt sich innerhalb von etwa einer Woche wieder auf den Stand vor der Schwangerschaft ein.

Nach der Geburt verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes gewöhnlich wieder. Allerdings können viele dieser Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes später an Typ-2-Diabetes erkranken.

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