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Halluzinogene

(Lysergsäurediethylamid, LSD, Psilocybin, Meskalin)

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Halluzinogene sind eine heterogene Gruppe von Substanzen, die sehr unberechenbare, idiosynkratische Reaktionen verursachen können. Eine Intoxikation verursacht typischerweise Halluzinationen, die mit einer veränderten Wahrnehmung, beeinträchtigtem Urteilsvermögen, Selbstbezogenheit und Depersonalisation einhergehen. Es gibt keine stereotypen Entzugserscheinungen. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Die Therapie ist unterstützend.

Zu den herkömmlichen Halluzinogenen gehören Lysergsäurediethylamid (LSD), Psilocybin und Mescalin. Alle werden aus natürlichen Stoffen hergestellt:

  • LSD aus einem Pilz, der oft Weizen- und Roggenmehl verunreinigt.

  • Psilocybin aus verschiedenen Arten von Pilzen

  • Mescalin aus dem Peyote-Kaktus

Viele der neuen synthetischen Verbindungen ("Designer-Drogen") wurden hergestellt, in der Regel auf der Basis von Tryptamin oder Phenylethylaminmolekülen. Zu den Tryptamine gehören N,N-Dimethyltryptamin (DMT) und 5-Methoxy-N,N-Diisopropyltryptamin-(5-MeO-DIPT).

Um die Sache noch komplizierter zu machen, werden viele illegale Drogen unter einem falschen Namen verkauft und enthalten tatsächlich andere Substanzen, oft Ketamin oder Phencyclidin (PCP), Anästhetika, Dextromethorphan oder andere Substanzen.

Einige andere psychotrope Substanzen, darunter Marihuana, haben ebenfalls halluzinogene Eigenschaften. Die Bezeichnung Halluzinogene für diese Substanzgruppe wird weiterhin beibehalten, obwohl diese Substanzen nicht unbedingt Halluzinationen verursachen. Noch weniger zutreffend sind allerdings andere Bezeichnungen wie Psychedelika oder Psychotomimetika.

Pathophysiologie

LSD, Psilocybin und viele Designer-Halluzinogene sind Serotonin-Rezeptor-Agonisten. Bei Mescalin, einem Phenylethylamin ähnlich den Amphetaminen, wurde der genaue Wirkmechanismus bisher nicht bestimmt.

Die Art der Anwendung und die Auswirkungen sind unterschiedlich:

  • LSD wird oral von drogenimprägniertem Löschpapier oder als Tabletten eingenommen. Die Wirkung tritt gewöhnlich binnen 30–60 min nach Ingestion auf; die Wirkungsdauer beträgt gewöhnlich 12–24 h.

  • Psilocybin wird oral eingenommen; die Wirkung hält in der Regel etwa 4–6 Stunden an.

  • Mescalin wird oral eingenommen. Das Einsetzen der Wirkung findet in der Regel 30–90 min nach der Einnahme statt; die Dauer der Wirkungen beträgt etwa 12 h.

  • DMT hat, wenn es geraucht wird, einen Wirkbeginn nach 2–5 min; die Wirkdauer beträgt in der Regel 20–60 min (dies erklärt den in den USA gebräuchlichen Namen "Businessman's lunch").

Es entwickelt sich eine ausgeprägte Toleranz gegenüber LSD, die aber nicht lange anhält. Kommt es zur Toleranzentwicklung gegenüber einer dieser Substanzen, besteht auch eine Kreuztoleranz gegenüber den anderen. Die psychologische Abhängigkeit ist sehr unterschiedlich, es gibt keine Anzeichen für eine körperliche Abhängigkeit oder Entzugserscheinungen.

Symptome und Beschwerden

Eine Intoxikation führt zu veränderten Wahrnehmungen, einschließlich Synästhesien (z. B. das Hören von Tönen, das Hören von Farben), Intensivierung von Empfindungen, verbesserte Empathie, Depersonalisation (Gefühl, dass das Selbst nicht wirklich ist), eine verzerrte Wahrnehmung der Umwelt, sowie Stimmungsveränderungen (in der Regel euphorisch, manchmal depressiv). Benutzer berichten oft von einer Kombination dieser Effekte als ein "trip". Perioden intensiver psychologischer Effekte können mit Perioden der Klarheit abwechseln.

LSD kann auch mehrere physische Effekte haben, darunter Mydriasis, Sehstörungen, Schwitzen, Herzklopfen und Beeinträchtigung der Koordination. Viele andere Halluzinogene verursahen Übelkeit und Erbrechen. Bei allen ist das Urteilsvermögen beeinträchtigt.

Die Reaktionen auf Halluzinogene hängen von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise den Erwartungen des Konsumenten, seiner Fähigkeit im Umgang mit den Wahrnehmungsstörungen und den situativen Gegebenheiten. Bei LSD treten Wahnvorstellungen und Halluzinationen auf, sind aber selten. Selten sind auch Angst-Attacken, extreme Ängstlichkeit und Panikzustände.

Psilocybin und Mescalin führen eher zu Halluzinationen. Wenn halluzinogene Reaktionen auftreten, klingen sie in der Regel schnell ab, wenn sie in einer sicheren Umgebung richtig behandelt werden. Bei manchen Betroffenen jedoch halten diese Störungen längere Zeit an (insb. nach LSD-Konsum) und können in einen chronisch psychotischen Zustand übergehen. Bisher ist nicht klar, ob in diesem Fall der Konsum der psychotropen Substanz diesen Zustand lediglich bei vorhandener Bereitschaft hervorruft bzw. aufdeckt oder ihn auch bei einer zuvor stabilen Persönlichkeit auslösen kann.

Chronische Wirkungen

Bei einigen Personen kann es vor allem nach langem und häufigem Konsum von Halluzinogenen (besonders LSD) noch einige Zeit nach der letzten Einnahme zu Reaktionen kommen. Kennzeichen dieser wiederkehrenden Episoden (Flashbacks, fortbestehende Wahrnehmungsstörung nach Halluzinogengebrauch) sind optische Verzerrungen, aber auch Störungen anderer Sinnesempfindungen (z. B. des Zeit-, Raum- und Körpergefühls) oder Halluzinationen.

Flashbacks können durch Marihuana, Alkohol oder Barbiturate, durch Stress oder Müdigkeit ausgelöst werden, jedoch auch ohne erkennbaren Grund auftreten. Die Wirkmechanismen sind nicht bekannt. Flashbacks klingen meist innerhalb von 6–12 Monaten ab, aber können über Jahre wiederkehren.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt. Blutwerde werden nicht routinemäßig bestimmt. Außer bei PCP sind die meisten Halluzinogene nicht in den routinemäßigen Urintests auf Substanzen enthalten.

Behandlung

  • Bei akuter Intoxikation: unterstützende Maßnahmen und eine Linderung der Angst und Agitation

  • Bei hartnäckiger Psychose: psychiatrische Versorgung

Oft genügt eine ruhige Atmosphäre und beruhigendes Zureden, dass die bizarren Gedanken, Visionen und Geräusche durch die psychotrope Substanz verursacht wurden. Anxiolytika wie Lorazepam und Diazepam können dazu beitragen, die oft starke Angst zu reduzieren.

Anhaltende psychotische Zustände oder andere psychische Störungen erfordern eine fachkundige psychiatrische Behandlung. Vorübergehende oder nicht übermäßig belastende Flashbacks müssen dagegen nicht unbedingt spezifisch behandelt werden. Sind diese Flashbacks jedoch mit Angst oder Depression verbunden, sollten sie mit Anxiolytika behandelt werden.

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