Substanzinduzierte psychiatrische Störungen, im DSM-5-TR als "substanz-/medikamenteninduzierte psychische Störungen" definiert, sind psychiatrische Veränderungen, die durch Substanzkonsum oder -entzug verursacht werden und unabhängigen psychiatrischen Störungen ähneln (z.B. Depression, Psychose, Angststörung oder neurokognitive Störungen) (1–3).
Damit eine psychiatrische Störung als substanzinduziert angesehen werden kann, muss bekannt sein, dass die betreffende Substanz die Störung verursachen kann. Substanzen können zu den 10 Wirkstoffklassen gehören, die typischerweise substanzbezogene Störungen verursachen (siehe Tabelle ) oder viele andere Wirkstoffklassen (z. B. Anticholinergika und Glukokortikoide können vorübergehende psychotische Syndrome verursachen). Im Allgemeinen sollte die psychiatrische Störung die folgenden Kriterien erfüllen (4):
Erscheinen innerhalb von 1 Monat nach Substanzintoxikation oder Entzug
Verursacht bedeutendes Leiden oder beeinträchtigt die funktionsfähigkeit
Sich nicht vor Verwendung des Stoffes manifestiert haben
Kommen nicht ausschließlich während des akuten Deliriums durch die Substanz vor
Halten nicht für einen längeren Zeitraum an*
* Bestimmte neurokognitive, durch Alkohol, Inhalationsmittel oder sedative Hypnotika verursachte Störungen und Wahrnehmungsstörungen, verursacht von Halluzinogenen, können von Dauer sein.
Zu den spezifischen diagnostizierbaren substanzinduzierten psychiatrischen Störungen gehören die folgenden (4):
Substanz-/Medikamenten-induzierte psychotische Störungen
Substanz-/Medikamenteninduzierte bipolare und verwandte Störungen
Substanz-/Medikamenten-induzierte depressive Störung
Substanz-/medikamenteninduzierte Angststörungen
Substanz-/Medikamenteninduzierte Zwangsstörungen und verwandte Störungen
Substanz-/Medikamenteninduzierte Schlafstörungen
Substanz-/Medikamenteninduzierte sexuelle Dysfunktion (siehe Weibliche sexuelle Funktion und Dysfunktion und Männliche sexuelle Funktion und Dysfunktion)
Substanz-/Medikamenteninduzierte schwere oder leichte neurokognitive Störung
Literatur
1. Tucker JS, Huang W, Green HD Jr, Pollard MS. Patterns of Substance Use and Associations with Mental, Physical, and Social Functioning: A Latent Class Analysis of a National Sample of U.S. Adults Ages 30-80. Subst Use Misuse. 2021;56(1):131-139. doi:10.1080/10826084.2020.1843059
2. Fiorentini A, Cantù F, Crisanti C, Cereda G, Oldani L, Brambilla P. Substance-Induced Psychoses: An Updated Literature Review. Front Psychiatry. 2021;12:694863. Published 2021 Dec 23. doi:10.3389/fpsyt.2021.694863
3. Melugin PR, Nolan SO, Siciliano CA. Bidirectional causality between addiction and cognitive deficits. Int Rev Neurobiol. 2021;157:371-407. doi:10.1016/bs.irn.2020.11.001
4. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th edition, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022:543-553.



