Motorische Schwäche kann auf eine Funktionsstörung des kortikospinalen Trakts, der Basalganglien, der Wirbelsäule, der peripheren Nerven oder der Muskeln zurückzuführen sein. Eine sorgfältige Untersuchung des motorischen Systems ermöglicht es dem Arzt, die Läsion zu lokalisieren, eine Differenzialdiagnose zu erstellen und geeignete bildgebende Verfahren und/oder Labortests auszuwählen.
Die Gliedmaßen und Schultergürtel sollten vollständig ausgesetzt werden und dann auf Folgendes untersucht werden:
Atrophie
Hypertrophie
Asymmetrische Entwicklung
Faszikulationen
Myotonie
Andere unwillkürliche Bewegungen einschließlich Chorea (kurze, zuckende Bewegungen), Athetose (anhaltende, vertrackte Bewegungen) und Myoklonie (schnelle Zuckungen eines Muskels).
Die passive Beugung und Streckung einer Extremität beim entspannten Patienten liefert Informationen über den Muskeltonus.
Atrophie zeigt sich durch verminderte Muskelmasse, aber sofern sie nicht fortgeschritten ist, ist eine beidseitige Atrophie oder eine Atrophie in großen oder verdeckten Muskeln möglicherweise nicht offensichtlich. Ein gewisser Verlust an Muskelmasse ist bei älteren Erwachsenen häufig.
Eine Hypertrophie tritt auf, wenn ein Muskel mehr arbeiten muss, um die Schwäche eines anderen zu kompensieren; eine Pseudohypertrophie tritt auf, wenn Muskelgewebe übermäßig durch Bindegewebe oder nichtfunktionales Gewebe (z. B. Amyloid) ersetzt wird.
Faszikulationen (kurze, feine, unter der Haut sichtbare irreguläre Zuckungen des Muskels) sind relativ häufig. Obwohl Faszikulationen im normalen Muskel vorkommen können, besonders in den Wadenmuskeln Älterer, zeigen sie häufig Läsionen des unteren Motoneurons an (z. B. Degeneration oder Schädigung und Regeneration des Nervs).
Eine Myotonie (verlangsamte Entspannung des Muskels nach anhaltender Kontraktion oder direkter Perkussion des Muskels) deutet auf eine myotone Dystrophie oder eine andere myotone Störung hin. Dies lässt sich daran erkennen, dass man eine geballte Faust nicht schnell öffnen kann.
Ein erhöhter Widerstand, gefolgt von Entspannung (Taschenmmesserphänomen) und Spastizität, zeigen Läsionen der oberen Motoneurone an.
Wächserne Steifigkeit (gleichmässige Steifigkeit über den gesamten Bewegungsbereich), oft mit Zahnradphänomen, lässt eine Basalganglienstörung vermuten.
(Siehe auch Bewertung der Muskelkraft.)



