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Epidemischer Typhus

(Europäischer, klassischer oder läusebedingter Typhus, „Jail Fever“)

Von

William A. Petri, Jr

, MD, PhD, University of Virginia School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Epidemischer Typhus wird durch Rickettsia prowazekii hervorgerufen. Die Symptome bestehen aus prolongiertem hohem Fieber, hartnäckigen Kopfschmerzen und einem makulopapulären Ausschlag.

Epidemischer Typhus ist eine Rickettsien- Krankheit.

Das natürliche Reservoir für den weltweit vorkommenden Erreger R. prowazekii ist der Mensch. Der Erreger wird durch Körperläuse übertragen, wenn Läusekot in Biss- oder andere Wunden eingeritzt oder eingerieben wird (oder gelegentlich auch über die Konjunktival- oder Mundschleimhaut). In den USA kommt es gelegentlich zu menschlichen Infektionen nach einem Kontakt mit fliegenden Gleithörnchen.

Bei Kindern < 10 Jahren kommt es nur selten zu Todesfällen, die Sterblichkeit steigt aber mit zunehmendem Alter an und kann bei nicht behandelten Patienten > 50 Jahre 60% erreichen.

Symptome und Beschwerden

Nach einer Inkubationszeit von 7–14 Tagen kommt es plötzlich zu Fieber, Kopfschmerzen und Entkräftung. Die Temperatur erreicht innerhalb weniger Tage 40° C und bleibt über ca. 2 Wochen erhöht, mit leichten morgendlichen Remissionen. Es treten generalisierte und intensive Kopfschmerzen auf. Der Körper wird rasch von kleinen, rosafarbenen Makulae bedeckt, die am 4.–6. Tag erscheinen und meist in den Axillen und am oberen Körperstamm zu finden sind, nicht jedoch an Handinnenflächen, Fußsohlen und im Gesicht. Später wird das Exanthem dunkel und makulopapulös. In schweren Fällen wird das Exanthem petechial und hämorrhagisch.

Manchmal kommt es zu einer Splenomegalie. Bei den meisten schwerkranken Patienten kommt es zu einem Blutdruckabfall. Kreislaufkollaps, Niereninsuffizienz, Zeichen einer Enzephalitis, Ekchymosen mit Gangrän und Pneumonie sind prognostisch ungünstige Zeichen.

Die Brill-Zinsser-Krankheit, ein leichter Rückfall des epidemischen Typhus, kann Jahre nach der Erstinfektion auftreten, wenn die Abwehr des Wirtes ins Stocken gerät.

Diagnose

  • Klinische Symptomatik

  • Biopsie von Hautausschlag mit fluoreszierender Antikörperfärbung, um den Erreger zu erkennen

  • Akute und laufende serologische Untersuchungen (serologische Untersuchungen sind akut nicht sinnvoll)

  • PCR

Läusebefall ist in der Regel offensichtlich und deutet stark auf Typhus hin, wenn die Anamnese (z. B. Wohnsitz oder Besuch in einem endemischen Gebiet) Hinweise auf eine mögliche Exposition gibt.

Therapie

  • Doxyzyklin

Die primäre Therapie des epidemischen Typhus erfolgt mit Doxyzyklin 200 mg p.o. 1-mal täglich, gefolgt von 100 mg 2-mal täglich, bis eine klinische Besserung eintritt, der Patient 24–48 h fieberfrei ist und für mindestens 7 Tage eine Therapie erhalten hat.

Mittel der zweiten Wahl ist Chloramphenicol 500 mg p.o. oder i.v. 4-mal täglich über 7 Tage.

Da schwerkranke Patienten mit epidemischem Typhus in späteren Stadien eine ausgeprägte Erhöhung der Kapillarpermeabilität aufweisen können, sollten vorsichtig Infusionslösungen gegeben werden, um den Blutdruck zu stabilisieren, ohne ein Lungen- und Hirnödem zu verschlimmern.

Prävention

Eine Impfung und Läusekontrolle sind hoch wirksame Präventionsmaßnahmen. Impfstoffe sind jedoch in den USA nicht verfügbar. Zur Läuseelimination können Personen mit Malathion oder Lindan bestäubt werden.

Wichtige Punkte

  • Epidemischer Typhus ist weltweit verbreitet; Menschen sind das natürliche Reservoir.

  • Die Infektion wird unter Menschen durch Körperläuse übertragen, wenn Lausfäkalien zerkratzt oder in Lausbisse, Wunden oder Schleimhäute gerieben werden.

  • Kleine, rosa Flecken bedecken schnell den Körper, werden später dunkel und makulopapulös.

  • Die Sterblichkeit steigt mit zunehmendem Alter und kann bei unbehandelten Patienten > 50 Jahre 60% erreichen; Gefäßkollaps, Niereninsuffizienz, Enzephalitis, Ekchymose mit Wundbrand und Lungenentzündung sind schlechte prognostische Anzeichen.

  • Verdacht auf epidemischen Typhus aufgrund klinischer Manifestationen und Anzeichen von Lausbefall; bestätigen mit fluoreszierender Antikörperfärbung der Hautbiopsie.

  • Die Therapie erfolgt mit Doxyzyklin oder Chloramphenicol.

  • Die Brill-Zinsser-Krankheit, ein leichter Rückfall des epidemischen Typhus, kann Jahre nach der Erstinfektion auftreten, wenn die Abwehr des Wirtes ins Stocken gerät.

Brill-Zinsser-Krankheit

Die Brill-Zinsser-Krankheit stellt ein Rezidiv des epidemischen Typhus dar, das Jahre nach einer Primärerkrankung auftritt.

Patienten mit einer Brill-Zinsser-Krankheit haben früher Fleckfieber erworben oder in einem Endemiegebiet gelebt. Anscheinend werden mit nachlassender Wirtsabwehr vermehrungsfähige Erreger im Körper aktiviert und verursachen ein rekurrierendes Läusefleckfieber; die Krankheit tritt daher sporadisch in beliebigen Jahreszeiten oder geographischen Gebieten und in Abwesenheit infizierter Läuse auf. Läuse, die an Patienten Blut saugen, können jedoch den Erreger aufnehmen und übertragen.

Die Symptome und Krankheitszeichen deer der Brill-Zinsser-Krankheit sind fast immer leicht und erinnern an die Symptome von Läusefleckfieber mit ähnlichen zirkulatorischen Störungen und hepatischen, renalen und zentralnervösen Veränderungen. Der remittierende Fieberverlauf dauert ca. 7–10Tage. Das Exanthem ist meist verschwindend klein oder fehlt ganz. Eine erhöhte Letalität besteht nicht.

Zur Diagnose und Therapie, Epidemischer Typhus : Diagnose.

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