Ulcus molle

VonSheldon R. Morris, MD, MPH, University of California San Diego
Reviewed ByChristina A. Muzny, MD, MSPH, Division of Infectious Diseases, University of Alabama at Birmingham
Überprüft/überarbeitet Geändert Aug. 2025
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Das Ulcus molle ist eine Infektion der genitalen Haut oder Schleimhaut durch Haemophilus ducreyi und durch Papeln, schmerzhafte Ulzera und Vergrößerung der inguinalen Lymphknoten, die zu Eiterbildung führen, charakterisiert. Die Diagnose wird in der Regel anhand von Anamnese und körperlicher Untersuchung gestellt, da die Kultivierung des Erregers schwierig ist. Die Therapie erfolgt mit einem Makrolid (Azithromycin oder Erythromycin), Ceftriaxon oder Ciprofloxacin.

(Siehe auch Übersicht von sexuell übertragbaren Infektionen.)

Haemophilus ducreyi ist ein kurzes, schlankes, gramnegatives Stäbchenbakterium mit abgerundeten Enden.

Das Ulcus molle ist eine sexuell übertragbare Infektion (STI), die in den Vereinigten Staaten und anderen ressourcenstarken Ländern selten vorkommt und hauptsächlich in gelegentlichen, lokalen Epidemien auftritt.

Das Ulcus molle ist jedoch eine häufige Ursache für genitale Ulzera in ressourcenarmen Gebieten Asiens, Afrikas und der Karibik.

Wie andere sexuell übertragbare Infektionen, die Genitalulzera verursachen, erhöht das Ulcus molle das Risiko einer HIV-Übertragung.

H. ducreyi kann auch nichtgenitale Hautulzera verursachen (1).

Allgemeiner Hinweis

  1. 1. Mitjà O, Lukehart SA, Pokowas G, et al: Haemophilus ducreyi as a cause of skin ulcers in children from a yaws-endemic area of Papua New Guinea: A prospective cohort study. Lancet Glob Health 2:e235–41, 2014. doi: 10.1016/S2214-109X(14)70019-1

Symptome und Beschwerden des Ulcus molle

Nach einer Inkubationszeit von 3 bis 7 Tagen erscheinen kleine, schmerzhafte Papeln auf der Genitalhaut oder den Schleimhäuten, die rasch zu flachen, weichen, schmerzhaften Ulzera mit unregelmäßigen, unterminierten Rändern (d.h. mit überhängendem Gewebe) und einem erythematösen Rand zerfallen. Die Ulzera sind unterschiedlich groß und konfluieren oft. Eine tiefere Erosion führt gelegentlich zu einer ausgeprägten Gewebezerstörung.

Die inguinalen Lymphknoten bilden einen Bubo. Ein Bubo ist eine vergrößerte und druckdolente Gruppe regionaler Lymphknoten, die manchmal miteinander verbacken, fluktuierend oder suppurativ werden und in einigen Fällen einen Abszess bilden. Die Haut über dem Abszess kann sich rötlich verfärben, glänzend werden und evtl. unter Ausbildung einer Abszesshöhle aufbrechen. Die Infektion kann sich auf andere Bereiche der Haut, ausbreiten, was zu neuen Läsionen führt.

Ein Ulcus molle kann zu einer Phimose, einer Urethrastriktur und einer Urethrafistel führen.

Diagnose des Ulcus molle

  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Manchmal Kultur- oder Nukleinsäure-Amplifikationstests (NAAT)

Ein Ulcus molle wird bei Patienten vermutet, die ungeklärte genitale Ulzera oder Bubonen aufweisen und sich in endemischen Gebieten befinden oder dort aufgehalten haben. Genitalulzera mit anderen Ursachen (siehe Tabelle ) können dem Ulcus molle ähneln.

Die Diagnose wird in der Regel allein auf Basis klinischer Befunde gestellt, weil eine Anzucht der Bakterien schwierig ist und eine mikroskopische Identifizierung durch die Mischflora in Geschwüren vereitelt wird.

Wenn möglich sollte eine Eiterprobe aus einem Bubo oder einem Exsudat vom Ulkusrand an ein Labor gesendet werden, das in der Lage ist, H. ducreyi zu identifizieren. NAAT-Tests sind in einigen Ländern im Handel erhältlich und weisen eine hohe Sensitivität (> 98%) für H. ducreyi auf (1, 2). Kultur ist weniger sensitiv (< 80%).

Serologische Tests auf Syphilis und HIV sowie Herpes-NAAT oder -Kulturen sollten durchgeführt werden, um andere Ursachen für genitale Geschwüre auszuschließen. Allerdings wird die Interpretation der Testergebnisse durch die Tatsache, dass Genitalulzera aufgrund anderer Bedingungen mit H. ducreyi koinfiziert sein kann, verompliziert.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Orle KA, Gates CA, Martin DH, Body BA, Weiss JB. Simultaneous PCR detection of Haemophilus ducreyi, Treponema pallidum, and herpes simplex virus types 1 and 2 from genital ulcers. J Clin Microbiol. 1996;34(1):49-54. doi:10.1128/jcm.34.1.49-54.1996

  2. 2. Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, et al. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1-187. Published 2021 Jul 23. doi:10.15585/mmwr.rr7004a1. Erratum: Vol. 70, No. RR-4. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2023;72(4):107-108. Published 2023 Jan 27. doi:10.15585/mmwr.mm7204a5

Behandlung des Ulcus molle

  • Antibiotika

Die Behandlung des Ulcus molle sollte sofort begonnen werden, ohne auf Testergebnisse zu warten. Einer der folgenden wird empfohlen (1):

  • Eine Einzeldosis von Azithromycin 1 g oral oder 250 mg Ceftriaxon i.m.

  • Erythromycin 500 mg oral 3-mal täglich für 7 Tage

  • Ciprofloxacin 500 mg oral 2-mal täglich für 3 Tage

Patienten, die wegen anderer Ursachen genitaler Ulzera behandelt werden, sollten Antibiotika erhalten, die auch das Ulcus molle abdecken, wenn ein Ulcus molle vermutet wird und eine labordiagnostische Untersuchung nicht möglich ist.

Die Therapie von Patienten mit HIV-Koinfektion kann unwirksam sein, insbesondere bei Einzeldosis-Therapieschemata. Bei diesen Patienten können Ulzera zur Heilung bis zu 2 Wochen benötigen und die Lymphadenopathie kann langsamer abheilen.

Neben der Aspiration zu diagnostischen Zwecken können Bubonen zur symptomatischen Linderung inzidiert werden, sofern die Patienten gleichzeitig wirksame Antibiotika erhalten.

Sexualpartner sollten untersucht und behandelt werden, wenn sie innerhalb von 10 Tagen vor Beginn der Symptome des Patienten sexuellen Kontakt mit dem Patienten hatten.

Als Nachsorge sollte bei Patienten mit Ulcus molle 3 Monate nach der Diagnose ein serologischer Test auf Syphilis und HIV durchgeführt werden.

Treatment reference

  1. 1. Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, et al. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1-187. Published 2021 Jul 23. doi:10.15585/mmwr.rr7004a1. Erratum: Vol. 70, No. RR-4. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2023;72(4):107-108. Published 2023 Jan 27. doi:10.15585/mmwr.mm7204a5

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