Seltene angeborene Gerinnungsstörungen

VonMichael B. Streiff, MD, Johns Hopkins University School of Medicine
Reviewed ByJerry L. Spivak, MD, MACP, Johns Hopkins University School of Medicine
Überprüft/überarbeitet Geändert Juli 2025
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Die meisten erblichen Gerinnungsstörungen außer Hämophilie sind seltene autosomal-rezessive Zustände, die übermäßige Blutungen nur bei Patienten verursachen, die homozygot für die rezessive Genmutation sind. Die seltenen erblichen Gerinnungsstörungen können Faktoren II, V, VII, X, XI und XIII beinhalten. Von diesen ist der Faktor XI-Mangel der häufigste (1). (Siehe auch Gerinnungsstörungen im Überblick.)

Bei Patienten mit Faktor XI-Mangel besteht kein eindeutiger Zusammenhang zwischen den Blutplasmawerten von Faktor XI und dem Schweregrad der Blutung, was darauf hindeutet, dass die molekulare Wirkung von Faktor XI bei normaler Hämostase nicht genau verstanden wird. Daher ist die Blutungsanamnese des Patienten entscheidend für die Festlegung der Therapie.

Bei den anderen seltenen Gerinnungsstörungen (mit Ausnahme der Hämophilie A und B) erfordert die normale Hämostase normalerweise einen Plasmaspiegel des defizienten Faktors von mehr als etwa 20 % des Normalwerts (1) (siehe Tabelle ).

Tabelle
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Mangel an Faktor XI

Ein Faktor-XI-Mangel ist in der Allgemeinbevölkerung selten, aber bei Patienten aschkenasischer jüdischer Abstammung häufig (Genfrequenz etwa 5 bis 9%). Blutungen treten typischerweise nach einem Trauma oder einer Operation bei Patienten auf, die homozygot oder compound-heterozygot für Veränderungen im Faktor-XI-Gen sind. Es gibt keine genaue Beziehung zwischen dem Faktor XI Plasmaspiegel und dem Schweregrad der Blutung. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv.

Ein Mangel an Alpha-2-Antiplasmin

Ein ausgeprägter Mangel an Alpha-2-Antiplasmin (Spiegel von 1–3% des Normalwertes), dem physiologischen Hauptinhibitor von Plasmin, kann als Resultat einer schlechten Kontrolle der plasminvermittelnden Proteolyse ("plasmin-mediated proteolysis") von Fibrinpolymeren ebenfalls zu Blutungen führen. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv. Die Diagnose wird anhand eines spezifischen Alpha-2-Antiplasmin-Assays gestellt. Zur Kontrolle oder Prophylaxe von akuten Blutungen werden Aminocapronsäure oder Tranexamsäure eingesetzt. Diese blockieren die Plasminogenbindung zu den Fibrinpolymeren.

Heterozygote Patienten mit Alpha-2-Antiplasmin-Spiegeln von 40 bis 60 % des Normalwertes können gelegentlich übermäßige chirurgische Blutungen erleiden, wenn die sekundäre Fibrinolyse umfangreich ist (z. B. bei Patienten, die während einer offenen Prostatektomie übermäßige Mengen an Urokinase-Typ-Plasminogen-Aktivator freigesetzt haben).

Hinweis

  1. 1. Menegatti M, Peyvandi F. Treatment of rare factor deficiencies other than hemophilia. Blood. 2019;133(5):415-424. doi:10.1182/blood-2018-06-820738

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