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Prämenstruelles Syndrom (PMS)

(Prämenstruelles Spannungssyndrom)

Von

JoAnn V. Pinkerton

, MD, University of Virginia Health System

Inhalt zuletzt geändert Sep 2017
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Quellen zum Thema

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) geht mit Reizbarkeit, Angst, Gemütsschwankungen, Depressionen, Ödemen, Brustschmerzen und Kopfschmerzen einher, die 7–10 Tage vor Einsetzen der Menses eintreten und danach innerhalb von Stunden aufhören. Die Diagnose wird anhand der Klinik gestellt, häufig auf Basis der täglichen Aufzeichnung der Symptome. Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen und beinhaltet Diät, Arzneimittel und Beratung.

Etwa 20–50% der Frauen im gebärfähigen Alter haben PMS; etwa 5% leiden an einer schweren Form, an der sog. prämenstruellen Dysphorie.

Ätiologie

Die Ursache von PMS ist unbekannt.

Mögliche Ursachen oder Faktoren umfassen

  • Mehrere endokrine Faktoren (z. B. Hypoglykämie, andere Veränderungen im Kohlenhydratstoffwechsel, Hyperprolaktinämie, schwankende Östrogen- und Progesteronspiegel im Blut, abnorme Reaktionen auf Östrogene und Progesteron, Aldosteron- oder ADH-Überschuss)

  • Eine genetische Prädisposition

  • Serotonin-Mangel

  • Möglicherweise Magnesium- und Kalzium-Mangel

Östrogene und Progesteron wie auch zu viel Aldosteron oder ADH können vorübergehend eine Flüssigkeitsretention verursachen.

Da von PMS besonders betroffene Frauen reduzierte Serotoninspiegel haben und SSRI (die Serotonin erhöhen) gelegentlich die Symptome des PMS lindern, wird angenommen, dass ein Serotoninmangel an der Entstehung beteiligt ist.

Magnesium- und Kalziummangel können beteiligt sein.

Symptome und Beschwerden

Art und Intensität der Symptome variieren von Frau zu Frau und von Zyklus zu Zyklus. Die Symptome dauern wenige Stunden bis 10 Tage; gewöhnlich verschwinden sie nach Einsetzen der Menses. Bei Stress oder in der Perimenopause können sich die Symptome verstärken. Bei Frauen in der Perimenopause können sie bis nach den Menses anhalten.

Die häufigsten Symptome sind Reizbarkeit, Angst, Unruhe, Wutausbrüche, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Trägheit, Depression und ausgeprägte Müdigkeit. Wassereinlagerungen verursachen Ödeme, vorübergehende Gewichtszunahme sowie Anschwellen und Schmerzen der Brüste. Pelvine Schmerzen oder Druckgefühl und Rückenschmerzen können vorkommen. Manche Frauen, insbesondere die jüngeren, leiden unter Dysmenorrhö beim Einsetzen der Menses.

Andere unspezifische Symptome können Kopfschmerzen, Schwindel, Parästhesien in den Extremitäten, Ohnmachtsanfälle, Herzklopfen, Obstipation, Übelkeit, Erbrechen und Appetitveränderungen sein. Akne und Neurodermitis sind ebenfalls möglich. Schon bestehende Hauterkrankungen können sich verschlechtern, ebenso Erkrankungen der Atemwege (z. B. Allergien, Infektionen) oder der Augen (z. B. Sehstörungen, Konjunktivitis).

Prämenstruelle Dysphorie (PMDD)

Manche Frauen haben eine schwere PMS-Symptomatik, die regelmäßig und nur in der 2. Hälfte des Menstruationszyklus auftritt; die Symptome enden mit oder kurz nach der Menses. Die Stimmung ist merklich gedrückt, und es wird über Angst, Reizbarkeit und emotionale Labilität geklagt. Selbstmordgedanken können vorhanden sein. Das Interesse an täglichen Aktivitäten ist stark verringert.

Im Gegensatz zum PMS ist die Symptomatik beim PMDD so stark, dass der Tagesablauf oder der Allgemeinzustand beeinträchtigt ist. PMDD ist stark belastend, beeinträchtigend und wird oft nicht diagnostiziert.

Tipps und Risiken

  • Erwägen Sie eine prämenstruelle dysphorische Störung, wenn Frauen unspezifische, aber schwere Symptome haben, die ihre Funktionsfähigkeit kurz vor der Menstruation beeinträchtigen.

Diagnose

  • Bei PMS Beschreibung der Symptome durch die Patientin

  • Bei PMDD klinische Kriterien

PMS wird anhand der körperlichen Beschwerden (z. B. Blähungen, Gewichtszunahme, Empfindlichkeit der Brüste, Schwellungen der Hände und Füße) diagnostiziert. Frauen sollten gebeten werden, ein Tagebuch über ihre Symptome zu führen. Körperliche Untersuchung und Labortests sind nicht hilfreich.

Bei Verdacht auf PMDD sollten die Frauen täglich ihre Symptome über 2 Zyklen bewerten, um einschätzen zu können, ob schwere Symptome regelmäßig auftreten.

Für die Diagnose von PMDD müssen 5 der folgenden Symptome über die meiste Zeit in der Woche vor der Menses und die Symptome müssen während der Woche nach der Menstruation abnehmen oder verschwinden. Die Symptome müssen mindestens eins der folgende enthalten:

  • Deutliche Stimmungsschwankungen (z. B. plötzliche Traurigkeit)

  • Ausgeprägte Reizbarkeit oder Wut oder vermehrte zwischenmenschliche Konflikte.

  • Ausgeprägte depressive Verfassung, Gefühl der Hoffnungslosigkeit oder Gedanken über fehlende Selbstachtung

  • Deutliche Angst, Spannung oder ein nervöses Gefühl

Zusätzlich müssen ≥ 1 der folgenden Bedingungen vorhanden sein:

  • Vermindertes Interesses an Alltagsaktivitäten, was möglicherweise zum sozialen Rückzug führt

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Wenig Energie oder Müdigkeit

  • Deutliche Veränderungen im Appetit, übermäßiges Essen oder spezieller Heißhunger

  • Insomnie oder Hyperinsomnie

  • Gefühl der Überforderung oder des Kontrollverlusts

  • PMS begleitende körperliche Beschwerden (z. B. Empfindlichkeit der Brust, Ödem)

Daneben muss die Symptomatik über die meiste Zeit der vergangenen 12 Monate vorhanden gewesen sein, und die Symptome müssen so stark sein, dass die Alltagsaktivitäten und der Allgemeinzustand beeinträchtigt sind.

Patientinnen mit depressiver Symptomatik werden anhand eines Depressions-Inventar bewertet oder an einen Facharzt zur psychologischen oder psychiatrischen Abklärung überwiesen.

Behandlung

  • Allgemeine Maßnahmen

  • Gelegentlich Gabe von SSRI oder Hormonbehandlung

PMS kann schwierig zu behandeln sein. Es gibt bisher keine Behandlung, die bei allen Frauen wirksam ist; nur wenige Patientinnen werden durch eine einzelne Behandlungsmethode komplett geheilt. Somit sind Geduld und empirische Therapieversuche nötig.

Allgemeine Maßnahmen

Die Therapie des PMS richtet sich nach den Symptomen und beginnt mit ausreichendem Ausruhen und Schlaf, regelmäßiger Bewegung sowie Entspannungsmaßnahmen. Regelmäßige Bewegung kann sich positiv auf Blähungen sowie Reizbarkeit, Angst und Schlaflosigkeit auswirken. Manche Frauen profitieren auch von Yoga.

Eine Veränderungen in der Ernährung—mehr Eiweiß, weniger Zucker, konsumieren komplexer Kohlenhydrate und essen von häufigeren kleineren Mahlzeiten—kann helfen, ebenso wie Therapie, Vermeidung von Stress-Aktivitäten, Entspannungstraining, Lichttherapie, Schlaf- Anpassungen und kognitive Verhaltenstherapie. Es kann auch versucht werden, bestimmte Nahrungsmittel und Getränke (z. B. Cola, Kaffee, Hot Dogs, Chips, Konserven) zu meiden und vermehrt andere zu konsumieren (z. B. Obst, Gemüse, Milch, ballaststoffreiche Lebensmittel, fettarmes Fleisch, Kalzium- und Vitamin-D-reiche Lebensmittel).

Einige Nahrungsergänzungsmittel sind leicht wirksam zur Verringerung der Symptome. Dazu gehören Mönchspfeffer Extrakt aus der Agnus-castus-Frucht, Vitamin B6 und Vitamin E.

Arzneimittel

NSAR können bei Schmerzen und Dysmenorrhö helfen.

Selektive Serotoninfreisetzungshemmer (SSRIs) sind die Medikamente der Wahl zur Linderung von Angst, Reizbarkeit und anderen emotionalen Symptomen, insbesondere wenn Stress nicht vermieden werden kann. SSRIs (z. B. Fluoxetin 20 mg p. o. einmal/Tag) entlasten effektiv Symptome von PMS und PMDD. Kontinuierliche Dosierung ist effektiver als intermittierende Dosierung. SSRI scheint effektiver zu sein als die anderen. Klinische Studien haben gezeigt, dass SSRIs zur Behandlung von PMDD wirksam sind. Wirksame SSRIs umfassen Fluoxetin, Sertralin, Paroxetin und Citalopram. Diese Medikamente können kontinuierlich oder nur während der 14-Tage-Lutealphase (zweite Hälfte) des Menstruationszyklus verschrieben werden.

Clomipramin, das über einen ganzen oder einen halben Zyklus gegeben wird, wirkt genauso effektiv gegen emotionale Symptome wie Nefazodon, ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI).

Anxiolytika können wirksam sein, werden aber aufgrund ihres Abhängigkeits- oder Suchtpotenzials selten gegeben. Buspiron, das während des Zyklus oder während der späten Lutealphase gegeben werden kann, hilft die Symptome von PMS und PMDD zu lindern. Zu den unerwünschten Wirkungen zählen Übelkeit, Kopfschmerzen, Ängstlichkeit und Schwindel.

Einige Frauen sprechen gut auf eine hormonelle Manipulation an. Zu den Optionen gehören

  • Orale Kontrazeptiva

  • Progesteron als vaginale Zäpfchen (200–400 mg 1-mal/Tag)

  • Ein orales Gestagen (z. B. mikronisiertes Progesteron 100 mg vor dem Schlafengehen) für 10–12 Tage vor der Menses

  • Ein lang wirkendes Gestagen (z. B. 200 mg Medroxyprogesteron i.m. alle 2–3 Monate)

Frauen, die beschließen, ein orales Verhütungsmittel zur Empfängnisverhütung zu verwenden, können Drospirenon und Ethinylestradiol nehmen. Das Risiko für eine venöse Thromboembolie kann jedoch erhöht sein.

In seltenen Fällen wird bei starken oder therapieresistenten Symptomen ein GnRH-Agonist (z. B. Leuprorelin, 3,75 mg i.m. oder Goserelin 3,6 mg s.c. 1-mal/Monat) mit einem niedrig dosierten Gestagenkombinationspräparat (z. B. orales Estradiol 0,5 mg transdermales Pflaster plus mikronisiertes Progesteron, 100 mg vor dem Schlafengehen) gegeben, um zyklische Schwankungen zu minimieren.

Flüssigkeitsretention spricht oft auf eine verringerte Natriumaufnahme und Einnahme eines Diuretikums (z. B. Spironolacton 100 mg p.o. 1-mal/Tag) an, kurz bevor Symptome zu erwarten sind. Allerdings beseitigen die Minimierung der Flüssigkeitsretention und die Einnahme eines Diuretikums die anderen Symptome nicht vollständig und sind womöglich wirkungslos.

Bromocriptin und MAO-Hemmer bringen keinen Nutzen. Danazol hat signifikante Nebenwirkungen

Operative Eingriffe

Bei schwerer Symptomatik kann eine bilaterale Ovarektomie die Symptome lindern, weil es dadurch nicht mehr zu einem Menstruationszyklus kommt; eine Hormonersatztherapie ist dann angezeigt bis etwa zu einem Alter von 51 Jahren (wenn die Menopause in der Regel eintritt).

Wichtige Punkte

  • Die PMS-Symptomatik kann unspezifisch sein und von Frau zu Frau variieren.

  • PMS wird allein auf Basis der Symptome diagnostiziert.

  • Bei starken und beeinträchtigenden Symptomen sollte an PMDD (das oft nicht diagnostiziert wird) gedacht werden; die Patientin sollte die Symptome für ≥ 2 Zyklen notieren. Um die Diagnose PMDD stellen zu können, müssen die klinischen Kriterien zutreffen.

  • Gewöhnlich besteht die Behandlung aus einer empirischen Therapie, um die für die Patientin wirksamste Therapieoption zu identifizieren; beginnen Sie mit Lebensstiländerungen, dann mit SSRIs oder oralen Kontrazeptiva.

  • GnRH-Agonisten und Oophorektomie sind für schwere Fälle reserviert.

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