Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Kurzdarmsyndrom

Von

Atenodoro R. Ruiz, Jr.

, MD, The Medical City, Pasig City, Metro-Manila, Philippines

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Unter einem Kurzdarmsyndrom versteht man eine Malabsorption infolge einer ausgedehnten Resektion des Dünndarms (in der Regel mehr als zwei Drittel der Dünndarmlänge). Die Symptome hängen von der Länge und der Funktion des verbliebenen Dünndarms ab. Diarrhöen können schwer sein und Mangelzustände sind häufig. Die Behandlung besteht in kleinen Mahlzeiten, Antidiarrhoika und manchmal einer totalen parenteralen Ernährung oder selten einer intestinalen Transplantation.

Das Kurzdarmsyndrom ist eine Malabsorptionsstörung.

Häufige Gründe für eine ausgedehnte Resektion sind der Morbus Crohn, Mesenterialinfarkte, eine Strahlenenteritis, Krebserkrankungen, ein Volvulus und kongenitale Anomalien.

Weil im Jejunum für die meisten Nahrungsbestandteile die wesentliche Verdauung und Resorption stattfindet, führt eine Jejunumresektion zu eine Verkleinerung der resorbierenden Fläche und zu einer Minderung der Absorption von Nährstoffen. Als Reaktion versucht sich das Ileum durch Ausdehnung seiner Länge und durch Verbesserung der absorptiven Funktion seiner Zotten zu adaptieren, was zu einer allmählichen Verbesserung der Nährstoffabsorption führt.

Im Ileum werden Vitamin B12 und Gallensäuren aufgenommen. Eine schwere Diarrhö und Malabsorption von Gallensäure resultieren, wenn > 100 cm des Ileums reseziert sind. Insbesondere gibt es keine kompensatorische Adaptation des verbleibenden Jejunums (im Gegensatz zu der des Ileums bei einer Resektion des Jejunums). Daher entsteht eine Malabsorption von Fett, fettlöslichen Vitaminen und Vitamin B12. Darüber hinaus führen die nichtabsorbierten Gallensäuren im Kolon zu einer sekretorischen Diarrhö. Die Erhaltung des Kolons kann den Wasser- und Elektrolytverlust wesentlich verringern. Eine Resektion des terminalen Ileums und der Ileozäkalklappe prädisponiert zum bakteriellen Überwuchs.

Therapie

  • Totale parenterale Ernährung

  • Eventuell orale Nahrungsaufnahme, wenn > 100 cm Jejunum erhalten bleiben

  • Antidiarrhoika, Cholestyramin, Protonenpumpenhemmer, Vitaminpräparate

In der unmittelbaren postoperativen Periode besteht eine schwere Diarrhö mit ausgeprägtem Elektrolytverlust. Die Patienten erfordern eine parenterale Ernährung und eine intensive Überwachung von Flüssigkeit und Elektrolyten (inkl. Kalzium und Magnesium). Eine orale isoosmotische Lösung von Natrium und Glukose (vergleichbar der oralen WHO-Rehydratationsformel, Orale Rehydratation) wird in der postoperativen Phase langsam eingeführt, wenn der Patient stabilisiert ist und die Stuhlmenge < 2 l/Tag beträgt.

Patienten mit einer ausgedehnten Resektion (< 100 cm des verbleibenden Jejunums) und jene mit übermäßigen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten benötigen eine lebenslange TPE.

Dagegen können Patienten mit > 100 cm verbliebenem Jejunum sich durch orale Nahrungsaufnahme adäquat ernähren. Fett und Protein werden in der Regel gut vertragen, im Gegensatz zu Kohlenhydraten, die einen signifikanten osmotischen Faktor darstellen. Kleine Mahlzeiten vermindern das osmotische Problem. Idealerweise sollten 40% des Kalorienbedarfs mit Fett gedeckt werden.

Patienten mit postprandialer Diarrhö werden mit Antidiarrhoika (z. B. Loperamid) 1 h vor der Mahlzeit behandelt. Cholestyramin, das in einer Dosis von 2–4 g mit den Mahlzeiten gegeben wird, vermindert die Diarrhö bei einer Gallensäurenmalabsorption nach Ileumresektion. Monatliche i.m. Injektionen von Vitamin B12 sind bei Patienten mit dokumentiertem Mangel notwendig. Die Mehrzahl der Patienten sollte ergänzend Vitamine, Kalzium und Magnesium einnehmen.

Es kann zu einer Hypersekretion von Magensäure kommen, die zur Deaktivierung von Pankreasenzymen führt; daher werden den meisten Patienten H2-Blocker oder Protonenpumpeninhibitoren verabreicht.

Die Dünndarmtransplantation wird bei Patienten diskutiert, bei denen eine Adaptation nicht auftritt und die keine Kandidaten für eine totale parenterale Langzeiternährung darstellen.

Erwachsene Patienten, die eine parenterale Unterstützung benötigen, können von Teduglutid (einem glucagonähnlichen Peptid-2 [GLP-2] -Analogon) profitieren. Die empfohlene Dosierung beträgt 0,05 mg/kg Körpergewicht s. c. einmal täglich.

Wichtige Punkte

  • Eine ausgedehnte Resektion oder ein Verlust des Dünndarms können schwere Diarrhöen und Malabsorption verursachen.

  • Patienten mit < 100 cm verbliebenem Jejunum benötigen eine lebenslange TPE; Patienten mit > 100 cm verbliebenem Jejunum können mit kleinen fett- und proteinreichen, aber kohlenhydratarmen Mahlzeiten überleben.

  • Antidiarrhoika, Cholestyramin, Protonenpumpeninhibitoren und Vitaminergänzungen sind erforderlich.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Parazentese
Video
Parazentese
3D-Modelle
Alle anzeigen
Gastrointestinaltrakt
3D-Modell
Gastrointestinaltrakt

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN