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Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2B (MEN 2B)

(Mukosales neuromatoses Syndrom, multiple endokrine Adenomatose Typ 2B)

Von

Patricia A. Daly

, MD, University of Virginia;


Lewis Landsberg

, MD, Northwestern University Feinberg School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Jan 2017
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Quellen zum Thema

Eine multiple endokrine Neoplasie, Typ 2B (MEN 2B) ist ein autosomal dominant vererbtes Syndrom, das durch ein medulläres Schilddrüsenkarzinom, Phäochromozytom, mehrere mukosale Neurome und intestinale Ganglioneurome charakterisiert ist, sowie oft durch einen marfanoiden Habitus und andere Fehlbildungen des Skeletts. Die Symptome sind je nach beteiligten Drüsen unterschiedlich. Diagnostik und Behandlung sind wie bei MEN 2A.

90% der MEN-2B-Fälle ergeben sich aus einer einzigen Aminosäuresubstitution im RET-Protein. Wie bei MEN 2A und vererbten medullären Schilddrüsenkarzinomen führt diese Mutation zur Aktivierung von RET-Protoonkogen-vermittelten zellulären Prozessen. Mehr als 50% sind de-novo-Mutationen und können daher eher sporadisch als vererbt sein.

Symptome und Beschwerden

Symptome und klinische Zeichen spiegeln die glandulären Störungen wider (siehe Tabelle: Befunde, die mit MEN-Syndromen assoziiert sind). Ungefähr 50% der Patienten haben das komplette Syndrom mit Neuromen der Mukosa, Phäochromozytomen und medullären Schilddrüsenkarzinomen(MTC). Weniger als 10% haben nur Neurome und Phäochromozytome, während die übrigen Patienten Neurome und MTC ohne Phäochromozytome zeigen.

Neurome der Mukosa sind sehr oft die ersten klinischen Zeichen und treten bei fast allen Patienten auf. Neurome erscheinen als glänzende Erhebungen auf den Lippen, der Zunge oder der bukkalen Mukosa.

Sie entwickeln sich auch häufig auf den Augenlidern, den Konjunktiven und den Hornhäuten; Kinder können häufig keine Tränen produzieren. Verdickte Augenlider und umgestülpte, diffus hypertrophierte Lippen sind charakteristisch.

Störungen im Gastrointestinaltrakt, die durch Veränderungen der Motilität verursacht werden (Verstopfung, Diarrhoe und gelegentlich auch ein Megakolon), sind häufig. Vermutlich resultieren sie aus einer intestinalen Ganglioneuromatose.

Patienten haben fast immer einen marfanoiden Habitus. Fehlbildungen des Skeletts sind häufig, einschließlich Missbildungen der Wirbelsäule (Lordose, Kyphose, Skoliose), "slipped capital femoral epiphyses", Dolichocephalie (schiffförmiger Schädel, auch als Scaphocephalie bezeichnet), Hohlfuß und Klumpfuß.

MTC und Phäochromozytome entsprechen den Manifestationen beim MEN-IIA-Syndrom. Beide treten oft bilateral und multizentrisch auf. MTC bei MEN-2B neigt dazu, besonders aggressiv zu sein, und tritt bereits bei kleinen Kindern auf.

Obwohl Neurome, charakteristische Veränderungen im Gesicht und gastrointestinale Störungen schon sehr früh präsent sind, wird das Syndrom häufig erst erkannt, wenn es im weiteren Verlauf zur Manifestation eines MTC oder eines Phäochromozytoms kommt.

Diagnose

  • Klinischer Verdacht

  • Gentests

  • Spiegel von freiem Metanephrin im Plasma und Katecholamin im Urin

  • Lokalisierung des Phäochromozytoms mit MRT oder CT

Der Verdacht auf MEN 2B besteht bei Patienten mit einer positiven Familienanamnese für MEN 2B, Phäochromozytome, multiple mukosale Neurome oder MTC. Die genetische Untersuchung ist sehr genau und erfolgt, um die Störung zu bestätigen. Genetische Tests werden auch durchgeführt, um Verwandte 1. Grades und alle symptomatischen Familienangehörigen von Patienten mit MEN 2B zu untersuchen, genauso wie bei MEN 2A.

Der Verdacht auf ein Phäochromozytom kann klinisch begründet sein und wird durch Messungen des freien Plasmametanephrins und von Katecholaminen im Urin bestätigt. Labortests auf MTC können durchgeführt werden. Das MRT oder CT wird verwendet, um nach Phäochromozytomen und MTC zu suchen.

Therapie

  • Die chirurgische Exzision von diagnostizierten Tumoren

  • Prophylaktische Thyreoidektomie

Betroffene Patienten sollten sich, sobald die Diagnose gestellt ist, einer totalen Thyreoidektomie unterziehen. Falls ein Phäochromozytom existiert, sollte es noch vor der Thyreoidektomie entfernt werden.

Genträger sollten bereits vor Vollendung des ersten Lebensjahres eine prophylaktische Thyreoidektomie erhalten.

Wichtige Punkte

  • MEN 2B hat eine Mutation des gleichen Gens wie bei MEN 2A und manifestiert sich ähnlich, bis auf das Fehlen von Hyperparathyreoidismus, das Vorhandensein eines aggressiveren MTC und das Vorhandensein von mehreren mukosalen Neuromen sowie einem marfanoiden Habitus.

  • Patienten sollten Gentests auf RET-Protoonkogen-Mutationen und Blut- oder Urintests auf Phäochromozytome durchführen.

  • Ein Phäochromozytom wird entfernt und eine prophylaktische Thyreoidektomie durchgeführt.

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