Kontaktlinsen bieten eine bessere Sehkorrektur im peripheren Sichtfeld als Brillen. Da die Kontaktlinse näher am Auge liegt als das Brillenglas, kann ein größerer Anteil des Gesichtsfeldes durch die Kontaktlinse refraktiv korrigiert werden.
Kontaktlinsen können verordnet werden, um Folgendes zu korrigieren:
Aniseikonie (ein Unterschied in der Bildgröße)
Aphakie (Fehlen der Linse), entweder angeboren oder nach Kataraktentfernung
Keratokonus (konisch geformte Hornhaut)
Zur Korrektur von Myopie und Hyperopie werden weiche oder harte Kontaktlinsen verwendet. Torische weiche Kontaktlinsen (die verschiedene vorgeformte Krümmungen auf der Linsenvorderseite haben) oder harte Kontaktlinsen werden verwendet, um einen signifikanten Astigmatismus zu korrigieren.
Kontaktlinsen werden auch verwendet, um Presbyopie zu korrigieren. Bei einem Ansatz, der als Monovision bezeichnet wird, wird das nicht dominante Auge typischerweise für die Nahsicht (Lesen) korrigiert und das dominante Auge für die Fernsicht. Harte und weiche Bifokal- und Multifokal-Kontaktlinsen lassen sich ebenfalls erfolgreich anpassen. Dies ist jedochsehr zeitaufwändig, da eine präzise Anpassung entscheidend ist.
Weder harte noch weiche Kontaktlinsen schützen die Augen vor stumpfen oder scharfen Verletzungen, wie es Brillengläser tun.
Pflege und Komplikationen von Kontaktlinsen
Instruktionen zum Umgang mit den Linsen und zur Hygiene müssen strikt eingehalten werden. Schlechte Kontaktlinsenhygiene kann zu einer Infektion der Hornhaut oder einer anhaltenden Entzündung führen.
Zur Kontaktlinsenhygiene gehören:
Vor dem Einsetzen und Herausnehmen der Kontaktlinsen gründlich die Hände waschen
Gründliches Abtrocknen der Hände, damit kein Leitungswasser mit den Linsen in Kontakt kommt
Reinigung der Kontaktlinsen gemäß den Anweisungen des Herstellers und des Arztes
Monatlicher Austausch des Kontaktlinsenbehälters
Niemals den Kontaktlinsenbehälter mit Leitungswasser ausspülen
Den Kontaktlinsenbehälter fern von Bereichen aufbewahren, die Leitungswassertropfen ausgesetzt sein könnten, da Amöben im Leitungswasser eine schwere Hornhautinfektion verursachen können
Entleeren des Kontaktlinsenbehälters nach dem Einsetzen der Kontaktlinsen
Den Kontaktlinsenbehälter nach dem Einsetzen der Kontaktlinsen offen stehen lassen, damit er an der Luft trocknen kann
Niemals Kontaktlinsen über Nacht tragen
Kontaktlinsen verursachen gelegentlich schmerzlose oberflächliche Hornhautveränderungen (z. B. Epithelveränderungen).
Schmerzen beim Tragen von Kontaktlinsen erfordern jedoch eine sorgfältige Abklärung. Kontaktlinsen können schmerzhaft sein, wenn:
das Hornhautepithel erodiert wird (siehe Korneale Erosionen und Fremdkörper).
die Linsen schlecht passen (z. B. zu eng, zu locker, schlecht zentriert).
zu wenig Feuchtigkeit vorhanden ist, damit die Linse auf der Hornhaut gleiten kann.
Die Linsen werden in einem nicht idealen Umfeld (z. B. sauerstoffarm, rauchig, windig) getragen.
eine Linse nicht richtig eingesetzt oder entfernt wird.
ein kleiner Fremdpartikel (z. B. Ruß, Staub) zwischen der Linse und der Hornhaut eingeschlossen wird.
die Linsen für eine lange Zeit getragen werden (Overwear-Syndrom).
Zu den Komplikationen beim Tragen von Kontaktlinsen gehören:
Kornea‑Neovaskularisation
Hornhautverformung
Hornhautödem
Sterile Infiltrate
Viele der mit Kontaktlinsen verbundenen Komplikationen sind auf eine Hornhauthypoxie zurückzuführen, die zu sekundären Hornhautödemen, Hornhautepithelerosionen und schließlich zu einer Hornhautneovaskularisation führen kann. Zudem können Entzündungen (sterile Hornhautinfiltrate) oder Infektionen (Hornhautgeschwüre) auftreten. Zu den Symptomen kontaktlinsenassoziierter Probleme gehören Rötung, Photophobie und Tränenfluss. Wenn die Ursache ein leichtes Ödem oder eine sterile Entzündung ist und die Linsen nicht getragen werden, kann es innerhalb von etwa einem Tag zu einer spontanen Besserung der Symptome kommen. Bei jedem Zustand, bei dem die Schmerzen nach Entfernen der Linsen nicht rasch abklingen, sollte vor erneutem Tragen ein Augenarzt oder Optometrist konsultiert werden.
Eine infektiöse Keratitis äußert sich in der Regel mit Augenschmerzen, konjunktivaler Injektion; bei Kontaktlinsenträgern wird sie häufig durch Pseudomonas, Staphylococcus aureus und Acanthamoeba verursacht (1). Die Diagnose wird mittels Spaltlampenuntersuchung gestellt
Risikofaktoren für eine mit Kontaktlinsen assoziierte Hornhautinfektion (Keratitis) umfassen die folgenden Faktoren:
Schlechte Kontaktlinsenhygiene
Nächtliches oder ausgeprägtes Tragen der Linsen
Verwendung von Leitungswasser zur Reinigung
Augen mit einem beeinträchtigter Oberfläche (z. B. Trockenheit, herabgesetzte Hornhautsensibilität)
Eine infektiöse Keratitis (Hornhautulkus) sollte bei Kontaktlinsenträgern vermutet werden, wenn starke Augenschmerzen (Fremdkörpergefühl und dumpfer Schmerz), Visusminderung, Rötung, Photophobie und Tränenfluss auftreten. Die Verwendung von Kontaktlinsen erhöht das Risiko eines Hornhautulkus. Das Risiko steigt etwa auf das 6‑ bis 8‑Fache, wenn Kontaktlinsen über Nacht getragen werden (2). Hornhautulzera können durch Bakterien, Viren, Pilze oder Amöben verursacht werden. Ein Hornhautulkus kann zu einer potenziell Erkrankungen der Kornea der Hornhaut führen.
Eine Spaltlampenuntersuchung mit Fluorescein-Färbung führt zur Diagnose. Ein Defekt des Hornhautepithels (der sich durch Fluorescein anfärbt) und ein Hornhautinfiltrat (Sammlung von Leukozyten im Hornhautstroma) sind vorhanden. Mitunter ist der Hornhautdefekt so ausgedehnt und dicht, dass er mit einer von der Hand gehaltenen Vergrößerung oder dem bloßem Auge als weißer Fleck in der Hornhaut zu erkennen ist. In dem Fall ist eine mikrobiologische Untersuchung von Kulturen und Abstrichen des Hornhautinfiltrats, der Kontaktlinse und des Kontaktlinsen-Aufbewahrungsbehälters indiziert. Pseudomonas und Acanthamoeba sind die am häufigsten als Ursache identifizierten Erreger (3).
Kontaktlinsen sollten abgesetzt werden. Antibiotische Augentropfen werden empirisch für mögliche bakterielle Infektion gegeben. Die initiale Behandlung nutzt ein Breitbandspektrumantibiotikum, wobei antibiotische Fluorchinolon-Augentropfen rund um die Uhr alle 15 bis 60 Minuten verwendet werden, bis nach 24–48 h die Intervalle allmählich verlängert werden können. Wenn das Ulkus groß (> 2 mm) oder tief ist oder in der Nähe der Sehachse liegt, werden weitere antibiotische Augentropfen wie Cefazolin, Vancomycin oder konzentriertes Tobramycin verwendet (4). Das Antibiotikum kann geändert werden oder später basierend auf den Ergebnissen der Kultur abgesetzt werden. Zu nachlässig behandelte Fälle können schlecht oder gar nicht auf die Therapie ansprechen und einen schweren Sehverlust zur Folge haben.
Literaturhinweise zu Pflege und Komplikationen
1. Durand ML, Barshak MB, Chodosh J. Infectious Keratitis in 2021. JAMA. 2021;326(13):1319-1320. doi:10.1001/jama.2021.0424
2. Cope JR, Konne NM, Jacobs DS, et al. Corneal Infections Associated with Sleeping in Contact Lenses - Six Cases, United States, 2016-2018. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2018;67(32):877-881. Published 2018 Aug 17. doi:10.15585/mmwr.mm6732a2
3. Jeang L, Tuli SS. Therapy for contact lens-related ulcers. Curr Opin Ophthalmol. 2022;33(4):282-289. doi:10.1097/ICU.0000000000000861
4. Lin A, Rhee MK, Akpek EK, et al. Bacterial Keratitis Preferred Practice Pattern®. Ophthalmology. 2019;126(1):P1-P55. doi:10.1016/j.ophtha.2018.10.018
Harte Kontaktlinsen
Eine starre Linse kann die natürliche Form der Hornhaut eher in eine optimaler geformte refraktierende Oberfläche korrigieren als eine weiche Linse und führt daher eher zu einer konsistenten Verbesserung der Refraktion bei Menschen, die einen Astigmatismus oder eine unregelmäßige Hornhautoberfläche aufweisen. Die älteren harten Kontaktlinsen aus Polymethylmethacrylat sind durch gaspermeable Kontaktlinsen aus Fluorkohlenstoff mit Polymethylmethacrylat-Zusatz ersetzt worden. Gaspermeable Kontaktlinsen mit ihrem Durchmesser von 6,5–10 mm bedecken einen Teil der Hornhaut und schwimmen auf dem Tränenfilm.
Harte Kontaktlinsen können bei Menschen mit Myopie, Hyperopie und Astigmatismus die Sehschärfe verbessern. Starre Kontaktlinsen können auch Hornhautunregelmäßigkeiten wie Keratokonus korrigieren. In den meisten Fällen sehen Patienten mit Keratokonus mit starren Kontaktlinsen besser als mit einer Brille.
GPCL werden individuell für jeden Patienten angefertigt, damit sie sich optimal an das Auge anpassen. Für einen guten Tragekomfort benötigen sie eine Eintragezeit von typischerweise 4–7 Tagen. Während dieser Zeit wird die Kontaktlinsentragezeit täglich stundenweise verlängert. Es ist wichtig, dass Schmerzen zu keinem Zeitpunkt auftreten sollten. Schmerzen sind ein Zeichen für schlecht angepasste Kontaktlinsen oder eine Hornhautirritation. Es kann zu vorübergehendem (< 2 Stunden) verschwommenem Sehen (Brillenunschärfe) kommen, wenn man unmittelbar nach dem Herausnehmen von harten Kontaktlinsen eine Brille trägt.
Sklerale Kontaktlinsen
Sklerale Kontaktlinsen bestehen aus starren, gasdurchlässigen Materialien, haben einen größeren Durchmesser als Hornhautkontaktlinsen und wölben sich über die Hornhautoberfläche, wobei der periphere Teil der Linsen auf der Sklera ruht. Sie ermöglichen eine dünne Flüssigkeitsschicht auf der Hornhautoberfläche, sodass diese Linsen selbst bei Patienten mit schweren Erkrankungen der Augenoberfläche angenehm zu tragen sind. Sie werden für jeden Patienten individuell angefertigt, sind im Allgemeinen komfortabler und erfordern eine kürzere Eingewöhnungszeit als herkömmliche formstabile Kontaktlinsen mit kleinerem Durchmesser, da die Sklerallinsen die Hornhautoberfläche nicht berühren. Sklerale Kontaktlinsen können einen hohen Grad an irregulärem Astigmatismus korrigieren (z. B. fortgeschritten Keratokonus).
Weiche hydrophile Kontaktlinsen
Weiche Kontaktlinsen bestehen aus Poly-2-hydroxyethylmethacrylat und anderen flexiblen Kunststoffen (wie Silikon-Hydrogel) sowie zu 30–79% aus Wasser. Mit einem Durchmesser von 13 bis 15 mm bedecken sie die ganze Hornhaut. Weiche Kontaktlinsen werden oft täglich (Einweglinsen), alle 2 Wochen oder monatlich ausgewechselt. Kontaktlinsen sollten jede Nacht entfernt werden, um das Infektionsrisiko zu senken.
Weiche Kontaktlinsen können die Sehschärfe bei Menschen mit Myopie und Hyperopie verbessern. Da sich weiche Kontaktlinsen an die vorhandene Hornhautkrümmung anpassen, können sie nur einen minimalen Astigmatismus ausgleichen. Ein stärkerer Astigmatismus kann nur mit torischen Speziallinsen korrigiert werden, die verschiedene vorgeformte Krümmungen auf der Linsenvorderseite haben. Der schwerere untere Anteil torischer Linsen reduziert die Linsendrehung und erhält somit ihre Ausrichtung
Weiche Kontaktlinsen werden auch zur Behandlung von Hornhautabrasio, rezidivierenden Erosionen oder anderen Hornhautkrankheiten (dann als Verband- oder therapeutische Kontaktlinsen bezeichnet) verschrieben. Bei einer Verbandlinse ist eine Prophylaxe mit antibiotikahaltigen Augentropfen (z. B. Fluorchinolon 4-mal täglich) zu empfehlen. Weiche Kontaktlinsen mit verlängerter Tragedauer sind insbesondere bei Aphakie nach Kataraktoperation sehr praktisch. Der Patient muss jedoch regelmäßig von einem Ophthalmologen oder Optiker untersucht werden. Der Patient sollte Dauertragelinsen mindestens einmal pro Woche entfernen und reinigen.
Weiche Kontaktlinsen sind größer und fallen deshalb nicht so leicht wie harte Kontaktlinsen aus dem Auge heraus. Fremdkörper können sich nicht so leicht unter ihnen ablagern. Da sie sofort als angenehm empfunden werden, ist die Eintragezeit von weichen Kontaktlinsen kurz.
Weiche Kontaktlinsen sind mit einer höheren Inzidenz von Hornhautinfektionen verbunden als formstabile gasdurchlässige Kontaktlinsen, insbesondere wenn weiche Linsen über Nacht getragen werden (1). Ausgetrocknete weiche Kontaktlinsen sind spröde und brechen leicht. Um ihre Form und Flexibilität zu behalten, absorbieren sie (in Abhängigkeit von ihrem Wassergehalt) Feuchtigkeit von dem Tränenfilm. Deshalb kommen Patienten mit trockenen Augen üblicherweise besser mit Kontaktlinsen zurecht, die einen geringen Wassergehalt haben.
Literaturhinweis zu weichen hydrophilen Kontaktlinsen
1. Jeang L, Tuli SS. Therapy for contact lens-related ulcers. Curr Opin Ophthalmol. 2022;33(4):282-289. doi:10.1097/ICU.0000000000000861



