Zervikale Spondylose

VonMichael Rubin, MDCM, New York Presbyterian Hospital-Cornell Medical Center
Überprüft/überarbeitet Feb. 2023
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Bei der zervikalen Spondylose kommt es zu einer Degeneration der Halswirbel und der Bandscheiben, die dadurch Kompression auf das Rückenmark im Halsbereich ausüben.

  • Die Arthrose ist die häufigste Ursache einer zervikalen Spondylose.

  • Die Kompression zeigt sich meistens zuerst an einem unstabilen, ruckartigen Gehen, an Schmerzen und Flexibilitätsverlust im Nacken.

  • Die Diagnose kann durch Magnetresonanztomografie oder Computertomografie bestätigt werden.

  • Zur Behandlung gehören u. a. eine weiche Halskrause, nichtsteroidale Antirheumatika und manchmal auch Operation.

(Siehe auch Überblick über Erkrankungen des Rückenmarks und zervikale Spinalklappenstenose.)

Die zervikale Spondylose tritt gewöhnlich bei Menschen im mittleren oder höheren Lebensalter auf. Sie ist ein häufiger Grund für eine Rückenmarksstörung bei Menschen über 60 Jahren.

Mit zunehmendem Alter kommt es häufiger zu Arthrose. Dabei kommt es zur Degeneration der Halswirbel. Bei der Selbstregenerierung des Knochens in der Wirbelsäule überwuchert dieser, indem er ungewöhnliche Knochenwucherungen (Sporne) entwickelt und den Spinalkanal im Hals verengt. (Der Rückenmarkskanal ist der Gang, der in der Mitte der Wirbelsäule verläuft und das Rückenmark enthält.) Die Bandscheiben zwischen den Wirbeln bilden sich zurück, wodurch der Spinalkanal noch stärker verengt wird. Normalerweise dienen die Bandscheiben in der Wirbelsäule als Polster („Federung“) und Schutz. Degenerierte Bandscheiben können jedoch keine Stöße mehr abfedern. Infolgedessen ist das Rückenmark anfälliger für Verletzungen, die durch plötzliche Bewegungen verursacht werden. Beispielsweise kann sich durch ein geringfügiges Halstrauma nach einem Sturz eine gravierende Schädigung des Rückenmarks ergeben. Diese altersbedingten Veränderungen können allmählich zu einer Kompression des Rückenmarks führen, wodurch das Rückenmark nicht mehr richtig funktioniert.

Bei manchen Menschen ist ein enger Rückenmarkskanal angeboren. Bei ihnen kann die Kompression aufgrund einer Spondylose zu schwereren Problemen führen.

Oft werden auch die Spinalnervenwurzeln (die Abschnitte der Spinalnerven neben dem Rückenmark – siehe Abbildung zum Aufbau des Rückgrats) komprimiert.

Ursachen einer zervikalen Spondylose

Die Symptome einer zervikalen Spondylose führen entweder auf eine Rückenmarkquetschung oder auf eine Schädigung der Rückenmarkswurzeln oder auf beides zurück.

Bei einer Rückenmarksquetschung ist das erste Anzeichen meist eine Veränderung des Gangs. Die Beine bewegen sich ruckartig (spastisch), der Gang wird unsicher. Es kann zu Gefühlsstörungen des Körpers unterhalb des Halses kommen. Der Nacken schmerzt und wird unflexibel. Gewöhnlich kommt es zu einer Verstärkung der Reflexe in den Beinen und manchmal zu unkontrollierten Muskelkrämpfen (Spasmen). Husten, Niesen und sonstige Nackenbewegungen können die Symptome erschweren.

An Händen und Füßen können Empfindungsstörungen und/oder Lähmungen auftreten. Manchmal werden die Hände mehr als die Beine und Füße beeinträchtigt.

Bei schwerer Kompression kann es auch zu Störungen der Blasen- und Darmfunktion kommen. Wenn ein geringfügiges Halstrauma eine gravierende Schädigung des Rückenmarks zur Folge hat, kann es zu einer plötzlichen Lähmung aller vier Gliedmaßen kommen.

Wenn die Spinalnervenwurzeln gequetscht werden, ist meistens der Nacken schmerzhaft; dieser Schmerz strahlt oft bis den Kopf, die Schultern und die Arme aus. Es kann zu einem Verlust der Muskelkraft und zu Muskelschwund kommen.

Diagnose einer zervikalen Spondylose

  • Magnetresonanztomografie oder Computertomografie

Ein Verdacht auf eine zervikale Spondylose ist symptombedingt, insbesondere bei älteren Menschen oder Menschen, die an Arthrose leiden.

Die Diagnose kann durch Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT) oder Myelografie mit CT bestätigt werden. Die MRT liefert mehr Informationen, da sie das Rückenmark und die Wurzeln abbildet. In der CT werden sie nicht dargestellt. Beide Verfahren zeigen allerdings die Lage der Verengung des Rückenkanals, den Kompressionsgrad des Rückenmarks sowie, welche Spinalnervenwurzeln eventuell beeinträchtigt sind.

Behandlung einer zervikalen Spondylose

  • Nichtsteroidale Antirheumatika

  • Eine weiche Halskrause

  • Manchmal operative Eingriffe

  • Bei Spasmen ein Muskelrelaxans

Ohne Behandlung können die Symptome der aufgrund einer zervikalen Spondylose eingetretenen Rückenmarkstörung nachlassen oder gleichbleiben; sie können sich aber auch verschlimmern.

Besonders wenn nur Nervenwurzeln gequetscht sind, können anfangs eine weiche Halskrause zur Stützung des Halses sowie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen Erleichterung bieten. Falls nicht, ist eine Operation erforderlich.

Eine Operation ist auch bei gequetschtem Rückenmark erforderlich. Ein Schnitt kann durch die Vorder- oder Rückseite des Halses vorgenommen werden. Um dem Rückenmark mehr Raum zu schaffen, wird dann ein Teil der betroffenen Rückenwirbel entfernt – dieses Verfahren wird Laminektomie genannt. Liegen Knochensporne vor, werden diese entfernt und so kann die Wirbelsäule, nachdem die Rückenwirbel versteift worden sind, stabilisiert werden. Eine Operation beugt weiterer Nervenschädigung vor, kann aber in der Regel die Nervenschädigung nicht rückgängig machen. Je eher man operativ behandelt wird, desto besser ist das Ergebnis.

Da die Wirbelsäule eine postoperative Instabilität aufweisen kann, müssen oft Patienten zur Kopfhaltung während der Heilphase eine harte Rückenschiene tragen.

Wenn Muskelkrämpfe auftreten, werden muskelentspannende Mittel (wie Baclofen) eingesetzt.