Akute Komplikationen bei Diabetes mellitus

VonErika F. Brutsaert, MD, New York Medical College
Überprüft vonGlenn D. Braunstein, MD, Cedars-Sinai Medical Center
Überprüft/überarbeitet Geändert Dez. 2025
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Zwei ernste Komplikationen von hohem Blutzucker bei Diabetikern sind die diabetische Ketoazidose, die häufiger, aber nicht ausschließlich bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auftritt, und der hyperosmolare hyperglykämische Zustand, der bei Typ-2-Diabetikern häufiger, wenn auch insgesamt selten vorkommt. Obwohl die alkoholische Ketoazidose nicht durch Diabetes verursacht wird, wird sie hier aufgrund von Ähnlichkeiten mit der diabetischen Ketoazidose besprochen.

Diabetische Ketoazidose

Die diabetische Ketoazidose ist eine akute Komplikation von Diabetes, die zumeist bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auftritt. Sie wird durch einen nicht kontrollierten hohen Blutzuckerspiegel verursacht. Unbehandelt kann sie zu Koma, Hirnschäden und Tod führen.

  • Zu den Symptomen einer diabetischen Ketoazidose zählen Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und ein charakteristischer fruchtiger Atemgeruch.

  • Die diabetische Ketoazidose wird anhand von Bluttests diagnostiziert, die hohe Konzentrationen von Zucker, Ketonen und Säure im Blut anzeigen.

  • Die Behandlung einer diabetischen Ketoazidose umfasst den intravenösen Flüssigkeitsersatz und intravenöses Insulin.

  • Unbehandelt kann die diabetische Ketoazidose zu Koma und Tod führen.

(Siehe auch Überblick über Diabetes mellitus.)

Bei Diabetes ist die Menge an Zucker (Glukose) im Blut erhöht.

Glukose ist einer der Hauptenergieträger des Körpers. Insulin, ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, hilft, die Glukose vom Blut in die Zellen zu transportieren. Nach der Aufnahme in die Zellen wird Glukose entweder in Energie umgewandelt oder die als Fett oder Glykogen gespeichert, bis sie benötigt wird.

Ohne ausreichend Insulin können die meisten Zellen die Glukose aus dem Blut nicht verwerten. Da die Zellen aber Energie zum Überleben benötigen, wechseln sie zum Erhalt von Energie in einen Reservemechanismus. Fettzellen werden abgebaut und bilden Verbindungen, die als Ketone bezeichnet werden. Ketone liefern den Zellen zwar Energie, können aber auch das Blut ansäuern (Ketoazidose).

Eine Ketoazidose bei Menschen mit Diabetes wird als diabetische Ketoazidose bezeichnet. Die diabetische Ketoazidose tritt hauptsächlich bei Menschen auf, die an Typ-1-Diabetes leiden, weil ihr Körper wenig oder gar kein Insulin bildet. In seltenen Fällen können auch einige Menschen mit Typ-2-Diabetes eine Ketoazidose entwickeln. Menschen, die zu viel Alkohol konsumieren, können auch eine andere Form der Ketoazidose (die sogenannte alkoholische Ketoazidose) entwickeln, bei der die Blutzuckerspiegel in der Regel nur leicht erhöht sind.

Ursachen für eine diabetische Ketoazidose

Die diabetische Ketoazidose ist manchmal das erste Zeichen dafür, dass die Betroffenen (in der Regel Kinder – siehe auch Diabetes mellitus (DM) bei Kindern und Jugendlichen) einen Diabetes entwickelt haben. Bei Menschen, die wissen, dass sie an Diabetes leiden, kann die diabetische Ketoazidose aus 2 Hauptgründen auftreten:

  • Die Betroffenen stellen die Einnahme von Insulin ein.

  • Eine Erkrankung belastet den Körper.

Eine Krankheit erhöht in der Regel den Energiebedarf des Körpers. Daher benötigen Diabetespatienten, wenn sie krank werden, häufig mehr Insulin, um mehr Glukose an ihre Körperzellen zu liefern. Wenn die Betroffenen während der Erkrankung keine zusätzliche Menge an Insulin aufnehmen, können sie eine diabetische Ketoazidose entwickeln.

Häufige Krankheiten, die zu einer diabetischen Ketoazidose führen können, sind unter anderem:

In seltenen Fällen können Medikamente, insbesondere SGLT2(Natrium/Glukose-Cotransporter 2)-Hemmer eine diabetische Ketoazidose verursachen, auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Einige Menschen mit Typ-2-Diabetes neigen zur Entwicklung einer Ketoazidose. Diese Form von Diabetes wird dann manchmal ein Ketose-anfälliger Diabetes genannt. Sie ist eine ungewöhnliche Variante des Diabetes mellitus, die häufiger bei fettleibigen (adipösen) und Menschen afrikanischer Abstammung auftritt.

Symptome einer diabetischen Ketoazidose

Die anfänglichen Anzeichen einer diabetischen Ketoazidose sind übermäßiger Durst und Urinausscheidung, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und – vor allem bei Kindern – Bauchschmerzen. Die Atmung wird tendenziell tief und schnell. Damit versucht der Körper, den Säuregehalt des Blutes zu korrigieren. Der Atem hat aufgrund der beim Ausatmen entweichenden Ketone einen fruchtigen, nagellackähnlichen Geruch. Unbehandelt kann die diabetische Ketoazidose zu Koma und Tod führen (besonders bei Kindern).

Diagnose einer diabetischen Ketoazidose

  • Blut- und Urintests zur Bestimmung der Glukose-, Keton-, Säure- und Elektrolytkonzentrationen

Ärzte diagnostizieren eine diabetische Ketoazidose anhand der Konzentrationen von Ketonen und Säure im Blut und Urin. Menschen mit diabetischer Ketoazidose haben ebenfalls einen hohen Blutzuckerspiegel. Sie können aber auch einen hohen Blutzuckerspiegel ohne diabetische Ketoazidose haben.

Ärzte führen in der Regel auch Tests, wie Röntgenaufnahmen der Brust und Urinanalysen zur Untersuchung auf eine zugrundeliegende Infektion und ein Elektrokardiogramm (EKG), zur Untersuchung auf einen Herzinfarkt, durch.

Behandlung einer diabetischen Ketoazidose

  • Intravenöse Flüssigkeiten und Elektrolyte

  • Intravenös verabreichtes Insulin

Die diabetische Ketoazidose ist ein medizinischer Notfall. Die Aufnahme im Krankenhaus, häufig auf einer Intensivstation, ist erforderlich. Neben Elektrolyten wie Natrium, Kalium, Chlorid und manchmal Phosphat werden große Mengen Flüssigkeit intravenös gegeben, um den Verlust von Flüssigkeiten und Elektrolyten durch übermäßige Urinausscheidung auszugleichen.

Gewöhnlich wird auch intravenöses Insulin gegeben, damit es schnell wirkt. Die Dosis kann im Anschluss angepasst werden.

Alle paar Stunden werden die Blutspiegel von Glukose, Ketonen und Elektrolyten gemessen. Außerdem messen die Ärzte auch den Säuregrad des Blutes. Manchmal sind zusätzliche Behandlungen erforderlich, um einen hohen Säuregrad zu korrigieren. Aber mit der Einstellung des Blutzuckerspiegels mit Insulin, der Verabreichung von Flüssigkeiten und dem Ersetzen fehlender Elektrolyten kann der Körper normalerweise einen normalen Säure-Basen-Haushalt wiederherstellen. Sobald der Blutzucker näher an den Normalwerten liegt, wird Dextrose (eine Art Zucker) intravenös in Kombination mit Insulin verabreicht, um die Bildung von Ketonen zu stoppen.

Weitere Informationen

Die folgenden Quellen in englischer Sprache können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass The Manual nicht für den Inhalt der Quellen verantwortlich ist.

  1. American Diabetes Association: Umfassende Informationen zu Diabetes, einschließlich Ressourcen zur Behandlung von Diabetes

  2. Breakthrough TD1 (ehemals bekannt als JDRF oder Juvenile Diabetes Research Foundation): Allgemeine Informationen über Diabetes mellitus Typ 1

  3. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Allgemeine Informationen zu Diabetes, einschließlich der neuesten Forschung und des ambulanten Programms in der Gemeinde

Hyperosmolarer hyperglykämischer Zustand (HHS)

(nichtketotisches hyperosmolares Syndrom; nichtketotisches hyperosmolares Koma)

Der hyperosmolare hyperglykämische Zustand ist eine Komplikation von Diabetes mellitus, die bei Typ-2-Diabetes häufig auftritt. Er geht mit einem sehr hohen Blutzuckerspiegel und einer Austrocknung (Dehydratation) einher. Unbehandelt kann er zu Koma, Krampfanfällen und Tod führen.

  • Zu den Symptomen eines hyperosmolaren hyperglykämischen Zustands zählen extreme Austrocknung (Dehydration) und Verwirrung.

  • Der hyperosmolare hyperglykämische Zustand wird anhand von Bluttests diagnostiziert, deren Befunde sehr hohe Konzentration von Glukose, Natrium und anderen Substanzen im Blut anzeigen.

  • Die Behandlung erfolgt mit intravenösen Flüssigkeiten und Insulin.

  • Zu den Komplikationen zählen Koma, Krampfanfälle und Tod.

(Siehe auch Diabetes mellitus.)

Es gibt 2 Arten von Diabetes mellitus, Typ 1 und Typ 2. Bei Typ-1-Diabetes produziert der Körper beinahe kein Insulin, ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und für den Transport von Zucker (Glukose) über das Blut in die Zellen verantwortlich ist. Bei Typ-2-Diabetes produziert der Körper Insulin, aber die Zellen reagieren nicht normal auf das Insulin. Bei beiden Diabetestypen ist die Menge an Zucker (Glukose) im Blut erhöht.

Wenn Typ-2-Diabetes über einen längeren Zeitraum unbehandelt bleibt, können die Blutzuckerspiegel extrem hoch werden (und können sogar 1.000 Milligramm pro Deziliter [mg/dl] oder 55,5 Millimol pro Liter [mmol/l] Blut übersteigen). Derart stark erhöhte Blutzuckerspiegel führen dazu, dass der Betroffene große Mengen an Urin abgibt. Das bewirkt schließlich eine schwere Dehydratation. Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes produziert der Patient jedoch normalerweise ausreichend Insulin, um zu verhindern, dass der Körper Ketone bildet und eine diabetische Ketoazidose entwickelt. Aufgrund der Dehydratation und des hohen Blutzuckerspiegels steigen der Natriumspiegel im Blut und die Werte anderer Substanzen jedoch ebenfalls an, wodurch das Blut des Patienten auffällig konzentriert ist (hyperosmolar). Daher wird dieser Zustand hyperosmolarer hyperglykämischer Zustand genannt.

Ursachen für einen hyperosmolaren hyperglykämischen Zustand

Ein hyperosmolarer hyperglykämischer Zustand kann aus 2 Gründen auftreten:

  • Patienten setzen ihre Diabetesmedikamente ab.

  • Eine Infektion oder andere Krankheit belastet den Körper.

Auch bestimmte Medikamente, wie Steroide (manchmal als Glukokortikoide oder Kortikosteroide bezeichnet), können den Blutzuckerspiegel anheben und zu einem hyperosmolaren hyperglykämischen Zustand führen. Medikamente, z. B. harntreibende Medikamente (Diuretika), die Menschen häufig zur Behandlung von Bluthochdruck einnehmen, können die Dehydratation verschlimmern und auf diese Weise einen hyperosmolaren hyperglykämischen Zustand auslösen.

Symptome eines hyperosmolaren hyperglykämischen Zustands

Das Hauptsymptom eines hyperosmolaren hyperglykämischen Zustands ist die Veränderung des geistigen Zustands. Diese Veränderungen können von leichter Verwirrung über Desorientierung bis hin zu Benommenheit und Koma reichen. Einige Menschen erleiden Krampfanfälle und/oder vorübergehende teilweise Lähmungen, die einem Schlaganfall ähneln. Andere Symptome, die vor der Veränderung des geistigen Zustands auftreten können, sind häufiges Wasserlassen und starken Durst.

Diagnose eines hyperosmolaren hyperglykämischen Zustands

  • Bluttests zur Messung des Glukosespiegels und der Gesamtkonzentration des Blutes (Osmolarität)

Ärzte vermuten einen hyperosmolaren hyperglykämischen Zustand, wenn Personen, bei denen sich seit kurzem eine geistige Verwirrung zeigt, einen sehr hohen Blutzuckerspiegel aufweisen. Sie bestätigen die Diagnose anhand zusätzlicher Bluttests, bei denen stark konzentriertes Blut und das Fehlen von Ketonen oder Säure im Blutkreislauf nachgewiesen wird.

Behandlung eines hyperosmolaren hyperglykämischen Zustands

  • Intravenös verabreichte Flüssigkeiten und Elektrolyte

  • Über die Vene verabreichtes Insulin

Die Behandlung des hyperosmolaren hyperglykämischen Zustands verläuft ähnlich wie die der diabetischen Ketoazidose. Die Patienten müssen ins Krankenhaus – in der Regel auf der Intensivstation – eingewiesen werden. Flüssigkeiten und Elektrolyten müssen intravenös ersetzt werden. Gewöhnlich wird auch Insulin intravenös verabreicht, damit es schnell wirkt und die Dosis anschließend angepasst werden kann. Der Blutzuckerspiegel muss langsam normalisiert werden, um plötzliche Flüssigkeitsverschiebungen im Gehirn zu vermeiden. Der Blutzuckerspiegel lässt sich tendenziell leichter kontrollieren als bei der diabetischen Ketoazidose, und Probleme mit der Azidität des Blutes sind nicht schwerwiegend.

Alkoholische Ketoazidose

Eine alkoholische Ketoazidose ist eine durch Alkoholkonsum und Hungern hervorgerufene Komplikation, die zu einer Übersäuerung des Blutkreislaufs und damit zu Erbrechen und Bauchschmerzen führt.

(Siehe auch Diabetes mellitus.)

Menschen, die während einer Gelegenheit viel Alkohol konsumieren, erbrechen häufig wiederholt und hören auf zu essen. Wenn das Erbrechen und Hungern für länger als einen Tag anhält, werden die normalen Speicher von Zucker (Glukose) der Leber aufgezehrt. Die niedrigen Glukosespeicher in Kombination mit fehlender Nahrungszufuhr führen zu einer starken Senkung des Blutzuckerspiegels. Der niedrige Blutzuckerspiegel führt zu einer verringerten Insulinausschüttung. Ohne Insulin können die meisten Zellen die Energie aus der Glukose im Blut nicht verwerten. Die Zellen benötigen jedoch diese Energie zum Überleben und wechseln zum Erhalt von mehr Energie in einen Reservemechanismus. Fettzellen werden abgebaut und bilden Verbindungen, die als Ketone bezeichnet werden. Ketone liefern den Zellen zwar Energie, können aber auch das Blut ansäuern (Ketoazidose). Diese Ketoazidose ähnelt der Ketoazidose, die bei Diabetes auftritt, mit dem Unterschied, dass anders als bei diabetischer Ketoazidose der Blutzuckerspiegel niedrig oder normal ist.

Symptome einer alkoholischen Ketoazidose

Zu den Symptomen einer alkoholischen Ketoazidose zählen:

  • Übermäßiger Durst

  • Übelkeit

  • Erbrechen

  • Bauchschmerzen

Die Atmung wird tendenziell tief und schnell. Damit versucht der Körper, den Säuregehalt des Blutes zu korrigieren. Ähnliche Symptome können bei einer Person mit einer Alkoholkrankheit aufgrund einer akuten Pankreatitis, einer Methanol- (Holzgeist) oder Ethylenglykolvergiftung (Frostschutzmittel) oder einer diabetischen Ketoazidose auftreten. Der Arzt muss zuerst diese anderen Ursachen ausschließen, bevor er die Diagnose „alkoholische Ketoazidose“ stellt.

Diagnose einer alkoholischen Ketoazidose

  • Blut- und Urintests

Ärzte gründen ihre Diagnose auf den charakteristischen Symptomen und deren Bezug zu Alkoholmissbrauch in Kombination mit Labortestergebnissen, die erhöhte Konzentrationen von Ketonen und Säure im Blutkreislauf, aber normale oder niedrige Blutzuckerspiegel anzeigen.

Behandlung einer alkoholischen Ketoazidose

  • Thiamin und andere Vitamine und Mineralstoffe, die über die Vene verabreicht werden

  • Intravenös verabreichte Kochsalzlösung und Glukose

Zur Behandlung der alkoholischen Ketoazidose verabreichen Ärzte den Patienten Thiamin (Vitamin B1) über eine Vene (intravenös) und anschließend eine intravenöse Kochsalz- und Glukoselösung. Andere Vitamine und Mineralstoffe, wie Magnesium und in der Regel Kalium, werden der Kochsalzlösung hinzugefügt.

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