Übersicht über Herzinsuffizienz

VonNowell M. Fine, MD, SM, Libin Cardiovascular Institute, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft vonJonathan G. Howlett, MD, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft/überarbeitet Geändert Okt. 2025
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Bei einer Herzinsuffizienz (einem Herzversagen) kann das Herz nicht mit den Anforderungen des Körpers mithalten. Das führt zu einem verringerten Blutfluss, einer Stauung des Blutes in den Venen und in der Lunge und/oder anderen Veränderungen, die das Herz noch mehr schwächen oder versteifen können.

Eine Herzinsuffizienz kann Menschen jeden Alters treffen, sogar kleine Kinder (insbesondere, wenn sie mit einer Herzerkrankung geboren wurden). Sie tritt jedoch wesentlich häufiger bei älteren Erwachsenen auf, da diese eher zu Erkrankungen neigen, die beim Betroffenen zu einer Herzinsuffizienz (wie z. B. koronare Herzkrankheit, die den Herzmuskel schädigt) oder zu Erkrankungen der Herzklappen führen. Altersbedingte Veränderungen des Herzens führen auch tendenziell dazu, dass das Herz weniger leistungsfähig wird.

In den Vereinigten Staaten leiden etwa 6,7 Millionen Menschen an Herzinsuffizienz und jährlich treten ungefähr 1 Millionen neue Fälle auf. Weltweit leiden mehr als 64 Millionen Menschen an einer Herzinsuffizienz. Die Erkrankung wird wahrscheinlich immer häufiger auftreten, da die Lebenserwartung der Menschen zunimmt, und in einigen Ländern bestimmte Risikofaktoren für Herzerkrankungen (wie Fettleibigkeit, Diabetes, Rauchen und Bluthochdruck) immer mehr Menschen betreffen.

Herzinsuffizienz bzw. Herzversagen bedeutet nicht, dass das Herz nicht mehr schlägt. Es bedeutet, dass das Herz es nicht schafft, alle Teile des Körpers ausreichend mit Blut zu versorgen. Der Begriff Herzinsuffizienz ist jedoch sehr komplex und eine einfache Erklärung kann die vielen Ursachen, Aspekte, Krankheitsformen und Folgen nicht ausreichend beschreiben.

Die wichtigste Funktion des Herzens ist es, Blut zu pumpen. Eine Pumpe befördert Flüssigkeit von einem Ort zu einem anderen. Im Herz geschieht Folgendes:

  • Die rechte Seite des Herzens pumpt Blut aus den Venen in die Lunge.

  • Die linke Seite des Herzens pumpt Blut aus der Lunge durch die Arterien in den Rest des Körpers.

Blut wird aus dem Herzen befördert, wenn sich der Herzmuskel anspannt (als Systole bezeichnet) und in das Herz befördert, wenn sich der Herzmuskel entspannt (als Diastole bezeichnet). Eine Herzinsuffizienz entsteht, wenn sich der Herzmuskel nicht ausreichend anspannt oder entspannt, weil dieser typischerweise schwach, steif oder beides ist. Dies kann zu einer mangelhaften Durchblutung führen. Darüber hinaus kann sich Blut im Gewebe ansammeln und dort eine Stauung verursachen. Deshalb ist eine Herzinsuffizienz auch als „kongestive Herzinsuffizienz“ (von Kongestion = Blutstauung) bekannt.

Wussten Sie ...

  • Eine Herzinsuffizienz wird manchmal auch als kongestive Herzinsuffizienz bezeichnet, weil sich Blut im Gewebe ansammeln und dort zu Stauungen führen kann.

Bei einer Herzinsuffizienz kann das Herz nicht genug Blut in den Körper pumpen, um ihn ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen, die ihm über das Blut zugeführt werden. In der Folge können Arme und Beine rascher ermüden und die Nierenfunktion beeinträchtigt werden. Die Nieren filtern Flüssigkeit und Abbauprodukte aus dem Blut in den Urin. Pumpt das Herz jedoch zu schwach, können die Nieren nicht mehr richtig arbeiten und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut entfernen. In der Folge erhöht sich die Flüssigkeitsmenge im Blutkreislauf und das geschwächte Herz wird zusätzlich belastet, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Dadurch verschlimmert sich die Herzinsuffizienz noch mehr.

Formen von Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienzen können auf verschiedene Weise eingeteilt werden.

Eine Art und Weise, Herzinsuffizienzen einzuteilen, ist basierend auf dem Teil des Herzens, der betroffen ist. Obwohl eine Herzinsuffizienz sowohl die rechte als auch die linke Seite des Herzens in gewisser Weise beeinträchtigt, ist eine Seite schwerer betroffen als die andere. Daher kann man eine Herzinsuffizienz als rechtsseitige (oder rechtsventrikuläre) Herzinsuffizienz oder linksseitige (oder linksventrikuläre) Herzinsuffizienz bezeichnen. Bei der rechtsseitigen Herzinsuffizienz führt eine Blutansammlung in der rechten Seite des Herzens zu einer Schwellung, Stauung und Einlagerung von Flüssigkeit in anderen Teilen des Körpers, wie z. B. in den Beinen und in der Leber. Bei der linksseitigen Herzinsuffizienz führt eine Blutansammlung in der linken Seite des Herzens zu einer Stauung in der Lunge, wodurch die Atmung erschwert wird.

Die zweite Art und Weise, Herzinsuffizienzen einzuteilen, ist basierend darauf, wie schlecht oder gut die Pumpleistung der linken Herzkammer (linker Ventrikel) ist. Dies wird anhand der sogenannten Auswurffraktion (Ejektionsfraktion, EF) gemessen. Sie gibt die prozentuale Blutmenge an, die das Herz bei jedem Schlag herauspumpt. Eine gesunder linker Ventrikel pumpt mit jedem Herzschlag etwa 55 bis 70 Prozent des enthaltenen Blutes heraus.

Herzinsuffizienz mit verminderter Auswurffraktion (HFrEF – manchmal auch als systolische Herzinsuffizienz bezeichnet):

  • Das Herz zieht sich weniger stark zusammen und pumpt das hereingeflossene Blut nicht vollständig wieder heraus. Dadurch verbleibt mehr Blut im Herzen. Das Blut sammelt sich dann in der Lunge, den Venen oder beiden an.

Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF – manchmal auch als diastolische Herzinsuffizienz bezeichnet):

  • Das Herz ist steif und entspannt sich nicht richtig, nachdem es sich zusammengezogen hat, wodurch es sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann. Das Herz zieht sich korrekt zusammen, sodass es eine normale Menge Blut aus den Herzkammern (Ventrikeln) herauspumpen kann. Aber die Gesamtmenge an herausgepumpten Blut kann zu niedrig sein. Bei einem steifen Herzen wird dessen mangelnde Fähigkeit, sich mit Blut zu füllen, gelegentlich dadurch kompensiert, indem es sogar noch mehr Blut als normalerweise herauspumpt. Wie bei der systolischen Herzinsuffizienz staut sich das zum Herzen zurückfließende Blut jedoch schließlich in der Lunge oder den Venen.

Eine Herzinsuffizienz mit geringgradig eingeschränkter linksventrikulärer Auswurffraktion (HFmrEF) schließt Menschen ein, deren Auswurffraktion irgendwo zwischen erhaltener und reduzierter Auswurffraktion liegt.

Eine Herzinsuffizienz mit verbesserter Auswurffraktion (HFimEF) schließt Menschen mit Herzinsuffizienz ein, deren linksventrikuläre Auswurffraktion sich im Vergleich zu einem vorherigen Wert soweit verbessert hat, dass die Auswurffraktion entweder normal oder geringgradig eingeschränkt ist.

Die dritte Art und Weise, Herzinsuffizienzen einzuteilen, ist basierend auf der Schwere der Symptome, die die Herzinsuffizienz verursachen. Ein solches Klassifizierungssystem ist das System der New York Heart Association. Bei dieser Klassifizierung werden verschiedene Aktivitätsgrade verwendet, um die Auswirkung der Symptome auf Herzinsuffizienz-Patienten zu verstehen.

Schließlich kann die Herzinsuffizienz als „akut“ (neu auftretende Herzinsuffizienz oder kurzfristige Verschlechterung einer bestehenden Herzinsuffizienz) und „chronisch“ (langfristig) eingeteilt werden.

Herzinsuffizienz: Probleme beim Pumpen und Füllen

Normalerweise dehnt sich das Herz, wenn es sich mit Blut füllt (Diastole), danach zieht es sich zusammen, um das Blut herauszupumpen (Systole). Die wichtigsten Pumpkammern des Herzens sind die Ventrikel.

Zu einer systolischen Herzinsuffizienz (mit verringerter Auswurffraktion) kommt es in der Regel, weil sich das Herz nicht normal zusammenziehen kann. Es füllt sich zwar mit Blut, kann aber wegen der Schwäche des Herzmuskels oder wegen einer Herzklappenfehlfunktion nicht mehr die gesamte Menge herauspumpen. Als Folge erhalten Körper und Lunge eine verminderte Blutmenge, und der Ventrikel vergrößert sich in der Regel.

Es kommt zu einer diastolischen Herzinsuffizienz (mit erhaltener Auswurffraktion), weil sich der Herzmuskel (insbesondere der linke Ventrikel) versteift und sich möglicherweise verdickt; deshalb kann sich das Herz nicht mehr ausreichend mit Blut füllen. Das Blut bleibt dann im linken Vorhof und in den Blutgefäßen der Lunge zurück und verursacht eine Blutstauung. Bei einer diastolischen Fehlfunktion ist das Herz möglicherweise noch fähig, eine normale Menge Blut wieder herauszupumpen, aber die insgesamt herausgepumpte Menge ist möglicherweise geringer, da sich das Herz nicht normal gefüllt hat.

Die Herzkammern enthalten immer etwas Blut, jedoch kann mit jedem Herzschlag unterschiedlich viel Blut in die Kammern hinein oder wieder herausfließen. Dies wird durch die Dicke der Pfeile verdeutlicht.

Tabelle

Reaktion des Körpers auf eine Herzinsuffizienz

Der Körper hat verschiedene Möglichkeiten, eine Herzinsuffizienz auszugleichen.

Hormonelle Reaktionen

Die erste Reaktion des Körpers auf Stress, auch solcher aufgrund von Herzinsuffizienz, ist die Ausschüttung sogenannter Kampf-oder-Flucht-Hormone, Epinephrin (Adrenalin) und Norepinephrin (Noradrenalin). Wenn beispielsweise bei einem Herzinfarkt das Herz geschädigt wird, setzt der Körper sofort die obigen Hormone frei. Epinephrin und Norepinephrin lassen das Herz schneller und kräftiger pumpen. Die ausgepumpte Blutmenge (Auswurffraktion) vergrößert sich dadurch, manchmal sogar bis zum Normalmaß, und die verringerte Pumpleistungsfähigkeit des Herzens zumindest anfänglich ausgeglichen wird.

Bei Menschen ohne Herzerkrankung reicht es gewöhnlich, wenn diese Hormone vorübergehend das Herz zur Mehrarbeit anregen. Bei einer chronischen Herzinsuffizienz wird jedoch ein ohnehin geschädigtes Herz durch die Hormone zusätzlich angetrieben. Mit der Zeit reagiert das Herz aber auch auf die Hormone nicht mehr, was zu einer weiteren Verschlechterung der Herzfunktion führt.

Nierenreaktionen

Ein weiterer wichtiger Mechanismus zum Ausgleich des verringerten Blutflusses bei einer Herzinsuffizienz besteht darin, mehr Salz und Wasser in den Nieren zu speichern. Die Speicherung von Salz und Wasser anstelle des Ausscheidens in den Urin erhöht das Blutvolumen in den Gefäßen und hält so den Blutdruck stabil. Die größere Blutmenge dehnt aber auch den Herzmuskel; dadurch vergrößern sich die Herzkammern, insbesondere die Ventrikel. Je weiter der Herzmuskel gedehnt ist, desto stärker zieht er sich zusammen, was die Herzfunktion anfänglich verbessert. Sobald jedoch ein gewisser Dehnungsgrad erreicht ist, wirkt sich die Dehnung nicht mehr positiv aus, sondern verringert die Kontraktionskraft des Herzens (wie bei einem überdehnten Gummiband). Als Folge davon verschlimmert sich die Herzinsuffizienz. Darüber hinaus erhöht die Einlagerung von Salz und Wasser die Flüssigkeitseinlagerung in den Organen wie der Lunge, was zu einer Verschlimmerung der Symptome der Herzinsuffizienz führt.

Vergrößerung des Herzens

Darüber hinaus können sich auch die Muskelwände der Ventrikel vergrößern (ventrikuläre Hypertrophie). Wenn das Herz stärker arbeiten muss, verstärken sich die Herzwände und werden dicker, ähnlich wie sich Muskeln durch ein Krafttraining vergrößern. Zunächst kann das Herz die Menge an Blut, die es in den Körper pumpt (Herzzeitvolumen), durch die Vergrößerung aufrechterhalten. Das vergrößerte und/oder verdickte Herz wird jedoch schließlich steif, was zu einer Herzinsuffizienz führt oder diese verschlimmert. Außerdem kann die Vergrößerung des Herzens die Herzklappenöffnungen so weit dehnen, dass die Klappen undicht werden oder auf andere Weise nicht mehr richtig funktionieren (Regurgitation), was zu noch mehr Problemen beim Pumpen von Blut führt.

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