Herztransplantation

VonNowell M. Fine, MD, SM, Libin Cardiovascular Institute, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft vonJonathan G. Howlett, MD, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft/überarbeitet Geändert Okt. 2025
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Unter einer Herztransplantation versteht man die Entnahme eines gesunden Herzens eines vor Kurzem verstorbenen Spenders und die Verpflanzung dieses Herzens in den Körper des Patienten, der an einer schweren Herzkrankheit leidet, die nicht mehr wirksam mit Medikamenten oder anderen Operationen behandelt werden kann.

(Siehe auch Übersicht über die Transplantation.)

Herztransplantationen bleiben Menschen mit einer der folgenden Erkrankungen vorbehalten, die mit Medikamenten oder anderen Operationen nicht mehr effektiv behandelt werden können:

Herztransplantationen können bei Personen mit einer schwerwiegenden pulmonalen Hypertonie (Bluthochdruck in den Lungenarterien), die auf keine medikamentöse Behandlung anspricht, nicht durchgeführt werden. Sie wären wahrscheinlich Kandidaten für eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation.

Einige medizinische Zentren verfügen über Herzmaschinen, die Menschen bis zum Finden eines passenden Spenderherzens über Wochen oder Monate am Leben erhalten können. Außerdem verwendet man implantierbare künstliche Herzen (sogenannte ventrikuläre Herzunterstützungssysteme oder VADs [ventricular assist devices]), die Blut in den Rest des Körpers pumpen, um für Patienten die Zeit zu überbrücken, bis ein Herz verfügbar ist, oder sie kommen bei Patienten zum Einsatz, die kein Kandidat für eine Herztransplantation sind.

Die meisten Empfänger von Spenderherzen können nach der Transplantation besser Sport treiben und Alltagsaktivitäten nachgehen, als vor dem Eingriff. Viele Empfänger arbeiten anschließend wieder Vollzeit. Ungefähr 90 Prozent der Empfänger eines Spenderherzens überleben mindestens 1 Jahr lang.

Spender

Alle gespendeten Herzen stammen von kürzlich Verstorbenen. Spender müssen unter 70 Jahren sein und dürfen keine koronare Herzkrankheit oder weitere Herzkrankheiten aufweisen. Die Blutgruppe und Herzgröße des Spenders und Empfängers müssen außerdem übereinstimmen.

Spenderherzen müssen in der Regel innerhalb von 4 bis 6 Stunden transplantiert werden.

Verfahren bei einer Herztransplantation

Sowohl Spender als auch Empfänger unterziehen sich einer Voruntersuchung (Screening) vor der eigentlichen Transplantation. Diese Voruntersuchung wird durchgeführt, um sicherzustellen, dass das Organ gesund genug für die Transplantation ist und dass der Empfänger keine Erkrankungen hat, die einer Transplantation im Weg stehen würden.

Durch einen Schnitt in der Brust wird der größte Teil des geschädigten Herzens entnommen, lediglich die Hinterwand einer der beiden Vorhöfe (Atrien) bleibt erhalten. Das Spenderherz wird anschließend mit den verbliebenen Teilen des Empfängerherzens verbunden.

Eine Herztransplantation dauert ca. 3 bis 5 Stunden. Danach bleibt der Patient meist noch 7 bis 14 Tage im Krankenhaus.

Medikamente zur Hemmung des Immunsystems (Immunsuppressiva) werden am Tag der Transplantation eingeleitet. Sie können dabei helfen, das Risiko einer Abstoßung des transplantierten Herzens zu senken.

Komplikationen bei einer Herztransplantation

Eine Transplantation kann verschiedene Komplikationen auslösen.

Die meisten Todesfälle nach einer Herztransplantation sind auf Infektionen oder Abstoßungen zurückzuführen, die kurz nach der Operation auftreten.

Abstoßung

Selbst wenn die Gewebetypen sehr gut übereinstimmen, werden im Gegensatz zu transfundiertem Blut transplantierte Organe für gewöhnlich abgestoßen, wenn nicht zur Vorbeugung gegen solch eine Reaktion bestimmte Maßnahmen ergriffen werden. Eine Abstoßung ist die Folge eines Angriffs des Immunsystems des Empfängers auf das transplantierte Organ, das das Immunsystem als Fremdkörper ansieht. Eine Abstoßung kann leicht und einfach kontrollierbar oder schwerwiegend sein, was zu einer Zerstörung des Organs führt.

Immunsuppressiva sind Medikamente, die das Immunsystem blockieren oder die Immunantwort verlangsamen. Sie müssen angewendet werden, um eine Abstoßung des Herztransplantats zu verhindern.

Eine Abstoßung, wenn sie auftritt, kann zu Schwäche und einem schnellen oder anderweitig abnorm verändertem Herzrhythmus führen. Kommt es zu einer Abstoßung, kann das transplantierte Herz nicht richtig funktionieren. Dies führt zu niedrigem Blutdruck und der Ansammlung von Flüssigkeiten in den Beinen und gelegentlich auch im Bauchraum, was zu einer Schwellung führt, die auch Ödem genannt wird. Ebenso kann sich Flüssigkeit in den Lungen ansammeln, was zu Atemproblemen führt. Die Abstoßungsreaktion ist jedoch häufig leichter Natur. In solchen Fällen treten möglicherweise keine Symptome auf, allerdings lassen sich im Elektrokardiogramm Veränderungen in der elektrischen Herzaktivität nachweisen.

Bei Verdacht auf eine Abstoßung wird für gewöhnlich eine Biopsie durchgeführt. Hierzu wird durch einen kleinen Einschnitt im Hals ein Katheter in eine Halsvene eingeführt und zum Herzen vorgeschoben. Mit einer Vorrichtung am Ende des Katheters wird aus dem Herzen eine winzige Gewebeprobe entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht. Da die Auswirkungen einer Abstoßung schwerwiegend sein können, führen die Ärzte möglicherweise einmal im Jahr eine Biopsie durch, um zu sehen, ob eine symptomlose Abstoßung stattfindet.

Transplantatbediente Atherosklerose

Ungefähr 30 Prozent aller Herztransplantatempfänger entwickeln eine Atherosklerose (Arterienverkalkung) in den Herzkranzgefäßen.

Wenn Ärzte den Patienten auf eine Abstoßung hin untersuchen, untersuchen sie ihn auch auf eine transplantatbedingte Atherosklerose. Sie wenden dazu Belastungstests und eine Koronarangiographie an.

Die Behandlung umfasst Medikamente zur Senkung des Lipidspiegels (Fettspiegels) im Blut und eine sorgfältige medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks.

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